{"id":19841,"date":"2018-03-18T00:01:20","date_gmt":"2018-03-17T23:01:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19841"},"modified":"2021-01-09T12:45:18","modified_gmt":"2021-01-09T11:45:18","slug":"hobby-horse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/03\/18\/hobby-horse\/","title":{"rendered":"Hobby Horse"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Vater hatte eine kleine Lieblingsstute, die er von einem sehr sch\u00f6nen arabischen Hengste belegen lie\u00df, um von ihm ein Reitpferd f\u00fcr sich zu erzielen. Sanguinisch, wie er in all seinen Pl\u00e4nen war, sprach er nun tagt\u00e4glich von seinem Reitpferde, mit einer Sicherheit, als ob es schon gro\u00dfgezogen und zugeritten w\u00e4re, und nur noch gesattelt und aufgez\u00e4umt zu werden brauche, um bestiegen zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div style=\"width: 223px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=19841&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Gema\u0308lde-von-Joshua-Reynolds.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Gema\u0308lde-von-Joshua-Reynolds.jpg 480w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Gema\u0308lde-von-Joshua-Reynolds-240x300.jpg 240w\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"266\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Laurence Sterne (1713-1768), Gem\u00e4lde von Joshua Reynolds, 1760<\/p><\/div>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\">Laut Friedrich Nietzsche war er <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19824\">Der freieste Schriftsteller<\/a>. Laurence Sterne, der vor 250 Jahren starb, wird zu diesem Anlass mit einer gro\u00dfartigen Werkausgabe geehrt. Der irische Humorist l\u00f6ste mit seinem Roman\u00a0<em>The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman<\/em> 1759 einen Literaturskandal aus, weil der Autor alle Erz\u00e4hlkonventionen auf so k\u00fchne wie geistreiche Weise auf den Kopf stellt. Leben und Ansichten Tristram Shandys\u201c werden im Lauf der Handlung (?) aber kaum zum Gegenstand des Romans, sondern vielmehr die Ehefreuden seiner Eltern und das Liebesleben seines Onkels Toby.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Der Verfasser des \u201aTristram Shandy\u2018 zeigt uns die verborgensten Tiefen der Seele; er \u00f6ffnet eine Luke der Seele, erlaubt uns einen Blick in ihre Abgr\u00fcnde, Paradiese und Schmutzwinkel und l\u00e4\u00dft gleich die Gardine davor wieder fallen.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Heinrich Heine<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch ist eine ebenso wilde wie witzige Abschweifung \u00fcber Ausschweifungen, Philosophie sowie \u00fcber Familien-, Kunst- und Kriegsgeschichte in der Tradition von Rabelais und Cervantes. Als Romanheld bringt es Tristram Shandy nur bis zur ersten Hose, die den Kleinen damals im Alter von vier bis f\u00fcnf Jahren angezogen wurde. Daf\u00fcr beginnt seine Karriere fr\u00fcher als gewohnt,\u00a0 gleich mit der Zeugung. Als Erz\u00e4hler\u00a0 f\u00fchrt er ein \u00fcberm\u00fctiges Eigenleben, und trotz seinem b\u00f6sen Husten ist er kein Griesgram. Er setzt sich die Narrenkappe auf, rei\u00dft hier ein Kapitel heraus, weil es so gut sei, dass alle anderen dagegen abfielen, l\u00e4\u00dft dort eine Seite frei, damit der Leser darauf ein Bild seiner Geliebten malen kann; verh\u00f6kert mittendrin die Widmung des Werkes meistbietend, verstrickt sich stehenden Fusses in monstr\u00f6se Abschweifungen, setzt die buntesten fremden Textflicken ein und stellt immerzu die Chronologie auf den Kopf. Jede Linearit\u00e4t der Erz\u00e4hlung ist aufgek\u00fcndigt; daf\u00fcr werden wir st\u00e4ndig auf den Prozess, den Moment des Schreibens verwiesen. Das Medium ist die Botschaft. Seine Vorbilder sind Rabelais, Erasmus, Montaigne oder Burton. Die Diatribe des Letzteren gegen die grassierende Unsitte des Plagiats hat er wortw\u00f6rtlich: plagiiert. Kein Wunder, da\u00df ihn viele experimentierfreudige Romanciers der Moderne und Postmoderne als Ahnherrn betrachten. Neben dem Rolls Joyce und Beckett sicher ein Fixstern am Literaturhimmel.