{"id":16559,"date":"1989-07-03T00:01:20","date_gmt":"1989-07-02T22:01:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16559"},"modified":"2023-06-03T19:38:31","modified_gmt":"2023-06-03T17:38:31","slug":"in-der-strafkolonie-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/07\/03\/in-der-strafkolonie-2\/","title":{"rendered":"In der Strafkolonie"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEs ist ein eigent\u00fcmlicher Apparat\u00ab, sagte der Offizier zu dem Forschungsreisenden und \u00fcberblickte mit einem gewisserma\u00dfen bewundernden Blick den ihm doch wohlbekannten Apparat. Der Reisende schien nur aus H\u00f6flichkeit der Einladung des Kommandanten gefolgt zu sein, der ihn aufgefordert hatte, der Exekution eines Soldaten beizuwohnen, der wegen Ungehorsam und Beleidigung des Vorgesetzten verurteilt worden war. Das Interesse f\u00fcr diese Exekution war wohl auch in der Strafkolonie nicht sehr gro\u00df. Wenigstens war hier in dem tiefen, sandigen, von kahlen Abh\u00e4ngen ringsum abgeschlossenen kleinen Tal au\u00dfer dem Offizier und dem Reisenden nur der Verurteilte, ein stumpfsinniger breitm\u00e4uliger Mensch mit verwahrlostem Haar und Gesicht, und ein Soldat zugegen, der die schwere Kette hielt, in welche die kleinen Ketten ausliefen, mit denen der Verurteilte an den Fu\u00df- und Handkn\u00f6cheln sowie am Hals gefesselt war und die auch untereinander durch Verbindungsketten zusammenhingen. \u00dcbrigens sah der Verurteilte so h\u00fcndisch ergeben aus, da\u00df es den Anschein hatte, als k\u00f6nnte man ihn frei auf den Abh\u00e4ngen herumlaufen lassen und m\u00fcsse bei Beginn der Exekution nur pfeifen, damit er k\u00e4me.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Reisende hatte wenig Sinn f\u00fcr den Apparat und ging hinter dem Verurteilten fast sichtbar unbeteiligt auf und ab, w\u00e4hrend der Offizier die letzten Vorbereitungen besorgte, bald unter den tief in die Erde eingebauten Apparat kroch, bald auf eine Leiter stieg, um die oberen Teile zu untersuchen. Das waren Arbeiten, die man eigentlich einem Maschinisten h\u00e4tte \u00fcberlassen k\u00f6nnen, aber der Offizier f\u00fchrte sie mit einem gro\u00dfen Eifer aus, sei es, da\u00df er ein besonderer Anh\u00e4nger dieses Apparates war, sei es, da\u00df man aus anderen Gr\u00fcnden die Arbeit sonst niemandem anvertrauen konnte. \u00bbJetzt ist alles fertig!\u00ab rief er endlich und stieg von der Leiter hinunter. Er war ungemein ermattet, atmete mit weit offenem Mund und hatte zwei zarte Damentaschent\u00fccher hinter den Uniformkragen gezw\u00e4ngt. \u00bbDiese Uniformen sind doch f\u00fcr die Tropen zu schwer\u00ab, sagte der Reisende, statt sich, wie es der Offizier erwartet hatte, nach dem Apparat zu erkundigen. \u00bbGewi\u00df\u00ab, sagte der Offizier und wusch sich die von \u00d6l und Fett beschmutzten H\u00e4nde in einem bereitstehenden Wasserk\u00fcbel, \u00bbaber sie bedeuten die Heimat; wir wollen nicht die Heimat verlieren. \u2013 Nun sehen Sie aber diesen Apparat\u00ab, f\u00fcgte er gleich hinzu, trocknete die H\u00e4nde mit einem Tuch und zeigte gleichzeitig auf den Apparat. \u00bbBis jetzt war noch H\u00e4ndearbeit n\u00f6tig, von jetzt aber arbeitet der Apparat ganz allein.\u00ab Der Reisende nickte und folgte dem Offizier. Dieser suchte sich f\u00fcr alle Zwischenf\u00e4lle zu sichern und sagte dann: \u00bbEs kommen nat\u00fcrlich St\u00f6rungen vor; ich hoffe zwar, es wird heute keine eintreten, immerhin mu\u00df man mit ihnen rechnen. Der Apparat soll ja zw\u00f6lf Stunden ununterbrochen im Gang sein. Wenn aber auch St\u00f6rungen vorkommen, so sind sie doch nur ganz kleine, und sie werden sofort behoben sein.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWollen Sie sich nicht setzen?\u00ab fragte er schlie\u00dflich, zog aus einem Haufen von Rohrst\u00fchlen einen hervor und bot ihn dem Reisenden an; dieser konnte nicht ablehnen. Er sa\u00df nun am Rande einer Grube, in die er einen fl\u00fcchtigen Blick warf. Sie war nicht sehr tief. Zur einen Seite der Grube war die ausgegrabene Erde zu einem Wall aufgeh\u00e4uft, zur anderen Seite stand der Apparat. \u00bbIch wei\u00df nicht\u00ab, sagte der Offizier, \u00bbob Ihnen der Kommandant den Apparat schon erkl\u00e4rt hat.\u00ab Der Reisende machte eine ungewisse Handbewegung; der Offizier verlangte nichts Besseres, denn nun konnte er selbst den Apparat erkl\u00e4ren. \u00bbDieser Apparat\u00ab, sagte er und fa\u00dfte eine Kurbelstange, auf die er sich st\u00fctzte, \u00bbist eine Erfindung unseres fr\u00fcheren Kommandanten. Ich habe gleich bei den allerersten Versuchen mitgearbeitet und war auch bei allen Arbeiten bis zur Vollendung beteiligt. Das Verdienst der Erfindung allerdings geb\u00fchrt ihm ganz allein. Haben Sie von unserem fr\u00fcheren Kommandanten geh\u00f6rt? Nicht? Nun, ich behaupte nicht zu viel, wenn ich sage, da\u00df die Einrichtung der ganzen Strafkolonie sein Werk ist. Wir, seine Freunde, wu\u00dften schon bei seinem Tod, da\u00df die Einrichtung der Kolonie so in sich geschlossen ist, da\u00df sein Nachfolger, und habe er tausend neue Pl\u00e4ne im Kopf, wenigstens w\u00e4hrend vieler Jahre nichts von dem Alten wird ab\u00e4ndern k\u00f6nnen. Unsere Voraussage ist auch eingetroffen; der neue Kommandant hat es erkennen m\u00fcssen. Schade, da\u00df Sie den fr\u00fcheren Kommandanten nicht gekannt haben! \u2013 Aber\u00ab, unterbrach sich der Offizier, \u00bbich schw\u00e4tze, und sein Apparat steht hier vor uns. Er besteht, wie Sie sehen, aus drei Teilen. Es haben sich im Laufe der Zeit f\u00fcr jeden dieser Teile gewisserma\u00dfen volkst\u00fcmliche Bezeichnungen ausgebildet. Der untere hei\u00dft das Bett, der obere hei\u00dft der Zeichner, und hier der mittlere, schwebende Teil hei\u00dft die Egge.\u00ab \u00bbDie Egge?\u00ab fragte der Reisende. Er hatte nicht ganz aufmerksam zugeh\u00f6rt, die Sonne verfing sich allzu stark in dem schattenlosen Tal, man konnte schwer seine Gedanken sammeln. Um so bewundernswerter erschien ihm der Offizier, der im engen, paradem\u00e4\u00dfigen, mit Epauletten beschwerten, mit Schn\u00fcren beh\u00e4ngten Waffenrock so eifrig seine Sache erkl\u00e4rte und au\u00dferdem, w\u00e4hrend er sprach, mit einem Schraubendreher noch hier und da an einer Schraube sich zu schaffen machte. In \u00e4hnlicher Verfassung wie der Reisende schien der Soldat zu sein. Er hatte um beide Handgelenke die Kette des Verurteilten gewickelt, st\u00fctzte sich mit der Hand auf sein Gewehr, lie\u00df den Kopf im Genick hinunterh\u00e4ngen und k\u00fcmmerte sich um nichts. Der Reisende wunderte sich nicht dar\u00fcber, denn der Offizier sprach franz\u00f6sisch, und Franz\u00f6sisch verstand gewi\u00df weder der Soldat noch der Verurteilte. Um so auffallender war es allerdings, da\u00df der Verurteilte sich dennoch bem\u00fchte, den Erkl\u00e4rungen des Offiziers zu folgen. Mit einer Art schl\u00e4friger Beharrlichkeit richtete er die Blicke immer dorthin, wohin der Offizier gerade zeigte, und als dieser jetzt vom Reisenden mit einer Frage unterbrochen wurde, sah auch er, ebenso wie der Offizier, den Reisenden an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa, die Egge\u00ab, sagte der Offizier, \u00bbder Name pa\u00dft. Die Nadeln sind eggenartig angeordnet, auch wird das Ganze wie eine Egge gef\u00fchrt, wenn auch blo\u00df auf einem Platz und viel kunstgem\u00e4\u00dfer. Sie werden es \u00fcbrigens gleich verstehen. Hier auf das Bett wird der Verurteilte gelegt. \u2013 Ich will n\u00e4mlich den Apparat zuerst beschreiben und dann erst die Prozedur selbst ausf\u00fchren lassen. Sie werden ihr dann besser folgen k\u00f6nnen. Auch ist ein Zahnrad im Zeichner zu stark abgeschliffen; es kreischt sehr, wenn es im Gang ist; man kann sich dann kaum verst\u00e4ndigen; Ersatzteile sind hier leider nur schwer zu beschaffen. \u2013 Also hier ist das Bett, wie ich sagte. Es ist ganz und gar mit einer Watteschicht bedeckt; den Zweck dessen werden Sie noch erfahren. Auf diese Watte wird der Verurteilte b\u00e4uchlings gelegt, nat\u00fcrlich nackt; hier sind f\u00fcr die H\u00e4nde, hier f\u00fcr die F\u00fc\u00dfe, hier f\u00fcr den Hals Riemen, um ihn festzuschnallen. Hier am Kopfende des Bettes, wo der Mann, wie ich gesagt habe, zuerst mit dem Gesicht aufliegt, ist dieser kleine Filzstumpf, der leicht so reguliert werden kann, da\u00df er dem Mann gerade in den Mund dringt. Er hat den Zweck, am Schreien und am Zerbei\u00dfen der Zunge zu hindern. Nat\u00fcrlich mu\u00df der Mann den Filz aufnehmen, da ihm sonst durch den Halsriemen das Genick gebrochen wird.\u00ab \u00bbDas ist Watte?\u00ab fragte der Reisende und beugte sich vor. \u00bbJa, gewi\u00df\u00ab, sagte der Offizier l\u00e4chelnd, \u00bbbef\u00fchlen Sie es selbst.\u00ab Er fa\u00dfte die Hand des Reisenden und f\u00fchrte sie \u00fcber das Bett hin. \u00bbEs ist eine besonders pr\u00e4parierte Watte, darum sieht sie so unkenntlich aus; ich werde auf ihren Zweck noch zu sprechen kommen.