{"id":17679,"date":"2013-09-06T00:11:15","date_gmt":"2013-09-05T22:11:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17679"},"modified":"2019-10-05T18:15:15","modified_gmt":"2019-10-05T16:15:15","slug":"rodtschenko-eine-neue-zeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/09\/06\/rodtschenko-eine-neue-zeit\/","title":{"rendered":"Rodtschenko. Eine neue Zeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Rodtschenko.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17680\" title=\"Rodtschenko\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Rodtschenko.jpg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"140\"\/><\/a>Alexander Rodtschenko&nbsp;geh\u00f6rte zu den treibenden Kr\u00e4ften der russischen Avantgarde. In seinen Werken \u2013 Gem\u00e4lden, Collagen, Photomontagen, Photographien, Skulpturen, Werbedesign und Typographie \u2013 brachte er die dynamische Umgestaltung der Gesellschaft in den ersten Jahren nach der Oktoberrevolution ins Bild: die Gestaltung einer neuen Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Das Leben, dies einfache Sache, hat man bis jetzt nicht gesehen, nicht gewu\u00dft, da\u00df es so einfach und so klar ist, da\u00df man es nur organisieren und von allem \u00dcberfl\u00fcssigen befreien mu\u00df. F\u00fcr das Leben arbeiten und nicht f\u00fcr Pal\u00e4ste und Tempel, nicht f\u00fcr Friedh\u00f6fe und Museen! Arbeiten unter allen, f\u00fcr alle und mit allen. Es gibt nichts Ewiges, es ist alles verg\u00e4nglich. Bewu\u00dftsein, Erfahrung, Ziel, Mathematik, Technik, Industrie und Konstruktion &#8211; das steht hoch \u00fcber allem. Es lebe die konstruktive Technik. Es lebe die konstruktive Haltung bei jeder T\u00e4tigkeit. Es lebe der Konstruktivismus.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Alexander Rodschenko 1921<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rodtschenko war der erste K\u00fcnstler in der UdSSR, der anfing, mit der Technik der Collage zu arbeiteten. Der K\u00fcnstler bevorzugte abstrakte Collagen, bei denen er aus nichtfig\u00fcrlichen Elementen oder durch Kombination von Zeitungs- bzw. Lichtbildfragmenten und nichtfig\u00fcrlichen Elementen abstrakte Kombinationen bildete. Von der Collage ging Rodtschenko zur Fotomontage \u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herausragend die Zusammenarbeit mit Wladimir Majakowski.&nbsp;Rodtschenko schuf Illustrationen f\u00fcr dessen Poem &gt;Pro eto&lt;, in dem der Dichter seine Liebe zu Lily Brik besingt und wo Rodschenko deren Portr\u00e4taufnahmen in verschieden Altersstufen in allen m\u00f6glichen Variationen und Zusammenstellungen montiert. Es entsteht eine einzigartige Verbindung zwischen Photomontage und konstruktivistischer Gestaltung, wobei gleichzeitig die Verse Majakowskis visuell nachempfunden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">&nbsp;<em><span style=\"color: #888888;\">Schon schlepp ich mein Herz<\/span><\/em><br \/>\n<em> <span style=\"color: #888888;\">von Kummer zerr\u00fcttet,<\/span><\/em><br \/>\n<em> <span style=\"color: #888888;\">schon heule ich,<\/span><\/em><br \/>\n<em> <span style=\"color: #888888;\">der Dunkle, Devote.<\/span><\/em><br \/>\n<em> <span style=\"color: #888888;\">So tr\u00e4gt<\/span><\/em><br \/>\n<em> <span style=\"color: #888888;\">ein winselnder K\u00f6ter<\/span><\/em><br \/>\n<em> <span style=\"color: #888888;\">zur H\u00fctte<\/span><\/em><br \/>\n<em> <span style=\"color: #888888;\">die<\/span><\/em><br \/>\n<span style=\"color: #888888;\"><em>von der Lok plattgefahrene Pfote<\/em>.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Wladimir Majakowski<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammen verfertigten Rodtschenko und Majakowski in knapp zwei Jahren etwa 50 Plakate, fast 100 Firmenschilder, Pack- und Bonbonpapiervorlagen, Leuchtreklamen sowie Bildreklamen f\u00fcr Zeitungen und Zeitschriften. Sie arbeiteten f\u00fcr das Warenhaus GUM, Mosselprom, Gosisdat, Resinotorg und f\u00fcr die Gewerkschaften. Der Inhalt von Majakowskis und Rodtschenkos Reklamet\u00e4tigkeit wuchs weit \u00fcber die Werbung f\u00fcr Produkte der staatlichen Unternehmen hinaus. Der Dichter und der K\u00fcnstler agitierten auch f\u00fcr die Entwicklung der Technik, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und andere gesellschaftliche Belange. Rodtschenkos Stil der Reklamegraphik war einfach und klar und harmonierte mit den lakonischen, wortspielerischen Zweizeilern von Majakowski. Die Werbetexte und Bilder waren maximal funktionsgerecht, frei von jeder \u00fcberfl\u00fcssigen Information. Rodtschenko arbeitete mit gro\u00dfen, einfach geformten, leicht lesbaren Buchstaben und benutzte oft gro\u00dfe Ausrufe- und Fragezeichen. Die Anwendung des Pfeils in der Komposition, der Symmetrie der Anordnung der Buchstaben und anderer graphischer Elemente erleichterte die Entschl\u00fcsselung des Plakats f\u00fcr den Betrachter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ausstellung &#8222;Rodtschenko. Eine neue Zeit&#8220; gibt einen \u00dcberblick \u00fcber die mediale Vielfalt seines Schaffens. Im Zentrum steht das malerische Werk, das seinen H\u00f6hepunkt in dem 1921 geschaffenen Triptychon der Farben Rot, Gelb und Blau findet. Auch in der Skulptur ging Rodtschenko experimentelle Wege. Seine schwebenden Raumkonstruktionen mit ihren Variationen geometrischer Grundformen geben im Spiel von Licht und Schatten eine Verr\u00e4umlichung des Konstruktivismus und dessen utopischer Ideen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Wir m\u00fcssen unser optisches Erkennen revolutionieren. Wir m\u00fcssen den Schleier von unseren Augen rei\u00dfen und die interessantesten Blickwinkel der Gegenwart sind die von oben nach unten und von unten nach oben und ihre Diagonalen.