{"id":17110,"date":"2023-09-13T00:01:58","date_gmt":"2023-09-12T22:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17110"},"modified":"2026-01-24T13:44:13","modified_gmt":"2026-01-24T12:44:13","slug":"redenredenreden-ein-ohr-ratorium","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/09\/13\/redenredenreden-ein-ohr-ratorium\/","title":{"rendered":"RedenRedenReden, ein Ohr-Ratorium"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Bernd Wiesemann organisierte von 1991 bis 2001 die Reihe &#8222;Forum 20&#8220; mit Musik des 20. Jahrhunderts in D\u00fcsseldorf.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Live-H\u00f6rspiel verbindet man immer noch Orson Welles CBS-Live-Thriller Krieg der Welten. Die Anspr\u00fcche an das heutige H\u00f6rspiel schienen lange Zeit unabh\u00e4ngig vom Genre in Anspruch und Produktionsweise kaum mehr f\u00fcr den Live-Auftritt geeignet. Dennoch gibt es einen Gegentrend und er wurde live aufgenommen in der Reihe \u201eForum 20\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Komposition zu <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/redenredenreden.htm\"><span style=\"color: #ff0000;\">RedenRedenReden<\/span><\/a> (auf MetaPhon in der Reihe &#8218;Dokumente&#8216;) handelt vom unerm\u00fcdlichen Wiesemannschen Forschergeist, von der ewigen Suche nach unverbrauchten Ausdrucksformen. Bernd Wiesemann hat versucht, die Form des Live-H\u00f6rspiels, die Gedanken der Hauptfiguren auf musikalische Verh\u00e4ltnisse zu \u00fcbertragen und generiert mit seiner Komposition zu <em>RedenRedenReden<\/em> eine subtile Kongruenz von Wort-Ton-Bez\u00fcgen. Die Anlage der Komposition ist schlicht und raffiniert zugleich. Tempom\u00e4\u00dfig und im Grundcharakter stiftet sie eine Bogenform. In den Zeitdauern ist sie ansteigend, die dynamisch intensivste Stelle steht etwa in der Mitte. Die Komposition ist durchgeformt. Das Tonmaterial kombiniert mit Papierger\u00e4uschen und Komplement\u00e4rakkorden, wird stringent ausgef\u00fchrt. Ein Zug des Schweifenden, des locker Gel\u00f6sten ist diesem H\u00f6rst\u00fcck eigen, das von Kai M\u00f6nnich und Dietmar Walbeck als Sprecher gestaltet wird. Ihre gezackte Rezitation ist rasch als Parodie auf Rene Polesch Vokalstil zu verstehen. Die Grenz\u00fcberschreitungen, die dieses Live-H\u00f6rspiel thematisiert, vollzieht es formal in der Aufhebung der Gattungsgrenzen nach. Es wird ganz ohne Psychologie erz\u00e4hlt, eher als Status quo eines Experiments. Der Wortk\u00fcnstler A.J. Weigoni wei\u00df mancherlei \u00fcber die harten Bandagen, mit denen man sich auch noch vier Jahrzehnte nach Cages europ\u00e4ischem Wirken um Kunstpfr\u00fcnde und Dicherlorbeer pr\u00fcgelt. Weigonis Live-H\u00f6rspiel <em>RedenRedenReden<\/em>, vordergr\u00fcndig eine Boxkampf-Parodie mit Kommentator und zwei schlagabtauschenden Dichter-Recken, zieht hinter der Witz\u2013Fassade traurige Bilanzen. Sie sind auf der Suche nach der Poesie und finden Einzelteile einer versprengten Existenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bernd Wiesemann gilt zu Recht als Komponist f\u00fcr Neue Musik. Er braucht zur Darstellung seiner Klang-Farben-Vorstellungen die Vielfalt der Instrumentalpalette. Seine Kompositionen sind nicht blo\u00dfe &#8222;Begleitung&#8220;, sondern strukturell und diskpositiv ebenso gewichtig wie die Sprecherstimmen. Der Bilker hat im Terrain der Musik stets die schwierigen, scheinbar unbegehbaren Routen oberhalb der Baumgrenze gew\u00e4hlt. Man glaubt beim H\u00f6ren schrundiges Felsgestein unter den F\u00fc\u00dfen zu sp\u00fcren. Erkaltete Lavaboasen und schwarzes Ger\u00f6ll, scharfkantige Krater und g\u00e4hnende Erdspalten; er assoziiert Reliefstrukturen mit dem Rumoren des Papiers, fauchende Fumarolen mit tonlosen Anblasger\u00e4uschen. Wiesemanns Musik hat keinen illustrativen Charakter. Seine Klanglandschaften in <em>RedenRedenReden<\/em> sind abstrakt und trotzdem von eindringlicher Bildhaftigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kai M\u00f6nnich, Stimme + Radio<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Dietmar Walbeck, Stimme + Radio<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">A.J. Weigoni, Stimme + Radio<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ensemble offene form d\u00fcsseldorf<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mathias Haus, Vibraphon, Schlagzeug + Radio<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Johannes Leis, Bariton-Saxophon + Radio<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">J\u00f6rg Vogel, Ba\u00df-Klarinette + Radio<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Bernd Wiesemann, Klavier, Radio + Leitung<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_17112\" style=\"width: 325px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Bernd-Wiesemann.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17112\" class=\"wp-image-17112 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Bernd-Wiesemann.jpg\" alt=\"\" width=\"315\" height=\"210\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Bernd-Wiesemann.jpg 315w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Bernd-Wiesemann-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 315px) 100vw, 315px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-17112\" class=\"wp-caption-text\">Bernd Wiesemann als ausf\u00fchrnder Musiker<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H\u00f6rbproben \u2192 <\/strong>Probeh\u00f6ren kann man dieses <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/redenredenreden.htm\"><span style=\"color: #ff0000;\">Live-Horspiel<\/span><\/a> in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17799\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Das Tanztheaterst\u00fcck <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/06\/01\/tapes\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">The Vera Strange Tapes<\/span><\/a> war quasi das Vorspiel. In den fr\u00fchen 1990er Jahren pr\u00e4gte eine Gruppe kreativer K\u00f6pfe die deutsche H\u00f6rspielszene mit innovativen Live-Auff\u00fchrungen. Kai M\u00f6nnich, A.J. Weigoni, Marion Haberstroh und Frank Michaelis f\u00fchrten mit ihren Werken <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1992\/12\/13\/schland\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Schland<\/span><\/a> (1992) und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/21\/5-oder-die-elemente\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">5 oder die Elemente<\/span><\/a> (1993) neue Ma\u00dfst\u00e4be ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernd Wiesemann organisierte von 1991 bis 2001 die Reihe &#8222;Forum 20&#8220; mit Musik des 20. Jahrhunderts in D\u00fcsseldorf. Mit Live-H\u00f6rspiel verbindet man immer noch Orson Welles CBS-Live-Thriller Krieg der Welten. 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