{"id":18352,"date":"2014-02-09T00:50:15","date_gmt":"2014-02-08T23:50:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18352"},"modified":"2022-02-23T05:32:39","modified_gmt":"2022-02-23T04:32:39","slug":"holle-ankunftshalle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/02\/09\/holle-ankunftshalle\/","title":{"rendered":"H\u00f6lle. Ankunftshalle"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe sehnsuchtsvoll aber auch ein wenig \u00e4ngstlich auf das Buch gewartet, die Texte kannte ich be\u00adreits aus den Fahnen, aber ich war gespannt auf die Illu\u00adstra\u00adtionen, die noch nicht fertig waren, als der Verlag mir die Fahnen schickte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/florian-voss-armageeddon-200a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-18356\" title=\"florian-voss-armageeddon-200a\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/florian-voss-armageeddon-200a.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"272\" \/><\/a>Heute war das Buch im Postkasten (endlich) und ich war erstaunt. Nicht dass ich mir im Vor\u00adfeld eine genaue Vor\u00adstel\u00adlung h\u00e4tte machen k\u00f6nnen von dem, was mich erwarten w\u00fcrde (D\u00fcsternis) und die sich jetzt best\u00e4\u00adtigte oder eben nicht, vielmehr war ich eben gespannt darauf, wie Marina Friedrich die d\u00fcsteren Sujets in Voss&#8216; Texten visuell inter\u00adpretieren w\u00fcrde. Welche Abstufungen von Schwarz es geben w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist der Illustratorin gelungen, den Texten einen heiteren Anstrich zu verleihen, ohne den Vossschen Pessimismus zu verwischen. Also fast eine Quadratur des Kreises. Aber die machen den Humor sichtbar, der in diesen Texten steckt (inne\u00adwohnt ist vielleicht der bessere Ausdruck, denn eigent\u00adlich ver\u00adsteckt er sich nicht), und den man sich durch die Bitterkeit hindurch er\u00adschlie\u00dfen muss. Im Mittel\u00adbild dr\u00e4ngt eine Menge wasser\u00adk\u00f6pfiger Gestalten in den Vordergrund, halb entschlossen halb frustriert und verschiebt dabei das Gef\u00fcge der Stadt, das ein totes ist (Mauern, Autos) das im Kosmos des Bandes gleichfalls das Welt\u00adgef\u00fcge ist, und wenn es erwacht, bev\u00f6lkern es Freaks. Neuk\u00f6lln als Zentrum und H\u00f6lle, wie jede deutsche Kleinstadt auch, das Zentrum Berlins, metro\u00adpolen\u00adfern, das ein des\u00adillusio\u00adnierter Dante durch\u00adstreift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Leser wird umsonst nach den Resten von Vers\u00f6hnung sorgen, die Autoren sonst so gern im Rinnstein ansiedeln. An diesen Kanten rinnt Abfall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit <em>In Flip Flops nach Armageddon <\/em> legt Florian Vo\u00df also seinen neuen Gedicht\u00adband vor, den zweiten im Verlagshaus J. Frank. Und dieser Band ist bev\u00f6lkert mit allem, was die zeitgen\u00f6ssische, medial gefilterte H\u00f6lle bev\u00f6lkern k\u00f6nnte. Mir sind einige Verse aus Voss&#8216; in der Lyrik\u00adedition erschienen B\u00e4nden noch im Kopf, Verse wie diese:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Verschossene Tag<br \/>\nder Himmel ist eine Palette<br \/>\nfalsch gemischter Farben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Naja immerhin Farben, wenn auch falsch gemischt. Immerhin geht der Weg dran vorbei wie an einem Ausweg aus dem Pessi\u00admismus. Aber was in vergangenen B\u00e4nden nur Anstrich war, gibt in diesem eine mani\u00adfeste Kulisse. Wird beweglich dann und Raum f\u00fcr einen furiosen Dante\u00adismus. Allerdings einen, der ohne Himmel auskommt, dessen Heerscharen als Ver\u00adsehrte in die H\u00f6lle eingegangen sind, oder sie hat sich ausge\u00adbreitet zur Allgegen\u00adwart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wir standen in der H\u00f6lle<br \/>\ndas war die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone der Stadt Kassel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem neuen Band hat Florian Voss sich also neu aufgestellt. Das hei\u00dft nicht, dass er seinen Pessimismus \u00fcber\u00adwun\u00adden h\u00e4tte, sondern er hat ihn vielmehr per\u00adfektio\u00adniert, aus seinem Pessi\u00admis\u00admus eine Welt gebaut. \u00c4hn\u00adlich dem Sph\u00e4ren\u00admodell Dantes, durch das der Re\u00adnaissance\u00addich\u00adter seinen Helden stolpern lie\u00df, hat Voss in seine H\u00f6llen\u00adstudio als Berliner Republik nach\u00adgebaut, nur eben jenen Himmel hat er weg\u00adgelas\u00adsen. Und er begegnet dem Ver\u00adsehrten, Kranken, Todgeweihten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Engel mit Krebsgeschw\u00fcren unter den Augen<br \/>\nund Stammes-T\u00e4towierungen auf den Fl\u00fcgeln<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber als gelernte Dialektiker k\u00f6nnen wir darin die Zuversicht erkennen. (Der Autor m\u00f6ge mir diesen vers\u00f6hnlichen Schluss nachsehen.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In Flip-Flops nach Armageddon<\/strong> von\u00a0Florian Vo\u00df,\u00a0Gedichte, Verlagshaus J. Frank 2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>, sowie einen Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>\u201c <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> \u201eBiby\u201c Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich habe sehnsuchtsvoll aber auch ein wenig \u00e4ngstlich auf das Buch gewartet, die Texte kannte ich be\u00adreits aus den Fahnen, aber ich war gespannt auf die Illu\u00adstra\u00adtionen, die noch nicht fertig waren, als der Verlag mir die Fahnen schickte.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/02\/09\/holle-ankunftshalle\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":99677,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[303,924],"class_list":["post-18352","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-florian-vos","tag-jan-kuhlbrodt"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18352","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18352"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18352\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99682,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18352\/revisions\/99682"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99677"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18352"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18352"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18352"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}