{"id":17414,"date":"1994-07-03T00:01:18","date_gmt":"1994-07-02T22:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17414"},"modified":"2022-02-25T17:08:30","modified_gmt":"2022-02-25T16:08:30","slug":"die-verwandlung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1994\/07\/03\/die-verwandlung\/","title":{"rendered":"Die Verwandlung"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Tr\u00e4umen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten R\u00fccken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gew\u00f6lbten, braunen, von bogenf\u00f6rmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen H\u00f6he sich die Bettdecke, zum g\u00e4nzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kl\u00e4glich d\u00fcnnen Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/tarantula.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-17417\" title=\"tarantula\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/tarantula-300x292.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"292\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/tarantula-300x292.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/tarantula.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u00bbWas ist mit mir geschehen?\u00ab dachte er. Es war kein Traum. Sein Zimmer, ein richtiges, nur etwas zu kleines Menschenzimmer, lag ruhig zwischen den vier wohlbekannten W\u00e4nden. \u00dcber dem Tisch, auf dem eine auseinandergepackte Musterkollektion von Tuchwaren ausgebreitet war \u2013 Samsa war Reisender \u2013, hing das Bild, das er vor kurzem aus einer illustrierten Zeitschrift ausgeschnitten und in einem h\u00fcbschen, vergoldeten Rahmen untergebracht hatte. Es stellte eine Dame dar, die, mit einem Pelzhut und einer Pelzboa versehen, aufrecht dasa\u00df und einen schweren Pelzmuff, in dem ihr ganzer Unterarm verschwunden war, dem Beschauer entgegenhob.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gregors Blick richtete sich dann zum Fenster, und das tr\u00fcbe Wetter \u2013 man h\u00f6rte Regentropfen auf das Fensterblech aufschlagen \u2013 machte ihn ganz melancholisch. \u00bbWie w\u00e4re es, wenn ich noch ein wenig weiterschliefe und alle Narrheiten verg\u00e4\u00dfe\u00ab, dachte er, aber das war g\u00e4nzlich undurchf\u00fchrbar, denn er war gew\u00f6hnt, auf der rechten Seite zu schlafen, konnte sich aber in seinem gegenw\u00e4rtigen Zustand nicht in diese Lage bringen. Mit welcher Kraft er sich auch auf die rechte Seite warf, immer wieder schaukelte er in die R\u00fcckenlage zur\u00fcck. Er versuchte es wohl hundertmal, schlo\u00df die Augen, um die zappelnden Beine nicht sehen zu m\u00fcssen, und lie\u00df erst ab, als er in der Seite einen noch nie gef\u00fchlten, leichten, dumpfen Schmerz zu f\u00fchlen begann.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u203aAch Gott\u2039, dachte er, \u203awas f\u00fcr einen anstrengenden Beruf habe ich gew\u00e4hlt! Tagaus, tagein auf der Reise. Die gesch\u00e4ftlichen Aufregungen sind viel gr\u00f6\u00dfer als im eigentlichen Gesch\u00e4ft zu Hause, und au\u00dferdem ist mir noch diese Plage des Reisens auferlegt, die Sorgen um die Zuganschl\u00fcsse, das unregelm\u00e4\u00dfige, schlechte Essen, ein immer wechselnder, nie andauernder, nie herzlich werdender menschlicher Verkehr. Der Teufel soll das alles holen!\u2039 Er f\u00fchlte ein leichtes Jucken oben auf dem Bauch; schob sich auf dem R\u00fccken langsam n\u00e4her zum Bettpfosten, um den Kopf besser heben zu k\u00f6nnen; fand die juckende Stelle, die mit lauter kleinen wei\u00dfen P\u00fcnktchen besetzt war, die er nicht zu beurteilen verstand; und wollte mit einem Bein die Stelle betasten, zog es aber gleich zur\u00fcck, denn bei der Ber\u00fchrung umwehten ihn K\u00e4lteschauer.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Er glitt wieder in seine fr\u00fchere Lage zur\u00fcck. \u203aDies fr\u00fchzeitige Aufstehen\u2039, dachte er, \u203amacht einen ganz bl\u00f6dsinnig. Der Mensch mu\u00df seinen Schlaf haben. Andere Reisende leben wie Haremsfrauen. Wenn ich zum Beispiel im Laufe des Vormittags ins Gasthaus zur\u00fcckgehe, um die erlangten Auftr\u00e4ge zu \u00fcberschreiben, sitzen diese Herren erst beim Fr\u00fchst\u00fcck. Das sollte ich bei meinem Chef versuchen; ich w\u00fcrde auf der Stelle hinausfliegen. Wer wei\u00df \u00fcbrigens, ob das nicht sehr gut f\u00fcr mich w\u00e4re. Wenn ich mich nicht wegen meiner Eltern zur\u00fcckhielte, ich h\u00e4tte l\u00e4ngst gek\u00fcndigt, ich w\u00e4re vor den Chef hingetreten und h\u00e4tte ihm meine Meinung von Grund des Herzens aus gesagt. Vom Pult h\u00e4tte er fallen m\u00fcssen! Es ist auch eine sonderbare Art, sich auf das Pult zu setzen und von der H\u00f6he herab mit dem Angestellten zu reden, der \u00fcberdies wegen der Schwerh\u00f6rigkeit des Chefs ganz nahe herantreten mu\u00df. Nun, die Hoffnung ist noch nicht g\u00e4nzlich aufgegeben; habe ich einmal das Geld beisammen, um die Schuld der Eltern an ihn abzuzahlen \u2013 es d\u00fcrfte noch f\u00fcnf bis sechs Jahre dauern \u2013, mache ich die Sache unbedingt. Dann wird der gro\u00dfe Schnitt gemacht. Vorl\u00e4ufig allerdings mu\u00df ich aufstehen, denn mein Zug f\u00e4hrt um f\u00fcnf.\u2039<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Und er sah zur Weckuhr hin\u00fcber, die auf dem Kasten tickte. \u203aHimmlischer Vater!