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Alexander Rodschenko<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die experimentellen Skulpturen von Tatlin und Rodschenko vom Anfang der 20er Jahre mit ihrer Betonung des einfachen Materials, des Technischen, des Funktionalen und der standardisierten Formen haben vieles gemeinsam mit den sp\u00e4teren Zielen und Ideen des Minimalismus, wie sie etwa von Andre and Donald Judd formulierten. So benutzte Rodschenko einfache unbearbeitete Vierkanth\u00f6lzer gleicher L\u00e4nge, die er ohne Sockel in verschiedenen Formationen zusammenstellte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Schritt in der Entwicklung bedeutet die Serie der Objekte von 1920-21. Es sind frei von der Decke h\u00e4ngende, bewegliche Konstruktionen. Die Konstruktionen bestehen aus d\u00fcnnem Sperrholz, das der K\u00fcnstler in verschiedene geometrische Formen geschnitten hat: Quadrate, Sechsecke, Ellipsen, u.a. Aus diesen Figuren schnitt der K\u00fcnstler wiederum gleich breite konzentrische Elemente heraus, die im Raum sich automatisch &gt;ausklappen&lt;, so dass aus der Fl\u00e4che eine dreidimensionale Skulptur wird. Durch die Bewegung ver\u00e4ndern sich die Ansichtsseite und der Lichteinfall st\u00e4ndig.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Ich habe die Malerei zu ihrem logischen Ende gebracht und habe drei Bilder ausgestellt: ein rotes, ein blaues und ein gelbes, und dies mit der Feststellung: Alles ist zu Ende. Es sind die Grundfarben. Jede Fl\u00e4che ist eine Fl\u00e4che und es soll keine Darstellung geben. Jede Fl\u00e4che hat bis an ihre Grenzen eine einzige Farbe.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Alexander Rodschenko<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rodschenko widmete sich zusammen mit seiner Frau Stepanowa intensiv der Kunst als Experiment; der K\u00fcnstler ist hier gleichzeitig Forscher und Wissenschaftler, die Konstruktion, das System, der zweckm\u00e4\u00dfige Materialgebrauch stehen im Vordergrund der k\u00fcnstlerischen Analysen und Experimente. Beide sind zentrale Figuren der zweiten Phase der russischen Avantgarde, des Konstruktivismus, mit seiner Betonung der technischen Entwicklung, der Produktion, des Zweckm\u00e4\u00dfigen. Bei aller praktischen Anwendung schwingt aber in Rodschenkos Theorie des Konstruktivismus ein stark utopischer Zug mit, der Glaube an eine Welt, die nach klaren Prinzipien organisiert ist, an eine uverr\u00fcckbare Ordnung, in der alles Lebendige seinen festen Platz hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alexander Rodschenko stellte 1921 in der Ausstellung &gt;5 x 5 = 25&lt; in Moskau ein Triptychon aus, das aus drei monochromen Leinw\u00e4nden (je 62&#215;52,5 cm) in den Farben Rot, Gelb und Blau bestand. Der K\u00fcnstler sagte dazu: \u201eIch habe die Malerei zu ihrem logischen Ende gebracht und drei Bilder ausgestellt: ein rotes, ein blaues und ein gelbes, und dies mit der Feststellung: alles ist zu Ende. Es sind die Grundfarben. Jede Fl\u00e4che ist eine Fl\u00e4che, und es soll keine Darstellung mehr geben.\u201c Vierzig Jahre sp\u00e4ter \u00fcberraschte Yves Klein die Kunstwelt mit seinem &gt;Triptychon Rot-Gold-Blau&lt; (1960).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Rodtschenko. Eine neue Zeit<\/strong>, noch bis zum 15. September 2013 im Bucerius Kunst Forum in Hamburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alexander Rodtschenko&nbsp;geh\u00f6rte zu den treibenden Kr\u00e4ften der russischen Avantgarde. In seinen Werken \u2013 Gem\u00e4lden, Collagen, Photomontagen, Photographien, Skulpturen, Werbedesign und Typographie \u2013 brachte er die dynamische Umgestaltung der Gesellschaft in den ersten Jahren nach der Oktoberrevolution ins Bild: die Gestaltung&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/09\/06\/rodtschenko-eine-neue-zeit\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1309,1322],"class_list":["post-17679","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-literatur","tag-alexander-rodtschenko","tag-wladimir-majakowski"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17679","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17679"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17679\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17679"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17679"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17679"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}