{"id":1856,"date":"2011-06-25T17:00:48","date_gmt":"2011-06-25T15:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1856"},"modified":"2024-09-21T06:53:21","modified_gmt":"2024-09-21T04:53:21","slug":"lost-books-next-generation","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/06\/25\/lost-books-next-generation\/","title":{"rendered":"Lost Books \u2013 next Generation"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/unterwasserreim.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1857 alignright\" title=\"unterwasserreim\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/unterwasserreim-173x300.jpg\" alt=\"\" width=\"173\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/unterwasserreim-173x300.jpg 173w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/unterwasserreim-592x1024.jpg 592w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/unterwasserreim.jpg 1268w\" sizes=\"auto, (max-width: 173px) 100vw, 173px\" \/><\/a><strong>Avantgarde macht Spa\u00df<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Arbeiten des K\u00fcnstlers Dietmar Pokoyski sind der Beweis daf\u00fcr, da\u00df Avantgarde auch Spa\u00df machen kann. Seine B\u00fccher kann man als Skulptur betrachten, eingebunden in eine Multi-Media-Show. Dieser Artist gestattet sich einen spielerischen Umgang mit B\u00fcchern, jenseits der herk\u00f6mmlichen Grenzen zwischen bildender Kunst und Literatur. Diese f\u00fchrte ihn gemeinsam mit Enno Stahl zur Gr\u00fcndung eines Verlags, bei dem der Name Programm wurde: KRASH. Diese Edition ist deshalb literaturgeschichtlich relevant, weil sich die Aktivisten einer allzu leichten Vernutzung widersetzten, die dem Wissen um die Form-Scharm\u00fctzel der letzten Dekaden bereits in der Oberfl\u00e4chenstruktur Rechnung tr\u00e4gt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Karteikartenkrimi<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">KRASH-B\u00fccher sind daher nicht immer B\u00fccher im herk\u00f6mmlichen Sinne: Es gibt 3-D-Lit., einen Karteikartenkrimi, Kartonromane oder den 1. Stein als Buch mit einer ISBN, ein Putzlappenbuch. Oder aber tEXtile tEXte: Literatur auf Stoff, Kopfkissen\u2013Kurzkrimis und literarische Sentenzen auf T\u2013Shirts, Unterw\u00e4sche, Jacken, Socken, Teppichen: bedruckt, aufkopiert, bestempelt, handgeschrieben, beflockt. Ein weiteres KRASH-Produkt ist die Gossenheft-Reihe, noch eine wunderbare F\u00e4lschung: <em>Die Leute denken, es ist Jerry Cotton, und merken dann, da\u00df man ihnen Literatur angedreht hat<\/em>. (WDR \u00b7 Aktuelle Stunde).<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Existenzberechtigung f\u00fcr das KRASH-Programm liegt in einer konsequenten Fortf\u00fchrung der Moderne: von Dada und Surrealismus, den Experimenten von Laut- und gerade auch visueller Poesie zur Postmoderne: ein Konzept, das\u00a0<em>nicht nur das Gewesene, sondern etwas von der M\u00f6glichkeit der Aktualisierung und eines in diesem Sinne Dar\u00fcber-Hinaus<\/em> beinhaltet, wie Karl Riha \u00fcber die kollisionsfreudigen Krachmacher aus dem Rheinland bemerkte. Eine Tradition, die von KRASH NEUE EDITION in sozial-realistischer Manier fortgef\u00fchrt wird.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/stahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1858\" title=\"stahl\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/stahl.jpg\" alt=\"\" width=\"128\" height=\"145\" \/><\/a><strong>Das ist Stahl<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sozial-realistischer Romanautor versucht Enno Stahl aus dem Kanon unserer kulturellen Denk- und Handlungsmuster, die sich vom Kapitalismus herleiten, erneut einen Skandal zu machen. Er gibt dem Zweifel und dem Fremden in der Welt eine Stimme, will nicht einfach das Bekannte und Erw\u00fcnschte handwerklich kompetent verschachteln. Stahl ist ein Erz\u00e4hler von wildbach\u00e4hnlicher Eloquenz. Bekenntnis und Befund scheinen anekdotisch, sind aber elementar. Seine Prosa lebt von einer erstaunlichen Sch\u00e4rfe der Wahrnehmung, gleichzeitig von einer ebenso erstaunlichen Ichbezogenheit. Stahl analysiert die Mittelstandsdeutschen (neudeutsch: \u203aWutb\u00fcrger\u2039!) in ihrer un\u00fcberbietbaren Mediokrit\u00e4t und pr\u00e4sentiert eine Kunstsprache mit teilweise abgehackten, repetitiven Stummels\u00e4tzen mit einer souver\u00e4nen Nonchalance. Diese Literatur kann man als eine Art Geigerz\u00e4hler zu betrachten, die die psychischen Strahlungen in einer endsolidarisierten Gesellschaft registriert. Stahl schildert mit analytischem Blick die entleerte Postmoderne, in der sich Anst\u00f6\u00dfiges mit Vision\u00e4rem vermengt, die Banalit\u00e4t mit der Schwermut. Sie ist bev\u00f6lkert von Egomanen ohne Ego, von Erotomanen ohne Eros. Dabei beschreibt er die Lebenswelt am ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert mit einer klinischen K\u00fchle und Sterilit\u00e4t, als operiere er den Patienten am offenen Herzen. Stahl konstatiert, da\u00df die Folgen der sogenannten Globalisierung auch in der rheinischen Bucht angekommen sind. Hier leben Menschen an denen alles abperlt: die Natur, Mitgef\u00fchl, Sympathie, Moral, die skrupellosen Umst\u00e4nde, unter denen ihr Reichtum entstanden ist. Diese Haltung kritisiert er. Als sozial-realistischer Romanautor will Stahl den Glauben an die Ver\u00e4nderbarkeit einer schlecht eingerichteten Welt bef\u00f6rdern.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lost Books &#8211; next Generation<\/strong> mit Dietmar Pokoyski &amp; Enno Stahl<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rheintor, Linz \u2013 Anno Domini 2011<\/strong>, Edition Das Labor 2011. \u2013 Limitierte und handsignierte Auflage von 100 Exemplaren. \u2013 Dem Exemplar 1 \u2013 50 liegt ein Holzschnitt von Haimo Hieronymus bei.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_98474\" style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-image-98474 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Rheintor-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-caption-text\">Rheintor, Photo: Klaus Krumscheid<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Einen Essay zur Rheintorreihe finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/12\/10\/rheintor-revisited\/\">hier<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":19610,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Avantgarde macht Spa\u00df Die Arbeiten des K\u00fcnstlers Dietmar Pokoyski sind der Beweis daf\u00fcr, da\u00df Avantgarde auch Spa\u00df machen kann. Seine B\u00fccher kann man als Skulptur betrachten, eingebunden in eine Multi-Media-Show. 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