\u2039 dachte er. Es war halb sieben Uhr, und die Zeiger gingen ruhig vorw\u00e4rts, es war sogar halb vor\u00fcber, es n\u00e4herte sich schon drei Viertel. Sollte der Wecker nicht gel\u00e4utet haben? Man sah vom Bett aus, da\u00df er auf vier Uhr richtig eingestellt\u00a0war; gewi\u00df hatte er auch gel\u00e4utet. Ja, aber war es m\u00f6glich, dieses m\u00f6belersch\u00fctternde L\u00e4uten ruhig zu verschlafen? Nun, ruhig hatte er ja nicht geschlafen, aber wahrscheinlich desto fester. Was aber sollte er jetzt tun? Der n\u00e4chste Zug ging um sieben Uhr; um den einzuholen, h\u00e4tte er sich unsinnig beeilen m\u00fcssen, und die Kollektion war noch nicht eingepackt, und er selbst f\u00fchlte sich durchaus nicht besonders frisch und beweglich. Und selbst wenn er den Zug einholte, ein Donnerwetter des Chefs war nicht zu vermeiden, denn der Gesch\u00e4ftsdiener hatte beim F\u00fcnfuhrzug gewartet und die Meldung von seiner Vers\u00e4umnis l\u00e4ngst erstattet. Er war eine Kreatur des Chefs, ohne R\u00fcckgrat und Verstand. Wie nun, wenn er sich krank meldete? Das w\u00e4re aber \u00e4u\u00dferst peinlich und verd\u00e4chtig, denn Gregor war w\u00e4hrend seines f\u00fcnfj\u00e4hrigen Dienstes noch nicht einmal krank gewesen. Gewi\u00df w\u00fcrde der Chef mit dem Krankenkassenarzt kommen, w\u00fcrde den Eltern wegen des faulen Sohnes Vorw\u00fcrfe machen und alle Einw\u00e4nde durch den Hinweis auf den Krankenkassenarzt abschneiden, f\u00fcr den es ja \u00fcberhaupt nur ganz gesunde, aber arbeitsscheue Menschen gibt. Und h\u00e4tte er \u00fcbrigens in diesem Falle so ganz unrecht? Gregor f\u00fchlte sich tats\u00e4chlich, abgesehen von einer nach dem langen Schlaf wirklich \u00fcberfl\u00fcssigen Schl\u00e4frigkeit, ganz wohl und hatte sogar einen besonders kr\u00e4ftigen Hunger.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als er dies alles in gr\u00f6\u00dfter Eile \u00fcberlegte, ohne sich entschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen, das Bett zu verlassen \u2013 gerade schlug der Wecker drei Viertel sieben \u2013, klopfte es vorsichtig an die T\u00fcr am Kopfende seines Bettes. \u00bbGregor\u00ab, rief es \u2013 es war die Mutter-, \u00bbes ist drei Viertel sieben. Wolltest du nicht wegfahren?\u00ab Die sanfte Stimme! Gregor erschrak, als er seine antwortende Stimme h\u00f6rte, die wohl unverkennbar seine fr\u00fchere war, in die sich aber, wie von unten her, ein nicht zu unterdr\u00fcckendes, schmerzliches Piepsen mischte, das die Worte f\u00f6rmlich nur im ersten Augenblick in ihrer Deutlichkeit belie\u00df, um sie im Nachklang derart zu zerst\u00f6ren, da\u00df man nicht wu\u00dfte, ob man recht geh\u00f6rt hatte. Gregor hatte ausf\u00fchrlich antworten und alles erkl\u00e4ren wollen, beschr\u00e4nkte sich aber bei diesen Umst\u00e4nden darauf, zu sagen: \u00bbJa, ja, danke Mutter, ich stehe schon auf.\u00ab Infolge der Holzt\u00fcr war die Ver\u00e4nderung in Gregors Stimme drau\u00dfen wohl nicht zu merken, denn die Mutter beruhigte sich mit dieser Er kl\u00e4rung und schl\u00fcrfte davon. Aber durch das kleine Gespr\u00e4ch waren die anderen Familienmitglieder\u00a0darauf aufmerksam geworden, da\u00df Gregor wider Erwarten noch zu Hause war, und schon klopfte an der einen Seitent\u00fcr der Vater, schwach, aber mit der Faust. \u00bbGregor, Gregor\u00ab, rief er, \u00bbwas ist denn?\u00ab Und nach einer kleinen Weile mahnte er nochmals mit tieferer Stimme: \u00bbGregor! Gregor!\u00ab An der anderen Seitent\u00fcr aber klagte leise die Schwester: \u00bbGregor? Ist dir nicht wohl? Brauchst du etwas?\u00ab Nach beiden Seiten hin antwortete Gregor: \u00bbBin schon fertig\u00ab, bem\u00fchte sich, durch die sorgf\u00e4ltigste Aussprache und durch Einschaltung von langen Pausen zwischen den einzelnen Worten seiner Stimme alles Auffallende zu nehmen. Der Vater kehrte auch zu seinem Fr\u00fchst\u00fcck zur\u00fcck, die Schwester aber fl\u00fcsterte: \u00bbGregor, mach auf, ich beschw\u00f6re dich.\u00ab Gregor aber dachte gar nicht daran aufzumachen, sondern lobte die vom Reisen her \u00fcbernommene Vorsicht, auch zu Hause alle T\u00fcren w\u00e4hrend der Nacht zu versperren.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst wollte er ruhig und ungest\u00f6rt aufstehen, sich anziehen und vor allem fr\u00fchst\u00fccken, und dann erst das Weitere \u00fcberlegen, denn, das merkte er wohl, im Bett w\u00fcrde er mit dem Nachdenken zu keinem vern\u00fcnftigen Ende kommen. Er erinnerte sich, schon \u00f6fters im Bett irgendeinen vielleicht durch ungeschicktes Liegen erzeugten, leichten Schmerz empfunden zu haben, der sich dann beim Aufstehen als reine Einbildung herausstellte, und er war gespannt, wie sich seine heutigen Vorstellungen allm\u00e4hlich aufl\u00f6sen w\u00fcrden. Da\u00df die Ver\u00e4nderung der Stimme nichts anderes war als der Vorbote einer t\u00fcchtigen Verk\u00fchlung, einer Berufskrankheit der Reisenden, daran zweifelte er nicht im geringsten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Decke abzuwerfen war ganz einfach; er brauchte sich nur ein wenig aufzublasen und sie fiel von selbst. Aber weiterhin wurde es schwierig, besonders weil er so ungemein breit war. Er h\u00e4tte Arme und H\u00e4nde gebraucht, um sich aufzurichten, statt dessen aber hatte er nur die vielen Beinchen, die ununterbrochen in der verschiedensten Bewegung waren und die er \u00fcberdies nicht beherrschen konnte. Wollte er eines einmal einknicken, so war es das erste, da\u00df er sich streckte; und gelang es ihm endlich, mit diesem Bein das auszuf\u00fchren, was er wollte, so arbeiteten inzwischen alle anderen, wie freigelassen, in h\u00f6chster, schmerzlicher Aufregung. \u00bbNur sich nicht im Bett unn\u00fctz aufhalten\u00ab, sagte sich Gregor.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuerst wollte er mit dem unteren Teil seines K\u00f6rpers aus dem Bett hinauskommen, aber dieser untere Teil, den er \u00fcbrigens noch<a title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Kafka-GW+Bd.+5\" name=\"60\"><\/a>[60]\u00a0nicht gesehen hatte und von dem er sich auch keine rechte Vorstellung machen konnte, erwies sich als zu schwer beweglich; es ging so langsam; und als er schlie\u00dflich, fast wild geworden, mit gesammelter Kraft, ohne R\u00fccksicht sich vorw\u00e4rtsstie\u00df, hatte er die Richtung falsch gew\u00e4hlt, schlug an den unteren Bettpfosten heftig an, und der brennende Schmerz, den er empfand, belehrte ihn, da\u00df gerade der untere Teil seines K\u00f6rpers augenblicklich vielleicht der empfindlichste war.