{"id":16433,"date":"2003-07-05T00:01:00","date_gmt":"2003-07-04T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16433"},"modified":"2022-10-24T16:31:52","modified_gmt":"2022-10-24T14:31:52","slug":"ein-hungerkunstler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/07\/05\/ein-hungerkunstler\/","title":{"rendered":"Ein Hungerk\u00fcnstler"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?page_id=572\">Hungerk\u00fcnstlern<\/a> sehr zur\u00fcckgegangen. W\u00e4hrend es sich fr\u00fcher gut lohnte, gro\u00dfe derartige Vorf\u00fchrungen in eigener Regie zu veranstalten, ist dies heute v\u00f6llig unm\u00f6glich. Es waren andere Zeiten. Damals besch\u00e4ftigte sich die ganze Stadt mit dem Hungerk\u00fcnstler; von Hungertag zu Hungertag stieg die Teilnahme; jeder wollte den Hungerk\u00fcnstler zumindest einmal t\u00e4glich sehn; an den sp\u00e4tern Tagen gab es Abonnenten, welche tagelang vor dem kleinen Gitterk\u00e4fig sa\u00dfen; auch in der Nacht fanden Besichtigungen statt, zur Erh\u00f6hung der Wirkung bei Fackelschein; an sch\u00f6nen Tagen wurde der K\u00e4fig ins Freie getragen, und nun waren es besonders die Kinder, denen der Hungerk\u00fcnstler gezeigt wurde; w\u00e4hrend er f\u00fcr die Erwachsenen oft nur ein Spa\u00df war, an dem sie der Mode halber teilnahmen, sahen die Kinder staunend, mit offenem Mund, der Sicherheit halber einander bei der Hand haltend, zu, wie er bleich, im schwarzen Trikot, mit m\u00e4chtig vortretenden Rippen, sogar einen Sessel verschm\u00e4hend, auf hingestreutem Stroh sa\u00df, einmal h\u00f6flich nickend, angestrengt l\u00e4chelnd Fragen beantwortete, auch durch das Gitter den Arm streckte, um seine Magerkeit bef\u00fchlen zu lassen, dann aber wieder ganz in sich selbst versank, um niemanden sich k\u00fcmmerte, nicht einmal um den f\u00fcr ihn so wichtigen Schlag der Uhr, die das einzige M\u00f6belst\u00fcck des K\u00e4figs war, sondern nur vor sich hinsah mit fast geschlossenen Augen und hie und da aus einem winzigen Gl\u00e4schen Wasser nippte, um sich die Lippen zu feuchten.<\/p>\n<div id=\"attachment_16435\" style=\"width: 251px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Franz-Kafka-Fotografie-aus-dem-Atelier-Jacobi-1906..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16435\" class=\"size-medium wp-image-16435\" title=\"Franz Kafka (Fotografie aus dem Atelier Jacobi, 1906).\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Franz-Kafka-Fotografie-aus-dem-Atelier-Jacobi-1906.-241x300.jpg\" alt=\"\" width=\"241\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Franz-Kafka-Fotografie-aus-dem-Atelier-Jacobi-1906.-241x300.jpg 241w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Franz-Kafka-Fotografie-aus-dem-Atelier-Jacobi-1906..jpg 483w\" sizes=\"auto, (max-width: 241px) 100vw, 241px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16435\" class=\"wp-caption-text\">Franz Kafka (Fotografie aus dem Atelier Jacobi, 1906)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dfer den wechselnden Zuschauern waren auch st\u00e4ndige, vom Publikum gew\u00e4hlte W\u00e4chter da, merkw\u00fcrdigerweise gew\u00f6hnlich Fleischhauer, welche, immer drei gleichzeitig, die Aufgabe hatten, Tag und Nacht den Hungerk\u00fcnstler zu beobachten, damit er nicht etwa auf irgendeine heimliche Weise doch Nahrung zu sich nehme. Es war das aber lediglich eine