{"id":20657,"date":"2014-01-05T00:01:22","date_gmt":"2014-01-04T23:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=20657"},"modified":"2022-02-23T13:18:03","modified_gmt":"2022-02-23T12:18:03","slug":"brombeergluck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/05\/brombeergluck\/","title":{"rendered":"Brombeergl\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Ein Sonettband von Ralf Meyer und Werner Makowski<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Cover-Meyer-Makowski.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-20659\" title=\"Cover Meyer Makowski\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Cover-Meyer-Makowski-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Cover-Meyer-Makowski-198x300.jpg 198w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Cover-Meyer-Makowski.jpg 428w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a>Es gibt sie noch, und angesichts eines sich an seinem eigenen Gehechel gern \u00fcberkullernden Literaturbetriebs wirken sie oft wie ein Wunder: anspruchsvolle, leuchtende Gedichte, die den Spagat zwischen den Zeiten wagen, der Gegenwartskultur in eine zeitlose W\u00fcrde helfen, ohne ihr um des Auffallens um jeden Preis willen gedrechselte H\u00f6rner aufzusetzen. Mit ihren \u201eSonetten bei den Brombeeren\u201c ist es Ralf Meyer und Werner Makowski gelungen, die H\u00f6he ihres jeweiligen Tons mit der Eing\u00e4ngigkeit sch\u00f6ner und frappierender Verse in eine Waage zu bringen, wie sie in der momentanen Lyrikszene ihresgleichen sucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fernab jedes unn\u00f6tigen Wortgekr\u00fcmels findet sich auf 80 Seiten nicht allein das Zeugnis einer Freundschaft in Form eines \u201aZweidichterbuchs\u2018, es werden zugleich auf eine so kluge wie unnachahmliche Weise die Geschichten zweier Lieben erz\u00e4hlt, die sich in den Gebresten der Jetztzeit auf der Suche nach Halt und Sinn zu bew\u00e4hren haben. Beiden Autoren stehen daf\u00fcr jeweils 22 Texte zur Verf\u00fcgung, die einmal Bogen, Schwebe, aber auch Feuerproben einer Beziehung beschreiben. Dezent und zugleich altmeisterlich mit Aquarellen von Frank Hauptvogel bebildert, ergibt sich so in der Synthese der drei beteiligten Handschriften ein literarisches, nicht zuletzt auch ein verlegerisches Kleinod.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Auftakt, aufgrund dessen dieses Buch entstand, ist dabei so einleuchtend wie reizvoll \u2013es entspringt der Vision eines ihrer Verfasser: \u201eIm Traum f\u00fcgte sich zusammen, was bei wachem Bewu\u00dftsein getrennt bleibt. Ich befand mich in einer <em>Bibliothek der Zukunft<\/em>. Ich zog einen schmalen Band Gedichte aus einem Regal. \u201aAnonymus \u2013 Die Brombeer-Sonette\u2018 stand auf dem Umschlag. Ich \u00f6ffnete das Buch und las die erste halbe Zeile des ersten Gedichts.\u201c Die Verse des Traums, im Zustand der Wachheit nicht festzuhalten, mussten nachgebildet werden: ein Unterfangen, auf das sich Meyer und Makowski verst\u00e4ndigten und das sie \u00fcber eine Reihe von Jahren besch\u00e4ftigen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von 2003-2012 entstanden die Texte, Frank Hauptvogel stieg in die Arbeit 2011 ein, sein Beitrag bildet eine Auswahl aus einer Vielzahl Bl\u00e4tter. W\u00e4hrend sich Meyer in seinem Part mit der Erf\u00fcllung der anspruchsvollen Form in den klassischen Ma\u00dfen des romanischen wie des Shakespeare-Sonetts \u00fcbt, hat Makowski f\u00fcr seinen Umgang mit dem K\u00f6nigsgedicht eine eigene Form entwickelt \u2013 seine Texte variieren die formalen Vorgaben und erzeugen so eine neue Facette des \u2013 inhaltlich wie metrisch \u2013 vorgegebenen Dreiklangs, spielerisch und ernst in einem. Vom Erfolg und der Kraft des Zusammenklingens befl\u00fcgelt, verabredeten die drei ein weiteres Buchprojekt, das mittlerweile entsteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rede in diesem beeindruckenden Texten, die sich gro\u00dfen Vorbildern schulen, ist dabei sowohl vom Erwachen wie vom Erhalten der Liebe; Leichtes