{"id":17197,"date":"2006-01-07T00:01:00","date_gmt":"2006-01-06T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17197"},"modified":"2023-06-11T12:50:34","modified_gmt":"2023-06-11T10:50:34","slug":"kautskys-nachtgesang","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/01\/07\/kautskys-nachtgesang\/","title":{"rendered":"Kautskys Nachtgesang"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kautsky, dem im Leben die Vorbilder ausgingen, weil es einfach keine mehr gab und weil er immer deutlicher sah, dass er nun selber dran war Vorbild zu sein, zog es manchmal, in seiner Einsamkeit mit sich selbst, mitten in der Nacht hinaus zu \u00dcberlebenswanderungen, wie er es nannte, zu abenteuerlichen Streifz\u00fcgen seiner Seele durch die Stadt, wo er erlebte, was tags\u00fcber unm\u00f6glich geschehen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal, es war im Oktober, zehn Jahre nach der Wende, zog es ihn zu den Gr\u00e4bern auf dem Dorotheenst\u00e4dtischen Friedhof, wo die alten Vorbilder lagen, die er verehrte, denen er immer nachstrebte, wenn auch mit wenig Erfolg, die ihm aber im Tagleben fehlten und deren Geist ihm nun endg\u00fcltig verraten schien, seit die Menschheit, im Taumel tr\u00fcgerischer Wiedervereinigung, weltweit von der kapitalistischen Weltevolution beherrscht wurde. Da wollte er, wenigstens auf der Nachtseite seines Lebens, mit dem Geist der vergangenen Zeit sich unterhalten, um sich f\u00fcr h\u00e4rtere Tage zu st\u00e4rken. Ihm war klar, dass seine Vorbilder vom Lauf der Geschichte \u00fcberwunden waren, dass sie nun unter der Erde lagen, und dass sein Gang \u00fcber den Friedhof praktisch nutzlos war. Sollte er die Toten ausgraben, die nicht mehr reden konnten? Aber da war immer noch das Bewusstsein aus den wenigen gl\u00fccklichen Kindertagen in ihm, als er Mark Twains \u201eTom Sawyer und Huckleberry Finn\u201c gelesen hatte, unausl\u00f6schlich die Vollmondnacht, in der Tom und Huck sich bei den Gr\u00e4bern eine eigene Welt erschufen, wie nur Kinder oder bedeutende K\u00fcnstler dazu die Macht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kautsky betrat den Friedhof, als w\u00e4re er dort zu Hause. Er f\u00fchlte sich wieder jung. Oben schien der Vollmond auf die Gr\u00e4ber. Er stand im Zenit der Nacht. Es war so hell, dass die Inschriften auf den Grabsteinen lesbar waren. Wie ein aufgeschlagenes Buch!, dachte Kautsky. Bertolt Brechts Grab war die erste Station, zu der er ging. \u00dcberall wucherten Gras und Unkraut. Kleine B\u00fcsche, kleine B\u00e4ume standen auf der Sch\u00e4delst\u00e4tte umher. Ein leichter Wind zog durch die Zweige, die Bl\u00e4tter murmelten leise. Kautsky glaubte schon die Stimmen der toten Geister zu h\u00f6ren. Er war ganz allein. Viele der alten Gr\u00e4ber lagen etwas eingesunken da. Gro\u00df und prachtvoll die einen, arm und bescheiden die andern. Aber die Gr\u00f6\u00dfe der Gr\u00e4ber verriet nicht, wie gro\u00df die Toten im Leben waren. Kautsky fand rasch das einfache Grab. Dort stand er schweigend. Endlos dehnte sich die Zeit. Immer dr\u00fcckender wurden seine Gedanken. Er musste etwas sagen. Er fragte sich, ob ihn die toten Seelen h\u00f6ren, wenn er redet. Man kann nicht vorsichtig genug sein, wenn man \u00fcber die toten Leute da unten redet, dachte er. \u2013 F\u00fcrchte dich doch nicht allzusehr! Sprich einfach! \u2013 Er hatte trotz der Fremdheit der Situation das Gef\u00fchl einer besonderen Vertrautheit mit den Bewohnern dieser Gr\u00e4ber, die ihren Grund in der heimlichen Begegnung fand, die er ersehnte. Formfragen sind au\u00dferhalb der Logik des Lebens absurd, sagte er sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eFreunde!\u201c, rief er, \u201eihr wisst die Wahrheit!\u201c Aber die Gr\u00e4ber antworteten nicht. Brecht nicht, Helene Weigel nicht, Johannes R. Becher, ein paar Meter weiter, auch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er stand traurig da und wartete. Es wollte auch in ihm selbst keine Antwort klingen. Was sind das auch f\u00fcr Fragen! Kautsky will die ganze Wahrheit, er will alles oder nichts. Als ob die klugen Toten w\u00fcssten, was die Lebenden brauchen! In der Totenwelt lebt es sich ganz anders als in der Welt der Lebenden, die Totenwelt ist f\u00fcr den Lebenden eine tote Welt, und f\u00fcr den Toten die lebendige Welt eine tote, denn die Gesetze der einen haben mit den Gesetzen der anderen nichts zu tun. Aber Kautsky wartete weiter, er