{"id":1889,"date":"2011-11-27T17:00:14","date_gmt":"2011-11-27T16:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1889"},"modified":"2024-09-21T07:10:06","modified_gmt":"2024-09-21T05:10:06","slug":"rheinsein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/11\/27\/rheinsein\/","title":{"rendered":"Rheinsein"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Thomas-Suder-Teppich.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1891 alignright\" title=\"Thomas Suder Teppich\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Thomas-Suder-Teppich-300x187.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"187\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Thomas-Suder-Teppich-300x187.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Thomas-Suder-Teppich-1024x641.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinen seriellen Arbeiten verwendet Thomas Suder ein bekanntes Muster, den K\u00f6rper speziell f\u00fcr m\u00e4nnliche Blicke darzubieten \u2013 um diese desto nachhaltiger zu entt\u00e4uschen: das ber\u00fchmte Ausklappbild einschl\u00e4giger Magazine in der Mitte jeden Heftes, das angeblich Teile der amerikanischen Jugend mit der Vorstellung heranwachsen lie\u00df, Heftklammern geh\u00f6rten zur erotischen Ausstattung einer nackten Sch\u00f6nen. Tr\u00e4fe dies zu, w\u00e4re es der schlagende Beweis f\u00fcr die These, wonach sich der menschliche K\u00f6rper l\u00e4ngst in seine Darstellungsformen verfl\u00fcchtigt habe. Keine Fluchtpunkte sind in Suders Arbeiten auszumachen, mit denen sich dieses Wesen noch in der richtigen Welt, zwischen Einkaufszetteln wohl und Coiffeurtermin, halten k\u00f6nnte. Wer freilich ein bi\u00dfchen genauer hinschaut, findet \u2013 sozusagen als Daseins\u2013Anker im aufgew\u00fchlten Linnen \u2013 ein St\u00fcck schwarzes Selbstausl\u00f6serkabel. Damit machte sich der K\u00fcnstler selbst zum Objekt nicht so sehr der Begierde, sondern des Traumes, der Kunst. Mag diese letzte Maskerade noch so naheliegend sein, so liest sie sich doch ein bi\u00dfchen wie eine Fu\u00dfnote zum eigenen Werk: \u201cAuch als K\u00fcnstler bin ich immer noch jemand anderes.\u201d Zur Post\u2013Postmoderne geh\u00f6rt die Vielheit der Identit\u00e4ten. Suders Bilder sind gleichsam doppelt vermittelt. Es sind Bilder \u00fcber Bilder, \u00fcber Bilder von erheblicher sozialer Reichweite allerdings und einem nicht zu untersch\u00e4tzenden Einflu\u00df auf die g\u00e4ngige Wahrnehmung jeglicher Realit\u00e4t.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kunstwerk als sichtbare Gabe, dargereicht im symbolischen Tausch, hat die unmittelbare Evidenz einer archaischen Opferhandlung. Der K\u00fcnstler wird vom Medienstar zum Produzenten von Warenfetischen. Sein Auftritt verbindet mediale Allgegenwart in Fernsehen, Internet und Regenbogenpresse mit der alten, singul\u00e4ren Realpr\u00e4senz auratischer Werke. Demzufolge vollf\u00fchrt Suders Kunst eine Zangenbewegung von Hybridit\u00e4t und Urspr\u00fcnglichkeit.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Stan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1892\" title=\"Stan\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Stan-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Stan-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Stan.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Stan Lafleur pr\u00e4sentierte in Linz, der &#8222;bunten Stadt am Rhein&#8220;, den aktuellen Stand seines Gro\u00dfprojekts\u00a0<em>rheinsein<\/em>. Mit ironisch spitzer Feder spie\u00dft er treffsicher die Eigenarten seiner Stationen auf. Eine Enttarnung provinzieller Selbstverliebtheit, von Xanten \u2013 wo alle Wege zur Tourist\u2013Information f\u00fchren \u2013 bis hin zu Schaffhausen:\u00a0<em>volle shampoonade!<\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Rheinsein ist eine komplexe neuartige literarische Hybridform um Faktisches und Fiktives zum Thema Rhein und derzeit wohl die umfassendste zusammenh\u00e4ngende, dabei stets wachsende Sammlung rheinischer Kulturgeschichte im Internet: als Weblog angelegt versammelt und kreuzt Rheinsein h\u00f6chst unterschiedliche Textsorten \u2013 und archiviert sie zugleich im Sinne von lebendiger, das hei\u00dft f\u00fcr jedermann frei und einfach zugreif-, hinterfrag- und kommentierbarer Musealisierung.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Rheinsein war gedacht als ein \u00f6ffentliches, zeitlich auf das Jahr 2009 begrenztes Recherchejournal f\u00fcr ein Versepos. Ein Jahr erwies sich als zu kurze Spanne, dem eingehenden Material auch nur ann\u00e4hernd Rechnung zu tragen. Rheinsein sammelt weiterhin, dokumentiert, mittlerweile l\u00e4\u00dft sich ohne \u00dcbertreibung behaupten: musealisiert auf einzigartige, pionierhafte Weise rheinische Kulturgeschichte in netzaffiner Form: Notizen, Eindr\u00fccke und Werke, die dem Autor w\u00e4hrend seiner Forschungs- und Geistreisen entlang der Ufer und durch die rheinische Geschichte zuflie\u00dfen, derzeit vorsichtig erweitert um (Bewegt)Bild- und Tondateien. Rheinsein nimmt seinerseits Einflu\u00df auf dieses Material, indem es teilweise bearbeitet, kommentiert und fiktionalisiert. Auf diese Weise entsteht \u00fcber die reine Dokumentation hinaus ein Mosaik, das rheinische R\u00e4ume und Zeiten aufnimmt, kaleidoskopisch zerstreut und zu ver\u00e4nderten Mustern zusammenf\u00fcgt, sprich: wieder- beziehungsweise neubelebt.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rheinsein<\/strong> von Thomas Suder und Stan Lafleur<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rheintor, Linz \u2013 Anno Domini 2011<\/strong>, Edition Das Labor 2011. \u2013 Limitierte und handsignierte Auflage von 100 Exemplaren. \u2013 Dem Exemplar 1 \u2013 50 liegt ein Holzschnitt von Haimo Hieronymus bei.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_98474\" style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-image-98474 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Rheintor-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-caption-text\">Rheintor, Photo: Klaus Krumscheid<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Einen Essay zur Rheintorreihe finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/12\/10\/rheintor-revisited\/\">hier<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":19610,\"sizeSlug\":\"large\"} -->\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/div>\r\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinen seriellen Arbeiten verwendet Thomas Suder ein bekanntes Muster, den K\u00f6rper speziell f\u00fcr m\u00e4nnliche Blicke darzubieten \u2013 um diese desto nachhaltiger zu entt\u00e4uschen: das ber\u00fchmte Ausklappbild einschl\u00e4giger Magazine in der Mitte jeden Heftes, das angeblich Teile der amerikanischen Jugend&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/11\/27\/rheinsein\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":98474,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4397,98,57],"class_list":["post-1889","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-rheintor","tag-stan-lafleur","tag-thomas-suder"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1889","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1889"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1889\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":105475,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1889\/revisions\/105475"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98474"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1889"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1889"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1889"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}