{"id":19864,"date":"2011-07-07T00:01:19","date_gmt":"2011-07-06T22:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19864"},"modified":"2021-10-26T13:34:14","modified_gmt":"2021-10-26T11:34:14","slug":"schr-r-r-ing","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/07\/07\/schr-r-r-ing\/","title":{"rendered":"Schr \u2013 r \u2013 r \u2013 ing"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4re dieses Buch eine Posse, \u2013 zu welcher Voraussetzung \u00fcbrigens gar kein Grund da ist, denn sonst k\u00f6nnten Jedermanns Leben und Meinungen ebenso gut als Posse angesehen werden, \u2013 so w\u00fcrde mit dem vorigen Kapitel, Sir, der erste Akt geschlossen haben, und dieses Kapitel m\u00fc\u00dfte dann so anfangen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schr \u2013 r \u2013 r \u2013 ing, \u2013 ting \u2013 teng \u2013 rong \u2013 trong \u2013 eine verdammte Geige! \u2013 Sagen Sie, ich bitte, stimm&#8216; ich oder nicht? \u2013 rong \u2013 trong \u2013 das sollen Quinten sein. \u2013 Niedertr\u00e4chtige Saiten \u2013 tr a.e.i.o.u. reng \u2013 Der Steg ist eine halbe Meile zu hoch, und der Stimmstock viel zu niedrig, sonst \u2013 rong \u2013 trong \u2013 Horch! der Ton ist gar nicht so schlecht. Didel \u2013 didel,\u00a0 didel \u2013 didel, didel \u2013 didel dum. \u2013 Vor wirklichen Kennern l\u00e4\u00dft sich schon spielen, \u2013 aber da steht dort ein Mann \u2013 nein, nicht der mit dem Packet unter&#8217;m Arm \u2013 der W\u00fcrdevolle dort im schwarzen Rock. \u2013 Zum Henker! nicht der mit dem Degen. Lieber wollte ich der Calliope selbst ein Capriccio vorspielen, als vor diesem Menschen meinen Bogen \u00fcber die Saiten ziehn; und doch will ich meine Cremoneser gegen eine Judentrompete setzen, was die gr\u00f6\u00dfte musikalische Wette ist, die noch je angeboten wurde, da\u00df ich dreihundertundf\u00fcnfzig Meilen Mi\u00dfton aus meiner Geige ziehen will, ohne da\u00df es seine Nerven im Geringsten angreift. \u2013 Quadel \u2013 didel, Quedel \u2013 didel, quiddel \u2013 didel, Quodel \u2013 didel, Quudel \u2013 didel, \u2013 rong \u2013 gong, \u2013 krink \u2013 kronk \u2013 krank. Ich bin fertig, Sir, \u2013 sehen Sie \u2013 ihm ist ganz wohl; wenn ihm jetzt Apollo selbst etwas vorspielt, so ist es ganz dasselbe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Didel \u2013 didel, didel \u2013 didel, didel \u2013 didel, hum \u2013 dum \u2013 drum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ew. Wohlgeboren und Hochehrw\u00fcrden lieben Musik, und Gott hat Ihnen allen ein gutes Ohr gegeben; einige von Ihnen spielen selbst vortrefflich \u2013 trong \u2013 grong, grong \u2013 trong.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">O! Einer ist, dem k\u00f6nnte ich tagelang zuh\u00f6ren \u2013 was er geigt, das f\u00fchlt man \u2013 er erf\u00fcllt mich mit Freude und Hoffnung und setzt die verborgensten Federn meines Herzens in Bewegung. Wenn Sie f\u00fcnf Guineen von mir borgen wollen, Sir, was gew\u00f6hnlich zehn mehr sind, als ich entbehren kann, und wenn Ihr Herren Apotheker und Schneider Eure Rechnung bezahlt haben wollt, \u2013 dann nehmt diese Gelegenheit wahr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div id=\"attachment_19943\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Gema\u0308lde-von-Joshua-Reynolds.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19943\" class=\"wp-image-19943 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Gema\u0308lde-von-Joshua-Reynolds-240x300.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Gema\u0308lde-von-Joshua-Reynolds-240x300.jpg 240w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Gema\u0308lde-von-Joshua-Reynolds.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19943\" class=\"wp-caption-text\">Laurence Sterne (1713-1768), Gem\u00e4lde von Joshua Reynolds, 1760<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut Friedrich Nietzsche war er <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19824\">Der freieste Schriftsteller<\/a>. KUNO stellt diesen Meister der Abschweifung in die Ahnenreihe der <em>Twitteratur<\/em>. Dank des Kurznachrichtendienstes Twitter ist der Aphorismus in Form des Mikroblogging eine auflebende Form. Bestand die Modernit\u00e4t der lakonischen Notate bisher in ihrer Operativit\u00e4t, so entspricht diese literarische Form im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit der Denkgenauigkeit der Sp\u00e4tmoderne. Es ist <em>Twitteratur<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; W\u00e4re dieses Buch eine Posse, \u2013 zu welcher Voraussetzung \u00fcbrigens gar kein Grund da ist, denn sonst k\u00f6nnten Jedermanns Leben und Meinungen ebenso gut als Posse angesehen werden, \u2013 so w\u00fcrde mit dem vorigen Kapitel, Sir, der erste Akt&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/07\/07\/schr-r-r-ing\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":122,"featured_media":19943,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[531],"class_list":["post-19864","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-laurence-sterne"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19864","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/122"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19864"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19864\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19864"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19864"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19864"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}