dachte, er m\u00fcsse in der anderen Welt wenigstens einmal anklopfen. Wer dort anklopft, sagte er sich, will durch die T\u00fcr ins eigene Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf einmal h\u00f6rte er einen leisen Gesang, dessen Quelle fernere Gr\u00e4ber in seinem R\u00fccken sein mussten. Das waren die Gr\u00e4ber der j\u00fcngeren Toten. Die jungen Toten feierten, das wusste er, am lautesten, und sie freuten sich noch dar\u00fcber, dass sie gestorben sind und aus dem bekannten Leben in ein anderes geworfen wurden. Kautsky drehte sich um und ging in die Spur der T\u00f6ne hinein, bis er vor dem Grab Heiner M\u00fcllers stand. Eine einfache Stele trug seinen klein geschriebenen Namen und die Lebenszeit auf Erden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben auch deine Vorschl\u00e4ge nicht angenommen, sagte Kautsky halbleise vor sich hin, als er auf die kleinen Steine auf der Spitze der Stele sein Steinchen zum Gedenken an den geliebten Dichter legte. Wie bei den Juden!, dachte er. Ein deutscher Kommunist, verfolgt und angespieen! Konntest dich aber wehren und hast hart zur\u00fcckgeschlagen. Waffen deine Worte! Und nun erkannte er die Musik, die unter ihm t\u00f6nte, immer besser, denn es waren viele Stimmen, die sangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ver-ron-nen die nacht und der mor-gen er-wacht:<br \/>\nro-te flo-tte mit voll-dampf vo-raus!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie waren dort alle zusammen gekommen im Grabe Heiner M\u00fcllers, dachte Kautsky, Brecht, die Weigel, der Becher, Hans Eisler und Paul Dessau. Neben M\u00fcllers Grab erkannte er das Grab von J\u00fcrgen Kuczynski, nicht weit davon Bernhard Minetti, dann, etwas weiter weg, die Gr\u00e4ber von Arnold Zweig, Anna Seghers, Ruth Berghaus, Wieland Herzfelde und John Heartfield, dann Rudolf Bahro, und schlie\u00dflich Heinrich Mann und Hegel. Irgendwie, dachte Kautsky, geh\u00f6ren die beiden als Sympathisanten einer neuen Weltkommune auch dazu, ohne Hegels Dialektik w\u00e4ren wir total aufgeschmissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">aus der a-sche uns-rer to-ten lo-dert flam-men-glut<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">aus dem blu-te uns-rer to-ten keimt die neu-e saat!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Moment sah Kautsky den ganzen Dorotheenst\u00e4dtischen Friedhof als eine einzigartige Katakombe der Kommunisten. Er h\u00f6rte nun, versunken in die eigene Vergangenheit, die alten Lieder, die ihn selbst gepr\u00e4gt hatten. \u201eAuferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt\u201c, oder \u201eBau auf bau auf, bau auf bau auf, freie deutsche Jugend, bau auf, f\u00fcr eine bessere Zukunft \u2013\u201c, und dann aus den Gr\u00fcften:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">herr-li-cher bai-kal, du hei-li-ges meer,<br \/>\nauf ei-ner lachs-ton-ne will ich dich zwing-en!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wunderbar, f\u00fchlte Kautsky, verbanden sich in solchen Versen Poesie und ideologischer Anspruch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">schar-fer nord-ost treibt die wel-len da-her.<br \/>\nre-ttung, sie muss mir ge-ling-en! \u2013<br \/>\njah-re-lang schleppt&#8216; ich die ke-tte am bein,<br \/>\nfern in si-bi-ri-ens eis-kal-ten ber-gen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle aber musste er an seinen Vater denken, der in der K\u00e4lte Sibiriens fast erfroren war, in sieben Jahren sowjetischer Kriegsgefangenschaft \u2013 aber daran hatte Hitler Schuld, Hitlerdeutschland, sagte er sich, die Rote Armee hat uns befreit! In Sibiriens eiskalten Bergen! Er musste auch an den Archipel GULAG denken. Schwierige Lieder! Aber er sang innerlich mit, das waren die Lieder, die mit der sp\u00e4teren kommunistischen Knechtschaft nichts zu tun hatten, das waren noch die Lieder der Hoffnung auf eine bessere Welt, Lieder vom Sieg der Weltrevolution! Er konnte noch ohne Z\u00f6gern mitsingen, als aus den Katakomben die Hymne der Sowjetunion dr\u00f6hnte. Ihm war klar, das sind formelhafte Verse, man muss sie beim Singen dialektisch umdenken ins richtig Gemeinte.<br \/>\nAber pl\u00f6tzlich sangen die da unten richtig ketzerische Lieder aus \u00fcberwunden geglaubter Zeit, er traute seinen Ohren nicht, als er das Kolchosenlied h\u00f6rte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; ja, uns lehrt ge-no-sse sta-lin, dass die ar-beit wun-der tut.