{"id":17900,"date":"2013-10-09T00:01:08","date_gmt":"2013-10-08T22:01:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17900"},"modified":"2020-05-05T20:06:03","modified_gmt":"2020-05-05T18:06:03","slug":"der-lebensformpoet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/09\/der-lebensformpoet\/","title":{"rendered":"Der Lebensformpoet"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Peter Ettl ist ein schwerm\u00fctiger Metaphysiker, ohne Scheu, seine Sensibilit\u00e4t zu zeigen. Er entwirft mit wenigen Strichen literarische Bilder von der Einsamkeit, der Aufl\u00f6sung des Individuums, vom Brachliegen aller erworbenen F\u00e4higkeiten, von der Sehnsucht nach einem anderen Leben, aber auch vom Lebenswillen. Er sucht das Unfertige dem Fertigen, das Fragment im Werk, die Heterogenit\u00e4t in der Homogenit\u00e4t, seine Gedichte sind nicht Resultate, sondern Versuche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/disti.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-17901\" title=\"disti\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/disti-300x209.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"209\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/disti-300x209.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/disti-1024x713.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/disti.jpg 1060w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Dieser Lyriker will, was alle Dichter wollen, die Conditio humana formal bew\u00e4ltigen und so momenthaft zu transzendieren und vergessen machen. Das Tr\u00f6stende seines \u00e4sthetischen Spiels Versen offenbart sich nachdr\u00fccklich. Die verspielte Nonchalance und Unverkrampftheit h\u00e4lt er hoch. Seine Verse sind zuweilen prosanah, emotionsscheu, lapidar, an anderer Stelle eine Sammlung von Oberfl\u00e4chenbeobachtungen, k\u00fchle parataktische Narrationen in r\u00e4umlicher wie zeitlicher Unbestimmtheit, Passivkonstruktionen erg\u00e4nzen neugef\u00fcgte Komposita. Die Syntax wird variiert, ebenso das Metrum. So entsteht ein Sound, der das lyrische Sentiment trockenlegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Weiterf\u00fchrung fr\u00fcherer B\u00e4nde werden seine Gedichte zunehmend durchsichtig und transzendent gemacht f\u00fcr existentielle Vergeblichkeitserfahrungen. Das Paradox zwischen der lebenslangen und lebensnotwendigen Bem\u00fchung und der unendlichen Vergeblichkeit dieser Bem\u00fchung trifft genau sein dichterisches Verfahren und die Grundstimmung seines Werkes. Daraus ergeben sich allenfalls pr\u00e4zise Einzelbeobachtungen, aber keine k\u00fchnen Weltentw\u00fcrfe, keine grossen Gef\u00fchle, festen \u00dcberzeugungen und weitgesteckten Hoffnungen und Pl\u00e4ne, auch keine Botschaften. Reduzierung, Desillusionierung ist das Programm.\u00a0 Die pointierte, unerbittliche Genauigkeit der Beobachtung verbindet sich mit einer unaufdringlichen, aber meisterhaft praktizierten Kunstfertigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter Ettl h\u00e4lt seine Synapsen neugierig ins Offene. Seine Poesie ist die Kunst, auf jede Antwort noch eine Frage zu haben, alles Selbstverst\u00e4ndliche unselbstverst\u00e4ndlich werden zu lassen. Dieser Lyriker bewerkstelligt es, da\u00df seine Gedichte Bewusstsein und Sendungsbewusstsein haben, da\u00df sie sich f\u00fchlen, als h\u00e4tten sie ein Selbst. Im Grunde handelt Ettls Lyrik stets auch von den anderen, um von sich selbst zu sprechen. Und dies vom Sehnsuchtsland r\u00fcckgespiegelt zu bekommen hat seinen ganz eigenen Charme.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Distellicht, <\/strong>Gedichte von Peter Ettl, Pop-Verlag 2013<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> \u2192<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Portr\u00e4t des Herausgebers und Lyrikers Peter Ettl findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/04\/29\/wild-horses-could-not-drag-me-away\/\">hier<\/a>. \u2013 Poesie ist das identit\u00e4tsstiftende Element der Kultur, KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologische Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Ettl ist ein schwerm\u00fctiger Metaphysiker, ohne Scheu, seine Sensibilit\u00e4t zu zeigen. 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