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Er versuchte es daher, zuerst den Oberk\u00f6rper aus dem Bett zu bekommen, und drehte vorsichtig den Kopf dem Bettrand zu. Dies gelang auch leicht, und trotz ihrer Breite und Schwere folgte schlie\u00dflich die K\u00f6rpermasse langsam der Wendung des Kopfes. Aber als er den Kopf endlich au\u00dferhalb des Bettes in der freien Luft hielt, bekam er Angst, weiter auf diese Weise vorzur\u00fccken, denn wenn er sich schlie\u00dflich so fallen lie\u00df, mu\u00dfte geradezu ein Wunder geschehen, wenn der Kopf nicht verletzt werden sollte. Und die Besinnung durfte er gerade jetzt um keinen Preis verlieren; lieber wollte er im Bett bleiben.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber als er wieder nach gleicher M\u00fche aufseufzend so dalag wie fr\u00fcher, und wieder seine Beinchen wom\u00f6glich noch \u00e4rger gegeneinander k\u00e4mpfen sah und keine M\u00f6glichkeit fand, in diese Willk\u00fcr Ruhe und Ordnung zu bringen, sagte er sich wieder, da\u00df er unm\u00f6glich im Bett bleiben k\u00f6nne und da\u00df es das Vern\u00fcnftigste sei, alles zu opfern, wenn auch nur die kleinste Hoffnung best\u00fcnde, sich dadurch vom Bett zu befreien. Gleichzeitig aber verga\u00df er nicht, sich zwischendurch daran zu erinnern, da\u00df viel besser als verzweifelte Entschl\u00fcsse ruhige und ruhigste \u00dcberlegung sei. In solchen Augenblicken richtete er die Augen m\u00f6glichst scharf auf das Fenster, aber leider war aus dem Anblick des Morgennebels, der sogar die andere Seite der engen Stra\u00dfe verh\u00fcllte, wenig Zuversicht und Munterkeit zu holen. \u00bbSchon sieben Uhr\u00ab, sagte er sich beim neuerlichen Schlagen des Weckers, \u00bbschon sieben Uhr und noch immer ein solcher Nebel.\u00ab Und ein Weilchen lang lag er ruhig mit schwachem Atem, als erwarte er vielleicht von der v\u00f6lligen Stille die Wiederkehr der wirklichen und selbstverst\u00e4ndlichen Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann aber sagte er sich: \u00bbEhe es ein Viertel acht schl\u00e4gt, mu\u00df ich unbedingt das Bett vollst\u00e4ndig verlassen haben. Im \u00fcbrigen wird auch bis dahin jemand aus dem Gesch\u00e4ft kommen, um nach mir\u00a0zu fragen, denn das Gesch\u00e4ft wird vor sieben Uhr ge\u00f6ffnet.\u00ab Und er machte sich nun daran, den K\u00f6rper in seiner ganzen L\u00e4nge vollst\u00e4ndig gleichm\u00e4\u00dfig aus dem Bett hinauszuschaukeln. Wenn er sich auf diese Weise aus dem Bett fallen lie\u00df, blieb der Kopf, den er beim Fall scharf heben wollte, voraussichtlich unverletzt. Der R\u00fccken schien hart zu sein; dem w\u00fcrde wohl bei dem Fall auf den Teppich nichts geschehen. Das gr\u00f6\u00dfte Bedenken machte ihm die R\u00fccksicht auf den lauten Krach, den es geben m\u00fc\u00dfte und der wahrscheinlich hinter allen T\u00fcren wenn nicht Schrecken, so doch Besorgnisse erregen w\u00fcrde. Das mu\u00dfte aber gewagt werden.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Gregor schon zur H\u00e4lfte aus dem Bette ragte \u2013 die neue Methode war mehr ein Spiel als eine Anstrengung, er brauchte immer nur ruckweise zu schaukeln \u2013, fiel ihm ein, wie einfach alles w\u00e4re, wenn man ihm zu Hilfe k\u00e4me. Zwei starke Leute \u2013 er dachte an seinen Vater und das Dienstm\u00e4dchen \u2013 h\u00e4tten vollst\u00e4ndig gen\u00fcgt; sie h\u00e4tten ihre Arme nur unter seinen gew\u00f6lbten R\u00fccken schieben, ihn so aus dem Bett sch\u00e4len, sich mit der Last niederbeugen und dann blo\u00df vorsichtig dulden m\u00fcssen, da\u00df er den \u00dcberschwung auf dem Fu\u00dfboden vollzog, wo dann die Beinchen hoffentlich einen Sinn bekommen w\u00fcrden. Nun, ganz abgesehen davon, da\u00df die T\u00fcren versperrt waren, h\u00e4tte er wirklich um Hilfe rufen sollen? Trotz aller Not konnte er bei diesem Gedanken ein L\u00e4cheln nicht unterdr\u00fccken.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon war er so weit, da\u00df er bei st\u00e4rkerem Schaukeln kaum das Gleichgewicht noch erhielt, und sehr bald mu\u00dfte er sich nun endg\u00fcltig entscheiden, denn es war in f\u00fcnf Minuten ein Viertel acht, als es an der Wohnungst\u00fcr l\u00e4utete. \u00bbDas ist jemand aus dem Gesch\u00e4ft\u00ab, sagte er sich und erstarrte fast, w\u00e4hrend seine Beinchen nur desto eiliger tanzten. Einen Augenblick blieb alles still. \u00bbSie \u00f6ffnen nicht\u00ab, sagte sich Gregor, befangen in irgendeiner unsinnigen Hoffnung. Aber dann ging nat\u00fcrlich wie immer das Dienstm\u00e4dchen festen Schrittes zur T\u00fcr und \u00f6ffnete. Gregor brauchte nur das erste Gru\u00dfwort des Besuchers zu h\u00f6ren und wu\u00dfte schon, wer es war \u2013 der Prokurist selbst. Warum war nur Gregor dazu verurteilt, bei einer Firma zu dienen, wo man bei der kleinsten Vers\u00e4umnis gleich den gr\u00f6\u00dften Verdacht fa\u00dfte? Waren denn alle Angestellten samt und sonders Lumpen, gab es denn unter ihnen keinen treuen, ergebenen Menschen, der, wenn er auch nur ein paar Morgenstunden f\u00fcr das Gesch\u00e4ft nicht ausgen\u00fctzt hatte, vor Gewissensbissen\u00a0n\u00e4rrisch wurde und geradezu nicht imstande war, das Bett zu verlassen? Gen\u00fcgte es wirklich nicht, einen Lehrjungen nachfragen zu lassen \u2013 wenn \u00fcberhaupt diese Fragerei n\u00f6tig war \u2013, mu\u00dfte da der Prokurist selbst kommen, und mu\u00dfte dadurch der ganzen unschuldigen Familie gezeigt werden, da\u00df die Untersuchung dieser verd\u00e4chtigen Angelegenheit nur dem Verstand des Prokuristen anvertraut werden konnte? Und mehr infolge der Erregung, in welche Gregor durch diese \u00dcberlegungen versetzt wurde, als infolge eines richtigen Entschlusses, schwang er sich mit aller Macht aus dem Bett. Es gab einen lauten Schlag, aber ein eigentlicher Krach war es nicht. Ein wenig wurde der Fall durch den Teppich abgeschw\u00e4cht, auch war der R\u00fccken elastischer, als Gregor gedacht hatte, daher kam der nicht gar so auffallende dumpfe Klang. Nur den Kopf hatte er nicht vorsichtig genug gehalten und ihn angeschlagen; er drehte ihn und rieb ihn an dem Teppich vor \u00c4rger und Schmerz.