\u00ab Der Reisende war schon ein wenig f\u00fcr den Apparat gewonnen; die Hand zum Schutz gegen die Sonne \u00fcber den Augen, sah er an dem Apparat in die H\u00f6he. Es war ein gro\u00dfer Aufbau. Das Bett und der Zeichner hatten gleichen Umfang und sahen wie zwei dunkle Truhen aus. Der Zeichner war etwa zwei Meter \u00fcber dem Bett angebracht; beide waren in den Ecken durch vier Messingstangen verbunden, die in der Sonne fast Strahlen warfen. Zwischen den Truhen schwebte an einem Stahlband die Egge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Offizier hatte die fr\u00fchere Gleichg\u00fcltigkeit des Reisenden kaum bemerkt, wohl aber hatte er f\u00fcr sein jetzt beginnendes Interesse Sinn; er setzte deshalb in seinen Erkl\u00e4rungen aus, um dem Reisenden zur ungest\u00f6rten Betrachtung Zeit zu lassen. Der Verurteilte ahmte den Reisenden nach; da er die Hand nicht \u00fcber die Augen legen konnte, blinzelte er mit freien Augen zur H\u00f6he.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNun liegt also der Mann\u00ab, sagte der Reisende, lehnte sich im Sessel zur\u00fcck und kreuzte die Beine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbJa\u00ab, sagte der Offizier, schob ein wenig die M\u00fctze zur\u00fcck und fuhr sich mit der Hand \u00fcber das hei\u00dfe Gesicht, \u00bbnun h\u00f6ren Sie! Sowohl das Bett als auch der Zeichner haben ihre eigene elektrische Batterie; das Bett braucht sie f\u00fcr sich selbst, der Zeichner f\u00fcr die Egge. Sobald der Mann festgeschnallt ist, wird das Bett in Bewegung gesetzt. Es zittert in winzigen, sehr schnellen Zuckungen gleichzeitig seitlich wie auch auf und ab. Sie werden \u00e4hnliche Apparate in Heilanstalten gesehen haben; nur sind bei unserem Bett alle Bewegungen genau berechnet; sie m\u00fcssen n\u00e4mlich peinlich auf die Bewegungen der Egge abgestimmt sein. Dieser Egge aber ist die eigentliche Ausf\u00fchrung des Urteils \u00fcberlassen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWie lautet denn das Urteil?\u00ab fragte der Reisende. \u00bbSie wissen auch das nicht?\u00ab sagte der Offizier erstaunt und bi\u00df sich auf die Lippen: \u00bbVerzeihen Sie, wenn vielleicht meine Erkl\u00e4rungen ungeordnet sind; ich bitte Sie sehr um Entschuldigung. Die Erkl\u00e4rungen pflegte fr\u00fcher n\u00e4mlich der Kommandant zu geben; der neue Kommandant aber hat sich dieser Ehrenpflicht entzogen; da\u00df er jedoch einen so hohen Besuch\u00ab \u2013 der Reisende suchte die Ehrung mit beiden H\u00e4nden abzuwehren, aber der Offizier bestand auf dem Ausdruck \u2013 \u00bbeinen so hohen Besuch nicht einmal von der Form unseres Urteils in Kenntnis setzt, ist wieder eine Neuerung, die\u00a0\u2013\u00ab, er hatte einen Fluch auf den Lippen, fa\u00dfte sich aber und sagte nur: \u00bbIch wurde nicht davon verst\u00e4ndigt, mich trifft nicht die Schuld. \u00fcbrigens bin ich allerdings am besten bef\u00e4higt, unsere Urteilsarten zu erkl\u00e4ren, denn ich trage hier\u00ab \u2013 er schlug auf seine Brusttasche \u2013 \u00bbdie betreffenden Handzeichnungen des fr\u00fcheren Kommandanten.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHandzeichnungen des Kommandanten selbst?\u00ab fragte der Reisende: \u00bbHat er denn alles in sich vereinigt? War er Soldat, Richter, Konstrukteur, Chemiker, Zeichner?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbJawohl\u00ab, sagte der Offizier kopfnickend, mit starrem, nachdenklichem Blick. Dann sah er pr\u00fcfend seine H\u00e4nde an; sie schienen ihm nicht rein genug, um die Zeichnungen anzufassen; er ging daher zum K\u00fcbel und wusch sie nochmals. Dann zog er eine kleine Ledermappe hervor und sagte: \u00bbUnser Urteil klingt nicht streng. Dem Verurteilten wird das Gebot, das er \u00fcbertreten hat, mit der Egge auf den Leib geschrieben. Diesem Verurteilten zum Beispiel\u00ab \u2013 der Offizier zeigte auf den Mann \u2013 \u00bbwird auf den Leib geschrieben werden: Ehre deinen Vorgesetzten!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Reisende sah fl\u00fcchtig auf den Mann hin; er hielt, als der Offizier auf ihn gezeigt hatte, den Kopf gesenkt und schien alle Kraft des Geh\u00f6rs anzuspannen, um etwas zu erfahren. Aber die Bewegungen seiner wulstig aneinander gedr\u00fcckten Lippen zeigten offenbar, da\u00df er nichts verstehen konnte. Der Reisende hatte verschiedenes fragen wollen, fragte aber im Anblick des Mannes nur: \u00bbKennt er sein Urteil?\u00ab \u00bbNein\u00ab, sagte der Offizier und wollte gleich in seinen Erkl\u00e4rungen fortfahren, aber der Reisende unterbrach ihn: \u00bbEr kennt sein eigenes Urteil nicht?\u00ab \u00bbNein\u00ab, sagte der Offizier wieder, stockte dann einen Augenblick, als verlange er vom Reisenden eine n\u00e4here Begr\u00fcndung seiner Frage, und sagte dann: \u00bbEs w\u00e4re nutzlos, es ihm zu verk\u00fcnden. Er erf\u00e4hrt es ja auf seinem Leib.\u00ab Der Reisende wollte schon verstummen, da f\u00fchlte er, wie der Verurteilte seinen Blick auf ihn richtete; er schien zu fragen, ob er den geschilderten Vorgang billigen k\u00f6nne. Darum beugte sich der Reisende, der sich bereits zur\u00fcckgelehnt hatte, wieder vor und fragte noch: \u00bbAber da\u00df er \u00fcberhaupt verurteilt wurde, das wei\u00df er doch?\u00ab \u00bbAuch nicht\u00ab, sagte der Offizier und l\u00e4chelte den Reisenden an, als erwarte er nun von ihm noch einige sonderbare Er\u00f6ffnungen. \u00bbNein\u00ab, sagte der Reisende und strich sich \u00fcber die Stirn hin, \u00bbdann wei\u00df also der Mann auch jetzt noch nicht, wie seine Verteidigung aufgenommen wurde?\u00ab \u00bbEr hat keine Gelegenheit gehabt, sich zu verteidigen\u00ab, sagte der Offizier und sah abseits, als rede er zu sich selbst und wolle den Reisenden durch Erz\u00e4hlung dieser ihm selbstverst\u00e4ndlichen Dinge nicht besch\u00e4men. \u00bbEr mu\u00df doch Gelegenheit gehabt haben, sich zu verteidigen\u00ab, sagte der Reisende und stand vom Sessel auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Offizier erkannte, da\u00df er in Gefahr war, in der Erkl\u00e4rung des Apparates f\u00fcr lange Zeit aufgehalten zu werden; er ging daher zum Reisenden, hing sich in seinen Arm, zeigte mit der Hand auf den Verurteilten, der sich jetzt, da die Aufmerksamkeit so offenbar auf ihn gerichtet war, stramm aufstellte \u2013 auch zog der Soldat die Kette an\u00a0-, und sagte: \u00bbDie Sache verh\u00e4lt sich folgenderma\u00dfen. Ich bin hier in der Strafkolonie zum Richter bestellt. Trotz meiner Jugend. Denn ich stand auch dem fr\u00fcheren Kommandanten in allen Strafsachen zur Seite und kenne auch den Apparat am besten. Der Grundsatz, nach dem ich entscheide, ist: Die Schuld ist immer zweifellos. Andere Gerichte k\u00f6nnen diesen Grundsatz nicht befolgen, denn sie sind vielk\u00f6pfig und haben auch noch h\u00f6here Gerichte \u00fcber sich. Das ist hier nicht der Fall, oder war es wenigstens nicht beim fr\u00fcheren Kommandanten. Der neue hat allerdings schon Lust gezeigt, in mein Gericht sich einzumischen, es ist mir aber bisher gelungen, ihn abzuwehren, und wird mir auch weiter gelingen. \u2013 Sie wollten diesen Fall erkl\u00e4rt haben; er ist so einfach wie alle. Ein Hauptmann hat heute morgens die Anzeige erstattet, da\u00df dieser Mann, der ihm als Diener zugeteilt ist und vor seiner T\u00fcre schl\u00e4ft, den Dienst verschlafen hat. Er hat n\u00e4mlich die Pflicht, bei jedem Stundenschlag aufzustehen und vor der T\u00fcr des Hauptmanns zu salutieren. Gewi\u00df keine schwere Pflicht und eine notwendige, denn er soll sowohl zur Bewachung als auch zur Bedienung frisch bleiben. Der Hauptmann wollte in der gestrigen Nacht nachsehen, ob der Diener seine Pflicht erf\u00fclle. Er \u00f6ffnete Schlag zwei Uhr die T\u00fcr und fand ihn zusammengekr\u00fcmmt schlafen. Er holte die Reitpeitsche und schlug ihm \u00fcber das Gesicht. Statt nun aufzustehen und um Verzeihung zu bitten, fa\u00dfte der Mann seinen Herrn bei den Beinen, sch\u00fcttelte ihn und rief: \u203aWirf die Peitsche weg, oder ich fresse dich.\u2039 \u2013 Das ist der Sachverhalt. Der Hauptmann kam vor einer Stunde zu mir, ich schrieb seine Angaben auf und anschlie\u00dfend gleich das Urteil. Dann lie\u00df ich dem Mann die Ketten anlegen. Das alles war sehr einfach. H\u00e4tte ich den Mann zuerst vorgerufen und ausgefragt, so w\u00e4re nur Verwirrung entstanden. Er h\u00e4tte gelogen, h\u00e4tte, wenn es mir gelungen w\u00e4re, die L\u00fcgen zu widerlegen, diese durch neue L\u00fcgen ersetzt und so fort. Jetzt aber halte ich ihn und lasse ihn nicht mehr. \u2013 Ist nun alles erkl\u00e4rt? Aber die Zeit vergeht, die Exekution sollte schon beginnen, und ich bin mit der Erkl\u00e4rung des Apparates noch nicht fertig.\u00ab Er n\u00f6tigte den Reisenden auf den Sessel nieder, trat wieder zu dem Apparat und begann: \u00bbWie Sie sehen, entspricht die Egge der Form des Menschen; hier ist die Egge f\u00fcr den Oberk\u00f6rper, hier sind die Eggen f\u00fcr die Beine. F\u00fcr den Kopf ist nur dieser kleine Stichel bestimmt. Ist Ihnen das klar?\u00ab Er beugte sich freundlich zu dem Reisenden vor, bereit zu den umfassendsten Erkl\u00e4rungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Reisende sah mit gerunzelter Stirn die Egge an. Die Mitteilungen \u00fcber das Gerichtsverfahren hatten ihn nicht befriedigt. Immerhin mu\u00dfte er sich sagen, da\u00df es sich hier um eine Strafkolonie handelte, da\u00df hier besondere Ma\u00dfregeln notwendig waren und da\u00df man bis zum letzten milit\u00e4risch vorgehen mu\u00dfte. Au\u00dferdem aber setzte er einige Hoffnungen auf den neuen Kommandanten, der offenbar, allerdings langsam, ein neues Verfahren einzuf\u00fchren beabsichtigte, das dem beschr\u00e4nkten Kopf dieses Offiziers nicht eingehen konnte. Aus diesem Gedankengang heraus fragte der Reisende: \u00bbWird der Kommandant der Exekution beiwohnen?