Formalit\u00e4t, eingef\u00fchrt zur Beruhigung der Massen, denn die Eingeweihten wu\u00dften wohl, da\u00df der Hungerk\u00fcnstler w\u00e4hrend der Hungerzeit niemals, unter keinen Umst\u00e4nden, selbst unter Zwang nicht, auch das geringste nur gegessen h\u00e4tte; die Ehre seiner Kunst verbot dies. Freilich, nicht jeder W\u00e4chter konnte das begreifen, es fanden sich manchmal n\u00e4chtliche Wachgruppen, welche die Bewachung sehr lax durchf\u00fchrten,\u00a0absichtlich in eine ferne Ecke sich zusammensetzten und dort sich ins Kartenspiel vertieften, in der offenbaren Absicht, dem Hungerk\u00fcnstler eine kleine Erfrischung zu g\u00f6nnen, die er ihrer Meinung nach aus irgendwelchen geheimen Vorr\u00e4ten hervorholen konnte. Nichts war dem Hungerk\u00fcnstler qu\u00e4lender als solche W\u00e4chter; sie machten ihn tr\u00fcbselig; sie machten ihm das Hungern entsetzlich schwer; manchmal \u00fcberwand er seine Schw\u00e4che und sang w\u00e4hrend dieser Wachzeit, solange er es nur aushielt, um den Leuten zu zeigen, wie ungerecht sie ihn verd\u00e4chtigten. Doch half das wenig; sie wunderten sich dann nur \u00fcber seine Geschicklichkeit, selbst w\u00e4hrend des Singens zu essen. Viel lieber waren ihm die W\u00e4chter, welche sich eng zum Gitter setzten, mit der tr\u00fcben Nachtbeleuchtung des Saales sich nicht begn\u00fcgten, sondern ihn mit den elektrischen Taschenlampen bestrahlten, die ihnen der Impresario zur Verf\u00fcgung stellte. Das grelle Licht st\u00f6rte ihn gar nicht, schlafen konnte er ja \u00fcberhaupt nicht, und ein wenig hind\u00e4mmern konnte er immer, bei jeder Beleuchtung und zu jeder Stunde, auch im \u00fcbervollen, l\u00e4rmenden Saal. Er war sehr gerne bereit, mit solchen W\u00e4chtern die Nacht g\u00e4nzlich ohne Schlaf zu verbringen; er war bereit, mit ihnen zu scherzen, ihnen Geschichten aus seinem Wanderleben zu erz\u00e4hlen, dann wieder ihre Erz\u00e4hlungen anzuh\u00f6ren, alles nur, um sie wachzuhalten, um ihnen immer wieder zeigen zu k\u00f6nnen, da\u00df er nichts E\u00dfbares im K\u00e4fig hatte und da\u00df er hungerte, wie keiner von ihnen es k\u00f6nnte. Am gl\u00fccklichsten aber war er, wenn dann der Morgen kam und ihnen auf seine Rechnung ein \u00fcberreiches Fr\u00fchst\u00fcck gebracht wurde, auf das sie sich warfen mit dem Appetit gesunder M\u00e4nner nach einer m\u00fchevoll durchwachten Nacht. Es gab zwar sogar Leute, die in diesem Fr\u00fchst\u00fcck eine ungeb\u00fchrliche Beeinflussung der W\u00e4chter sehen wollten, aber das ging doch zu weit, und wenn man sie fragte, ob etwa sie nur um der Sache willen ohne Fr\u00fchst\u00fcck die Nachtwache \u00fcbernehmen wollten, verzogen sie sich, aber bei ihren Verd\u00e4chtigungen blieben sie dennoch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses allerdings geh\u00f6rte schon zu den vom Hungern \u00fcberhaupt nicht zu trennenden Verd\u00e4chtigungen. Niemand war ja imstande, alle die Tage und N\u00e4chte beim Hungerk\u00fcnstler ununterbrochen als W\u00e4chter zu verbringen, niemand also konnte aus eigener Anschauung wissen, ob wirklich ununterbrochen, fehlerlos gehungert worden war; nur der Hungerk\u00fcnstler selbst konnte das wissen,\u00a0nur er also gleichzeitig der von seinem Hungern vollkommen befriedigte Zuschauer sein. Er aber war wieder aus einem andern Grunde niemals befriedigt; vielleicht war er gar nicht vom Hungern