{"id":16686,"date":"2013-07-11T00:43:20","date_gmt":"2013-07-10T22:43:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16686"},"modified":"2022-06-19T13:40:23","modified_gmt":"2022-06-19T11:40:23","slug":"ksk-wer-zuwenig-verdient-fliegt-raus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/07\/11\/ksk-wer-zuwenig-verdient-fliegt-raus\/","title":{"rendered":"KSK: Wer zuwenig verdient, fliegt raus!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcnstlersozialkasse. Wie das schon klingt. So wie sozial. Naja. Eher wie das Wort mit einem kleinen <em>a<\/em> davor. Oder? Da ist die Abk\u00fcrzung <a href=\"http:\/\/www.kuenstlersozialkasse.de\/\">KSK<\/a> fast schon wertneutral. Klingt wie\u00a0eine Versicherung oder eine Bank.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Cover5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-16691\" title=\"Cover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Cover5.jpg\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"300\" \/><\/a>Als Altkanzler Helmut Schmidt 1983 diese Institution zumindest als \u201em\u00f6glich\u201c in den Raum stellte, hatte er, der gro\u00dfe Wirtschafts-Macher, eine Vision: All die Kunstschaffenden, die Schriftsteller, die Maler, die Theaterleute, die Musiker, die frank und frei dem deutschen Wirtschaftswunder oft sehr verwundert ausgeliefert sind, eine gewisse Daseinsberechtigung in Form eines Quasi-Arbeitgebers zu beschaffen, der zumindest die Krankenversicherung bezahlt und auch ein Scherfflein zur Rente beisteuert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine wahrhaft soziale Idee, denn die finanzielle Situation der \u201efreien\u201c K\u00fcnstler war seinerzeit genau so bescheiden wie heute. Naja: Eher damals noch besser. Heute muss der Maler\u00a0Galerien mit der Lupe suchen, die f\u00fcr seine Ausstellung einen Vorschuss locker machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Apropos: Das gab\u00b4s auch mal f\u00fcr Autoren. Soll es gelegentlich auch heute noch geben f\u00fcr Leute mit bekanntem Namen, die Krimis schreiben (mit mindestens 45 Morden, Tatort Mallorca und multisexuellem Hintergrund) oder G\u00fcnter Grass hei\u00dfen oder so \u00e4hnlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr alle anderen gilt der Grundsatz: Wer weniger Honorar verlangt, bekommt zuerst den Knebelvertrag. 5 Prozent vom \u201cNettoverkaufspreis\u201c ist die Regel. Also: 30 Euro kostet das Buch. Wer jetzt 1,50 Euro erwartet, ist auf dem Holzweg. 50 % gehen im Durchschnitt f\u00fcr den Verkauf an Grossisten drauf. Also ist der Nettoverkaufspreis 0,75 Euro. Wenn \u00fcberhaupt. Und davon m\u00fcssen noch Steuern gezahlt werden. Und bei Taschenb\u00fcchern? Brrr\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hat das mit der KSK zu tun? Gut, ich schweife ab. So sozial diese \u201eKasse\u201c grunds\u00e4tzlich ist, so unsozial zeigt sie sich, wenn es um das Gros der K\u00fcnstler geht \u2013 die, sagen wir mal,\u00a0eher minderbemittelt sind. Die sich keine Villen und Privatflugzeuge leisten k\u00f6nnen. Die, mal ehrlich, froh sein k\u00f6nnen, wenn sie \u00fcberhaupt eine Mietwohnung in eher d\u00fcsteren Vierteln bekommen. Denn 3900 Euro pro Jahr m\u00f6chte die KSK schon auf der Finanzabrechnung sehen, damit sie einen K\u00fcnstler bei sich aufnimmt bzw. bei sich beh\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mal keine Ausstellung in einem Jahr, mal kein einziges Engagement am Theater oder beim Film oder Fernsehen, mal kein Buch bei einem Verlag: So ein Pech aber auch. Denn die KSK macht Stichproben bei ihren Mitgliedern. Und sollte so ein armes K\u00fcnstlerlein in den letzten drei Jahren zweimal diese b\u00f6sen 3900 Euro Jahreseinkommen unterschritten haben, kommt sofort ein eifriger Brief eines noch eifrigeren KSK-Mitarbeiters: \u201eLeider m\u00fcssen wir Sie deshalb aus der K\u00fcnstersozialkasse ausschlie\u00dfen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft auf gut Deutsch: &#8222;Schei\u00df-K\u00fcnstler, geh zum Arbeitsamt oder um die Ecke und erschie\u00df Dich!&#8220; Wer zu wenig verdient, verdient es nicht, in einer sozialen Institution zu sein! Ist ja auch wahr. So eine Frechheit, einfach zu wenig zu verdienen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sehe Altkanzler Helmut Schmidt vor meinem geistigen Auge, wie er im Schaukelstuhl eine seiner beliebten Glimmstengel anz\u00fcndet und wie sich seine Idee ganz einfach in Rauch aufl\u00f6st\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-99539 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Peter-Ettl-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein ausf\u00fchrliches Autorenportr\u00e4t von Peter Ettl lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=3568\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcnstlersozialkasse. Wie das schon klingt. So wie sozial. Naja. Eher wie das Wort mit einem kleinen a davor. 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