{"id":1711,"date":"2012-01-06T00:07:20","date_gmt":"2012-01-05T23:07:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1711"},"modified":"2022-02-27T18:43:08","modified_gmt":"2022-02-27T17:43:08","slug":"zauberkraft-der-kunst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/06\/zauberkraft-der-kunst\/","title":{"rendered":"Zauberkraft der Kunst"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bestechend in ihrer Andersartigkeit und von hohem \u00e4sthetischem Reiz sind die kurzen Geschichten und poetischen Splitter in dem Band \u00bbAuf silikonweichen Pfoten\u00ab. Erz\u00e4hlungsb\u00e4nde fordern vom Leser mehr Konzentration als Romane: immer neue Namen, immer neue Konflikte. Auf den ersten Blick wirken diese Texte wie kleine Kn\u00e4uel. Die Gedanken und S\u00e4tze laufen hier in verschiedene Richtungen, scheinen weder Anfang noch Ende zu haben. Das alles ist mehr als ertr\u00e4glich, weil Francisca Ricinski daf\u00fcr eine Sprache hat, die sich auf nichts ausschlie\u00dflich einl\u00e4sst, sondern immer mit Augenzwinkern erz\u00e4hlt. Bisweilen machen ihre S\u00e4tze Faxen, springen von hier nach dort, wieder zur\u00fcck und auch mal absichtsvoll daneben. \u00dcber feine Wortschleifen und Bedeutungsverschiebungen verschlingt diese Rede sich immerzu neu \u2013 und l\u00e4uft doch voran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wundersames Buch. Und sehr anders. Handlung gibt es fast keine, daf\u00fcr handelt es von umso gewichtigeren Dingen, vom Leben zum Beispiel und vom Tod und den Toten und davon, was das alles miteinander zu tun hat. \u00dcber alldem und um all das herum bilden Humor und Traurigkeit eine Dichotomie, die das Ganze auch da, wo es wirklich ernst ist \u2013 und wahrscheinlich ist es das fast das ganze Buch \u00fcber \u2013, nicht ins Bierernste kippen l\u00e4sst. Ihre Prosa ist raffiniert genug, seine Form nicht einfach zu behaupten, sondern auch zu zeigen, was sie \u00fcberwinden will. Ihre S\u00e4tze wirken wie kleine Maisk\u00f6rner, um die herum immer mehr W\u00f6rter, Wortgruppen und Nebens\u00e4tze gepackt werden, bis sie zu gro\u00dfartigem, buttrig\u2013salzigem Popcorn explodieren. Der Autorin verschafft dies die M\u00f6glichkeit, Vorlieben und Obsessionen auf verschiedene Weisen zu umkreisen. Unter lauter Metaphern verschwindet zuweilen der Kern. Und zum Kern ihres ureigenen Kosmos findet Francisca Ricinski zur\u00fcck durch Besinnung \u2013 auf sich selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Band ist zudem klug zusammengestellt, und dies f\u00fcgt die Komposition den Geschichten einen doppelten Boden hinzu. Locker rollt Francisca Ricinski ihre Gedanken auf, von Absatz zu Absatz, von Text zu Text. Und immer kunstvoller variiert sie dabei die S\u00e4tze. F\u00fcr Momente bringt die Sprechende ihre S\u00e4tze ins Gleichgewicht, um sie flugs wieder zu verschieben und neu auszurichten. Ihre Themen \u2013 die Liebe, das Erotische, das Vers\u00f6hnliche \u2013 scheinen nur noch ex negativo als etwas schmerzlich Abwesendes beschreibbar. Wer ihren besonderen Ton sch\u00e4tzt, jene Mischung aus M\u00e4rchenankl\u00e4ngen, sprachsch\u00f6pferischem Furor, gepflegter Schnoddrigkeit und etwas manierierter Erdenschwere, der wird mit den silikonweichen Pfoten erstklassig bedient. Durchgehend erweist sie sich als Meisterin des zwar nicht d\u00fcsteren, aber doch gedr\u00fcckten Tons. Eines Stils, der traurig, aber niemals sentimental ist. In der vermeintlichen N\u00e4he zeigt sich zugleich die Ferne. Gegen Ende wird der Ton dieser Kurzgeschichten ambivalent: H\u00e4rte, ged\u00e4mpft durch Sentimentalit\u00e4t; Grobheiten mit einer Beimischung von Herzensg\u00fcte. Dem Spiegelkabinett k\u00f6nnen wir bei Francisca Ricinski nicht entrinnen. Das es ist der Kern ihres Denkens: Vers\u00f6hnung von sich ausschlie\u00dfenden Kr\u00e4ften, sie zeigt, da\u00df die Seele mit der Zauberkraft der Kunst und der Phantasie \u00fcberleben kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-53256\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Auf-silikonweichen-Pfoten.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Auf-silikonweichen-Pfoten.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Auf-silikonweichen-Pfoten-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Bestechend in ihrer Andersartigkeit und von hohem \u00e4sthetischem Reiz sind die kurzen Geschichten und poetischen Splitter in dem Band \u00bbAuf silikonweichen Pfoten\u00ab. 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