so sehr abgemagert, da\u00df manche zu ihrem Bedauern den Vorf\u00fchrungen fernbleiben mu\u00dften, weil sie seinen Anblick nicht ertrugen, sondern er war nur so abgemagert aus Unzufriedenheit mit sich selbst. Er allein n\u00e4mlich wu\u00dfte, auch kein Eingeweihter sonst wu\u00dfte das, wie leicht das Hungern war. Es war die leichteste Sache von der Welt. Er verschwieg es auch nicht, aber man glaubte ihm nicht, hielt ihn g\u00fcnstigenfalls f\u00fcr bescheiden, meist aber f\u00fcr reklames\u00fcchtig oder gar f\u00fcr einen Schwindler, dem das Hungern allerdings leicht war, weil er es sich leicht zu machen verstand, und der auch noch die Stirn hatte, es halb zu gestehn. Das alles mu\u00dfte er hinnehmen, hatte sich auch im Laufe der Jahre daran gew\u00f6hnt, aber innerlich nagte diese Unbefriedigtheit immer an ihm, und noch niemals, nach keiner Hungerperiode \u2013 dieses Zeugnis mu\u00dfte man ihm ausstellen \u2013 hatte er freiwillig den K\u00e4fig verlassen. Als H\u00f6chstzeit f\u00fcr das Hungern hatte der Impresario vierzig Tage festgesetzt, dar\u00fcber hinaus lie\u00df er niemals hungern, auch in den Weltst\u00e4dten nicht, und zwar aus gutem Grund. Vierzig Tage etwa konnte man erfahrungsgem\u00e4\u00df durch allm\u00e4hlich sich steigernde Reklame das Interesse einer Stadt immer mehr aufstacheln, dann aber versagte das Publikum, eine wesentliche Abnahme des Zuspruchs war festzustellen; es bestanden nat\u00fcrlich in dieser Hinsicht kleine Unterschiede zwischen den St\u00e4dten und L\u00e4ndern, als Regel aber galt, da\u00df vierzig Tage die H\u00f6chstzeit war. Dann also am vierzigsten Tage wurde die T\u00fcr des mit Blumen umkr\u00e4nzten K\u00e4figs ge\u00f6ffnet, eine begeisterte Zuschauerschaft erf\u00fcllte das Amphitheater, eine Milit\u00e4rkapelle spielte, zwei \u00c4rzte betraten den K\u00e4fig, um die n\u00f6tigen Messungen am Hungerk\u00fcnstler vorzunehmen, durch ein Megaphon wurden die Resultate dem Saale verk\u00fcndet, und schlie\u00dflich kamen zwei junge Damen, gl\u00fccklich dar \u00fcber, da\u00df gerade sie ausgelost worden waren, und wollten den Hungerk\u00fcnstler aus dem K\u00e4fig ein paar Stufen hinab f\u00fchren, wo auf einem kleinen Tischchen eine sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlte Krankenmahlzeit serviert war. Und in diesem Augenblick wehrte sich der Hungerk\u00fcnstler immer. Zwar legte er noch freiwillig seine Knochenarme in die hilfsbereit ausgestreckten H\u00e4nde der zu ihm hinabgebeugten Damen, aber aufstehen wollte er nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum gerade jetzt nach vierzig Tagen aufh\u00f6ren? Er h\u00e4tte es noch lange, unbeschr\u00e4nkt lange ausgehalten; warum gerade jetzt aufh\u00f6ren, wo er im besten, ja noch nicht einmal im besten Hungern war? Warum wollte man ihn des Ruhmes berauben, weiter zu hungern, nicht nur der gr\u00f6\u00dfte Hungerk\u00fcnstler aller Zeiten zu werden, der er ja wahrscheinlich schon war, aber auch noch sich selbst zu \u00fcbertreffen bis ins Unbegreifliche, denn f\u00fcr seine F\u00e4higkeit zu hungern f\u00fchlte er keine Grenzen. Warum hatte diese Menge, die ihn so sehr zu bewundern vorgab, so wenig Geduld mit ihm; wenn er es aushielt, noch weiter zu hungern, warum wollte sie es nicht aushalten? Auch war er m\u00fcde, sa\u00df gut im Stroh und sollte sich nun hoch und lang aufrichten und