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDa drin ist etwas gefallen\u00ab, sagte der Prokurist im Nebenzimmer links. Gregor suchte sich vorzustellen, ob nicht auch einmal dem Prokuristen etwas \u00c4hnliches passieren k\u00f6nnte, wie heute ihm; die M\u00f6glichkeit dessen mu\u00dfte man doch eigentlich zugeben. Aber wie zur rohen Antwort auf diese Frage machte jetzt der Prokurist im Nebenzimmer ein paar bestimmte Schritte und lie\u00df seine Lackstiefel knarren. Aus dem Nebenzimmer rechts fl\u00fcsterte die Schwester, um Gregor zu verst\u00e4ndigen: \u00bbGregor, der Prokurist ist da.\u00ab \u00bbIch wei\u00df\u00ab, sagte Gregor vor sich hin; aber so laut, da\u00df es die Schwester h\u00e4tte h\u00f6ren k\u00f6nnen, wagte er die Stimme nicht zu erheben.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGregor\u00ab, sagte nun der Vater aus dem Nebenzimmer links, \u00bbder Herr Prokurist ist gekommen und erkundigt sich, warum du nicht mit dem Fr\u00fchzug weggefahren bist. Wir wissen nicht, was wir ihm sagen sollen. \u00dcbrigens will er auch mit dir pers\u00f6nlich sprechen. Also bitte mach die T\u00fcr auf. Er wird die Unordnung im Zimmer zu entschuldigen schon die G\u00fcte haben.\u00ab \u00bbGuten Morgen, Herr Samsa\u00ab, rief der Prokurist freundlich dazwischen. \u00bbIhm ist nicht wohl\u00ab, sagte die Mutter zum Prokuristen, w\u00e4hrend der Vater noch an der T\u00fcr redete, \u00bbihm ist nicht wohl, glauben Sie mir, Herr Prokurist. Wie w\u00fcrde denn Gregor sonst einen Zug vers\u00e4umen! Der Junge hat ja nichts im Kopf als das Gesch\u00e4ft. Ich \u00e4rgere mich schon fast, da\u00df er abends niemals ausgeht; jetzt war er\u00a0doch acht Tage in der Stadt, aber jeden Abend war er zu Hause. Da sitzt er bei uns am Tisch und liest still die Zeitung oder studiert Fahrpl\u00e4ne. Es ist schon eine Zerstreuung f\u00fcr ihn, wenn er sich mit Laubs\u00e4gearbeiten besch\u00e4ftigt. Da hat er zum Beispiel im Laufe von zwei, drei Abenden einen kleinen Rahmen geschnitzt; Sie werden staunen, wie h\u00fcbsch er ist; er h\u00e4ngt drin im Zimmer; Sie werden ihn gleich sehen, bis Gregor aufmacht. Ich bin \u00fcbrigens gl\u00fccklich, da\u00df Sie da sind, Herr Prokurist; wir allein h\u00e4tten Gregor nicht dazu gebracht, die T\u00fcr zu \u00f6ffnen; er ist so hartn\u00e4ckig; und bestimmt ist ihm nicht wohl, trotzdem er es am Morgen geleugnet hat.\u00ab \u00bbIch komme gleich\u00ab, sagte Gregor langsam und bed\u00e4chtig und r\u00fchrte sich nicht, um kein Wort der Gespr\u00e4che zu verlieren. \u00bbAnders, gn\u00e4dige Frau, kann ich es mir auch nicht erkl\u00e4ren\u00ab, sagte der Prokurist, \u00bbhoffentlich ist es nichts Ernstes. Wenn ich auch andererseits sagen mu\u00df, da\u00df wir Gesch\u00e4ftsleute \u2013 wie man will, leider oder gl\u00fccklicherweise \u2013 ein leichtes Unwohlsein sehr oft aus gesch\u00e4ftlichen R\u00fccksichten einfach \u00fcberwinden m\u00fcssen.\u00ab \u00bbAlso kann der Herr Prokurist schon zu dir hinein?\u00ab fragte der ungeduldige Vater und klopfte wiederum an die T\u00fcr. \u00bbNein\u00ab, sagte Gregor. Im Nebenzimmer links trat eine peinliche Stille ein, im Nebenzimmer rechts begann die Schwester zu schluchzen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum ging denn die Schwester nicht zu den anderen? Sie war wohl erst jetzt aus dem Bett aufgestanden und hatte noch gar nicht angefangen sich anzuziehen. Und warum weinte sie denn? Weil er nicht aufstand und den Prokuristen nicht hereinlie\u00df, weil er in Gefahr war, den Posten zu verlieren, und weil dann der Chef die Eltern mit den alten Forderungen wieder verfolgen w\u00fcrde? Das waren doch vorl\u00e4ufig wohl unn\u00f6tige Sorgen. Noch war Gregor hier und dachte nicht im geringsten daran, seine Familie zu verlassen. Augenblicklich lag er wohl da auf dem Teppich, und niemand, der seinen Zustand gekannt h\u00e4tte, h\u00e4tte im Ernst von ihm verlangt, da\u00df er den Prokuristen hereinlasse. Aber wegen dieser kleinen Unh\u00f6flichkeit, f\u00fcr die sich ja sp\u00e4ter leicht eine passende Ausrede finden w\u00fcrde, konnte Gregor doch nicht gut sofort weggeschickt werden. Und Gregor schien es, da\u00df es viel vern\u00fcnftiger w\u00e4re, ihn jetzt in Ruhe zu lassen, statt ihn mit Weinen und Zureden zu st\u00f6ren. Aber es war eben die Ungewi\u00dfheit, welche die anderen bedr\u00e4ngte und ihr Benehmen entschuldigte.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHerr Samsa\u00ab, rief nun der Prokurist mit erhobener Stimme,\u00a0\u00bbwas ist denn los? Sie verbarrikadieren sich da in Ihrem Zimmer, antworten blo\u00df mit Ja und Nein, machen Ihren Eltern schwere, unn\u00f6tige Sorgen und vers\u00e4umen \u2013 dies nur nebenbei erw\u00e4hnt \u2013 Ihre gesch\u00e4ftlichen Pflichten in einer eigentlich unerh\u00f6rten Weise. Ich spreche hier im Namen Ihrer Eltern und Ihres Chefs und bitte Sie ganz ernsthaft um eine augenblickliche, deutliche Erkl\u00e4rung. Ich staune, ich staune. Ich glaubte Sie als einen ruhigen, vern\u00fcnftigen Menschen zu kennen, und nun scheinen Sie pl\u00f6tzlich anfangen zu wollen, mit sonderbaren Launen zu paradieren. Der Chef deutete mir zwar heute fr\u00fch eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr Ihre Vers\u00e4umnis an \u2013 sie betraf das Ihnen seit kurzem anvertraute Inkasso \u2013, aber ich legte wahrhaftig fast mein Ehrenwort daf\u00fcr ein, da\u00df diese Erkl\u00e4rung nicht zutreffen k\u00f6nne. Nun aber sehe ich hier Ihren unbegreiflichen Starrsinn und verliere ganz und gar jede Lust, mich auch nur im geringsten f\u00fcr Sie einzusetzen. Und Ihre Stellung ist durchaus nicht die festeste. Ich hatte urspr\u00fcnglich die Absicht, Ihnen das alles unter vier Augen zu sagen, aber da Sie mich hier nutzlos meine Zeit vers\u00e4umen lassen, wei\u00df ich nicht, warum es nicht auch Ihre Herren Eltern erfahren sollen. Ihre Leistungen in der letzten Zeit waren also sehr unbefriedigend; es ist zwar nicht die Jahreszeit, um besondere Gesch\u00e4fte zu machen, das erkennen wir an; aber eine Jahreszeit, um keine Gesch\u00e4fte zu machen, gibt es \u00fcberhaupt nicht, Herr Samsa, darf es nicht geben.