{"id":18382,"date":"2013-10-11T00:10:30","date_gmt":"2013-10-10T22:10:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18382"},"modified":"2019-10-05T17:52:23","modified_gmt":"2019-10-05T15:52:23","slug":"die-gewinner-des-kuno-essaypreises-2013","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/11\/die-gewinner-des-kuno-essaypreises-2013\/","title":{"rendered":"Die Gewinner des KUNO-Essaypreises 2013"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist zumal, zumal es sich bei den ausgezeichneten Autoren um Lyrikerinnen und Lyriker handelt. Die Jury hat sich nach intensiver Beratung als Preistr\u00e4ger f\u00fcr den KUNO-Essaypreis 2013 f\u00fcr Sophie Reyer, Christine Kappe und Jan Kuhlbrodt entschieden.<\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\"> Essayistische Splitscreen\u2013Technik<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sophie Reyer geht im Essay <em>Referenzuniversum<\/em> der Frage nach, wie das Schreiben durch das schreibende Analysieren gebrochen wird. Sie gestaltet sich einen Allegorienaufmarsch mit Texteinheiten voller Schalk und Weisheit. Wie jede Schriftstellerin erschafft Reyer eine ganz eigene Wahrnehmung, eine Beobachtung, die sich sowohl aus dem kollektiven wie auch individuellen Bewu\u00dftsein speist.\u00a0Die Generation um Reyer setzt auf die Intelligenz der Menge, auf die Selbstorganisation des Schwarms, auf die Macht derer, die sich selbst erkannt und aus freien St\u00fccken miteinander verbunden haben. Es geht ihnen nicht mehr darum, dass die Einzelnen in einem grossen Ganzen vereinheitlicht werden und ihre eigenen Ideen, Geistesblitze und ihre Kreativit\u00e4t einem fertigen Weltbild unterordnen. Diese Generation kann viele werden und dabei Einzelne bleiben, die mit all ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit, Verr\u00fccktheit und mit ihrem individuellen Eigensinn dazu beitragen, die Idee einer Poesie immer wieder neu entstehen zu lassen. Reyer bricht die Idee vom objektiven Ich und vom subjektiven Ich auf und thematisiert in ihrer Poesie Verletztheit, es ist eine wohltuend unsentimentale Sichtweise auf die Welt und ihre Mechanik.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Gegenwartsliteratur l\u00e4\u00dft sich \u00fcber ihre Gegenw\u00e4rtigkeit definieren.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_18458\" style=\"width: 191px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/christine_kappe1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18458\" class=\"size-full wp-image-18458\" title=\"christine_kappe\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/christine_kappe1.jpg\" alt=\"\" width=\"181\" height=\"255\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18458\" class=\"wp-caption-text\">Christine Kappe<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christine Kappe stellt die Frage: \u201eFindet das Heute \u00fcberhaupt statt?\u201c Inspiriert durch den Literaturvermittler und gleichfalls findigen Essayisten Theo Breuer startete Kappe auf KUNO mit dem Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=2978\">Das Licht ist mein Thema, nicht der Himmel oder: Ilya Kabakov und das Licht auf meiner Posttour<\/a>. Diese Autorin wartet in ihren Essays mit skurriler Metaphorik auf. Obzwar sie Sprachwissenschaft und Geschichte studierte, wurde sie nicht verbildet. Gute Autoren erkennt man daran, da\u00df sie besser werden. Kappe exerziert auf lakonische und unterhaltsame Weise, wie ein neugieriges, zwanghaft sprachverliebtes Cham\u00e4leon Entfremdung, Fragmentierung und erneute Synthese betreibt. Ihre Essays haben die Tendenz das Ich und seinen Gegenstand zu entgrenzen und diese Entgrenzung sprachlich weiterzutreiben, sie miteinander und mit skurrilen Einzelheiten und Beobachtungen zu vermischen und einfallsreich in surreale Gebilde zu verwandeln. Diese Autorin ist eine wilde Denkerin im besten Sinne, allein sch\u00f6n wegen der gr\u00f6\u00dferen Textsammlung zu den Themen Nacht und Hannover h\u00e4tte ihr dieser Preis geb\u00fchrt. Auf die Knie ging die Jury jedoch vor der scheinbaren Einfachheit ihres preisw\u00fcrdigen Essays und stimmt der Autorin vollauf zu <em>Die Literatur wird parallel zu den neuen Medien weiterexistieren.