<br \/>\nun-ser kol-chos k\u00e4mpf-te wa-cker wie ein mann um je-des pud&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kautsky f\u00fchlte sich in seine Kindheit zur\u00fcckversetzt. Am Ersten Mai fuhr er wie die anderen Jungen Pioniere auf dem mit Maigl\u00f6ckchen und Hammer-und-Zirkel-F\u00e4hnchen geschm\u00fcckten Roller, das blaue Tuch um den Hals, durch die Stra\u00dfen. Ihm fielen dann die Sirenen ein, die im M\u00e4rz 1953 minutenlang heulten, als der St\u00e4hlerne gestorben war. \u201eStalin ist tot! Doch sagt: Kann Stalin sterben?\u201c, schrieb einer der vielen Staatsdichter. \u201eLebt er nicht fort als unbegrenzte Kraft, als Sehnsucht, Willen, Arbeit, Wissenschaft, in der Partei \u2013 ?\u201c Kautsky fragte sich das damals auch, wusste aber keine Antwort. Und nun sangen sie in der Tiefe der Katakomben solche garstigen Lieder! Kautsky verstand den Gesang der Toten nicht. Vielleicht sangen sie die Lieder unter ihrem Anf\u00fchrer Heiner M\u00fcller mit dem Galgenhumor, den nur die Toten begreifen. Vielleicht ist das die Ironie der Resignation, dachte er, eine Feier des Scheiterns, um dort weiterleben zu k\u00f6nnen, wo eine Revolution ohnehin sinnlos ist. Wer wei\u00df. Es machte ihn jedenfalls noch trauriger.<br \/>\nIn seiner Not, ganz auf sich allein gestellt, begann Kautsky nun selber zu singen. Leise summte er die Melodie, und dann, mit einem Male \u00f6ffnete er weit seinen Mund und sang mit lauter, klarer Stimme die sch\u00f6nste Hymne, die er kannte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBr\u00fc-der zur Son-ne, zur Freii-heit!<br \/>\nBr\u00fc-der zum Lich-te, zum Lich-te em-por!<br \/>\nHell aus dem dunk-len Ver-ga-hang-nen<br \/>\nleuch-tet die Zu-kunft her-vor!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihm wurde es, mit den ersten Worten, die er heraussang aus seiner kalten Seele, w\u00e4rmer. Ja! Fliegen!, dachte Kautsky. Ich bin Ikarus. Der melodische Bogen und der Rhythmus des Liedes ergriff seinen ganzen K\u00f6rper, der sich nun selbst beherrschte, indem er sich frei sang, und Kautsky fing auf der Stelle an zu marschieren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSeht, wie der Zug von Mill-io-nen<br \/>\nend-los aus N\u00e4ch-ti-gem quillt&#8230;\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Moment begann der Boden unter seinem kleinen Marschtritt zu erzittern, er h\u00f6rte, wie das Stampfen seines Schrittes wuchs und wuchs, mit jedem Wort, mit jedem Ton wuchs die Kraft, Kautskys Erde wankte, der Himmel der Toten bebte &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e&#8230;bis eu-rer Sehn-sucht Ver-la-hang-en<br \/>\nHim-mel und Nacht \u00fc-ber-schwillt!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kautsky erfuhr in dieser Nacht die Macht der Musik, sein Lied und die Welt der Toten wurden eins, Idee und Wirklichkeit verschmolzen miteinander, als er die Worte sang:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBr\u00fc-der, in eins nun die H\u00e4n-de!<br \/>\nBr\u00fc-der, das Ster-ben ver-lacht!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war&#8217;s! Der m\u00e4chtige Gesang verstummte. Der Marschtritt der Millionen verhallte. Kautsky sang nicht mehr, er stand nun ebenfalls still. Er hatte die Toten erreicht, und die Toten verstanden ihn. Die vollkommene Stille durchbrach die Erde. Aus dem Grab wuchs eine Zigarre. Kautsky wollte nicht glauben, dass sich hier ein Wunder ereignete. Zigarren, die aus der Erde wachsen, wie aus dem Grab eines Heiligen! Aber es war kein Wunder, jetzt wuchs auch der Kopf Heiner M\u00fcllers aus der Erde! Er hatte die Zigarre im Mundwinkel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGib mir Feuer!\u201c, sagte er. Kautsky gab ihm Feuer. Heiner M\u00fcller nahm einen tiefen Zug. Die Zigarre glomm hell auf. Heiner M\u00fcller blies den Rauch zu einer kleinen Wolke in die sternklare Vollmondnacht. Eine kleine wei\u00dfe Wolke. Doch diese Wolke bl\u00fchte nur Sekunden. Kautsky f\u00fchlte sich auf einmal seltsam beobachtet, er sah sich um: Aus jedem Grab schien nun ein Licht, die Zigarrensterne leuchteten aus der Erde, ein umgekippter Himmel!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas nun?\u201c, sagte Heiner M\u00fcller in die glei\u00dfende Stille hinein, \u201eich w\u00fcnschte, ich w\u00fcsste die Wahrheit. Deine Wahrheit gibt es da oben nicht.