{"id":17696,"date":"2013-08-29T00:37:49","date_gmt":"2013-08-28T22:37:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17696"},"modified":"2013-08-28T08:54:28","modified_gmt":"2013-08-28T06:54:28","slug":"mehr-happening-als-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/29\/mehr-happening-als-theater\/","title":{"rendered":"Mehr Happening als Theater"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Schlussapplaus kommt etwas z\u00f6gerlich, dann aber umso einhelliger. Die gr\u00f6\u00dftenteils geladenen Premiereng\u00e4ste erlebten am Freitagabend in der Bochumer Jahrhunderthalle zum Auftakt der Ruhrtriennale das Musiktheaterst\u00fcck <em>Delusion of the Fury<\/em> von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Harry_Partch\">Harry Partch<\/a>.\u00a0Die Auff\u00fchrung p\u00e4sentierte sich als mehr Happening denn Theater und mehr Pop als Neue Musik. In seiner durchaus erfrischenden Albernheit bleibt es auch best\u00fcrzend harmlos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Plakat1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-17700\" title=\"Plakat\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Plakat1-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Plakat1-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Plakat1.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a>Mit gro\u00dfem Get\u00f6se war diese europ\u00e4ische Erstauff\u00fchrung des amerikanischen Sonderlings im Vorfeld als Sensation angek\u00fcndigt worden. Auf dem Papier klingt es tats\u00e4chlich revolution\u00e4r, was Partch in der W\u00fcste Kaliforniens, weitab vom klassischen Musikbetrieb seinerzeit aust\u00fcftelte. Er erfand nicht nur sein eigenes Tonsystem, sondern auch die entsprechenden Instrumente.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine letzte gro\u00dfe Musiktheaterarbeit von 1966 <em>Delusion of the Fury<\/em> &#8211; was soviel hei\u00dft wie <em>Wahn der Wut<\/em> &#8211; verlangt eine ganze Armee dieser bizarren Instrumente, die in der Jahrhunderthalle nicht nur akustisch, sondern auch optisch die Hauptrolle spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Jahre hat der K\u00f6lner Instrumentenbauer Thomas Meixner gebraucht, um die exotischen Unget\u00fcme nachzubauen. Es sind vorzugsweise Percussion-Instrumente, darunter ein riesiges Glockenspiel aus Glas, mehrere Cymbale und Harmoniums. Diesen Ger\u00e4tepark, der aussieht, als h\u00e4tte der Filmemacher Tim Burton sich ein Instrumentenmuseum ausgedacht, bedienen die Musiker mit rastlosem Eifer, springen hin und her und fungieren nebenher auch als Darsteller und S\u00e4nger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kost\u00fcmiert sind sie im Chic des amerikanischen Land-Prekariats, abgesehen von den Szenen, wo das japanische Theater die Oberhand gewinnt und entsprechend pomp\u00f6se M\u00e4ntel drapiert werden (Kost\u00fcme: Florence von Gerkan). So wirken die beiden Protagonisten einer seltsamen Stangenkampf-Szene wie zwei Jedi-Ritter im Indianerdorf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klaus Gr\u00fcnberg hat das pittoreske Orchester mit einer Landschaft aus schwarzen Plastik-W\u00fclsten umgehen. In der Mitte schl\u00e4ngelt sich ein Wasserlauf. Vier japanische Lampen wackeln an langen Stangen, am Schluss taucht im Hintergrund ein wei\u00dfes Halbrund auf. Die Lichtstimmungen wechseln st\u00e4ndig, und Nebel wabert \u00fcber den Wassern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Triennale-Intendant Heiner Goebbels verantwortet die Regie, deren Konzept schwer auszumachen ist, zumal ohnehin Harry Partchs Klangkosmos und die aufwendigen Aktionen, diesen hervor zu bringen, im Vordergrund stehen. Die Handlung bleibt v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich. Gelegentlich aufblitzende Momente der Ironie gehen im Eifer der Betriebsamkeit schnell wieder unter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Partchs Musik mixt Elemente der Minimal Music mit archaischen Urkl\u00e4ngen, es t\u00f6nt mal asiatisch, mal indianisch. Weitgehend gleichf\u00f6rmig aber zieht sich ein gef\u00e4lliger, poppiger Drive durch die Partitur, der auf Dauer eint\u00f6nig wird. Zumal der gewaltige Aufwand, die Instrumente zu bauen, sich nicht wirklich auszuzahlen scheint. Sie sehen weitaus schr\u00e4ger aus als sie klingen. Fazit: Ein belangloses Hippie-Revival, auf dem der Staub der 1970er Jahre liegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>\u00a0Mehr Informationen zur Ruhrtrienale <a href=\"http:\/\/www.ruhrtriennale.de\/de\/\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schlussapplaus kommt etwas z\u00f6gerlich, dann aber umso einhelliger. 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