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Der Essay bedarf keiner enzyklop\u00e4dischen Stimmigkeit, seine Suggestivkraft erlaubt es, eine Pluralit\u00e4t von Partialwelten koexistieren zu lassen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_18391\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18391\" class=\"size-full wp-image-18391\" title=\"jan-kuhlbrodt-240\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/jan-kuhlbrodt-240.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"149\" \/><p id=\"caption-attachment-18391\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #888888;\">Jan Kuhlbrodt<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz im Sinne Montaignes wagt sich Jan Kuhlbrodt an einen <em>Versuch \u00fcber Ingold<\/em>. Das Tastende dieses<em> Vermittlers<\/em> l\u00e4\u00dft sich durchweg in seinem Schreiben finden, etwa in seinem Langgedicht <em>St\u00f6tzers Lied. Gesang vom Leben danach<\/em>. Dieser Zyklus tr\u00e4gt viel Bewu\u00dftsein f\u00fcr die eigenen Quellen in sich, gelegentlich glaubt man das Faksimile-Knistern alter Amigaplatten zu h\u00f6ren. Sein Gedichtband enth\u00e4lt eine Vielstimmigkeit in der Einheit. Und es sind \u00fcberwiegend Lyriker, denen sich Kuhlbrodt essayistisch widmet. Stoische Geringsch\u00e4tzung von \u00c4u\u00dferlichkeiten, Kritik des Wissenschaftsaberglaubens und der menschlichen \u00dcberheblichkeit gegen\u00fcber anderen Naturgesch\u00f6pfen sowie Skepsis gegen\u00fcber jeglichen Dogmen kennzeichnen seine essayistischen Portr\u00e4ts. Seine trefflichsten Essays sind auch verkappte Selbstportr\u00e4ts. Dieser Au\u00dfenseiter versteht problematischen Naturen. In den Details erkennt er die Eigenwilligkeiten. F\u00fcr einen Autor, der vorgibt, die Literatur sei sein Lebensgef\u00fchl, ist das ein Triumph der Kritik \u00fcber ihren Gegenstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Man interessierte sich weniger f\u00fcrs Analytische als f\u00fcrs Anekdotische<\/em>, schreibt Kuhlbrodt etwa \u00fcber die Jahre bei der Frankfurter AStA. Ebenso wie im \u201eSchnecken\u00adparadies\u201c interessiert sich der Autor auch in seinen Essays f\u00fcr beides: daf\u00fcr, Anekdoten zu erz\u00e4hlen, ebenso wie daf\u00fcr, die Umst\u00e4nde der Anekdoten und die Erinnerung an die Anekdoten zu analysieren. Kuhlbrodt \u00fcberwindet die traditionelle deutsche Kritikfeindschaft, die schon Lessing beklagte zugunsten einer Kunstbetrachtung. Dabei \u00fcberwiegt die Reflexion und Analyse deutlich, dies geschieht jedoch nie ohne Empathie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine lobende Erw\u00e4hnung geht ausdr\u00fccklich an Dennis Ulrich, Frederik Wolfgang Kloiber, Nicoleta Craita Ten\u2019o und Lukas Wetzel, die bei der Jury ebenfalls in der engeren Auswahl standen, und deren Essays KUNO im Dezember gleichfalls auf KUNO pr\u00e4sentiert werden. Diese Autoren werden mit einem Sonderpreis bedacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist zumal, zumal es sich bei den ausgezeichneten Autoren um Lyrikerinnen und Lyriker handelt. 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