{"id":18021,"date":"2008-10-06T00:01:00","date_gmt":"2008-10-05T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18021"},"modified":"2021-11-02T07:21:44","modified_gmt":"2021-11-02T06:21:44","slug":"baby-blue-eyes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/10\/06\/baby-blue-eyes\/","title":{"rendered":"Baby blue eyes"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>(<span style=\"color: #999999;\">sagen wir: atemmoment \/ und du gehst \u00fcber schwerelosigkeiten wie zuf\u00e4llig\/ w\u00fchlen f\u00fc\u00dfe dir sand auf\/ feingest\u00e4ubtes das sich in der schweren luft verteilt und du perlst atem aus deinem mund der dir in den blick steigt\/ luftanhalten sagen wir: so k\u00f6nnte er sich anf\u00fchlen der<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>erstickungstod wahnsinn und die hand vor den augen ist dir ein fremdk\u00f6rper\/ bleiches gespreizt und dr\u00fcckt sich die harte luft gegen deinen sch\u00e4del die schl\u00e4fen du kannst schon seit wochen nicht schlafen die schattierungen des himmels\/ wattemeer gleich zerrei\u00dfts dir-)<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn du ins Wasser tauchst werden die Ger\u00e4usche dumpf. Wie in Watte gebettet. Deine Bewegungen in Zeitlupentempo. Dehnst dich ins Weite. Du schiebst die farblose Dichte weg von deinem K\u00f6rper. Blasen steigen auf vor deinen ge\u00f6ffneten Augen. Gibst ein Gurren von dir, aus der Mitte der Kehle. Strampelst mit den F\u00fc\u00dfen das Wasser von dir weg. in wei\u00dflichen Wirbeln. Und das Auftauchen, Luft einsaugen. Der Fels auf der linken Seite. Steckt im Himmel, denkst du. Wieder eintauchen. Bewegst die durchsichtige Masse weg von deinem K\u00f6rper. Zwischen dem Sand, den Kieselsteinen, ein Seestern. Die rot genuppelten Arme in alle Richtungen aufgespreizt. Du bewegst dich langsam hin zu dem Felsen, eine grobe Ausbuchtung, auf der Disteln wuchern, sternf\u00f6rmig. immer wieder Luftholen, bevor dir die Lungen platzen, rasches Auftauchen, \u00fcber der Wasseroberfl\u00e4che wird der K\u00f6rper beh\u00e4big und schwer, du schnappst, l\u00e4sst ihn wieder einsinken. Das H\u00e4mmern in Herzgegend. Kannst du die linke Hand noch bewegen? Strauchelst. Pustest den Sauerstoff in viele kleine Perlen. Aus dem Felsen w\u00e4chst Moos. Luftbl\u00e4schen h\u00e4ngen in den Algen. Manchmal zittert ein bunt gesprenkelter Fisch zwischen Bimsstein und Seegras. Du folgst ihm mit leichten Bewegungen bis zum Grund. Verwischst den Sand mit den hellen Zehen. er steigt auf. Senkt sich wieder. Du dr\u00fcckst dich an die Oberfl\u00e4che, l\u00e4sst dich treiben. Die trennlinie zwischen Meer und Himmel ein Ber\u00fchrpunkt in der Ferne. Spiegelungsangelegenheit denkst du. Keuchst. Die Sonnenstrahlen vom Wasser reflektiert. Stechen. Du reibst dir die Nase. in der linken Hand das Ziehen. Du schwimmst weiter und bis hin zum Ber\u00fchrpunkt, der W\u00f6lbung in der Ferne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So muss sich sterben anf\u00fchlen. Das Herz h\u00e4mmert dir bis ins Hirn, du m\u00f6chtest es ausspucken und ins Wasser kotzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter gehst du zur\u00fcck in die Hotelanlage. Kauerst dich unter einen Sonnenschirm. Blick zum Pool- Du schl\u00e4gst ein Notizb\u00fcchlein auf. Schreibst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Santorini\/ Thira, 9. November 2007, 12 Uhr 15: Fuck You oder mir sticht die Sonne den R\u00fccken bis zum Brand. F\u00fc\u00dfe plump vom K\u00f6rper weggespreizt. Lieg ich auf buntgemustertem Frottier. Haben sich Haare aus dem Zopf gel\u00f6st. Zittern so in kleinen Str\u00e4hnen. Auch Gr\u00e4ser wippen im Wind. Mein Schatten f\u00e4llt auf Wiesengr\u00fcn. Platschger\u00e4usche vom Becken her. Schrill zwitschert eine Kinderstimme. Hoher Sopran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9. November, 12 Uhr 30: Und ein K\u00f6rper prallt auf der Wasseroberfl\u00e4che auf dass es nur so klatscht. Und die milchh\u00e4utigen