\u00ab \u00bbAber Herr Prokurist\u00ab, rief Gregor au\u00dfer sich und verga\u00df in der Aufregung alles andere, \u00bbich mache ja sofort, augenblicklich auf. Ein leichtes Unwohlsein, ein Schwindelanfall, haben mich verhindert aufzustehen. Ich liege noch jetzt im Bett. Jetzt bin ich aber schon wieder ganz frisch. Eben steige ich aus dem Bett. Nur einen kleinen Augenblick Geduld! Es geht noch nicht so gut, wie ich dachte. Es ist mir aber schon wohl. Wie das nur einen Menschen so \u00fcberfallen kann! Noch gestern abend war mir ganz gut, meine Eltern wissen es ja, oder besser, schon gestern abend hatte ich eine kleine Vorahnung. Man h\u00e4tte es mir ansehen m\u00fcssen. Warum habe ich es nur im Gesch\u00e4ft nicht gemeldet! Aber man denkt eben immer, da\u00df man die Krankheit ohne Zuhausebleiben \u00fcberstehen wird. Herr Prokurist! Schonen Sie meine Eltern! F\u00fcr alle die Vorw\u00fcrfe, die Sie mir jetzt machen, ist ja kein Grund; man hat mir ja davon auch kein Wort gesagt. Sie haben vielleicht die letzten Auftr\u00e4ge, die ich geschickt habe, nicht gelesen. \u00dcbrigens, noch mit dem Achtuhrzug\u00a0fahre ich auf die Reise, die paar Stunden Ruhe haben mich gekr\u00e4ftigt. Halten Sie sich nur nicht auf, Herr Prokurist; ich bin gleich selbst im Gesch\u00e4ft, und haben Sie die G\u00fcte, das zu sagen und mich dem Herrn Chef zu empfehlen!\u00ab<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Und w\u00e4hrend Gregor dies alles hastig ausstie\u00df und kaum wu\u00dfte, was er sprach, hatte er sich leicht, wohl infolge der im Bett bereits erlangten \u00dcbung, dem Kasten gen\u00e4hert und versuchte nun, an ihm sich aufzurichten. Er wollte tats\u00e4chlich die T\u00fcr aufmachen, tats\u00e4chlich sich sehen lassen und mit dem Prokuristen sprechen; er war begierig zu erfahren, was die anderen, die jetzt so nach ihm verlangten, bei seinem Anblick sagen w\u00fcrden. W\u00fcrden sie erschrecken, dann hatte Gregor keine Verantwortung mehr und konnte ruhig sein. W\u00fcrden sie aber alles ruhig hinnehmen, dann hatte auch er keinen Grund sich aufzuregen, und konnte, wenn er sich beeilte, um acht Uhr tats\u00e4chlich auf dem Bahnhof sein. Zuerst glitt er nun einige Male von dem glatten Kasten ab, aber endlich gab er sich einen letzten Schwung und stand aufrecht da; auf die Schmerzen im Unterleib achtete er gar nicht mehr, so sehr sie auch brannten. Nun lie\u00df er sich gegen die R\u00fcckenlehne eines nahen Stuhles fallen, an deren R\u00e4ndern er sich mit seinen Beinchen festhielt. Damit hatte er aber auch die Herrschaft \u00fcber sich erlangt und verstummte, denn nun konnte er den Prokuristen anh\u00f6ren.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHaben Sie auch nur ein Wort verstanden?\u00ab fragte der Prokurist die Eltern, \u00bber macht sich doch wohl nicht einen Narren aus uns?\u00ab \u00bbUm Gottes willen\u00ab, rief die Mutter schon unter Weinen, \u00bber ist vielleicht schwerkrank, und wir qu\u00e4len ihn. Grete! Grete!\u00ab schrie sie dann. \u00bbMutter?\u00ab rief die Schwester von der anderen Seite. Sie verst\u00e4ndigten sich durch Gregors Zimmer. \u00bbDu mu\u00dft augenblicklich zum Arzt. Gregor ist krank. Rasch um den Arzt. Hast du Gregor jetzt reden h\u00f6ren?\u00ab \u00bbDas war eine Tierstimme\u00ab, sagte der Prokurist, auffallend leise gegen\u00fcber dem Schreien der Mutter. \u00bbAnna! Anna!\u00ab rief der Vater durch das Vorzimmer in die K\u00fcche und klatschte in die H\u00e4nde, \u00bbsofort einen Schlosser holen!\u00ab Und schon liefen die zwei M\u00e4dchen mit rauschenden R\u00f6cken durch das Vorzimmer \u2013 wie hatte sich die Schwester denn so schnell angezogen? \u2013 und rissen die Wohnungst\u00fcre auf. Man h\u00f6rte gar nicht die T\u00fcre zuschlagen; sie hatten sie wohl offen gelassen, wie es in Wohnungen zu sein pflegt, in denen ein gro\u00dfes Ungl\u00fcck geschehen ist.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gregor war aber viel ruhiger geworden. Man verstand zwar also seine Worte nicht mehr, trotzdem sie ihm genug klar, klarer als fr\u00fcher, vorgekommen waren, vielleicht infolge der Gew\u00f6hnung des Ohres. Aber immerhin glaubte man nun schon daran, da\u00df es mit ihm nicht ganz in Ordnung war, und war bereit, ihm zu helfen. Die Zuversicht und Sicherheit, mit welchen die ersten Anordnungen getroffen worden waren, taten ihm wohl. Er f\u00fchlte sich wieder einbezogen in den menschlichen Kreis und erhoffte von beiden, vom Arzt und vom Schlosser, ohne sie eigentlich genau zu scheiden, gro\u00dfartige und \u00fcberraschende Leistungen. Um f\u00fcr die sich n\u00e4hernden entscheidenden Besprechungen eine m\u00f6glichst klare Stimme zu bekommen, hustete er ein wenig ab, allerdings bem\u00fcht, dies ganz ged\u00e4mpft zu tun, da m\u00f6glicherweise auch schon dieses Ger\u00e4usch anders als menschlicher Husten klang, was er selbst zu entscheiden sich nicht mehr getraute. Im Nebenzimmer war es inzwischen ganz still geworden. Vielleicht sa\u00dfen die Eltern mit dem Prokuristen beim Tisch und tuschelten, vielleicht lehnten alle an der T\u00fcre und horchten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gregor schob sich langsam mit dem Sessel zur T\u00fcr hin, lie\u00df ihn dort los, warf sich gegen die T\u00fcr, hielt sich an ihr aufrecht \u2013 die Ballen seiner Beinchen hatten ein wenig Klebstoff- und ruhte sich dort einen Augenblick lang von der Anstrengung aus. Dann aber machte er sich daran, mit dem Mund den Schl\u00fcssel im Schlo\u00df umzudrehen. Es schien leider, da\u00df er keine eigentlichen Z\u00e4hne hatte, \u2013 womit sollte er gleich den Schl\u00fcssel fassen? \u2013 aber daf\u00fcr waren die Kiefer freilich sehr stark; mit ihrer Hilfe brachte er auch wirklich den Schl\u00fcssel in Bewegung und achtete nicht darauf, da\u00df er sich zweifellos irgendeinen Schaden zuf\u00fcgte, denn eine braune Fl\u00fcssigkeit kam ihm aus dem Mund, flo\u00df \u00fcber den Schl\u00fcssel und tropfte auf den Boden. \u00bbH\u00f6ren Sie nur\u00ab, sagte der Prokurist im Nebenzimmer, \u00bber dreht den Schl\u00fcssel um.