\u00ab \u00bbEs ist nicht gewi\u00df\u00ab, sagte der Offizier, durch die unvermittelte Frage peinlich ber\u00fchrt, und seine freundliche Miene verzerrte sich: \u00bbGerade deshalb m\u00fcssen wir uns beeilen. Ich werde sogar, so leid es mir tut, meine Erkl\u00e4rungen abk\u00fcrzen m\u00fcssen. Aber ich k\u00f6nnte ja morgen, wenn der Apparat wieder gereinigt ist \u2013 da\u00df er so sehr beschmutzt wird, ist sein einziger Fehler\u00a0-, die n\u00e4heren Erkl\u00e4rungen nachtragen. Jetzt also nur das Notwendigste. \u2013 Wenn der Mann auf dem Bett liegt und dieses ins Zittern gebracht ist, wird die Egge auf den K\u00f6rper gesenkt. Sie stellt sich von selbst so ein, da\u00df sie nur knapp mit den Spitzen den K\u00f6rper ber\u00fchrt; ist diese Einstellung vollzogen, strafft sich sofort dieses Stahlseil zu einer Stange. Und nun beginnt das Spiel. Ein Nichteingeweihter merkt \u00e4u\u00dferlich keinen Unterschied in den Strafen. Die Egge scheint gleichf\u00f6rmig zu arbeiten. Zitternd sticht sie ihre Spitzen in den K\u00f6rper ein, der \u00fcberdies vom Bett aus zittert. Um es nun jedem zu erm\u00f6glichen, die Ausf\u00fchrung des Urteils zu \u00fcberpr\u00fcfen, wurde die Egge aus Glas gemacht. Es hat einige technische Schwierigkeiten verursacht, die Nadeln darin zu befestigen, es ist aber nach vielen Versuchen gelungen. Wir haben eben keine M\u00fche gescheut. Und nun kann jeder durch das Glas sehen, wie sich die Inschrift im K\u00f6rper vollzieht. Wollen Sie nicht n\u00e4herkommen und sich die Nadeln ansehen?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Reisende erhob sich langsam, ging hin und beugte sich \u00fcber die Egge. \u00bbSie sehen\u00ab, sagte der Offizier, \u00bbzweierlei Nadeln in vielfacher Anordnung. Jede lange hat eine kurze neben sich. Die lange schreibt n\u00e4mlich, und die kurze spritzt Wasser aus, um das Blut abzuwaschen und die Schrift immer klar zu erhalten. Das Blutwasser wird dann hier in kleine Rinnen geleitet und flie\u00dft endlich in diese Hauptrinne, deren Abflu\u00dfrohr in die Grube f\u00fchrt.\u00ab Der Offizier zeigte mit dem Finger genau den Weg, den das Blutwasser nehmen mu\u00dfte. Als er es, um es m\u00f6glichst anschaulich zu machen, an der M\u00fcndung des Abflu\u00dfrohres mit beiden H\u00e4nden f\u00f6rmlich auffing, erhob der Reisende den Kopf und wollte, mit der Hand r\u00fcckw\u00e4rts tastend, zu seinem Sessel zur\u00fcckgehen. Da sah er zu seinem Schrecken, da\u00df auch der Verurteilte gleich ihm der Einladung des Offiziers, sich die Einrichtung der Egge aus der N\u00e4he anzusehen, gefolgt war. Er hatte den verschlafenen Soldaten an der Kette ein wenig vorgezerrt und sich auch \u00fcber das Glas gebeugt. Man sah, wie er mit unsicheren Augen auch das suchte, was die zwei Herren eben beobachtet hatten, wie es ihm aber, da ihm die Erkl\u00e4rung fehlte, nicht gelingen wollte. Er beugte sich hierhin und dorthin. Immer wieder lief er mit den Augen das Glas ab. Der Reisende wollte ihn zur\u00fccktreiben, denn, was er tat, war wahrscheinlich strafbar. Aber der Offizier hielt den Reisenden mit einer Hand fest, nahm mit der anderen eine Erdscholle vom Wall und warf sie nach dem Soldaten. Dieser hob mit einem Ruck die Augen, sah, was der Verurteilte gewagt hatte, lie\u00df das Gewehr fallen, stemmte die F\u00fc\u00dfe mit den Abs\u00e4tzen in den Boden, ri\u00df den Verurteilten zur\u00fcck, da\u00df er gleich niederfiel, und sah dann auf ihn hinunter, wie er sich wand und mit seinen Ketten klirrte. \u00bbStell ihn auf!\u00ab schrie der Offizier, denn er merkte, da\u00df der Reisende durch den Verurteilten allzusehr abgelenkt wurde. Der Reisende beugte sich sogar \u00fcber die Egge hinweg, ohne sich um sie zu k\u00fcmmern, und wollte nur feststellen, was mit dem Verurteilten geschehe. \u00bbBehandle ihn sorgf\u00e4ltig!\u00ab schrie der Offizier wieder. Er umlief den Apparat, fa\u00dfte selbst den Verurteilten unter den Achseln und stellte ihn, der \u00f6fters mit den F\u00fc\u00dfen ausglitt, mit Hilfe des Soldaten auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNun wei\u00df ich schon alles\u00ab, sagte der Reisende, als der Offizier wieder zu ihm zur\u00fcckkehrte. \u00bbBis auf das Wichtigste\u00ab, sagte dieser, ergriff den Reisenden am Arm und zeigte in die H\u00f6he: \u00bbDort im Zeichner ist das R\u00e4derwerk, welches die Bewegung der Egge bestimmt, und dieses R\u00e4derwerk wird nach der Zeichnung, auf welche das Urteil lautet, angeordnet. Ich verwende noch die Zeichnungen des fr\u00fcheren Kommandanten. Hier sind sie\u00ab \u2013 er zog einige Bl\u00e4tter aus der Ledermappe\u00a0-, \u00bbich kann sie Ihnen aber leider nicht in die Hand geben, sie sind das Teuerste, was ich habe. Setzen Sie sich, ich zeige sie Ihnen aus dieser Entfernung, dann werden Sie alles gut sehen k\u00f6nnen.\u00ab Er zeigte das erste Blatt. Der Reisende h\u00e4tte gerne etwas Anerkennendes gesagt, aber er sah nur labyrinthartige, einander vielfach kreuzende Linien, die so dicht das Papier bedeckten, da\u00df man nur mit M\u00fche die wei\u00dfen Zwischenr\u00e4ume erkannte. \u00bbLesen Sie\u00ab, sagte der Offizier. \u00bbIch kann nicht\u00ab, sagte der Reisende. \u00bbEs ist doch deutlich\u00ab, sagte der Offizier. \u00bbEs ist sehr kunstvoll\u00ab, sagte der Reisende ausweichend, \u00bbaber ich kann es nicht entziffern.\u00ab \u00bbJa\u00ab, sagte der Offizier, lachte und steckte die Mappe wieder ein, \u00bbes ist keine Sch\u00f6nschrift f\u00fcr Schulkinder. Man mu\u00df lange darin lesen. Auch Sie w\u00fcrden es schlie\u00dflich gewi\u00df erkennen. Es darf nat\u00fcrlich keine einfache Schrift sein; sie soll ja nicht sofort t\u00f6ten, sondern durchschnittlich erst in einem Zeitraum von zw\u00f6lf Stunden; f\u00fcr die sechste Stunde ist der Wendepunkt berechnet. Es m\u00fcssen also viele, viele Zieraten die eigentliche Schrift umgeben; die wirkliche Schrift umzieht den Leib nur in einem schmalen G\u00fcrtel; der \u00fcbrige K\u00f6rper ist f\u00fcr Verzierungen bestimmt. K\u00f6nnen Sie jetzt die Arbeit der Egge und des ganzen Apparates w\u00fcrdigen? \u2013 Sehen Sie doch!\u00ab Er sprang auf die Leiter, drehte ein Rad, rief hinunter: \u00bbAchtung, treten Sie zur Seite!\u00ab, und alles kam in Gang. H\u00e4tte das Rad nicht gekreischt, es w\u00e4re herrlich gewesen. Als sei der Offizier von diesem st\u00f6renden Rad \u00fcberrascht, drohte er ihm mit der Faust, breitete dann, sich entschuldigend, zum Reisenden hin die Arme aus und kletterte eilig hinunter, um den Gang des Apparates von unten zu beobachten. Noch war etwas nicht in Ordnung, das nur er merkte; er kletterte wieder hinauf, griff mit beiden H\u00e4nden in das Innere des Zeichners, glitt dann, um rascher hinunterzukommen, statt die Leiter zu benutzen, an der einen Stange hinunter und schrie nun, um sich im L\u00e4rm verst\u00e4ndlich zu machen, mit \u00e4u\u00dferster Anspannung dem Reisenden ins Ohr: \u00bbBegreifen Sie den Vorgang? Die Egge f\u00e4ngt zu schreiben an; ist sie mit der ersten Anlage der Schrift auf dem R\u00fccken des Mannes fertig, rollt die Watteschicht und w\u00e4lzt den K\u00f6rper langsam auf die Seite, um der Egge neuen Raum zu bieten. Inzwischen legen sich die wundbeschriebenen Stellen auf die Watte, welche infolge der besonderen Pr\u00e4parierung sofort die Blutung stillt und zu neuer Vertiefung der Schrift vorbereitet. Hier die Zacken am Rande der Egge rei\u00dfen dann beim weiteren Umw\u00e4lzen des K\u00f6rpers die Watte von den Wunden, schleudern sie in die Grube, und die Egge hat wieder Arbeit. So schreibt sie immer tiefer die zw\u00f6lf Stunden lang. Die ersten sechs Stunden lebt der Verurteilte fast wie fr\u00fcher, er leidet nur Schmerzen. Nach zwei Stunden wird der Filz entfernt, denn der Mann hat keine Kraft zum Schreien mehr. Hier in diesen elektrisch geheizten Napf am Kopfende wird warmer Reisbrei gelegt, aus dem der Mann, wenn er Lust hat, nehmen kann, was er mit der Zunge erhascht. Keiner vers\u00e4umt die Gelegenheit. Ich wei\u00df keinen, und meine Erfahrung ist gro\u00df. Erst um die sechste Stunde verliert er das Vergn\u00fcgen am Essen. Ich knie dann gew\u00f6hnlich hier nieder und beobachte diese Erscheinung. Der Mann schluckt den letzten Bissen selten, er dreht ihn nur im Mund und speit ihn in die Grube. Ich mu\u00df mich dann b\u00fccken, sonst f\u00e4hrt er mir ins Gesicht. Wie still wird dann aber der Mann um die sechste Stunde! Verstand geht dem Bl\u00f6desten auf. Um die Augen beginnt es. Von hier aus verbreitet es sich. Ein Anblick, der einen verf\u00fchren k\u00f6nnte, sich mit unter die Egge zu legen. Es geschieht ja weiter nichts, der Mann f\u00e4ngt blo\u00df an, die Schrift zu entziffern, er spitzt den Mund, als horche er. Sie haben gesehen, es ist nicht leicht, die Schrift mit den Augen zu entziffern; unser Mann entziffert sie aber mit seinen Wunden. Es ist allerdings viel Arbeit; er braucht sechs Stunden zu ihrer Vollendung. Dann aber spie\u00dft ihn die Egge vollst\u00e4ndig auf und wirft ihn in die Grube, wo er auf das Blutwasser und die Watte niederklatscht. Dann ist das Gericht zu Ende, und wir, ich und der Soldat, scharren ihn ein.