{"id":17223,"date":"2021-03-09T00:01:00","date_gmt":"2021-03-08T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17223"},"modified":"2022-03-05T13:33:47","modified_gmt":"2022-03-05T12:33:47","slug":"nicht-nur-zur-urlaubszeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/09\/nicht-nur-zur-urlaubszeit\/","title":{"rendered":"Nicht nur zur Urlaubszeit"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Griff ins Regal greife ich dieser Tage nach den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6036\">Vignetten<\/a> von A.J. Weigoni. Eigentlich sollte es ein kurzer Blick auf ein Zitat werden, dann las ich mit in zweiten Kapitel fest. Dies ist eigentlich eine poetische Auseinandersetzung mit einer sechstausendjahre alten Kultur. Diese Novelle spielt auf den Totenkult der alten \u00c4gypter und die mit ihm verbundene Vorstellung vom Jenseits an. Als Gegensatz zur griechischen Zweiteilung der Welt in ein Diesseits und Jenseits zeichne sich das dreistufige Modell der \u00c4gypter in den orphischen Mysterien ab: Aus dem dunklen Hades kann man in Gefilde der Seligen aufsteigen; der Eingeweihte wandelt in esoterischer Ekstase als Dionysos-Osiris durch heilige Haine. Sein Geheimwissen f\u00fchrt ihn aus dem Totenreich ins jubelnde Leben des Ewigen &#8211; und das strahlt dann noch ins Christentum weiter. Sch\u00f6pfung erfolgt seit jeher durch Nachdenken und nachfolgendes Aussprechen des Gedachten. Die Mythen und Mysterien, kreisen um den get\u00f6teten und wiederauferstandenen Osiris, der als Totenrichter die Herzen der Verstorbenen pr\u00fcft und von dem die Gl\u00e4ubigen sich ein neues, osirisgleiches Leben erhoffen um die Verg\u00e4nglichkeit des Seins zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die \u00c4gypter gab es keinen Tod. Jeder Mensch konnte versichert sein, auf der anderen Seite der Erde eine neue Existenz vorzufinden, die der hier befindlichen \u00e4hnlich war und er konnte sich der verheissenen Ewigkeit erfreuen, ohne dass er im mindesten seine materiellen Reicht\u00fcmer h\u00e4tte aufgeben m\u00fcssen, wenn er ein Gerechtfertigter inmitten der Planeten geworden war. Die Erfahrung des Todes hat den Menschen veranlasst, zum ersten Mal den Gedanken des \u00dcbernat\u00fcrlichen zu fassen und eine Hoffnung \u00fcber das Sichtbare hinaus zu heben. Der Tod war das erste Mysterium. Er hat den Menschen auf die Spur weiterer Mysterien gebracht. Hat ihr Denken vom Sichtbaren zum Unsichtbaren erhoben, vom Verg\u00e4nglichen zum Ewigen, vom Menschlichen zum G\u00f6ttlichen. Wenn wir modernen Menschen z\u00f6gern, uns auf solche abstrakten Wege zu begeben, weil sie sich auf nichts Substantielles beziehen, kann man ebenso gut verstehen, dass wir in unserem Inneren nichts kennen, was unsichtbar ist und sich fortentwickelt oder zugrunde geht, ohne dass sich der Gang dieser Entwicklung oder Zerst\u00f6rung unserem Verstand oder Gef\u00fchl einpr\u00e4gt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Vignetten<\/strong>, Novelle von A. J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2009.<\/p>\n<div style=\"width: 184px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=17223&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg\" sizes=\"auto, (max-width: 174px) 100vw, 174px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg 623w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover-196x300.jpeg 196w\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"266\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Titelmotiv: Schreibstab von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Constanze Schmidt zur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/11\/18\/wellenbewegungen\/\">Novelle<\/a> und zum <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">Label<\/a>. Ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/18\/literaturgeografie\/\">Nachwort<\/a> von Enrik Lauer. KUNO \u00fcbernimmt einen Artikel der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/09\/09\/bruchstuckhafte-morsezeichen\/\">Lyrikwelt<\/a> und aus dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/09\/lachfalten-im-gesicht-der-zeit\/\">Poetenladen<\/a>. Betty Davis konstatiert <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/06\/18\/ein-fein-gesponnenes-psychogramm\/\">ein fein gesponnenes Psychogramm<\/a>. Aus Sicht von Margaretha Schnarhelt sind sie verdichtet, streng <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/05\/03\/durchkomponiert-und-durchrhythmisiert\/\">durchkomponiert und durchrhythmisiert<\/a>. \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/12\/18\/novelle_revisited\/\">Reanimierung<\/a> der instabilen Gattung Novelle und die Weiterentwicklung zum Buch \/ Katalog-Projekt <em>630<\/em> finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46549\">hier<\/a> einen Essay. Ein H\u00f6rprobe findet sich <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/630.html\">hier<\/a>. Mit einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Laudatio<\/a> wurde der Hungertuch-Preistr\u00e4ger Tom T\u00e4ger und seine Arbeit im Tonstudio an der Ruhr gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Beim Griff ins Regal greife ich dieser Tage nach den Vignetten von A.J. Weigoni. 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