M\u00e4dchen mit der Spalte in Nabelgegend- s\u00fc\u00dfe Bauchmuskelschlankheit- tauchen die Zehenspitzen in Wasser. R\u00fchrn es um. Schlenkern umher. Auf die Handfl\u00e4chen gest\u00fctzt. Kopf in die Schr\u00e4ge haltend. Und wenn ich denen die Schulterbl\u00e4tter ritzen w\u00fcrd mit b\u00fcroklammerkleinen Spie\u00dfchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9. November 2007, 12 Uhr 45: Ich leg den Kopf an den Oberarm Hitze wallt mir im R\u00fccken, Luftz\u00fcge, brabbelt Kind, Luftz\u00fcge und am Bauch der wei\u00dfliche Haarflaum kaum f\u00fchlbare Pelzschicht oder aber lass ich den Kokon doch zwischen Bl\u00e4ttern<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Handt\u00fcchern Zigarettenstummeln liegen und verfaulen: n\u00e4mlich: schaut mich ruhig an oder: ich hab die buckeligste Nase die schneidet mir jeden Kitsch aus dem Puppengesicht (der Engelsfassade) und aus Nacktschnecken w\u00fcrgen sich Ged\u00e4rme raus wenn ich so mit dem Fahrradreifen dr\u00fcberflutsch nur wo ist die Spiegelscheibe an der ich wieder die Ber\u00fchrpunkte nachziehn kann mit den Augen Menschen auf dem R\u00fccken liegend lesen sonnenprallgef\u00fcllt von den Balkonen der Betonh\u00e4user (keine Plattenbauten, bedaure) schlenkern Handt\u00fccher oder Schlingpflanzen runter Stimmteppich Wasserger\u00e4usche Stimmteppich Menschengemurmel heb ich die Beine in die H\u00f6he lass sie wieder runterklatschen aufs Handtuch wie schwer einem solche Beine eitern oder manchmal verkn\u00e4uln sich die Stimmen in meinem Hirn dass ich mich in mich zusammenklappen m\u00f6cht in eine Ecke stelln und dann einfach den Sprung ins Weiter wagen-<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Baby Blue Eyes<\/strong> von Sophie Reyer, Ritter Literatur, 2008<\/p>\n<h5>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=17351&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Wortspielhalle-300x300.jpeg\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Wortspielhalle-300x300.jpeg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Wortspielhalle-150x150.jpeg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Wortspielhalle.jpeg 596w\" alt=\"\" width=\"266\" height=\"266\" \/><\/a>Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18115\">hier<\/a>. In ihrem preisgekr\u00f6nten Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17985\"><em>Referenzuniversum<\/em><\/a> geht sie der Frage nach, wie das Schreiben durch das schreibende Analysieren gebrochen wird. Vertiefend zur Lekt\u00fcre empfohlen, das Kollegengespr\u00e4ch\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19055\">:2= Verweisungszeichen zur Twitteratur<\/a>\u00a0von Sophie Reyer und A.J. Weigoni zum Projekt <i>Wortspielhalle<\/i>. H\u00f6ren kann man einen Auszug aus der <em>Wortspielhalle<\/em> in der Reihe <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/wortspielhalle.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 (sagen wir: atemmoment \/ und du gehst \u00fcber schwerelosigkeiten wie zuf\u00e4llig\/ w\u00fchlen f\u00fc\u00dfe dir sand auf\/ feingest\u00e4ubtes das sich in der schweren luft verteilt und du perlst atem aus deinem mund der dir in den blick steigt\/ luftanhalten sagen&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/10\/06\/baby-blue-eyes\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":100,"featured_media":18239,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[394],"class_list":["post-18021","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-sophie-reyer"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18021","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/100"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18021"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18021\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18021"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18021"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18021"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}