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Reisende hatte das Ohr zum Offizier geneigt und sah, die H\u00e4nde in den Rocktaschen, der Arbeit der Maschine zu. Auch der Verurteilte sah ihr zu, aber ohne Verst\u00e4ndnis. Er b\u00fcckte sich ein wenig und verfolgte die schwankenden Nadeln, als ihm der Soldat, auf ein Zeichen des Offiziers, mit einem Messer hinten Hemd und Hose durchschnitt, so da\u00df sie von dem Verurteilten abfielen; er wollte nach dem fallenden Zeug greifen, um seine Bl\u00f6\u00dfe zu bedecken, aber der Soldat hob ihn in die H\u00f6he und sch\u00fcttelte die letzten Fetzen von ihm ab. Der Offizier stellte die Maschine ein, und in der jetzt eintretenden Stille wurde der Verurteilte unter die Egge gelegt. Die Ketten wurden gel\u00f6st und statt dessen die Riemen befestigt; es schien f\u00fcr den Verurteilten im ersten Augenblick fast wie eine Erleichterung zu bedeuten. Und nun senkte sich die Egge noch ein St\u00fcck tiefer, denn es war ein magerer Mann. Als ihn die Spitzen ber\u00fchrten, ging ein Schauer \u00fcber seine Haut; er streckte, w\u00e4hrend der Soldat mit seiner rechten Hand besch\u00e4ftigt war, die linke aus, ohne zu wissen wohin; es war aber die Richtung, wo der Reisende stand. Der Offizier sah ununterbrochen den Reisenden von der Seite an, als suche er von seinem Gesicht den Eindruck abzulesen, den die Exekution, die er ihm nun wenigstens oberfl\u00e4chlich erkl\u00e4rt hatte, auf ihn mache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Riemen, der f\u00fcr das Handgelenk bestimmt war, ri\u00df; wahrscheinlich hatte ihn der Soldat zu stark angezogen. Der Offizier sollte helfen, der Soldat zeigte ihm das abgerissene Riemenst\u00fcck. Der Offizier ging auch zu ihm hin\u00fcber und sagte, das Gesicht dem Reisenden zugewendet: \u00bbDie Maschine ist sehr zusammengesetzt, es mu\u00df hie und da etwas rei\u00dfen oder brechen; dadurch darf man sich aber im Gesamturteil nicht beirren lassen. F\u00fcr den Riemen ist \u00fcbrigens sofort Ersatz geschafft; ich werde eine Kette verwenden; die Zartheit der Schwingung wird dadurch f\u00fcr den rechten Arm allerdings beeintr\u00e4chtigt.\u00ab Und w\u00e4hrend er die Ketten anlegte, sagte er noch: \u00bbDie Mittel zur Erhaltung der Maschine sind jetzt sehr eingeschr\u00e4nkt. Unter dem fr\u00fcheren Kommandanten war eine mir frei zug\u00e4ngliche Kassa nur f\u00fcr diesen Zweck bestimmt. Es gab hier ein Magazin, in dem alle m\u00f6glichen Ersatzst\u00fccke aufbewahrt wurden. Ich gestehe, ich trieb damit fast Verschwendung, ich meine fr\u00fcher, nicht jetzt, wie der neue Kommandant behauptet, dem alles nur zum Vorwand dient, alte Einrichtungen zu bek\u00e4mpfen. Jetzt hat er die Maschinenkassa in eigener Verwaltung, und schicke ich um einen neuen Riemen, wird der zerrissene als Beweisst\u00fcck verlangt, der neue kommt erst in zehn Tagen, ist dann aber von schlechterer Sorte und taugt nicht viel. Wie ich aber in der Zwischenzeit ohne Riemen die Maschine betreiben soll, darum k\u00fcmmert sich niemand.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Reisende \u00fcberlegte: Es ist immer bedenklich, in fremde Verh\u00e4ltnisse entscheidend einzugreifen. Er war weder B\u00fcrger der Strafkolonie, noch B\u00fcrger des Staates, dem sie angeh\u00f6rte. Wenn er die Exekution verurteilen oder gar hintertreiben wollte, konnte man ihm sagen: Du bist ein Fremder, sei still. Darauf h\u00e4tte er nichts erwidern, sondern nur hinzuf\u00fcgen k\u00f6nnen, da\u00df er sich in diesem Falle selbst nicht begreife, denn er reise nur mit der Absicht, zu sehen, und keineswegs etwa, um fremde Gerichtsverfassungen zu \u00e4ndern. Nun lagen aber hier die Dinge allerdings sehr verf\u00fchrerisch. Die Ungerechtigkeit des Verfahrens und die Unmenschlichkeit der Exekution war zweifellos. Niemand konnte irgendeine Eigenn\u00fctzigkeit des Reisenden annehmen, denn der Verurteilte war ihm fremd, kein Landsmann und ein zum Mitleid gar nicht auffordernder Mensch. Der Reisende selbst hatte Empfehlungen hoher \u00c4mter, war hier mit gro\u00dfer H\u00f6flichkeit empfangen worden, und da\u00df er zu dieser Exekution eingeladen worden war, schien sogar darauf hinzudeuten, da\u00df man sein Urteil \u00fcber dieses Gericht verlangte. Dies war aber um so wahrscheinlicher, als der Kommandant, wie er jetzt \u00fcberdeutlich geh\u00f6rt hatte, kein Anh\u00e4nger dieses Verfahrens war und sich gegen\u00fcber dem Offizier fast feindselig verhielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da h\u00f6rte der Reisende einen Wutschrei des Offiziers. Er hatte gerade, nicht ohne M\u00fche, dem Verurteilten den Filzstumpf in den Mund geschoben, als der Verurteilte in einem unwiderstehlichen Brechreiz die Augen schlo\u00df und sich erbrach. Eilig ri\u00df ihn der Offizier vom Stumpf in die H\u00f6he und wollte den Kopf zur Grube hindrehen; aber es war zu sp\u00e4t, der Unrat flo\u00df schon an der Maschine hinab. \u00bbAlles Schuld des Kommandanten!\u00ab schrie der Offizier und r\u00fcttelte besinnungslos vorn an den Messingstangen, \u00bbdie Maschine wird mir verunreinigt wie ein Stall.\u00ab Er zeigte mit zitternden H\u00e4nden dem Reisenden, was geschehen war. \u00bbHabe ich nicht stundenlang dem Kommandanten begreiflich zu machen gesucht, da\u00df einen Tag vor der Exekution kein Essen mehr verabfolgt werden soll. Aber die neue milde Richtung ist anderer Meinung. Die Damen des Kommandanten stopfen dem Mann, ehe er abgef\u00fchrt wird, den Hals mit Zuckersachen voll. Sein ganzes Leben hat er sich von stinkenden Fischen gen\u00e4hrt und mu\u00df jetzt Zuckersachen essen! Aber es w\u00e4re ja m\u00f6glich, ich w\u00fcrde nichts einwenden, aber warum schafft man nicht einen neuen Filz an, wie ich ihn seit einem Vierteljahr erbitte. Wie kann man ohne Ekel diesen Filz in den Mund nehmen, an dem mehr als hundert M\u00e4nner im Sterben gesaugt und gebissen haben?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verurteilte hatte den Kopf niedergelegt und sah friedlich aus, der Soldat war damit besch\u00e4ftigt, mit dem Hemd des Verurteilten die Maschine zu putzen. Der Offizier ging zum Reisenden, der in irgendeiner Ahnung einen Schritt zur\u00fccktrat, aber der Offizier fa\u00dfte ihn bei der Hand und zog ihn zur Seite. \u00bbIch will einige Worte im Vertrauen mit Ihnen sprechen\u00ab, sagte er, \u00bbich darf das doch?\u00ab \u00bbGewi\u00df\u00ab, sagte der Reisende und h\u00f6rte mit gesenkten Augen zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDieses Verfahren und diese Hinrichtung, die Sie jetzt zu bewundern Gelegenheit haben, hat gegenw\u00e4rtig in unserer Kolonie keinen offenen Anh\u00e4nger mehr. Ich bin ihr einziger Vertreter, gleichzeitig der einzige Vertreter des Erbes des alten Kommandanten. An einen weiteren Ausbau des Verfahrens kann ich nicht mehr denken, ich verbrauche alle meine Kr\u00e4fte, um zu erhalten, was vorhanden ist. Als der alte Kommandant lebte, war die Kolonie von seinen Anh\u00e4ngern voll; die \u00dcberzeugungskraft des alten Kommandanten habe ich zum Teil, aber seine Macht fehlt mir ganz; infolgedessen haben sich die Anh\u00e4nger verkrochen, es gibt noch viele, aber keiner gesteht es ein. Wenn Sie heute, also an einem Hinrichtungstag, ins Teehaus gehen und herumhorchen, werden Sie vielleicht nur zweideutige \u00c4u\u00dferungen h\u00f6ren. Das sind lauter Anh\u00e4nger, aber unter dem gegenw\u00e4rtigen Kommandanten und bei seinen gegenw\u00e4rtigen Anschauungen f\u00fcr mich ganz unbrauchbar. Und nun frage ich Sie: Soll wegen dieses Kommandanten und seiner Frauen, die ihn beeinflussen, ein solches Lebenswerk\u00ab \u2013 er zeigte auf die Maschine \u2013 \u00bbzugrunde gehen? Darf man das zulassen? Selbst wenn man nur als Fremder ein paar Tage auf unserer Insel ist? Es ist aber keine Zeit zu verlieren, man bereitet schon etwas gegen meine Gerichtsbarkeit vor; es finden schon Beratungen in der Kommandantur statt, zu denen ich nicht zugezogen werde; sogar Ihr heutiger Besuch scheint mir f\u00fcr die ganze Lage bezeichnend; man ist feig und schickt Sie, einen Fremden, vor. \u2013 Wie war die Exekution anders in fr\u00fcherer Zeit! Schon einen Tag vor der Hinrichtung war das ganze Tal von Menschen \u00fcberf\u00fcllt; alle kamen nur um zu sehen; fr\u00fch am Morgen erschien der Kommandant mit seinen Damen; Fanfaren weckten den ganzen Lagerplatz; ich erstattete die Meldung, da\u00df alles vorbereitet sei; die Gesellschaft \u2013 kein hoher Beamte durfte fehlen \u2013 ordnete sich um die Maschine; dieser Haufen Rohrsessel ist ein armseliges \u00dcberbleibsel aus jener Zeit. Die Maschine gl\u00e4nzte frisch geputzt, fast zu jeder Exekution nahm ich neue Ersatzst\u00fccke. Vor Hunderten Augen \u2013 alle Zuschauer standen auf den Fu\u00dfspitzen bis dort zu den Anh\u00f6hen \u2013 wurde der Verurteilte vom Kommandanten selbst unter die Egge gelegt. Was heute ein gemeiner Soldat tun darf, war damals meine, des Gerichtspr\u00e4sidenten, Arbeit und ehrte mich. Und nun begann die Exekution! Kein Mi\u00dfton st\u00f6rte die Arbeit der Maschine. Manche sahen nun gar nicht mehr zu, sondern lagen mit geschlossenen Augen im Sand; alle wu\u00dften: jetzt geschieht Gerechtigkeit. In der Stille h\u00f6rte man nur das Seufzen des Verurteilten, ged\u00e4mpft durch den Filz. Heute gelingt es der Maschine nicht mehr, dem Verurteilten ein st\u00e4rkeres Seufzen auszupressen, als der Filz noch ersticken kann; damals aber tropften die schreibenden Nadeln eine beizende Fl\u00fcssigkeit aus, die heute nicht mehr verwendet werden darf. Nun, und dann kam die sechste Stunde! Es war unm\u00f6glich, allen die Bitte, aus der N\u00e4he zuschauen zu d\u00fcrfen, zu gew\u00e4hren. Der Kommandant in seiner Einsicht ordnete an, da\u00df vor allem die Kinder ber\u00fccksichtigt werden sollten; ich allerdings durfte kraft meines Berufes immer dabeistehen; oft hockte ich dort, zwei kleine Kinder rechts und links in meinen Armen. Wie nahmen wir alle den Ausdruck der Verkl\u00e4rung von dem gemarterten Gesicht, wie hielten wir unsere Wangen in den Schein dieser endlich erreichten und schon vergehenden Gerechtigkeit! Was f\u00fcr Zeiten, mein Kamerad!