\u201c Kautsky war entt\u00e4uscht. \u201eIch spiele keine Rolle mehr. Mein Drama findet nicht mehr statt. Ich spiele nicht mehr mit. Das Textbuch ist verlorengegangen. Ich will nicht mehr sterben. Ich will nicht mehr t\u00f6ten.\u201c War das, wie manche sagten, der bessere Stalin, der da mit ihm sprach? \u201eIch will in meinen Adern wohnen, im Mark meiner Knochen, im Labyrinth meines Sch\u00e4dels. Meine Gedanken sind Wunden in meinem Gehirn.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kautsky aber wollte die Wahrheit wissen: \u201eWie klappt es denn da unten mit der Utopie?\u201c, fragte Kautsky, der die Klage, die er h\u00f6rte, auf die Welt bezog, in der er lebte. Heiner M\u00fcller grinste. \u201eEs funktioniert!\u201c, sagte er, \u201ees funktioniert tats\u00e4chlich! Wir haben die L\u00f6sung hier unten gefunden.\u201c Mit diesen Worten durchstie\u00df sein rechter Arm die Erde seines Grabes, er reichte Kautsky die Hand, der ergriff sie, und sie sangen beide:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bru-der, in eins nun die h\u00e4n-de!<br \/>\nbru-der, das ster-ben ver-lacht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heiner M\u00fcller packt die Hand Kautskys immer fester. Er will ihn zu sich ziehen hinunter in sein Grab! Kautsky wei\u00df einen Moment nicht, wie ihm geschieht. Soll er von seinem Himmel in die H\u00f6lle fallen? Der bessere Heiner M\u00fcller werden? Er wei\u00df es nicht. Er z\u00f6gert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kritische K\u00f6rper<\/strong> von Ulrich Bergmann,\u00a0Pop Verlag Ludwigsburg, 2006<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=45119&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/KoerperCover-e1512293256786.jpg\" alt=\"\" width=\"185\" height=\"266\" \/><\/a>Ulrich Bergmann bezeichnet den Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper<\/em> als \u201aCriminal Phantasy\u2019. Der Leser findet in diesen Kurzgeschichten eine f\u00fcr diesen Autor typische Montagetechnik, unterst\u00fctzt durch einen imagistischen Bildgebrauch und die Verwendung extremer Bilder. Von der Figurenzeichnung bis zum Handlungsablauf ist jederzeit klar, wie in diesem Zyklus die moralischen Grenzen verlaufen. Bergmann schreibt gegen den dr\u00f6gen Realismus der modernen Literatur an, und in der Tat besteht das Realistische seiner Literatur darin, das Grausame in seine Texte einflie\u00dfen zu lassen, wobei sie plausible Beschreibungen des Innen und des Au\u00dfen seiner Figuren auch ins Fantastische verl\u00e4ngern. Er erkl\u00e4rt uns eine Welt, in der sich die Bedeutung der Wirklichkeit nicht an der Oberfl\u00e4che erschlie\u00dft. Der Leser muss sich selber von der Abgr\u00fcndigkeit \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>Lesenswert zum Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper<\/em> der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15183\">Essay<\/a> von Holger Benkel.\u00a0Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte aus dem Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper,<\/em> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a>aufploppen. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em>\u00a0von Ulrich Bergmann finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>. Lesen Sie auf KUNO auch zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em>\u00a0den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Essay<\/a>\u00a0von Holger Benkel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Kautsky, dem im Leben die Vorbilder ausgingen, weil es einfach keine mehr gab und weil er immer deutlicher sah, dass er nun selber dran war Vorbild zu sein, zog es manchmal, in seiner Einsamkeit mit sich selbst, mitten in&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/01\/07\/kautskys-nachtgesang\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":98374,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[866],"class_list":["post-17197","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-ulrich-bergmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17197"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17197\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104753,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17197\/revisions\/104753"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98374"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17197"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17197"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}