{"id":1842,"date":"2011-04-16T17:00:28","date_gmt":"2011-04-16T15:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1842"},"modified":"2024-09-21T07:03:24","modified_gmt":"2024-09-21T05:03:24","slug":"malschreiben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/04\/16\/malschreiben\/","title":{"rendered":"malschreiben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/linz-rh.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1845 alignright\" title=\"linz-rh\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/linz-rh-300x204.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"204\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/linz-rh-300x204.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/linz-rh.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die Malerei sei \u201estumme Poesie\u201c, die Poesie hingegen \u201eberedte Malerei\u201c, hie\u00df es im klassischen Altertum, als man \u00fcber den Wettbewerb der als verwandt betrachteten K\u00fcnste nachdachte. Birgit Jensen ist Malerin. Sie verzichtet dabei auf den manuellen Duktus des Pinsels, indem sie sich des Siebdruckverfahrens bedient, das sie zu immer gr\u00f6\u00dferen Formaten ausreizt. Jensens Bilder sind schweigsam, und doch scheinen sie zu uns zu sprechen. Unsagbar schwer aber ist es, ihre Sprache in die Sprache der Laute und Schriftzeichen zu \u00fcbersetzen. V\u00f6llig schl\u00fcssig ist daher in ihrer Arbeit die Auseinandersetzung mit K\u00fcnstlerb\u00fcchern. Das Moment zeitgebundener Subjektivit\u00e4t, das in diesem Verfahren steckt, ist augenf\u00e4llig. Es findet ein Korrektiv einzig in dem selbst wiederum schwer zu erfassenden Geist der Zeit, in der das Bild geschaffen wurde.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer Situation, wo Preisrekorde auf Auktionen regelm\u00e4\u00dfig mit k\u00fcnstlerischer Bedeutung verwechselt werden, bietet sich die Arbeit an K\u00fcnstlerb\u00fcchern als Nebenschauplatz an. K\u00fcnstler\u2013, Maler\u2013 oder eben K\u00fcnstlerb\u00fccher findet man nicht in einem Supermarkt f\u00fcr B\u00fccher. K\u00fcnstler wie Jensen sind individualistische Zeitgenossen. Weil ihre B\u00fccher so selten sind und meist nur in kleinen Auflagen erscheinen, werden diese auch als \u2018rare books\u2019 bezeichnet. Das K\u00fcnstlerbuch hat es beim Betrachter schwerer als das Bild. Man mu\u00df es aufschlagen und kann es nicht an die Wand nageln.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die K\u00fcnstlerb\u00fccher dieser Artistin sind so vielsprachig und vielschichtig wie die Sprache der modernen Kunst und \u00fcbergreifend wie die der menschlichen Kommunikation \u00fcberhaupt. Wenn diese ausgestellt werden, so handelt es sich immer um einen Kompromiss, denn das Buch will gelesen, ber\u00fchrt werden, hier mu\u00df man es allerdings schonen. Jensens K\u00fcnstlerb\u00fccher sind ein eigenst\u00e4ndiges Genre der bildenden Kunst.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Franca.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1844\" title=\"Franca\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Franca-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Franca-300x199.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Franca.jpg 680w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Wer schreibt, der kennt die Situation im Angesicht des Nichts. Der Tisch wird zu einem verkommenen Ufer. Mit dem ersten Wort auf dem leeren Papier hat man das Gef\u00fchl, man springe in den Rhein. Es ist ein langwieriger H\u00e4utungsprozesses, den das literarische Schreiben bedeutet. Das ist immer noch ein Wunder f\u00fcr Francisca Ricinski. Sie kann sich mit nichts an einen Tisch setzen, und von irgendwoher kommt dieses Etwas, das vielleicht einmal zu einem Buch wird. Schreiben ist die beste M\u00f6glichkeit, um Personen, Handlungen und Konflikte verstehen zu lernen, Motive k\u00f6nnen nur aufr\u00fchren, wenn es Motive von Fall, Flucht und Verfolgung, von Gleichg\u00fcltigkeit, Auflehnung und verfehlter Lebensgr\u00fcndung sind. Die Aufgabe der Poesie ist die Entdeckung des Typischen im Exzeptionellen. Die Wahrheit der Paradoxie steckt auch in den Texten der in Tupilati \/ Rum\u00e4nien geborenen Autorin Francisca Ricinski; sie m\u00fcssen gegen den Strich gelesen werden.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ricinskis Prosa ist raffiniert genug, seine Form nicht einfach zu behaupten, sondern auch zu zeigen, was sie \u00fcberwinden will. Wer ihren besonderen Ton sch\u00e4tzt, jene Mischung aus M\u00e4rchenankl\u00e4ngen, sprachsch\u00f6pferischem Furor, gepflegter Schnoddrigkeit und etwas manierierter Erdenschwere, der wird mit den silikonweichen Pfoten erstklassig bedient. Durchgehend erweist sie sich als Meisterin des zwar nicht d\u00fcsteren, aber doch gedr\u00fcckten Tons. Eines Stils, der traurig, aber niemals sentimental ist. In der vermeintlichen N\u00e4he zeigt sich zugleich die Ferne.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ton ihrer Kurzgeschichten ist ambivalent: H\u00e4rte, ged\u00e4mpft durch Sentimentalit\u00e4t; Grobheiten mit einer Beimischung von Herzensg\u00fcte. Dem Spiegelkabinett k\u00f6nnen wir bei Ricinski nicht entrinnen. Das es ist der Kern ihres Denkens: Vers\u00f6hnung von sich ausschlie\u00dfenden Kr\u00e4ften, sie zeigt, da\u00df die Seele mit der Zauberkraft der Kunst und der Phantasie \u00fcberleben kann.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>malschreiben<\/strong> von Birgit Jensen, mit Francisca Ricinski<\/p>\r\n<div id=\"mw-content-text\" class=\"mw-content-ltr\">\r\n<div class=\"mw-parser-output\">\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rheintor, Linz \u2013 Anno Domini 2011<\/strong>, Edition Das Labor 2011. \u2013 Limitierte und handsignierte Auflage von 100 Exemplaren. \u2013 Dem Exemplar 1 \u2013 50 liegt ein Holzschnitt von Haimo Hieronymus bei.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_98474\" style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-image-98474 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Rheintor-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-caption-text\">Rheintor, Photo: Klaus Krumscheid<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Einen Essay zur Rheintorreihe finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/12\/10\/rheintor-revisited\/\">hier<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":19610,\"sizeSlug\":\"large\"} -->\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Malerei sei \u201estumme Poesie\u201c, die Poesie hingegen \u201eberedte Malerei\u201c, hie\u00df es im klassischen Altertum, als man \u00fcber den Wettbewerb der als verwandt betrachteten K\u00fcnste nachdachte. Birgit Jensen ist Malerin. 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