\u00ab Der Offizier hatte offenbar vergessen, wer vor ihm stand; er hatte den Reisenden umarmt und den Kopf auf seine Schulter gelegt. Der Reisende war in gro\u00dfer Verlegenheit, ungeduldig sah er \u00fcber den Offizier hinweg. Der Soldat hatte die Reinigungsarbeit beendet und jetzt noch aus einer B\u00fcchse Reisbrei in den Napf gesch\u00fcttet. Kaum merkte dies der Verurteilte, der sich schon vollst\u00e4ndig erholt zu haben schien, als er mit der Zunge nach dem Brei zu schnappen begann. Der Soldat stie\u00df ihn immer wieder weg, denn der Brei war wohl f\u00fcr eine sp\u00e4tere Zeit bestimmt, aber ungeh\u00f6rig war es jedenfalls auch, da\u00df der Soldat mit seinen schmutzigen H\u00e4nden hineingriff und vor dem gierigen Verurteilten davon a\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Offizier fa\u00dfte sich schnell. \u00bbIch wollte Sie nicht etwa r\u00fchren\u00ab, sagte er, \u00bbich wei\u00df, es ist unm\u00f6glich, jene Zeiten heute begreiflich zu machen. Im \u00fcbrigen arbeitet die Maschine noch und wirkt f\u00fcr sich. Sie wirkt f\u00fcr sich, auch wenn sie allein in diesem Tal steht. Und die Leiche f\u00e4llt zum Schlu\u00df noch immer in dem unbegreiflich sanften Flug in die Grube, auch wenn nicht, wie damals, Hunderte wie Fliegen um die Grube sich versammeln. Damals mu\u00dften wir ein starkes Gel\u00e4nder um die Grube anbringen, es ist l\u00e4ngst weggerissen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Reisende wollte sein Gesicht dem Offizier entziehen und blickte ziellos herum. Der Offizier glaubte, er betrachte die \u00d6de des Tales; er ergriff deshalb seine H\u00e4nde, drehte sich um ihn, um seine Blicke zu erfassen, und fragte: \u00bbMerken Sie die Schande?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber der Reisende schwieg. Der Offizier lie\u00df f\u00fcr ein Weilchen von ihm ab; mit auseinandergestellten Beinen, die H\u00e4nde in den H\u00fcften, stand er still und blickte zu Boden. Dann l\u00e4chelte er dem Reisenden aufmunternd zu und sagte: \u00bbIch war gestern in Ihrer N\u00e4he, als der Kommandant Sie einlud. Ich h\u00f6rte die Einladung. Ich kenne den Kommandanten. Ich verstand sofort, was er mit der Einladung bezweckte. Trotzdem seine Macht gro\u00df genug w\u00e4re, um gegen mich einzuschreiten, wagt er es noch nicht, wohl aber will er mich Ihrem, dem Urteil eines angesehenen Fremden aussetzen. Seine Berechnung ist sorgf\u00e4ltig; Sie sind den zweiten Tag auf der Insel, Sie kannten den alten Kommandanten und seinen Gedankenkreis nicht, Sie sind in europ\u00e4ischen Anschauungen befangen, vielleicht sind Sie ein grunds\u00e4tzlicher Gegner der Todesstrafe im allgemeinen und einer derartigen maschinellen Hinrichtungsart im besonderen, Sie sehen \u00fcberdies, wie die Hinrichtung ohne \u00f6ffentliche Anteilnahme, traurig, auf einer bereits etwas besch\u00e4digten Maschine vor sich geht \u2013 w\u00e4re es nun, alles dieses zusammengenommen (so denkt der Kommandant), nicht sehr leicht m\u00f6glich, da\u00df Sie mein Verfahren nicht f\u00fcr richtig halten? Und wenn Sie es nicht f\u00fcr richtig halten, werden Sie dies (ich rede noch immer im Sinne des Kommandanten) nicht verschweigen, denn Sie vertrauen doch gewi\u00df Ihren vielerprobten \u00dcberzeugungen. Sie haben allerdings viele Eigent\u00fcmlichkeiten vieler V\u00f6lker gesehen und achten gelernt, Sie werden daher wahrscheinlich sich nicht mit ganzer Kraft, wie Sie es vielleicht in Ihrer Heimat tun w\u00fcrden, gegen das Verfahren aussprechen. Aber dessen bedarf der Kommandant gar nicht. Ein fl\u00fcchtiges, ein blo\u00df unvorsichtiges Wort gen\u00fcgt. Es mu\u00df gar nicht Ihrer \u00dcberzeugung entsprechen, wenn es nur scheinbar seinem Wunsche entgegenkommt. Da\u00df er Sie mit aller Schlauheit ausfragen wird, dessen bin ich gewi\u00df. Und seine Damen werden im Kreis herumsitzen und die Ohren spitzen; Sie werden etwa sagen: \u203aBei uns ist das Gerichtsverfahren ein anderes\u2039, oder \u203aBei uns wird der Angeklagte vor dem Urteil verh\u00f6rt\u2039, oder \u203aBei uns gab es Folterungen nur im Mittelalter\u2039. Das alles sind Bemerkungen, die ebenso richtig sind, als sie Ihnen selbstverst\u00e4ndlich erscheinen, unschuldige Bemerkungen, die mein Verfahren nicht antasten. Aber wie wird sie der Kommandant aufnehmen? Ich sehe ihn, den guten Kommandanten, wie er sofort den Stuhl beiseite schiebt und auf den Balkon eilt, ich sehe seine Damen, wie sie ihm nachstr\u00f6men, ich h\u00f6re seine Stimme \u2013 die Damen nennen sie eine Donnerstimme\u00a0-, nun, und er spricht: \u203aEin gro\u00dfer Forscher des Abendlandes, dazu bestimmt, das Gerichtsverfahren in allen L\u00e4ndern zu \u00fcberpr\u00fcfen, hat eben gesagt, da\u00df unser Verfahren nach altem Brauch ein unmenschliches ist. Nach diesem Urteil einer solchen Pers\u00f6nlichkeit ist es mir nat\u00fcrlich nicht mehr m\u00f6glich, dieses Verfahren zu dulden. Mit dem heutigen Tage also ordne ich an \u2013 und so weiter.\u2039 Sie wollen eingreifen, Sie haben nicht das gesagt, was er verk\u00fcndet, Sie haben mein Verfahren nicht unmenschlich genannt, im Gegenteil, Ihrer tiefen Einsicht entsprechend, halten Sie es f\u00fcr das menschlichste und menschenw\u00fcrdigste, Sie bewundern auch diese Maschinerie \u2013 aber es ist zu sp\u00e4t; Sie kommen gar nicht auf den Balkon, der schon voll Damen ist; Sie wollen sich bemerkbar machen; Sie wollen schreien; aber eine Damenhand h\u00e4lt Ihnen den Mund zu \u2013 und ich und das Werk des alten Kommandanten sind verloren.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Reisende mu\u00dfte ein L\u00e4cheln unterdr\u00fccken; so leicht war also die Aufgabe, die er f\u00fcr so schwer gehalten hatte. Er sagte ausweichend: \u00bbSie \u00fcbersch\u00e4tzen meinen Einflu\u00df; der Kommandant hat mein Empfehlungsschreiben gelesen, er wei\u00df, da\u00df ich kein Kenner der gerichtlichen Verfahren bin. Wenn ich eine Meinung aussprechen w\u00fcrde, so w\u00e4re es die Meinung eines Privatmannes, um nichts bedeutender als die Meinung eines beliebigen anderen, und jedenfalls viel bedeutungsloser als die Meinung des Kommandanten, der in dieser Strafkolonie, wie ich zu wissen glaube, sehr ausgedehnte Rechte hat. Ist seine Meinung \u00fcber dieses Verfahren eine so bestimmte, wie Sie glauben, dann, f\u00fcrchte ich, ist allerdings das Ende dieses Verfahrens gekommen, ohne da\u00df es meiner bescheidenen Mithilfe bed\u00fcrfte.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begriff es schon der Offizier? Nein, er begriff noch nicht. Er sch\u00fcttelte lebhaft den Kopf, sah kurz nach dem Verurteilten und dem Soldaten zur\u00fcck, die zusammenzuckten und vom Reis ablie\u00dfen, ging ganz nahe an den Reisenden heran, blickte ihm nicht ins Gesicht, sondern irgendwohin auf seinen Rock und sagte leiser als fr\u00fcher: \u00bbSie kennen den Kommandanten nicht; Sie stehen ihm und uns allen \u2013 verzeihen Sie den Ausdruck \u2013 gewisserma\u00dfen harmlos gegen\u00fcber; Ihr Einflu\u00df, glauben Sie mir, kann nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden. Ich war ja gl\u00fcckselig, als ich h\u00f6rte, da\u00df Sie allein der Exekution beiwohnen sollten. Diese Anordnung des Kommandanten sollte mich treffen, nun aber wende ich sie zu meinen Gunsten. Unabgelenkt von falschen Einfl\u00fcsterungen und ver\u00e4chtlichen Blicken \u2013 wie sie bei gr\u00f6\u00dferer Teilnahme an der Exekution nicht h\u00e4tten vermieden werden k\u00f6nnen \u2013 haben Sie meine Erkl\u00e4rungen angeh\u00f6rt, die Maschine gesehen und sind nun im Begriffe, die Exekution zu besichtigen. Ihr Urteil steht gewi\u00df schon fest; sollten noch kleine Unsicherheiten bestehen, so wird sie der Anblick der Exekution beseitigen. Und nun stelle ich an Sie die Bitte: helfen Sie mir gegen\u00fcber dem Kommandanten!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Reisende lie\u00df ihn nicht weiterreden. \u00bbWie k\u00f6nnte ich denn das\u00ab, rief er aus, \u00bbdas ist ganz unm\u00f6glich. Ich kann Ihnen ebensowenig n\u00fctzen, als ich Ihnen schaden kann.