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Auch heute noch, nachdem er sich 200 Jahre in der Lesewelt befindet, gilt von Laurence Sternes \u201aThe Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman\u2018 das Urteil, da\u00df es zu den 10 gr\u00f6\u00dften B\u00fcchern geh\u00f6re, die bisher in englischer Sprache geschrieben worden sind.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Arno Schmidt<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum 250. Todestag von Laurence Sterne hat der Berliner Galiani Verlag eine\u00a0 \u00dcberarbeitung von Michael Walters Sterne-\u00dcbersetzungen als feine <a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/laurence-sterne\/laurence-sterne-werkausgabe-in-3-baenden.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Werkausgabe<\/a> ver\u00f6ffentlicht. In den 1760er Jahren sorgte Sterne in London mit seinen s\u00fcffisant-frivolen Werken f\u00fcr\u00a0 Aufsehen, <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/!5489331\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erkl\u00e4rt<\/a> Sylvia Prahl in der <i>taz<\/i>:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Er war ein &#8222;Salonl\u00f6we, der sich um Gattungskonventionen des sich gerade eben etablierenden Romans nicht scherte, Leser mit seitenlangen Satzgirlanden selbst zum Abschweifen verf\u00fchrt, und dessen eigent\u00fcmliche Interpunktion eine weitere Geschichte erz\u00e4hlt &#8211; wenn man sie h\u00f6ren will.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Werner von Koppenfels <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/ein-europaeischer-geist-und-so-very-english-ld.1362429?reduced=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">f\u00fchrt<\/a> in der <i>NZZ<\/i> aus: &#8222;Paradoxie, die durch Humor beglaubigte Koexistenz des Unvereinbaren, war Sternes literarisches Lebenselement. Zartheit und Zynismus, geistiger H\u00f6henflug und kreat\u00fcrlicher Absturz, Spiel und Tod sind im &#8218;Tristram Shandy&#8216; wie in der &#8218;Empfindsamen Reise&#8216;, zwei Texten aus einem Guss, aufs Engste benachbart.&#8220; F\u00fcr die <i>FAZ<\/i> bespricht J\u00fcrgen Kaube die Galiani-Ausgabe und freut sich besonders \u00fcber Sternes Briefe. <i>Deutschlandfunk<\/i> <i>Kultur<\/i> bietet Michael Langers &#8222;Lange Nacht&#8220; \u00fcber Laurence Sterne <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/eine-lange-nacht-ueber-laurence-sterne-der-erfinder-des.1024.de.html?dram:article_id=413196\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zum Nachh\u00f6ren<\/a>.<\/p>\n<h3 class=\"booktitle\"><\/h3>\n<p><strong>Leseempfehlung <\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<div class=\"smaller\" style=\"text-align: justify;\">Tristram Shandy &#8211; Empfindsame Reise, Tagebuch des Brahmanen, Satiren, kleine Schriften &#8211; Briefe von Laurence Sterne, Galiani Verlag Berlin, Berlin 2018<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Mein Vater hatte eine kleine Lieblingsstute, die er von einem sehr sch\u00f6nen arabischen Hengste belegen lie\u00df, um von ihm ein Reitpferd f\u00fcr sich zu erzielen. Sanguinisch, wie er in all seinen Pl\u00e4nen war, sprach er nun tagt\u00e4glich von seinem&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/03\/18\/hobby-horse\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":122,"featured_media":19943,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[531],"class_list":["post-19841","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-laurence-sterne"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19841","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/122"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19841"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19841\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19841"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19841"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19841"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}