{"id":1949,"date":"2003-03-13T00:01:04","date_gmt":"2003-03-12T23:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1949"},"modified":"2024-05-03T10:58:09","modified_gmt":"2024-05-03T08:58:09","slug":"the-breuer-essayist","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/03\/13\/the-breuer-essayist\/","title":{"rendered":"The Breuer, Essayist"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Michael Gratz, ein G\u00f6nner der Verschreibkunst, k\u00fcndigte den Lyriker Theo Breuer in der <a href=\"http:\/\/lyrikzeitung.com\/\">Lyrikzeitung<\/a> in seiner Funktion als Essayist als THE Breuer an. Wir sind froh, da\u00df dieser Kenner der deutschsprachigen Literatur bei <em>kulturnotizen<\/em> den ein oder anderen Essay geschrieben hat und uns trotz der hoch gehandelten Abl\u00f6sesummen nach Saisonende nicht gen Arsenal verlassen will. Das existenzielle Schreiben kann man bei The Breuer als moralische Selbstbehauptung beschreiben, wie sich auch z.B.\u00a0 Michel de Montaignes R\u00fcckzug in sein offenes Projekt der \u00bbEssais\u00ab sieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Montaigne.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1950\" title=\"Montaigne\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Montaigne-239x300.jpg\" alt=\"\" width=\"239\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Montaigne-239x300.jpg 239w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Montaigne.jpg 479w\" sizes=\"auto, (max-width: 239px) 100vw, 239px\" \/><\/a>The Breuer tr\u00e4gt damit zur Ehrenrettung einer Gattung bei. Leitartikel sind nicht ohne. Schwieriger aber schon eine Kritik, ein historischer Aufsatz. Noch schwieriger eine Reportage. Dann kommen die Glossen, Kolumnen, das ist schon ziemliche Kunst. Der Zeitungsk\u00fcnste h\u00f6chste aber ist: der Essay. Warum?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil der Essay nichts erz\u00e4hlt und nichts bedenkt, weil er im Gegensatz zur Glosse oder Kolumne keine Pointe kennt und keine Moral von der G\u2019schicht, weil der Autor in jeder Zeile gegenw\u00e4rtig und doch am Ende zwischen den Zeilen verschwunden sein muss. Weil ein Essay ein textlicher Schwebezustand ist, ein vages Nichts, das exakt alles enth\u00e4lt: Leitartikel, Reportage, Kritik, historische Betrachtung. Ein Essay kann jede Materialschlacht wagen. Was ihn zusammenh\u00e4lt, ist nicht einmal ein roter Faden. Ihn st\u00fctzen ein paar rote Punkte vielleicht und die Haltung, der Atem dessen, der spricht. So darf ein Essay alles, was er stilistisch tr\u00e4gt. Dieser Prozess, sein Geheimnis, aus intensiver Welt- und Selbstwahrnehmung einen Text im Tone v\u00f6lligen Unbeteiligtseins herzustellen, l\u00e4\u00dft sich auf keiner Journalistenschule lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ich an Montaigne sch\u00e4tze, ist seine vorurteilsfreie Menschenbetrachtung und sein liberales Denken. Mit dem Begriff &#8218;Essay&#8216;, zu Deutsch in etwa &#8220;Versuch\u201c, distanzierte sich der Meister bewu\u00dft von der Wissenschaft, seine &#8220;Versuche&#8220; sind vielmehr von subjektiver Erfahrung und Reflexion gepr\u00e4gte Er\u00f6rterungen. F\u00fcr mich bedeutet eine geistreiche Abhandlung eine Herausforderung meiner stilistischen und gedanklichen F\u00e4higkeiten. Ich versuche mich dem Gegenstand der \u00dcberlegungen zu n\u00e4hern und ihn aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Historisches Denken ist eine vielf\u00e4ltig einsetzbare Software, die in Wirtschaft und Politik wie auch im Medien\u2013 und Kulturbetrieb ein vertieftes Verst\u00e4ndnis aktueller Probleme und Konflikte erm\u00f6glicht. Vielleicht gelingt es mir, der literarischen Kunstform des Essays eine aktuelle Variante abzugewinnen. Essays tendieren dazu edler, belesener und anspruchsvoller als Romane zu sein &#8211; es gibt kein essayistisches \u00c4quivalent zum &#8218;popul\u00e4ren Roman&#8216;. Selbst wenn sie in einem perfekt-l\u00e4ssigen Stil verfasst sind, wird man in ihnen halb verborgene Zitate oder Anspielungen finden, die dazu dienen, den schlauen Leserschichten zu schmeicheln oder sie vielleicht zu langweilen. Als \u00dcbungen des Innehaltens, der Erkundung und experimentellen Selbstmultiplizierung sind sie wie Romane &#8211; vielleicht sogar mehr. Man k\u00f6nnte sogar sagen, der Roman strebt die Qualit\u00e4t eines Essays an, und es gibt sicher nicht wenige Romanciers, die auch Essayisten waren. Man denke nur an Camus, Eliot oder Henry James, Woolf, Forster oder Orwell, oder Mann, Sartre, de Beauvoir, Weigoni oder auch bei The Breuer!<\/p>\n<div id=\"attachment_2035\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/theo-200.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2035\" class=\"wp-image-2035\" title=\"theo-200\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/theo-200.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"216\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2035\" class=\"wp-caption-text\">Photo \u00a9 Andrea Reiser 2011<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00f6glicherweise irre ich mich auch, jedoch nicht umher, eher auf dem Weg, den der gesch\u00e4tzte Montaigne beschritten hat: frei flottierend. \u00a0Die Reise geht weiter, die Schreibbewegung geht weiter, und solange das Schreiben den Tod aufschiebt, kann auch das Leben weitergehen. Vollendet ist das Werk, wenn der Essayist es losgelassen, es unvollendet hinterlassen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Ein Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer.<\/p>\n<div id=\"attachment_44595\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-image-44595 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-caption-text\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> &#8222;<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>&#8220; <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Michael Gratz, ein G\u00f6nner der Verschreibkunst, k\u00fcndigte den Lyriker Theo Breuer in der Lyrikzeitung in seiner Funktion als Essayist als THE Breuer an. 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