{"id":1836,"date":"2011-03-19T17:00:11","date_gmt":"2011-03-19T16:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1836"},"modified":"2024-09-21T07:01:49","modified_gmt":"2024-09-21T05:01:49","slug":"eine-basis-finden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/03\/19\/eine-basis-finden\/","title":{"rendered":"Eine Basis finden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/fundAmente.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1837\" title=\"fundAmente\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/fundAmente-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/fundAmente-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/fundAmente-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/fundAmente.jpg 1944w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Wie bei ihrem K\u00fcnstlerbuch <em>Schattenfluss<\/em> l\u00e4\u00dft sich auch die im Rheintor vorgestellte Arbeit von Stephanie Neuhaus in drei Schlagworte fassen: n\u00fcchtern, beobachtend und pointiert.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In <em>Fund a Mente<\/em> geht sie einen Schritt weiter, die Artistin nutzt Zinkplatten als Hochdruck und beschr\u00e4nkt sich konsequent auf die Trennsch\u00e4rfe zwischen Schwarz und Wei\u00df. Der Titel verweist darauf, da\u00df die Grundlagen der Betrachtung schwankend geworden sind, was \u00fcbrig bleibt, sind Schnitte und Ausschnitte. Der Betrachter konstruiert seinen Sinnzusammenhang selbst<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Unabwendbar f\u00fcr Architekturen allemal, da\u00df diese auf haltbaren Fundamenten ruhen, die nicht einfach dahingehen k\u00f6nnen. Eine statische Sicherheit finden. \u00dcber den Moment hinaus. Nach dem ersten ihrer K\u00fcnstlerb\u00fccher, die sich mit \u00e4sthetischen Untersuchungen architektonischer M\u00f6glichkeiten und Grenzen ihrer Wahrnehmung befassen, &#8222;Favelas&#8220;, schaut Stephanie Neuhaus nun unter die Geb\u00e4ude und befragt mit \u00bbFund a Mente\u00ab die wacklige Basis.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gewohnt rau und vereinfachend, entstehen auf dem Weg des Schneidens von Zinktafeln geometrische Figuren, die ganz knapp an den Gewohnheiten unserer Betrachtung vorbeischrammen, an den Oberfl\u00e4chen glatter K\u00fchle schmerzhafte Wunden hinterlassen und im Betrachter eine Vielzahl verwunderter Fragen evozieren. Da werden die Formen seltsam gestaucht, an fragw\u00fcrdigen Stellen verst\u00fcmmelt, manchmal scheinbar \u00fcberlagert. Das gebrochene Schwarz der Drucke l\u00e4\u00dft das neue K\u00fcnstlerbuch authentisch erscheinen, denn \u00fcberall k\u00f6nnten diese Br\u00fcche entstehen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Neuhaus ist mit ihrem neuen Buch ein weiterer Pflastersteinwurf gelungen, der absichtlich schmerzhaft auf die Augen zielt und wie ganz nebenbei mit Wucht trifft. Die Artistin verfolgt das Ideal eines K\u00fcnstlerbuches, sie untersucht das Wesen des Schlagschattens in ihren Schnitten. Ein Buch f\u00fcr Liebhaber der schwarzen Kunst.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Aquatik.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1838 alignright\" title=\"Aquatik\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Aquatik-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Aquatik-300x199.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Aquatik-1024x681.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Jeder, der die bisherigen Arbeiten von Haimo Hieronymus kennt, wei\u00df, da\u00df bereits der Titel &#8222;Aquatik&#8220; pure Ironie ist. Wer so ein Mi\u00dftrauen gegen\u00fcber dem Meer hat, wen es derma\u00dfen langweilt, da\u00df er vor Jahren schon auf die Frage, wie es denn an der Nordsee gewesen sei, antwortete:<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Schwaaaaap \u2013 schwaaap \u2013 schwaaap&#8220;, der kann einfach kein Buch machen, da\u00df frei ist von ironischen Sarkasmen. Bei all dem bleiben seine Texte doch auf sympathische Weise liebenswert und wollen nur ganz nebenbei abrechnen. Zuweilen entglitt seinem stoischen Gesicht ein zun\u00e4chst zaghaftes, dann aber dauerhaftes Schmunzeln der Selbstertappung. Da erkennt Hieronymus pl\u00f6tzlich, da\u00df die vielzitierte frische Meeresbrise eigentlich gar nicht so frisch riecht, wenn man nur ehrlich ist, da\u00df der Kaffee in Strandcaf\u00e9s anders als erwartet kommt \u2013 oder eben nicht; wie die lieben Mitmenschen sich pl\u00f6tzlich verhalten k\u00f6nnen und in welche Rolle man sich selber versetzt sieht.