und Frivoles schlagen dabei einen Kreis wie auch die Sichtung der Furcht vorm Verlust, der Nicht-Erf\u00fcllung der Tr\u00e4ume. Dem Verlust des Ertr\u00e4umten wird etwa das Halten des Erreichten entgegengesetzt, ohne damit ins Schrebergartenhafte abzugleiten; die Welt der Gegenwart wird nach ihrer Tauglichkeit gewogen, das Bestehen auf Hoffnung und \u201aedle Gr\u00f6\u00dfe\u2018 gepr\u00fcft. Die Pole werden im Ma\u00df gehalten und gleichen sich aus, das Korsett dieses Sprechens bietet ein Ger\u00fcst in ungewissen Jahren wie Raum f\u00fcr Desillusion (\u201eDas Wesen dieser Zeit macht uns verdrossen\u201c), ohne von der gro\u00dfen Voraussicht f\u00fcrs K\u00fcnftige (\u201eZum Beispiel fordern wir das Gl\u00fcck f\u00fcr alle!\u201c) zu lassen. Das Sonett, das den \u201agoldenen Schnitt\u2018 versinnbildlicht, hebt in seinem Dreischritt die Zeit-Anbrandung auf, zugleich befindet es sich und bewegt sich doch\u00a0 folgerichtig in der \u00c4ra, in der es seinen Niederschlag hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ber\u00fchrt und verwundert, wie souver\u00e4n beide Dichter das fordernde Sonett-Ma\u00df in die Gegenwart transferieren und gleichsam eine Einladung an alle Liebenden und Schreibenden aussprechen, sich selbst in \u201aBrombeersonetten\u2018 zu versuchen. Ausgehend von jenem Traum, der den ersten Vers des Buches gibt (\u201eWann Sommer ist? Wenn man nicht schlafen kann\u201c), haben Ralf Meyer und Werner Makowski ein Buch vorgelegt, das durch Liebe gehalten ist und, bei aller Zumutung, auf Sch\u00f6nheit besteht. Eine weniger \u201averdrossene\u2018 Zeit h\u00e4tte daf\u00fcr l\u00e4ngst den Ehren-Titel \u201eGedichtband des Jahres\u201c vergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0***<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sonette bei den Brombeeren<\/strong> von Ralf Meyer \u00b7 Werner Makowski. Mit achtzehn Aquarellen von Frank Hauptvogel. Mitteldeutscher Verlag 2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_99806\" style=\"width: 224px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-99806\" class=\"wp-image-99806 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Andre\u0301-Schinkel.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"272\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Andre\u0301-Schinkel.jpg 214w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Andre\u0301-Schinkel-160x203.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><p id=\"caption-attachment-99806\" class=\"wp-caption-text\">Andr\u00e9 Schinkel, portr\u00e4tiert von J\u00fcrgen Bauer<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Lesen Sie auch das KUNO-Portr\u00e4t des Lyrikers\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel.<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Sonettband von Ralf Meyer und Werner Makowski &nbsp; Es gibt sie noch, und angesichts eines sich an seinem eigenen Gehechel gern \u00fcberkullernden Literaturbetriebs wirken sie oft wie ein Wunder: anspruchsvolle, leuchtende Gedichte, die den Spagat zwischen den Zeiten wagen,&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/05\/brombeergluck\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":40,"featured_media":99806,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1446,1447],"class_list":["post-20657","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-ralf-meyer","tag-werner-makowski"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20657","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/40"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20657"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20657\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99864,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20657\/revisions\/99864"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99806"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20657"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20657"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20657"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}