\u00ab Das war f\u00fcr Gregor eine gro\u00dfe Aufmunterung; aber alle h\u00e4tten ihm zurufen sollen, auch der Vater und die Mutter: \u203aFrisch, Gregor\u2039, h\u00e4tten sie rufen sollen, \u203aimmer nur heran, fest an das Schlo\u00df heran!\u2039 Und in der Vorstellung, da\u00df alle seine Bem\u00fchungen mit Spannung verfolgten, verbi\u00df er sich mit allem, was er an Kraft aufbringen konnte, besinnungslos in den Schl\u00fcssel. Je nach dem Fortschreiten der Drehung des Schl\u00fcssels umtanzte er das Schlo\u00df; hielt sich jetzt nur noch mit dem Munde aufrecht, und je nach Bedarf hing er sich an\u00a0den Schl\u00fcssel oder dr\u00fcckte ihn dann wieder nieder mit der ganzen Last seines K\u00f6rpers. Der hellere Klang des endlich zur\u00fcckschnappenden Schlosses erweckte Gregor f\u00f6rmlich. Aufatmend sagte er sich: \u203aIch habe also den Schlosser nicht gebraucht\u2039, und legte den Kopf auf die Klinke, um die T\u00fcre g\u00e4nzlich zu \u00f6ffnen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Da er die T\u00fcre auf diese Weise \u00f6ffnen mu\u00dfte, war sie eigentlich schon recht weit ge\u00f6ffnet, und er selbst noch nicht zu sehen. Er mu\u00dfte sich erst langsam um den einen T\u00fcrfl\u00fcgel herumdrehen, und zwar sehr vorsichtig, wenn er nicht gerade vor dem Eintritt ins Zimmer plump auf den R\u00fccken fallen wollte. Er war noch mit jener schwierigen Bewegung besch\u00e4ftigt und hatte nicht Zeit, auf anderes zu achten, da h\u00f6rte er schon den Prokuristen ein lautes \u00bbOh!\u00ab aussto\u00dfen \u2013 es klang, wie wenn der Wind saust \u2013 und nun sah er ihn auch, wie er, der der N\u00e4chste an der T\u00fcre war, die Hand gegen den offenen Mund dr\u00fcckte und langsam zur\u00fcckwich, als vertreibe ihn eine unsichtbare, gleichm\u00e4\u00dfig fortwirkende Kraft. Die Mutter \u2013 sie stand hier trotz der Anwesenheit des Prokuristen mit von der Nacht her noch aufgel\u00f6sten, hoch sich str\u00e4ubenden Haaren \u2013 sah zuerst mit gefalteten H\u00e4nden den Vater an, ging dann zwei Schritte zu Gregor hin und fiel inmitten ihrer rings um sie herum sich ausbreitenden R\u00f6cke nieder, das Gesicht ganz unauffindbar zu ihrer Brust gesenkt. Der Vater ballte mit feindseligem Ausdruck die Faust, als wolle er Gregor in sein Zimmer zur\u00fccksto\u00dfen, sah sich dann unsicher im Wohnzimmer um, beschattete dann mit den H\u00e4nden die Augen und weinte, da\u00df sich seine m\u00e4chtige Brust sch\u00fcttelte.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gregor trat nun gar nicht in das Zimmer, sondern lehnte sich von innen an den festgeriegelten T\u00fcrfl\u00fcgel, so da\u00df sein Leib nur zur H\u00e4lfte und dar\u00fcber der seitlich geneigte Kopf zu sehen war, mit dem er zu den anderen hin\u00fcberlugte. Es war inzwischen viel heller geworden; klar stand auf der anderen Stra\u00dfenseite ein Ausschnitt des gegen\u00fcberliegenden, endlosen, grauschwarzen Hauses \u2013 es war ein Krankenhaus \u2013 mit seinen hart die Front durchbrechenden regelm\u00e4\u00dfigen Fenstern; der Regen fiel noch nieder, aber nur mit gro\u00dfen, einzeln sichtbaren und f\u00f6rmlich auch einzelnweise auf die Erde hinuntergeworfenen Tropfen. Das Fr\u00fchst\u00fccksgeschirr stand in \u00fcberreicher Zahl auf dem Tisch, denn f\u00fcr den Vater war das Fr\u00fchst\u00fcck die wichtigste Mahlzeit des Tages, die er bei der Lekt\u00fcre verschiedener Zeitungen stundenlang hinzog. Gerade an der\u00a0gegen\u00fcberliegenden Wand hing eine Photographie Gregors aus seiner Milit\u00e4rzeit, die ihn als Leutnant darstellte, wie er, die Hand am Degen, sorglos l\u00e4chelnd, Respekt f\u00fcr seine Haltung und Uniform verlangte. Die T\u00fcr zum Vorzimmer war ge\u00f6ffnet, und man sah, da auch die Wohnungst\u00fcr offen war, auf den Vorplatz der Wohnung hinaus und auf den Beginn der abw\u00e4rts f\u00fchrenden Treppe.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNun\u00ab, sagte Gregor und war sich dessen wohl bewu\u00dft, da\u00df er der einzige war, der die Ruhe bewahrt hatte, \u00bbich werde mich gleich anziehen, die Kollektion zusammenpacken und wegfahren. Wollt ihr, wollt ihr mich wegfahren lassen? Nun, Herr Prokurist, Sie sehen, ich bin nicht starrk\u00f6pfig und ich arbeite gern, das Reisen ist beschwerlich, aber ich k\u00f6nnte ohne das Reisen nicht leben. Wohin gehen Sie denn, Herr Prokurist? Ins Gesch\u00e4ft? Ja? Werden Sie alles wahrheitsgetreu berichten? Man kann im Augenblick unf\u00e4hig sein zu arbeiten, aber dann ist gerade der richtige Zeitpunkt, sich an die fr\u00fcheren Leistungen zu erinnern und zu bedenken, da\u00df man sp\u00e4ter, nach Beseitigung des Hindernisses, gewi\u00df desto flei\u00dfiger und gesammelter arbeiten wird. Ich bin ja dem Herrn Chef so sehr verpflichtet, das wissen Sie doch recht gut. Andererseits habe ich die Sorge um meine Eltern und die Schwester. Ich bin in der Klemme, ich werde mich aber auch wieder herausarbeiten. Machen Sie es mir aber nicht schwieriger, als es schon ist. Halten Sie im Gesch\u00e4ft meine Partei! Man liebt den Reisenden nicht, ich wei\u00df. Man denkt, er verdient ein