{"id":1871,"date":"2011-08-20T17:00:58","date_gmt":"2011-08-20T15:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1871"},"modified":"2024-09-21T07:06:22","modified_gmt":"2024-09-21T05:06:22","slug":"denkgitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/08\/20\/denkgitter\/","title":{"rendered":"Denkgitter"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/StegerGitter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1872\" title=\"StegerGitter\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/StegerGitter-300x184.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"184\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/StegerGitter-300x184.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/StegerGitter-1024x630.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Denise Steger versucht einer fragmentierten Welt eine neue Struktur durch Denkgitter geben. Die Flut der Bilder, die das Internetzeitalter bestimmt: Verkleinerungen und die dem entsprechende Vermehrung optischer Reize sowie die Schnelligkeit der Bild\u00fcbermittlung erfordern ein neues Sehen und ein anderes Denken, welches zuk\u00fcnftige Generationen sicher beherrschen werden. Ihre Werke brauchen dieses \u2018neue Hinsehen\u2019 als Voraussetzung f\u00fcr das Bildverst\u00e4ndnis. Stegers Kunst liegt nicht in der Beschr\u00e4nkung, sondern darin, sich der Vielfalt zu stellen. Die Tendenzen der \u2018Reduktion\u2019 in der Kunst des 20. Jahrhunderts werden von ihr zu Beginn des 21. Jahrhunderts umgekehrt: Komplexit\u00e4t wird bei dieser Artistin zur formalen und inhaltlichen Grundlage. Sie entwickelt Konzepte, in denen korrespondierende Bild\u2013 und Objektsysteme unter thematischen und pers\u00f6nlichen Aspekten ausgew\u00e4hlt und auf vielf\u00e4ltige Weise kombiniert werden. Diese T\u00e4tigkeiten erstrecken sich von kleinformatigen Zeichnungen bis zu raumgreifenden Installationen. Die Bildordnung erfolgt im \u2018freien Raum\u2019 \u2013 bestimmt durch Farbfl\u00e4chen und Linienger\u00fcste.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihren Denkgittern liegen Baugitter zugrunde, deren St\u00e4be sie teilweise herausbrach, teilweise mit Objekten und Bildern f\u00fcllte, sie mitten in einen Raum stellt oder h\u00e4ngt. Auf diese Weise ergibt sich ein durchl\u00e4ssiger Bildgrund, der alles, was im Raum geschieht und gesagt wird, sei es Musik, Literatur, Bewegung und nat\u00fcrlich den Raum selbst, in sich aufnimmt und weitergibt. Die Vielfalt der Sch\u00f6pfung in ihren Systemen und in der Verbindung von Systemen ist ein Beweggrund zur Darstellung. Individualit\u00e4t und Einzeldarstellungen treten zur\u00fcck gegen\u00fcber einer Gesamtschau jenseits der real erfassbaren Welt. Stegers Bilder und Objekte stehen nicht f\u00fcr sich selbst, sondern werden unter thematischen oder auch pers\u00f6nlichen Aspekten in gr\u00f6\u00dfere Zusammenh\u00e4nge gestellt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/peggy-neidel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1874 alignright\" title=\"peggy-neidel\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/peggy-neidel-300x213.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"213\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/peggy-neidel-300x213.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/peggy-neidel.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Wann ein Gedicht gelungen ist, l\u00e4\u00dft sich pauschal kaum mehr sagen. Eine normative Poetik ist seit 250 Jahren ein undurchsichtiges Unterfangen. Die Gedichte von Peggy Neidel sind interessant, weil sie eine Ganzheitlichkeit von sinnlicher Erfahrung und von Sprachgenauigkeit und von Welterfahrung haben. Bei ihrer polytropischen Lyrik tut sich ein Ri\u00df auf, in dem ein Abgrund sichtbar wird, in dem uns die Folgen der Aufkl\u00e4rung zur\u00fcckgelassen haben. Die Freuden des Lebens treffen auf das Leid der Geschichte. Man liest \u00fcberall Zeichen der Verg\u00e4nglichkeit, der Verlassenheit und der Bedrohung des Gew\u00f6hnlichen und h\u00e4lt erschrocken inne.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Inbegriff eines Gedichts ist ein \u201elebendiger Begriff\u201c in dem Sinne, wie Peter Hacks ihn in seinem Essay \u201eDer Sarah Sound\u201c bestimmt: Kein Merkmal seiner Bestimmung ist definitorisch konstitutiv. Deutungsvarianten tragen immer Unw\u00e4gbarkeiten in sich. Neidels Klangrede negiert die romantische Immanenzen keineswegs. Es t\u00f6nt ein von Trauerklang gef\u00e4rbtes Indiz daf\u00fcr, da\u00df hier etwas zu Ende geht, was noch nicht zu Ende gelebt, geschweige denn zu Ende gedacht war: Vom Sehnen erz\u00e4hlen ihre Gedichte. Und genau das ist es, was hier geschieht. Die Menschen sehnen sich. Diese Augenblicke des j\u00e4hen Erkennens, diese Augenblicke der Vergewisserung, da\u00df die Einsamkeit des Menschen in der Welt nicht aufhebbar ist, haben sich in ihre Gedichte eingeschrieben.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Denkgitter<\/strong> von Denise Steger, mit Peggy Neidel<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rheintor, Linz \u2013 Anno Domini 2011<\/strong>, Edition Das Labor 2011. \u2013 Limitierte und handsignierte Auflage von 100 Exemplaren. \u2013 Dem Exemplar 1 \u2013 50 liegt ein Holzschnitt von Haimo Hieronymus bei.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_98474\" style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-image-98474 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Rheintor-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-caption-text\">Rheintor, Photo: Klaus Krumscheid<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Einen Essay zur Rheintorreihe finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/12\/10\/rheintor-revisited\/\">hier<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":19610,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/strong><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Denise Steger versucht einer fragmentierten Welt eine neue Struktur durch Denkgitter geben. 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