{"id":1862,"date":"2011-07-30T17:00:37","date_gmt":"2011-07-30T15:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1862"},"modified":"2024-09-21T07:05:19","modified_gmt":"2024-09-21T05:05:19","slug":"wortkompositionen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/07\/30\/wortkompositionen\/","title":{"rendered":"Wortkompositionen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Rezitation.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1863\" title=\"Rezitation\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Rezitation-300x224.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Rezitation-300x224.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Rezitation.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ein Formerfinder trifft auf einen Allegoriensch\u00f6pfer. Als gegenseitig befruchtender Dialog zwischen bildender und lyrischer Kunst sollte man das K\u00fcnstlerbuch \u00bbPr\u00e4gnarien\u00ab verstehen. Hie\u00df es fr\u00fcher \u201dWer nicht h\u00f6ren will, muss f\u00fchlen\u201d, k\u00f6nnte man jetzt einfach behaupten \u201cWer nicht f\u00fchlend sehen will, muss lesen\u201d<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Idiosynkrasie, schrieb J\u00fcrgen Habermas in seiner &#8222;Theorie des kommunikativen\u00a0Handelns&#8220;, ist privatistisch und irrational. Letzterem zumindest scheinen\u00a0A.J. Weigoni und Haimo Hieronymus zuzustimmen, wenn sie \u00fcber ihr neues\u00a0K\u00fcnstlerbuch \u201cPraegnarien\u201d sagen, es habe nichts mit Logik zu tun.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Hieronymus mag das Individuelle des Strichs, empfindet im Glattgeb\u00fcgelten\u00a0reiner Ideenkunst beliebige Langeweile und g\u00e4hnende Austauschbarkeit.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni verachtet die Bewertungskultur der Medien. Beide Artisten wollen als\u00a0K\u00fcnstler nicht bewundert, sondern in treusorgender Ironie betrachtet werden,\u00a0ein Augenzwinkern nicht ausgeschlossen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HaimoHieronymus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2313 alignright\" title=\"HaimoHieronymus\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HaimoHieronymus-300x252.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"202\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HaimoHieronymus-300x252.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/HaimoHieronymus.jpg 712w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a>Als Formenfinder verkn\u00fcpft Hieronymus bei dem K\u00fcnstlerbuch \u201cPraegnarien\u201d\u00a0Drahtzeichnungen von formierten und deformierten Figuren mit Pr\u00e4gedrucken.\u00a0Bilder sind f\u00fcr ihn taktiler Stoff, kein abstraktes Anschauungsmaterial, das zerst\u00f6rt werden kann, um es neu zu f\u00fcgen, andere Gedanken zu\u00a0formulieren, neue Zusammenh\u00e4nge zu erschlie\u00dfen. Hieronymus zerlegt den Wert\u00a0des Authentischen und differenziert klar nach dem, was anwesend und was\u00a0anschaulich ist. Dabei entsteht ein subtiler Dialog zwischen Bild und\u00a0Betrachter, zwischen Materie und F\u00fcgung. Anstatt eines beliebigen Dekors der\u00a0Geschwindigkeit entsteht eine leise Schwingung, eine Vibration in der\u00a0Oberfl\u00e4che von Bild und Text. Diese f\u00fcgt das Bild zusammen, nicht Linien\u00a0oder Linienkonstrukte f\u00fcr sich: Sie sind eingebunden in eine Gesamtabsicht\u00a0der Komposition. Aufgel\u00f6ste Fl\u00e4chen in best\u00e4ndigem Schwingen, im Gespr\u00e4ch\u00a0mit den Lineaturen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni veranstaltet in diesen \u201cPraegnarien\u201d ein furioses Stimmenkonzert aus\u00a0Reimen und Kalauern, den T\u00fccken der deutschen Grammatik und ihren\u00a0Wortzusammen-setzungen. Es gibt in diesen Gedichten Buchstaben als etwas\u00a0H\u00f6rbares und Buchstaben als etwas Sichtbares. In der k\u00fcnstlerischen\u00a0Auseinandersetzung treffen sich Weigoni und Hieronymus regelm\u00e4\u00dfig an\u00a0der Grenzlinie, dort, wo Schrift in Zeichnung \u00fcbergeht und dort, wo der\u00a0Zeichenstift in die Notate \u00fcbergeht. Unser Visualisierungssystem benutzt\u00a0Linien, um die Dinge zu begrenzen und damit zu zeigen, dass sie da sind.\u00a0Aber wenn das System nicht wei\u00df, was etwas ist, dann kann es das auch nicht\u00a0erkennen und dir sagen, was es ist. So ergibt sich f\u00fcr den Nutzer des Buches\u00a0die Notwendigkeit der Begreifbarkeit eines Schattens<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni und Hieronymus gehen daran, dass Exotische zu vereinnahmen und das\u00a0Randst\u00e4ndige in die Lyrik des 21. Jahrhundert in Form des K\u00fcnstlerbuches\u00a0\u201dPraegnarien\u201d einzugemeinden. Ausnahmeweise gaben sie Habermas Recht, die\u00a0Exekutive einer auf den privaten Raum ausgerichteten b\u00fcrgerlichen\u00a0Distinktionsmaschinerie h\u00f6rt gemeinhin auf den Namen &#8222;Guter Geschmack&#8220;.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Praegnarien<\/strong> von Haimo Hieronymus &amp; A.J. Weigoni<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rheintor, Linz \u2013 Anno Domini 2011<\/strong>, Edition Das Labor 2011. \u2013 Limitierte und handsignierte Auflage von 100 Exemplaren. \u2013 Dem Exemplar 1 \u2013 50 liegt ein Holzschnitt von Haimo Hieronymus bei.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_98474\" style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-image-98474 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Rheintor-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-caption-text\">Rheintor, Photo: Klaus Krumscheid<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Einen Essay zur Rheintorreihe finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/12\/10\/rheintor-revisited\/\">hier<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":19610,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Formerfinder trifft auf einen Allegoriensch\u00f6pfer. Als gegenseitig befruchtender Dialog zwischen bildender und lyrischer Kunst sollte man das K\u00fcnstlerbuch \u00bbPr\u00e4gnarien\u00ab verstehen. 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