{"id":17430,"date":"2013-08-27T00:40:10","date_gmt":"2013-08-26T22:40:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17430"},"modified":"2019-01-19T16:58:17","modified_gmt":"2019-01-19T15:58:17","slug":"17430","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/27\/17430\/","title":{"rendered":"Ferienlekt\u00fcre"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Die-tausend-Herbste-des-Jacob-de-Zoet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-17463\" title=\"U1_978-3-498-04518-0.indd\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Die-tausend-Herbste-des-Jacob-de-Zoet-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Die-tausend-Herbste-des-Jacob-de-Zoet-195x300.jpg 195w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Die-tausend-Herbste-des-Jacob-de-Zoet.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a>Nein. Bevor ich anfangen konnte, diese Kurzkritik zu verfassen, musste ich mir \u00fcber eines klar werden. Man kann einen solchen Text tats\u00e4chlich mit einer Negierung \/Negation beginnen. Die Leser werden jetzt fragen, warum. Nein, ich lese \u00e4u\u00dferst ungerne Historienromane, sie geraten meist ins Peinliche. Nein, ich mag meistens auch keine Liebesgeschichten, die sind meist s\u00fc\u00df wie Weingummi und machen die gleichen Zahnschmerzen. Da werden dann oft halbgare Recherchen \u00fcber eine bestimmte Zeit zu einem Roman zusammen gepfercht, wahrscheinlich mit einer billigen Liebesgeschichte oder noch Schlimmerem. Historische Romane gl\u00e4nzen oft Halbfaktenwissen und \u00e4u\u00dferst flachem wie durchsichtigem Plot. Es gibt allerdings drei historische Romane, die f\u00fcr mich ohne Einschr\u00e4nkung gut sind. Zuerst ist da die \u201cGeschichte von der Eroberung Lissabons\u201d von Saramago, \u201cDas Parf\u00fcm\u201d von S\u00fcskind und jetzt dieses Werk von David Mitchell. Wieder zeigt er die Schw\u00e4chen der Menschen auf, ihren Umgang mit Sklaven, den Clash of cultures und die Aufrichtigkeit von einzelnen. 1799\/1800, drei Nationen kommen ins Spiel: Japan, die Niederlande und Gro\u00dfbritannien. Und wenn man genau ist, auch noch Preu\u00dfen, Batavia und S\u00fcdafrika\u2026 Die grundlegende Frage kennen wir aus dem Wolkenatlas, auf den sich der Autor auch noch w\u00f6rtlich bezieht, erst im letzten Drittel, aber deutlich. Was macht uns zu Menschen? Ich werde nichts \u00fcber den Inhalt sagen, nur noch dies: Mitchell gibt Einblicke in Kolonialverhalten, in die japanische Kultur und tiefen Glauben, auch in abstrus religi\u00f6se Abgr\u00fcnde, in die Medizin. Er schafft es, trotz der vielen Namen, jede Figur ins Leben zu rufen und vor den Augen handeln zu lassen. Dutzende kleine Geschichten und gro\u00dfe Schicksale. Und schon h\u00f6rt es sich doch kitschig an. Genau das aber ist dieses Buch nicht. Mein Urteil: JA, lesen lohnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Teufelszeug.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-17465 alignright\" title=\"Teufelszeug\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Teufelszeug-189x300.jpg\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"300\"><\/a>W\u00e4ren dieser schlimme Titel nicht und der rei\u00dferische Umschlag, ich h\u00e4tte mir das Buch vielleicht gekauft.&nbsp;Als Infragestellung unseres Gottes- und Teufelsbildes, als satirische \u00dcberspitzung von Anstand versus Ehrlichkeit hat dieser Roman wirklich seine St\u00e4rken. Er spielt mit den Perspektiven und zeigt, dass alles anders ist, als wir es uns denken und w\u00fcnschen. Empfehlenswert allerdings nur f\u00fcr Leser, die eine schnelle Lekt\u00fcre f\u00fcr zwischendurch gebrauchen k\u00f6nnen, ohne Hoffnung auf intellektuellen Tiefgang. F\u00fcr die Wartezimmer von \u00c4rzten und Krankenh\u00e4usern geeignet: unterhaltsamer Trash vom Feinsten. Lesen, am\u00fcsieren und weglegen, ohne Magenschmerzen oder noch weitere Gedanken verschwenden zu m\u00fcssen. Bei Filmen w\u00fcrde man von Popkornkino sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&nbsp;*<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Cover12.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17467\" title=\"Cover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Cover12.jpg\" alt=\"\" width=\"192\" height=\"256\"><\/a>Ungewohnt f\u00fcr Saramago ist die einfache Sprache, welche er in diesem fr\u00fchen Roman verwendet. Aber gar nicht so ungewohnt ist die Kunst Bilder im Kopf zu erzeugen. Selten kann man es erleben, dass man als Leser so tief in das Habitat von Figuren eintauchen kann. Als Besucher und Beobachter l\u00e4sst Saramago uns im Haus mitleben. Das Tun und Denken miterleben. Keine spektakul\u00e4re Handlung, aber eben solche Gedanken.&nbsp; Leider wird zu Beginn das Lesevergn\u00fcgen von einem unterirdischen Vorwort getr\u00fcbt. Man hat hier wirklich den Eindruck, als habe der Verlag Hoffmann und Campe gar keine Erfahrung mit Literatur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>David Mitchell: \u201cDie Tausend Herbste des Jakob de Zoet\u201d. 2012 bei Rowohlt.<\/p>\n<p>Joe Hill: Teufelszeug.<\/p>\n<p>Jos\u00e9 Saramago: Claraboia oder Wo das Licht einf\u00e4llt. 2013 bei Hoffmann und Campe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein. Bevor ich anfangen konnte, diese Kurzkritik zu verfassen, musste ich mir \u00fcber eines klar werden. Man kann einen solchen Text tats\u00e4chlich mit einer Negierung \/Negation beginnen. Die Leser werden jetzt fragen, warum. 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