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Solange es Menschen gibt, die sich der M\u00fche unterziehen, mit Worten etwas Unkonventionelles anzustellen, mu\u00df einem nicht bange sein um ein Beobachtungsfest, wie es in \u00bbAquatik\u00ab von Hieronymus zu k\u00fcrzesten lyrischen Texten verdichtet wird. Im Anschlu\u00df an das letzte Buch \u00bbMiniaturen\u00ab ein konsequenter weiterer Schritt, und immer ein St\u00fcck daneben. Nur eine verletzte Auster produziert eine Perle: Kunst.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Konterkariert werden diese Texte von einigen kleinen Holzschnitten, die in Pariserblau gedruckt sind. Die Motive erinnern an Dinge, die man am Strand findet, die man aber doch nicht zuordnen kann. Entstanden sind die Druckst\u00f6cke vor 2005, die Texte 2009. Texte und Holzschnitte sind jeweils zu einem autonomen Buchblock gebunden und finden sich in einem eigenwilligen und haptikbetonten Holzdeckelbuch mit Stift. Dieser Artist verfolgt damit zwei Gedanken: Authentizit\u00e4t des Materials und die M\u00f6glichkeit des Fertigmachens. Die Holzdeckel des Bucheinbands stammen von einer \u00dcberseeverpackung, die zerschnitten und mit all ihren M\u00e4ngeln roh verwendet wurde. Die abschlie\u00dfende Kiste wurde aus einem ehemaligen B\u00fccherregal gefertigt und wird so zu einem Individualregal. Der Stift soll den Leser dazu anregen, zum aktiven Nutzer des Buchs zu werden, der erg\u00e4nzt, bildlich wie schriftlich, und der erst damit das Werk zu einem Ganzen macht.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Hieronymus begreift das Papier als Spannungsfeld polarer Gegens\u00e4tze, die er souver\u00e4n \u00fcberblickt. Seine Meisterschaft beruht auf seinen Kompositionen mit ihrer einzigartigen Verbindung von Form und Struktur. Jedes Buch entwickelt seine eigene Sprache, weist eine andere Technik auf, immer. Hieronymus erreicht mit seiner Arbeitsweise, da\u00df nicht nur der visuelle Sinn des Betrachters angesprochen wird, sondern die syn\u00e4sthetische Wahrnehmung.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fund a Mente<\/strong> von Stephanie Neuhaus. Haimo Hieronymus liets aus seinem neuen K\u00fcnstlerbuch <em>Aquatik<\/em>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rheintor, Linz \u2013 Anno Domini 2011<\/strong>, Edition Das Labor 2011. \u2013 Limitierte und handsignierte Auflage von 100 Exemplaren. \u2013 Dem Exemplar 1 \u2013 50 liegt ein Holzschnitt von Haimo Hieronymus bei.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_98474\" style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-image-98474 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Rheintor-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98474\" class=\"wp-caption-text\">Rheintor, Photo: Klaus Krumscheid<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Einen Essay zur Rheintorreihe finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/12\/10\/rheintor-revisited\/\">hier<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":19610,\"sizeSlug\":\"large\"} -->\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/div>\r\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie bei ihrem K\u00fcnstlerbuch Schattenfluss l\u00e4\u00dft sich auch die im Rheintor vorgestellte Arbeit von Stephanie Neuhaus in drei Schlagworte fassen: n\u00fcchtern, beobachtend und pointiert. 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