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie k\u00f6nnen es\u00ab, sagte der Offizier. Mit einiger Bef\u00fcrchtung sah der Reisende, da\u00df der Offizier die F\u00e4uste ballte. \u00bbSie k\u00f6nnen es\u00ab, wiederholte der Offizier noch dringender. \u00bbIch habe einen Plan, der gelingen mu\u00df. Sie glauben, Ihr Einflu\u00df gen\u00fcge nicht. Ich wei\u00df, da\u00df er gen\u00fcgt. Aber zugestanden, da\u00df Sie recht haben, ist es dann nicht notwendig, zur Erhaltung dieses Verfahrens alles, selbst das m\u00f6glicherweise Unzureichende zu versuchen? H\u00f6ren Sie also meinen Plan. Zu seiner Ausf\u00fchrung ist es vor allem n\u00f6tig, da\u00df Sie heute in der Kolonie mit Ihrem Urteil \u00fcber das Verfahren m\u00f6glichst zur\u00fcckhalten. Wenn man Sie nicht geradezu fragt, d\u00fcrfen Sie sich keinesfalls \u00e4u\u00dfern; Ihre \u00c4u\u00dferungen aber m\u00fcssen kurz und unbestimmt sein; man soll merken, da\u00df es Ihnen schwer wird, dar\u00fcber zu sprechen, da\u00df Sie verbittert sind, da\u00df Sie, falls Sie offen reden sollten, geradezu in Verw\u00fcnschungen ausbrechen m\u00fc\u00dften. Ich verlange nicht, da\u00df Sie l\u00fcgen sollen; keineswegs; Sie sollen nur kurz antworten, etwa: \u203aJa, ich habe die Exekution gesehen\u2039, oder \u203aJa, ich habe alle Erkl\u00e4rungen geh\u00f6rt\u2039. Nur das, nichts weiter. F\u00fcr die Verbitterung, die man Ihnen anmerken soll, ist ja gen\u00fcgend Anla\u00df, wenn auch nicht im Sinne des Kommandanten. Er nat\u00fcrlich wird es vollst\u00e4ndig mi\u00dfverstehen und in seinem Sinne deuten. Darauf gr\u00fcndet sich mein Plan. Morgen findet in der Kommandantur unter dem Vorsitz des Kommandanten eine gro\u00dfe Sitzung aller h\u00f6heren Verwaltungsbeamten statt. Der Kommandant hat es nat\u00fcrlich verstanden, aus solchen Sitzungen eine Schaustellung zu machen. Es wurde eine Galerie gebaut, die mit Zuschauern immer besetzt ist. Ich bin gezwungen, an den Beratungen teilzunehmen, aber der Widerwille sch\u00fcttelt mich. Nun werden Sie gewi\u00df auf jeden Fall zu der Sitzung eingeladen werden; wenn Sie sich heute meinem Plane gem\u00e4\u00df verhalten, wird die Einladung zu einer dringenden Bitte werden. Sollten Sie aber aus irgendeinem unerfindlichen Grunde doch nicht eingeladen werden, so m\u00fc\u00dften Sie allerdings die Einladung verlangen; da\u00df Sie sie dann erhalten, ist zweifellos. Nun sitzen Sie also morgen mit den Damen in der Loge des Kommandanten. Er versichert sich \u00f6fters durch Blicke nach oben, da\u00df Sie da sind. Nach verschiedenen gleichg\u00fcltigen, l\u00e4cherlichen, nur f\u00fcr die Zuh\u00f6rer berechneten Verhandlungsgegenst\u00e4nden \u2013 meistens sind es Hafenbauten, immer wieder Hafenbauten! \u2013 kommt auch das Gerichtsverfahren zur Sprache. Sollte es von seiten des Kommandanten nicht oder nicht bald genug geschehen, so werde ich daf\u00fcr sorgen, da\u00df es geschieht. Ich werde aufstehen und die Meldung von der heutigen Exekution erstatten. Ganz kurz, nur diese Meldung. Eine solche Meldung ist zwar dort nicht \u00fcblich, aber ich tue es doch. Der Kommandant dankt mir, wie immer, mit freundlichem L\u00e4cheln, und nun, er kann sich nicht zur\u00fcckhalten, erfa\u00dft er die gute Gelegenheit. \u203aEs wurde eben\u2039, so oder \u00e4hnlich wird er sprechen, \u203adie Meldung von der Exekution erstattet. Ich m\u00f6chte dieser Meldung nur hinzuf\u00fcgen, da\u00df gerade dieser Exekution der gro\u00dfe Forscher beigewohnt hat, von dessen unsere Kolonie so au\u00dferordentlich ehrendem Besuch Sie alle wissen. Auch unsere heutige Sitzung ist durch seine Anwesenheit in ihrer Bedeutung erh\u00f6ht. Wollen wir nun nicht an diesen gro\u00dfen Forscher die Frage richten, wie er die Exekution nach altem Brauch und das Verfahren, das ihr vorausgeht, beurteilt?\u2039 Nat\u00fcrlich \u00fcberall Beifallklatschen, allgemeine Zustimmung, ich bin der Lauteste. Der Kommandant verbeugt sich vor Ihnen und sagt: \u203aDann stelle ich im Namen aller die Frage.\u2039 Und nun treten Sie an die Br\u00fcstung. Legen Sie die H\u00e4nde f\u00fcr alle sichtbar hin, sonst fassen sie die Damen und spielen mit den Fingern. \u2013 Und jetzt kommt endlich Ihr Wort. Ich wei\u00df nicht, wie ich die Spannung der Stunden bis dahin ertragen werde. In Ihrer Rede m\u00fcssen Sie sich keine Schranken setzen, machen Sie mit der Wahrheit L\u00e4rm, beugen Sie sich \u00fcber die Br\u00fcstung, br\u00fcllen Sie, aber ja, br\u00fcllen Sie dem Kommandanten Ihre Meinung, Ihre unersch\u00fctterliche Meinung zu. Aber vielleicht wollen Sie das nicht, es entspricht nicht Ihrem Charakter, in Ihrer Heimat verh\u00e4lt man sich vielleicht in solchen Lagen anders, auch das ist richtig, auch das gen\u00fcgt vollkommen, stehen Sie gar nicht auf, sagen Sie nur ein paar Worte, fl\u00fcstern Sie sie, da\u00df sie gerade noch die Beamten unter Ihnen h\u00f6ren, es gen\u00fcgt, Sie m\u00fcssen gar nicht selbst von der mangelnden Teilnahme an der Exekution, von dem kreischenden Rad, dem zerrissenen Riemen, dem widerlichen Filz reden, nein, alles Weitere \u00fcbernehme ich, und, glauben Sie, wenn meine Rede ihn nicht aus dem Saale jagt, so wird sie ihn auf die Knie zwingen, da\u00df er bekennen mu\u00df: Alter Kommandant, vor dir beuge ich mich. \u2013 Das ist mein Plan; wollen Sie mir zu seiner Ausf\u00fchrung helfen? Aber nat\u00fcrlich wollen Sie, mehr als das, Sie m\u00fcssen.\u00ab Und der Offizier fa\u00dfte den Reisenden an beiden Armen und sah ihm schwer atmend ins Gesicht. Die letzten S\u00e4tze hatte er so geschrien, da\u00df selbst der Soldat und der Verurteilte aufmerksam geworden waren; trotzdem sie nichts verstehen konnten, hielten sie doch im Essen inne und sahen kauend zum Reisenden hin\u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort, die er zu geben hatte, war f\u00fcr den Reisenden von allem Anfang an zweifellos; er hatte in seinem Leben zu viel erfahren, als da\u00df er hier h\u00e4tte schwanken k\u00f6nnen; er war im Grunde ehrlich und hatte keine Furcht. Trotzdem z\u00f6gerte er jetzt im Anblick des Soldaten und des Verurteilten einen Atemzug lang. Schlie\u00dflich aber sagte er, wie er mu\u00dfte: \u00bbNein.\u00ab Der Offizier blinzelte mehrmals mit den Augen, lie\u00df aber keinen Blick von ihm. \u00bbWollen Sie eine Erkl\u00e4rung?\u00ab fragte der Reisende. Der Offizier nickte stumm. \u00bbIch bin ein Gegner dieses Verfahrens\u00ab, sagte nun der Reisende, \u00bbnoch ehe Sie mich ins Vertrauen zogen \u2013 dieses Vertrauen werde ich nat\u00fcrlich unter keinen Umst\u00e4nden mi\u00dfbrauchen\u00a0-, habe ich schon \u00fcberlegt, ob ich berechtigt w\u00e4re, gegen dieses Verfahren einzuschreiten, und ob mein Einschreiten auch nur eine kleine Aussicht auf Erfolg haben k\u00f6nnte. An wen ich mich dabei zuerst wenden m\u00fc\u00dfte, war mir klar: an den Kommandanten nat\u00fcrlich. Sie haben es mir noch klarer gemacht, ohne aber etwa meinen Entschlu\u00df erst befestigt zu haben, im Gegenteil, Ihre ehrliche \u00dcberzeugung geht mir nahe, wenn sie mich auch nicht beirren kann.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Offizier blieb stumm, wendete sich der Maschine zu, fa\u00dfte eine der Messingstangen und sah dann, ein wenig zur\u00fcckgebeugt, zum Zeichner hinauf, als pr\u00fcfe er, ob alles in Ordnung sei. Der Soldat und der Verurteilte schienen sich miteinander befreundet zu haben; der Verurteilte machte, so schwierig dies bei der festen Einschnallung durchzuf\u00fchren war, dem Soldaten Zeichen; der Soldat beugte sich zu ihm; der Verurteilte fl\u00fcsterte ihm etwas zu, und der Soldat nickte. Der Reisende ging dem Offizier nach und sagte: \u00bbSie wissen noch nicht, was ich tun will. Ich werde meine Ansicht \u00fcber das Verfahren dem Kommandanten zwar sagen, aber nicht in einer Sitzung, sondern unter vier Augen; ich werde auch nicht so lange hier bleiben, da\u00df ich irgendeiner Sitzung beigezogen werden k\u00f6nnte; ich fahre schon morgen fr\u00fch weg oder schiffe mich wenigstens ein.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sah nicht aus, als ob der Offizier zugeh\u00f6rt h\u00e4tte. \u00bbDas Verfahren hat Sie also nicht \u00fcberzeugt\u00ab, sagte er f\u00fcr sich und l\u00e4chelte, wie ein Alter \u00fcber den Unsinn eines Kindes l\u00e4chelt und hinter dem L\u00e4cheln sein eigenes wirkliches Nachdenken beh\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDann ist es also Zeit\u00ab, sagte er schlie\u00dflich und blickte pl\u00f6tzlich mit hellen Augen, die irgendeine Aufforderung, irgendeinen Aufruf zur Beteiligung enthielten, den Reisenden an. \u00bbWozu ist es Zeit?\u00ab fragte der Reisende unruhig, bekam aber keine Antwort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu bist frei\u00ab, sagte der Offizier zum Verurteilten in dessen Sprache. Dieser glaubte es zuerst nicht. \u00bbNun, frei bist du\u00ab, sagte der Offizier. Zum erstenmal bekam das Gesicht des Verurteilten wirkliches Leben. War es Wahrheit? War es nur eine Laune des Offiziers, die vor\u00fcbergehen konnte? Hatte der fremde Reisende ihm Gnade erwirkt? Was war es? So schien sein Gesicht zu fragen. Aber nicht lange. Was immer es sein mochte, er wollte, wenn er durfte, wirklich frei sein und er begann sich zu r\u00fctteln, soweit es die Egge erlaubte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDu zerrei\u00dft mir die Riemen\u00ab, schrie der Offizier, \u00bbsei ruhig! Wir \u00f6ffnen sie schon.\u00ab Und er machte sich mit dem Soldaten, dem er ein Zeichen gab, an die Arbeit. Der Verurteilte lachte ohne Worte leise vor sich hin, bald wendete er das Gesicht links zum Offizier, bald rechts zum Soldaten, auch den Reisenden verga\u00df er nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbZieh ihn heraus\u00ab, befahl der Offizier dem Soldaten. Es mu\u00dfte hiebei wegen der Egge einige Vorsicht angewendet werden. Der Verurteilte hatte schon infolge seiner Ungeduld einige kleine Ri\u00dfwunden auf dem R\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von jetzt ab k\u00fcmmerte sich aber der Offizier kaum mehr um ihn. Er ging auf den Reisenden zu, zog wieder die kleine Ledermappe hervor, bl\u00e4tterte in ihr, fand schlie\u00dflich das Blatt, das er suchte, und zeigte es dem Reisenden. \u00bbLesen Sie\u00ab, sagte er. \u00bbIch kann nicht\u00ab, sagte der Reisende, \u00bbich sagte schon, ich kann diese Bl\u00e4tter nicht lesen.