Heidengeld und f\u00fchrt dabei ein sch\u00f6nes Leben. Man hat eben keine besondere Veranlassung, dieses Vorurteil besser zu durchdenken. Sie aber, Herr Prokurist, Sie haben eine besseren \u00dcberblick \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse als das sonstige Personal, ja sogar, ganz im Vertrauen gesagt, einen besseren \u00dcberblick als der Herr Chef selbst, der in seiner Eigenschaft als Unternehmer sich in seinem Urteil leicht zuungunsten eines Angestellten beirren l\u00e4\u00dft. Sie wissen auch sehr wohl, da\u00df der Reisende, der fast das ganze Jahr au\u00dferhalb des Gesch\u00e4ftes ist, so leicht ein Opfer von Klatschereien, Zuf\u00e4lligkeiten und grundlosen Beschwerden werden kann, gegen die sich zu wehren ihm ganz unm\u00f6glich ist, da er von ihnen meistens gar nichts erf\u00e4hrt und nur dann, wenn er ersch\u00f6pft eine Reise beendet hat, zu Hause die schlimmen, auf ihre Ursachen hin nicht mehr zu durchschauenden Folgen am eigenen Leibe zu sp\u00fcren bekommt. Herr Prokurist, gehen\u00a0Sie nicht weg, ohne mir ein Wort gesagt zu haben, das mir zeigt, da\u00df Sie mir wenigstens zu einem kleinen Teil recht geben!\u00ab<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber der Prokurist hatte sich schon bei den ersten Worten Gregors abgewendet, und nur \u00fcber die zuckende Schulter hinweg sah er mit aufgeworfenen Lippen nach Gregor zur\u00fcck. Und w\u00e4hrend Gregors Rede stand er keinen Augenblick still, sondern verzog sich, ohne Gregor aus den Augen zu lassen, gegen die T\u00fcr, aber ganz allm\u00e4hlich, als bestehe ein geheimes Verbot, das Zimmer zu verlassen. Schon war er im Vorzimmer, und nach der pl\u00f6tzlichen Bewegung, mit der er zum letztenmal den Fu\u00df aus dem Wohnzimmer zog, h\u00e4tte man glauben k\u00f6nnen, er habe sich soeben die Sohle verbrannt. Im Vorzimmer aber streckte er die rechte Hand weit von sich zur Treppe hin, als warte dort auf ihn eine geradezu \u00fcberirdische Erl\u00f6sung.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gregor sah ein, da\u00df er den Prokuristen in dieser Stimmung auf keinen Fall weggehen lassen d\u00fcrfe, wenn dadurch seine Stellung im Gesch\u00e4ft nicht aufs \u00e4u\u00dferste gef\u00e4hrdet werden sollte. Die Eltern verstanden das alles nicht so gut; sie hatten sich in den langen Jahren die \u00dcberzeugung gebildet, da\u00df Gregor in diesem Gesch\u00e4ft f\u00fcr sein Leben versorgt war, und hatten au\u00dferdem jetzt mit den augenblicklichen Sorgen so viel zu tun, da\u00df ihnen jede Voraussicht abhanden gekommen war. Aber Gregor hatte diese Voraussicht. Der Prokurist mu\u00dfte gehalten, beruhigt, \u00fcberzeugt und schlie\u00dflich gewonnen werden; die Zukunft Gregors und seiner Familie hing doch davon ab! W\u00e4re doch die Schwester hier gewesen! Sie war klug; sie hatte schon geweint, als Gregor noch ruhig auf dem R\u00fccken lag. Und gewi\u00df h\u00e4tte der Prokurist, dieser Damenfreund, sich von ihr lenken lassen; sie h\u00e4tte die Wohnungst\u00fcr zugemacht und ihm im Vorzimmer den Schrecken ausgeredet. Aber die Schwester war eben nicht da, Gregor selbst mu\u00dfte handeln. Und ohne daran zu denken, da\u00df er seine gegenw\u00e4rtigen F\u00e4higkeiten, sich zu bewegen, noch gar nicht kannte, ohne auch daran zu denken, da\u00df seine Rede m\u00f6glicher \u2013 ja wahrscheinlicherweise wieder nicht verstanden worden war, verlie\u00df er den T\u00fcrfl\u00fcgel; schob sich durch die \u00d6ffnung; wollte zum Prokuristen hingehen, der sich schon am Gel\u00e4nder des Vorplatzes l\u00e4cherlicherweise mit beiden H\u00e4nden festhielt; fiel aber sofort, nach einem Halt suchend, mit einem kleinen Schrei auf seine vielen Beinchen nieder.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum war das geschehen, f\u00fchlte er zum erstenmal an diesem Morgen ein k\u00f6rperliches Wohlbehagen; die Beinchen hatten festen Boden unter sich; sie gehorchten vollkommen, wie er zu seiner Freude merkte; strebten sogar danach, ihn fortzutragen, wohin er wollte; und schon glaubte er, die endg\u00fcltige Besserung alles Leidens stehe unmittelbar bevor. Aber im gleichen Augenblick, als er da schaukelnd vor verhaltener Bewegung, gar nicht weit von seiner Mutter entfernt, ihr gerade gegen\u00fcber auf dem Boden lag, sprang diese, die doch so ganz in sich versunken schien, mit einem Male in die H\u00f6he, die Arme weit ausgestreckt, die Finger gespreizt, rief: \u00bbHilfe, um Gottes willen, Hilfe!\u00ab, hielt den Kopf geneigt, als wolle sie Gregor besser sehen, lief aber, im Widerspruch dazu, sinnlos zur\u00fcck; hatte vergessen, da\u00df hinter ihr der gedeckte Tisch stand; setzte sich, als sie bei ihm angekommen war, wie in Zerstreutheit, eilig auf ihn; und schien gar nicht zu merken, da\u00df neben ihr aus der umgeworfenen gro\u00dfen Kanne der Kaffee in vollem Strome auf den Teppich sich ergo\u00df.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMutter, Mutter\u00ab, sagte Gregor leise und sah zu ihr hinauf. Der Prokurist war ihm f\u00fcr einen Augenblick ganz aus dem Sinn gekommen; dagegen konnte er sich nicht versagen, im Anblick des flie\u00dfenden Kaffees mehrmals mit den Kiefern ins Leere zu schnappen. Dar\u00fcber schrie die Mutter neuerdings auf, fl\u00fcchtete vom Tisch und fiel dem ihr entgegeneilenden Vater in die Arme. Aber Gregor hatte jetzt keine Zeit f\u00fcr seine Eltern; der Prokurist war schon auf der Treppe; das Kinn auf dem Gel\u00e4nder, sah er noch zum letzten Male zur\u00fcck. Gregor nahm einen Anlauf, um ihn m\u00f6glichst sicher einzuholen; der Prokurist mu\u00dfte etwas ahnen, denn er machte einen Sprung \u00fcber mehrere Stufen und verschwand; \u00bbHu!