{"id":1850,"date":"2011-05-14T17:00:50","date_gmt":"2011-05-14T15:00:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1850"},"modified":"2024-09-21T07:09:09","modified_gmt":"2024-09-21T05:09:09","slug":"spielerische-erkundung-des-vorhandenen-materials","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/05\/14\/spielerische-erkundung-des-vorhandenen-materials\/","title":{"rendered":"Freibank im Rheintor"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Freibank war eine Einrichtung zum Verkauf minderwertigen, aber nicht gesundheitssch\u00e4dlichen Fleisches, das in der Fleischbeschau als \u00bbbedingt tauglich\u00ab eingestuft wurde. Freibankfleisch stammte aus Schlachtung von Tieren, die eigentlich nicht f\u00fcr die Schlachtung bestimmt waren, will sagen, die beispielsweise durch Unf\u00e4lle, Notschlachtungen et cetera zu Tode gekommen waren. Die Preise waren hier durchgehend niedriger als in den \u00fcbrigen Verkaufseinrichtungen. Die Verwertung \u00e4lterer Tiere war m\u00f6glich, aber nicht die Regel, es wurden mehr j\u00fcngere Tiere verarbeitet, die verunfallt waren, oder deren tier\u00e4rztliche Behandlung sich als wirtschaftlich nicht sinnvoll darstellte. Die veterin\u00e4rmedizinischen Untersuchungen f\u00fcr Fleisch, das in der Freibank verkauft wurde, waren aber erheblich ausf\u00fchrlicher als bei allen Normalschlachtungen. Dadurch wurde es m\u00f6glich, Fleisch in hervorragender Qualit\u00e4t zu minimalem Preis in der Freibank zu erwerben. Auch die Freibank im Rheintor diente, insbesondere in einer Zeit des Mangels, der Verwertung m\u00f6glichst aller tierischen Produkte. Seit den 1970er Jahren besteht mehr und mehr ein \u00dcberangebot an Fleisch, das zu relativ g\u00fcnstigen Preisen verkauft wird. Die Freibank hatte damit ihre wirtschaftliche Basis verloren. Und in Linz am Rhein eine k\u00fcnstlerische gewonnen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Der weiche, fl\u00fcchtige Strich<\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Almuth Hickl l\u00e4\u00dft uns gleichsam durch die Bildhaut hindurch auftauchen und leibliche Pr\u00e4senz evozieren, und dar\u00fcber hinaus gibt sie dem Menschsein ein Gesicht. Der weiche, fl\u00fcchtige Strich, das im Moment eingefrorene Licht, das Antistatische ihrer Bilder belegt: das Bebende und Ruhelose der Malerei und Fotographie, das als direkter Ausdruck eines inneren Gl\u00fchens verkl\u00e4rt wurde. So homogen ihre Werkgruppen sind, so heterogen erscheint die Handschrift der Artistin, wenn man die Werkgruppen nebeneinander stellt, vielf\u00e4ltig wie das Leben selbst.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Sprachbilder am Abgrund des Unaussprechlichen<\/em><\/span><\/p>\r\n<div style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/SwantjeLichtenstein-300x241.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"241\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Ein lyrisches Ich, das alles aufs Spiel setzt<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Swantje Lichtensteins Verse sind ausdrucksstark; sie zeichnet mit Metaphern Sprachbilder in die Vorstellungen der Leser. Lichtenstein ist eine Wortverdreherin, eine Sprachspielerin am Abgrund des Unaussprechlichen, die das Gesagte und das Ungesagte, das Sagbare wie das Unsagbare jederzeit zu einem Wortwitz machen kann. Ein lyrisches Ich, das alles aufs Spiel setzt, welches vom Weltgef\u00fchl der Verlorenheit umzingelt ist und dennoch l\u00e4\u00dft sie am Rande des Schweigens die Sprache zu Wort kommen. F\u00fcr diese existenzielle Zerrei\u00dfprobe W\u00f6rter zu finden \u2013 das ist ihre Poesie.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Freibank<\/strong> von Almuth Hickl, mit Swantje Lichtenstein<\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph {\"align\":\"center\"} -->\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rheintor, Linz \u2013 Anno Domini 2011<\/strong>, Edition Das Labor 2011. \u2013 Limitierte und handsignierte Auflage von 100 Exemplaren. \u2013 Dem Exemplar 1 \u2013 50 liegt ein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Holzschnitt\">Holzschnitt<\/a> von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haimo_Hieronymus\">Haimo Hieronymus<\/a> bei.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_98474\" style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-image-98474 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Rheintor-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-caption-text\">Rheintor, Photo: Klaus Krumscheid<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Einen Essay zur Rheintorreihe finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/12\/10\/rheintor-revisited\/\">hier<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":19610,\"sizeSlug\":\"large\"} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die K\u00fcnstlerbucher sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die Freibank war eine Einrichtung zum Verkauf minderwertigen, aber nicht gesundheitssch\u00e4dlichen Fleisches, das in der Fleischbeschau als \u00bbbedingt tauglich\u00ab eingestuft wurde. 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