\u00ab \u00bbSehen Sie das Blatt doch genau an\u00ab, sagte der Offizier und trat neben den Reisenden, um mit ihm zu lesen. Als auch das nichts half, fuhr er mit dem kleinen Finger in gro\u00dfer H\u00f6he, als d\u00fcrfe das Blatt auf keinen Fall ber\u00fchrt werden, \u00fcber das Papier hin, um auf diese Weise dem Reisenden das Lesen zu erleichtern. Der Reisende gab sich auch M\u00fche, um wenigstens darin dem Offizier gef\u00e4llig sein zu k\u00f6nnen, aber es war ihm unm\u00f6glich. Nun begann der Offizier die Aufschrift zu buchstabieren und dann las er sie noch einmal im Zusammenhang. \u00bb\u203aSei gerecht!\u2039 \u2013 hei\u00dft es\u00ab, sagte er, \u00bbjetzt k\u00f6nnen Sie es doch lesen.\u00ab Der Reisende beugte sich so tief \u00fcber das Papier, da\u00df der Offizier aus Angst vor einer Ber\u00fchrung es weiter entfernte; nun sagte der Reisende zwar nichts mehr, aber es war klar, da\u00df er es noch immer nicht hatte lesen k\u00f6nnen. \u00bb\u203aSei gerecht!\u2039 \u2013 hei\u00dft es\u00ab, sagte der Offizier nochmals. \u00bbMag sein\u00ab, sagte der Reisende, \u00bbich glaube es, da\u00df es dort steht.\u00ab \u00bbNun gut\u00ab, sagte der Offizier, wenigstens teilweise befriedigt, und stieg mit dem Blatt auf die Leiter; er bettete das Blatt mit gro\u00dfer Vorsicht im Zeichner und ordnete das R\u00e4derwerk scheinbar g\u00e4nzlich um; es war eine sehr m\u00fchselige Arbeit, es mu\u00dfte sich auch um ganz kleine R\u00e4der handeln, manchmal verschwand der Kopf des Offiziers v\u00f6llig im Zeichner, so genau mu\u00dfte er das R\u00e4derwerk untersuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Reisende verfolgte von unten diese Arbeit ununterbrochen, der Hals wurde ihm steif, und die Augen schmerzten ihn von dem mit Sonnenlicht \u00fcbersch\u00fctteten Himmel. Der Soldat und der Verurteilte waren nur miteinander besch\u00e4ftigt. Das Hemd und die Hose des Verurteilten, die schon in der Grube lagen, wurden vom Soldaten mit der Bajonettspitze herausgezogen. Das Hemd war entsetzlich schmutzig, und der Verurteilte wusch es in dem Wasserk\u00fcbel. Als er dann Hemd und Hose anzog, mu\u00dfte der Soldat wie der Verurteilte laut lachen, denn die Kleidungsst\u00fccke waren doch hinten entzweigeschnitten. Vielleicht glaubte der Verurteilte, verpflichtet zu sein, den Soldaten zu unterhalten, er drehte sich in der zerschnittenen Kleidung im Kreise vor dem Soldaten, der auf dem Boden hockte und lachend auf seine Knie schlug. Immerhin bezwangen sie sich noch mit R\u00fccksicht auf die Anwesenheit der Herren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als der Offizier oben endlich fertiggeworden war, \u00fcberblickte er noch einmal l\u00e4chelnd das Ganze in allen seinen Teilen, schlug diesmal den Deckel des Zeichners zu, der bisher offen gewesen war, stieg hinunter, sah in die Grube und dann auf den Verurteilten, merkte befriedigt, da\u00df dieser seine Kleidung herausgenommen hatte, ging dann zu dem Wasserk\u00fcbel, um die H\u00e4nde zu waschen, erkannte zu sp\u00e4t den widerlichen Schmutz, war traurig dar\u00fcber, da\u00df er nun die H\u00e4nde nicht waschen konnte, tauchte sie schlie\u00dflich \u2013 dieser Ersatz gen\u00fcgte ihm nicht, aber er mu\u00dfte sich f\u00fcgen \u2013 in den Sand, stand dann auf und begann seinen Uniformrock aufzukn\u00f6pfen. Hierbei fielen ihm zun\u00e4chst die zwei Damentaschent\u00fccher, die er hinter den Kragen gezw\u00e4ngt hatte, in die H\u00e4nde. \u00bbHier hast du deine Taschent\u00fccher\u00ab, sagte er und warf sie dem Verurteilten zu. Und zum Reisenden sagte er erkl\u00e4rend: \u00bbGeschenke der Damen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz der offenbaren Eile, mit der er den Uniformrock auszog und sich dann vollst\u00e4ndig entkleidete, behandelte er doch jedes Kleidungsst\u00fcck sehr sorgf\u00e4ltig, \u00fcber die Silberschn\u00fcre an seinem Waffenrock strich er sogar eigens mit den Fingern hin und sch\u00fcttelte eine Troddel zurecht. Wenig pa\u00dfte es allerdings zu dieser Sorgfalt, da\u00df er, sobald er mit der Behandlung eines St\u00fcckes fertig war, es dann sofort mit einem unwilligen Ruck in die Grube warf. Das letzte, was ihm \u00fcbrigblieb, war sein kurzer Degen mit dem Tragriemen. Er zog den Degen aus der Scheide, zerbrach ihn, fa\u00dfte dann alles zusammen, die Degenst\u00fccke, die Scheide und den Riemen, und warf es so heftig weg, da\u00df es unten in der Grube aneinanderklang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun stand er nackt da. Der Reisende bi\u00df sich auf die Lippen und sagte nichts. Er wu\u00dfte zwar, was geschehen w\u00fcrde, aber er hatte kein Recht, den Offizier an irgend etwas zu hindern. War das Gerichtsverfahren, an dem der Offizier hing, wirklich so nahe daran, behoben zu werden \u2013 m\u00f6glicherweise infolge des Einschreitens des Reisenden, zu dem sich dieser seinerseits verpflichtet f\u00fchlte\u00a0-, dann handelte jetzt der Offizier vollst\u00e4ndig richtig; der Reisende h\u00e4tte an seiner Stelle nicht anders gehandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Soldat und der Verurteilte verstanden zuerst nichts, sie sahen anfangs nicht einmal zu. Der Verurteilte war sehr erfreut dar\u00fcber, die Taschent\u00fccher zur\u00fcckerhalten zu haben, aber er durfte sich nicht lange an ihnen freuen, denn der Soldat nahm sie ihm mit einem raschen, nicht vorherzusehenden Griff. Nun versuchte wieder der Verurteilte, dem Soldaten die T\u00fccher hinter dem G\u00fcrtel, hinter dem er sie verwahrt hatte, hervorzuziehen, aber der Soldat war wachsam. So stritten sie in halbem Scherz. Erst als der Offizier vollst\u00e4ndig nackt war, wurden sie aufmerksam. Besonders der Verurteilte schien von der Ahnung irgendeines gro\u00dfen Umschwungs getroffen zu sein. Was ihm geschehen war, geschah nun dem Offizier. Vielleicht w\u00fcrde es so bis zum \u00c4u\u00dfersten gehen. Wahrscheinlich hatte der fremde Reisende den Befehl dazu gegeben. Das war also Rache. Ohne selbst bis zum Ende gelitten zu haben, wurde er doch bis zum Ende ger\u00e4cht. Ein breites lautloses Lachen erschien nun auf seinem Gesicht und verschwand nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Offizier aber hatte sich der Maschine zugewendet. Wenn es schon fr\u00fcher deutlich gewesen war, da\u00df er die Maschine gut verstand, so konnte es jetzt einen fast best\u00fcrzt machen, wie er mit ihr umging und wie sie gehorchte. Er hatte die Hand der Egge nur gen\u00e4hert, und sie hob und senkte sich mehrmals, bis sie die richtige Lage erreicht hatte, um ihn zu empfangen; er fa\u00dfte das Bett nur am Rande, und es fing schon zu zittern an; der Filzstumpf kam seinem Mund entgegen, man sah, wie der Offizier ihn eigentlich nicht haben wollte, aber das Z\u00f6gern dauerte nur einen Augenblick, gleich f\u00fcgte er sich und nahm ihn auf. Alles war bereit, nur die Riemen hingen noch an den Seiten herunter, aber sie waren offenbar unn\u00f6tig, der Offizier mu\u00dfte nicht angeschnallt sein. Da bemerkte der Verurteilte die losen Riemen, seiner Meinung nach war die Exekution nicht vollkommen, wenn die Riemen nicht festgeschnallt waren, er winkte eifrig dem Soldaten, und sie liefen hin, den Offizier anzuschnallen. Dieser hatte schon den einen Fu\u00df ausgestreckt, um in die Kurbel zu sto\u00dfen, die den Zeichner in Gang bringen sollte; da sah er, da\u00df die zwei gekommen waren; er zog daher den Fu\u00df zur\u00fcck und lie\u00df sich anschnallen. Nun konnte er allerdings die Kurbel nicht mehr erreichen; weder der Soldat noch der Verurteilte w\u00fcrden sie auffinden, und der Reisende war entschlossen, sich nicht zu r\u00fchren. Es war nicht n\u00f6tig; kaum waren die Riemen angebracht, fing auch schon die Maschine zu arbeiten an; das Bett zitterte, die Nadeln tanzten auf der Haut, die Egge schwebte auf und ab. Der Reisende hatte schon eine Weile hingestarrt, ehe er sich erinnerte, da\u00df ein Rad im Zeichner h\u00e4tte kreischen sollen; aber alles war still, nicht das geringste Surren war zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch diese stille Arbeit entschwand die Maschine f\u00f6rmlich der Aufmerksamkeit. Der Reisende sah zu dem Soldaten und dem Verurteilten hin\u00fcber. Der Verurteilte war der Lebhaftere, alles an der Maschine interessierte ihn, bald beugte er sich nieder, bald streckte er sich, immerfort hatte er den Zeigefinger ausgestreckt, um dem Soldaten etwas zu zeigen. Dem Reisenden war es peinlich. Er war entschlossen, hier bis zum Ende zu bleiben, aber den Anblick der zwei h\u00e4tte er nicht lange ertragen. \u00bbGeht nach Hause\u00ab, sagte er. Der Soldat w\u00e4re dazu vielleicht bereit gewesen, aber der Verurteilte empfand den Befehl geradezu als Strafe. Er bat flehentlich mit gefalteten H\u00e4nden, ihn hier zu lassen, und als der Reisende kopfsch\u00fcttelnd nicht nachgeben wollte, kniete er sogar nieder. Der Reisende sah, da\u00df Befehle hier nichts halfen, er wollte hin\u00fcber und die zwei vertreiben. Da h\u00f6rte er oben im Zeichner ein Ger\u00e4usch. Er sah hinauf. St\u00f6rte also das Zahnrad doch? Aber es war etwas anderes. Langsam hob sich der Deckel des Zeichners und klappte dann vollst\u00e4ndig auf. Die Zacken eines Zahnrades zeigten und hoben sich, bald erschien das ganze Rad, es war, als presse irgendeine gro\u00dfe Macht den Zeichner zusammen, so da\u00df f\u00fcr dieses Rad kein Platz mehr \u00fcbrigblieb, das Rad drehte sich bis zum Rand