\u00ab aber schrie er noch, es klang durchs ganze Treppenhaus. Leider schien nun auch diese Flucht des Prokuristen den Vater, der bisher verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gefa\u00dft gewesen war, v\u00f6llig zu verwirren, denn statt selbst dem Prokuristen nachzulaufen oder wenigstens Gregor in der Verfolgung nicht zu hindern, packte er mit der Rechten den Stock des Prokuristen, den dieser mit Hut und \u00dcberzieher auf einem Sessel zur\u00fcckgelassen hatte, holte mit der Linken eine gro\u00dfe Zeitung vom Tisch und machte sich unter F\u00fc\u00dfestampfen daran, Gregor durch Schwenken des Stockes und der Zeitung in sein Zimmer zur\u00fcckzutreiben. Kein Bitten Gregors half, kein Bitten wurde auch verstanden, er mochte den Kopf noch so\u00a0dem\u00fctig drehen, der Vater stampfte nur st\u00e4rker mit den F\u00fc\u00dfen. Dr\u00fcben hatte die Mutter trotz des k\u00fchlen Wetters ein Fenster aufgerissen, und hinausgelehnt dr\u00fcckte sie ihr Gesicht weit au\u00dferhalb des Fensters in ihre H\u00e4nde. Zwischen Gasse und Treppenhaus entstand eine starke Zugluft, die Fenstervorh\u00e4nge flogen auf, die Zeitungen auf dem Tische rauschten, einzelne Bl\u00e4tter wehten \u00fcber den Boden hin. Unerbittlich dr\u00e4ngte der Vater und stie\u00df Zischlaute aus, wie ein Wilder. Nun hatte aber Gregor noch gar keine \u00dcbung im R\u00fcckw\u00e4rtsgehen, es ging wirklich sehr langsam. Wenn sich Gregor nur h\u00e4tte umdrehen d\u00fcrfen, er w\u00e4re gleich in seinem Zimmer gewesen, aber er f\u00fcrchtete sich, den Vater durch die zeitraubende Umdrehung ungeduldig zu machen, und jeden Augen blick drohte ihm doch von dem Stock in des Vaters Hand der t\u00f6dliche Schlag auf den R\u00fccken oder auf den Kopf. Endlich aber blieb Gregor doch nichts anderes \u00fcbrig, denn er merkte mit Entsetzen, da\u00df er im R\u00fcckw\u00e4rtsgehen nicht einmal die Richtung einzuhalten verstand; und so begann er, unter unaufh\u00f6rlichen \u00e4ngstlichen Seitenblicken nach dem Vater, sich nach M\u00f6glichkeit rasch, in Wirklichkeit aber doch nur sehr langsam umzudrehen. Vielleicht merkte der Vater seinen guten Willen, denn er st\u00f6rte ihn hierbei nicht, sondern dirigierte sogar hie und da die Drehbewegung von der Ferne mit der Spitze seines Stockes. Wenn nur nicht dieses unertr\u00e4gliche Zischen des Vaters gewesen w\u00e4re! Gregor verlor dar\u00fcber ganz den Kopf. Er war schon fast ganz umgedreht, als er sich, immer auf dieses Zischen horchend, sogar irrte und sich wieder ein St\u00fcck zur\u00fcckdrehte. Als er aber endlich gl\u00fccklich mit dem Kopf vor der T\u00fcr\u00f6ffnung war, zeigte es sich, da\u00df sein K\u00f6rper zu breit war, um ohne weiteres durchzukommen. Dem Vater fiel es nat\u00fcrlich in seiner gegenw\u00e4rtigen Verfassung auch nicht entfernt ein, etwa den anderen T\u00fcrfl\u00fcgel zu \u00f6ffnen, um f\u00fcr Gregor einen gen\u00fcgenden Durchgang zu schaffen. Seine fixe Idee war blo\u00df, da\u00df Gregor so rasch als m\u00f6glich in sein Zimmer m\u00fcsse. Niemals h\u00e4tte er auch die umst\u00e4ndlichen Vorbereitungen gestattet, die Gregor brauchte, um sich aufzurichten und vielleicht auf diese Weise durch die T\u00fcr zu kommen. Vielmehr trieb er, als g\u00e4be es kein Hindernis, Gregor jetzt unter besonderem L\u00e4rm vorw\u00e4rts; es klang schon hinter Gregor gar nicht mehr wie die Stimme blo\u00df eines einzigen Vaters; nun gab es wirklich keinen Spa\u00df mehr, und Gregor dr\u00e4ngte sich \u2013 geschehe was wolle \u2013 in die T\u00fcr. Die eine\u00a0Seite seines K\u00f6rpers hob sich, er lag schief in der T\u00fcr\u00f6ffnung, seine eine Flanke war ganz wundgerieben, an der wei\u00dfen T\u00fcr blieben h\u00e4\u00dfliche Flecken, bald steckte er fest und h\u00e4tte sich allein nicht mehr r\u00fchren k\u00f6nnen, die Beinchen auf der einen Seite hingen zitternd oben in der Luft, die auf der anderen waren schmerzhaft zu Boden gedr\u00fcckt \u2013 da gab ihm der Vater von hinten einen jetzt wahrhaftig erl\u00f6senden starken Sto\u00df, und er flog, heftig blutend, weit in sein Zimmer hinein. Die T\u00fcr wurde noch mit dem Stock zugeschlagen, dann war es endlich still.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-99615\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Franz_Kafka-e1645556890422.jpg\" alt=\"\" width=\"246\" height=\"300\" \/>KUNO hat ein Faible f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Trash<\/a>. Dem Begriff <em>Trash<\/em> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Daher sei Enno Stahls fulminantes Zeitdokument\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26047\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Deutscher Trash<\/a> ebenso eindr\u00fccklich empfohlen wie Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Ebenso verwiesen sei auf die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44449\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Trash-Lyrik<\/a>.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Tr\u00e4umen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten R\u00fccken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gew\u00f6lbten, braunen,&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1994\/07\/03\/die-verwandlung\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":107,"featured_media":99615,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[494],"class_list":["post-17414","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-franz-kafka"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17414","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/107"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17414"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17414\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100630,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17414\/revisions\/100630"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99615"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17414"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17414"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17414"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}