des Zeichners, fiel hinunter, kollerte aufrecht ein St\u00fcck im Sand und blieb dann liegen. Aber schon stieg oben ein anderes auf, ihm folgten viele, gro\u00dfe, kleine und kaum zu unterscheidende, mit allen geschah dasselbe, immer glaubte man, nun m\u00fcsse der Zeichner jedenfalls schon entleert sein, da erschien eine neue, besonders zahlreiche Gruppe, stieg auf, fiel hinunter, kollerte im Sand und legte sich. \u00dcber diesem Vorgang verga\u00df der Verurteilte ganz den Befehl des Reisenden, die Zahnr\u00e4der entz\u00fcckten ihn v\u00f6llig, er wollte immer eines fassen, trieb gleichzeitig den Soldaten an, ihm zu helfen, zog aber erschreckt die Hand zur\u00fcck, denn es folgte gleich ein anderes Rad, das ihn, wenigstens im ersten Anrollen, erschreckte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Reisende dagegen war sehr beunruhigt; die Maschine ging offenbar in Tr\u00fcmmer; ihr ruhiger Gang war eine T\u00e4uschung; er hatte das Gef\u00fchl, als m\u00fcsse er sich jetzt des Offiziers annehmen, da dieser nicht mehr f\u00fcr sich selbst sorgen konnte. Aber w\u00e4hrend der Fall der Zahnr\u00e4der seine ganze Aufmerksamkeit beanspruchte, hatte er vers\u00e4umt, die \u00fcbrige Maschine zu beaufsichtigen; als er jedoch jetzt, nachdem das letzte Zahnrad den Zeichner verlassen hatte, sich \u00fcber die Egge beugte, hatte er eine neue, noch \u00e4rgere \u00dcberraschung. Die Egge schrieb nicht, sie stach nur, und das Bett w\u00e4lzte den K\u00f6rper nicht, sondern hob ihn nur zitternd in die Nadeln hinein. Der Reisende wollte eingreifen, m\u00f6glicherweise das Ganze zum Stehen bringen, das war ja keine Folter, wie sie der Offizier erreichen wollte, das war unmittelbarer Mord. Er streckte die H\u00e4nde aus. Da hob sich aber schon die Egge mit dem aufgespie\u00dften K\u00f6rper zur Seite, wie sie es sonst erst in der zw\u00f6lften Stunde tat. Das Blut flo\u00df in hundert Str\u00f6men, nicht mit Wasser vermischt, auch die Wasserr\u00f6hrchen hatten diesmal versagt. Und nun versagte noch das Letzte, der K\u00f6rper l\u00f6ste sich von den Nadeln nicht, str\u00f6mte sein Blut aus, hing aber \u00fcber der Grube, ohne zu fallen. Die Egge wollte schon in ihre alte Lage zur\u00fcckkehren, aber als merke sie selbst, da\u00df sie von ihrer Last noch nicht befreit sei, blieb sie doch \u00fcber der Grube. \u00bbHelft doch!\u00ab schrie der Reisende zum Soldaten und zum Verurteilten hin\u00fcber und fa\u00dfte selbst die F\u00fc\u00dfe des Offiziers. Er wollte sich hier gegen die F\u00fc\u00dfe dr\u00fccken, die zwei sollten auf der anderen Seite den Kopf des Offiziers fassen, und so sollte er langsam von den Nadeln gehoben werden. Aber nun konnten sich die zwei nicht entschlie\u00dfen zu kommen; der Verurteilte drehte sich geradezu um; der Reisende mu\u00dfte zu ihnen hin\u00fcbergehen und sie mit Gewalt zu dem Kopf des Offiziers dr\u00e4ngen. Hierbei sah er fast gegen Willen das Gesicht der Leiche. Es war, wie es im Leben gewesen war; kein Zeichen der versprochenen Erl\u00f6sung war zu entdecken; was alle anderen in der Maschine gefunden hatten, der Offizier fand es nicht; die Lippen waren fest zusammengedr\u00fcckt, die Augen waren offen, hatten den Ausdruck des Lebens, der Blick war ruhig und \u00fcberzeugt, durch die Stirn ging die Spitze des gro\u00dfen eisernen Stachels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als der Reisende, mit dem Soldaten und dem Verurteilten hinter sich, zu den ersten H\u00e4usern der Kolonie kam, zeigte der Soldat auf eins und sagte: \u00bbHier ist das Teehaus.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Erdgescho\u00df eines Hauses war ein tiefer, niedriger, h\u00f6hlenartiger, an den W\u00e4nden und an der Decke verr\u00e4ucherter Raum. Gegen die Stra\u00dfe zu war er in seiner ganzen Breite offen. Trotzdem sich das Teehaus von den \u00fcbrigen H\u00e4usern der Kolonie, die bis auf die Palastbauten der Kommandantur alle sehr verkommen waren, wenig unterschied, \u00fcbte es auf den Reisenden doch den Eindruck einer historischen Erinnerung aus, und er f\u00fchlte die Macht der fr\u00fcheren Zeiten. Er trat n\u00e4her heran, ging, gefolgt von seinen Begleitern, zwischen den unbesetzten Tischen hindurch, die vor dem Teehaus auf der Stra\u00dfe standen, und atmete die k\u00fchle, dumpfige Luft ein, die aus dem Innern kam. \u00bbDer Alte ist hier begraben\u00ab, sagte der Soldat, \u00bbein Platz auf dem Friedhof ist ihm vom Geistlichen verweigert worden. Man war eine Zeitlang unentschlossen, wo man ihn begraben sollte, schlie\u00dflich hat man ihn hier begraben. Davon hat Ihnen der Offizier gewi\u00df nichts erz\u00e4hlt, denn dessen hat er sich nat\u00fcrlich am meisten gesch\u00e4mt. Er hat sogar einigemal in der Nacht versucht, den Alten auszugraben, er ist aber immer verjagt worden.\u00ab \u00bbWo ist das Grab?\u00ab fragte der Reisende, der dem Soldaten nicht glauben konnte. Gleich liefen beide, der Soldat wie der Verurteilte, vor ihm her und zeigten mit ausgestreckten H\u00e4nden dorthin, wo sich das Grab befinden sollte. Sie f\u00fchrten den Reisenden bis zur R\u00fcckwand, wo an einigen Tischen G\u00e4ste sa\u00dfen. Es waren wahrscheinlich Hafenarbeiter, starke M\u00e4nner mit kurzen, gl\u00e4nzend schwarzen Vollb\u00e4rten. Alle waren ohne Rock, ihre Hemden waren zerrissen, es war armes, gedem\u00fctigtes Volk. Als sich der Reisende n\u00e4herte, erhoben sich einige, dr\u00fcckten sich an die Wand und sahen ihm entgegen. \u00bbEs ist ein Fremder\u00ab, fl\u00fcsterte es um den Reisenden herum, \u00bber will das Grab ansehen.\u00ab Sie schoben einen der Tische beiseite, unter dem sich wirklich ein Grabstein befand. Es war ein einfacher Stein, niedrig genug, um unter einem Tisch verborgen werden zu k\u00f6nnen. Er trug eine Aufschrift mit sehr kleinen Buchstaben, der Reisende mu\u00dfte, um sie zu lesen, niederknien. Sie lautete: \u203aHier ruht der alte Kommandant. Seine Anh\u00e4nger, die jetzt keinen Namen tragen d\u00fcrfen, haben ihm das Grab gegraben und den Stein gesetzt. Es besteht eine Prophezeiung, da\u00df der Kommandant nach einer bestimmten Anzahl von Jahren auferstehen und aus diesem Hause seine Anh\u00e4nger zur Wiedereroberung der Kolonie f\u00fchren wird. Glaubet und wartet!\u2039 Als der Reisende das gelesen hatte und sich erhob, sah er rings um sich die M\u00e4nner stehen und l\u00e4cheln, als h\u00e4tten sie mit ihm die Aufschrift gelesen, sie l\u00e4cherlich gefunden und forderten ihn auf, sich ihrer Meinung anzuschlie\u00dfen. Der Reisende tat, als merke er das nicht, verteilte einige M\u00fcnzen unter sie, wartete noch, bis der Tisch \u00fcber das Grab geschoben war, verlie\u00df das Teehaus und ging zum Hafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Soldat und der Verurteilte hatten im Teehaus Bekannte gefunden, die sie zur\u00fcckhielten. Sie mu\u00dften sich aber bald von ihnen losgerissen haben, denn der Reisende befand sich erst in der Mitte der langen Treppe, die zu den Booten f\u00fchrte, als sie ihm schon nachliefen. Sie wollten wahrscheinlich den Reisenden im letzten Augenblick zwingen, sie mitzunehmen. W\u00e4hrend der Reisende unten mit einem Schiffer wegen der \u00dcberfahrt zum Dampfer unterhandelte, rasten die zwei die Treppe hinab, schweigend, denn zu schreien wagten sie nicht. Aber als sie unten ankamen, war der Reisende schon im Boot, und der Schiffer l\u00f6ste es gerade vom Ufer. Sie h\u00e4tten noch ins Boot springen k\u00f6nnen, aber der Reisende hob ein schweres, geknotetes Tau vom Boden, drohte ihnen damit und hielt sie dadurch von dem Sprunge ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-99615 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Franz_Kafka-246x300.jpg\" alt=\"\" width=\"246\" height=\"300\" \/><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Eine Besprechung von Kurt Tuckolsky finden sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/05\/in-der-strafkolonie\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch Franz Kafkas Erz\u00e4hlung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16433\">Ein Hungerk\u00fcnstler<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00bbEs ist ein eigent\u00fcmlicher Apparat\u00ab, sagte der Offizier zu dem Forschungsreisenden und \u00fcberblickte mit einem gewisserma\u00dfen bewundernden Blick den ihm doch wohlbekannten Apparat. Der Reisende schien nur aus H\u00f6flichkeit der Einladung des Kommandanten gefolgt zu sein, der ihn aufgefordert&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/07\/03\/in-der-strafkolonie-2\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":107,"featured_media":99615,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[494],"class_list":["post-16559","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-franz-kafka"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16559","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/107"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16559"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16559\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104732,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16559\/revisions\/104732"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99615"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16559"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16559"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16559"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}