zu dem Essen gehn, das ihm schon allein in der Vorstellung \u00dcbelkeiten verursachte, deren \u00c4u\u00dferung er nur mit R\u00fccksicht auf die Damen m\u00fchselig unterdr\u00fcckte. Und er blickte empor in die Augen der scheinbar so freundlichen, in Wirklichkeit so grausamen Damen und sch\u00fcttelte den auf dem schwachen Halse \u00fcberschweren Kopf. Aber dann geschah, was immer geschah. Der Impresario kam, hob stumm \u2013 die Musik machte das Reden unm\u00f6glich \u2013 die Arme \u00fcber dem Hungerk\u00fcnstler, so, als lade er den Himmel ein, sich sein Werk hier auf dem Stroh einmal anzusehn, diesen bedauernswerten M\u00e4rtyrer, welcher der Hungerk\u00fcnstler allerdings war, nur in ganz anderem Sinn; fa\u00dfte den Hungerk\u00fcnstler um die d\u00fcnne Taille, wobei er durch \u00fcbertriebene Vorsicht glaubhaft machen wollte, mit einem wie gebrechlichen Ding er es hier zu tun habe; und \u00fcbergab ihn \u2013 nicht ohne ihn im geheimen ein wenig zu sch\u00fctteln, so da\u00df der Hungerk\u00fcnstler mit den Beinen und dem Oberk\u00f6rper unbeherrscht hin und her schwankte \u2013 den inzwischen totenbleich gewordenen Damen. Nun duldete der Hungerk\u00fcnstler alles; der Kopf lag auf der Brust, es war, als sei er hingerollt und halte sich dort unerkl\u00e4rlich; der Leib war ausgeh\u00f6hlt; die Beine dr\u00fcckten sich im Selbsterhaltungstrieb fest in den Knien aneinander, scharrten aber doch den Boden, so, als sei es nicht der wirkliche, den wirklichen suchten sie erst; und die ganze, allerdings sehr kleine Last des K\u00f6rpers lag auf einer der Damen, welche hilfesuchend, mit fliegendem Atem \u2013 so hatte sie sich dieses Ehrenamt nicht vorgestellt \u2013 zuerst den Hals m\u00f6glichst streckte, um wenigstens das Gesicht vor der Ber\u00fchrung mit dem Hungerk\u00fcnstler zu bewahren, dann aber, da ihr dies nicht gelang und ihre gl\u00fccklichere\u00a0Gef\u00e4hrtin ihr nicht zu Hilfe kam, sondern sich damit begn\u00fcgte, zitternd die Hand des Hungerk\u00fcnstlers, dieses kleine Knochenb\u00fcndel, vor sich herzutragen, unter dem entz\u00fcckten Gel\u00e4chter des Saales in Weinen ausbrach und von einem l\u00e4ngst bereitgestellten Diener abgel\u00f6st werden mu\u00dfte. Dann kam das Essen, von dem der Impresario dem Hungerk\u00fcnstler w\u00e4hrend eines ohnmacht\u00e4hnlichen Halbschlafes ein wenig einfl\u00f6\u00dfte, unter lustigem Plaudern, das die Aufmerksamkeit vom Zustand des Hungerk\u00fcnstlers ablenken sollte; dann wurde noch ein Trinkspruch auf das Publikum ausgebracht, welcher dem Impresario angeblich vom Hungerk\u00fcnstler zugefl\u00fcstert worden war; das Orchester bekr\u00e4ftigte alles durch einen gro\u00dfen Tusch, man ging auseinander, und niemand hatte das Recht, mit dem Gesehenen unzufrieden zu sein, niemand, nur der Hungerk\u00fcnstler, immer nur er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So lebte er mit regelm\u00e4\u00dfigen kleinen Ruhepausen viele Jahre, in scheinbarem Glanz, von der Welt geehrt, bei alledem aber meist in tr\u00fcber Laune, die immer noch tr\u00fcber wurde dadurch, da\u00df niemand sie ernst zu nehmen verstand. Womit sollte man ihn auch tr\u00f6sten? Was blieb ihm zu w\u00fcnschen \u00fcbrig? Und wenn sich einmal ein Gutm\u00fctiger fand, der ihn bedauerte und ihm erkl\u00e4ren wollte, da\u00df seine Traurigkeit wahrscheinlich von dem Hungern k\u00e4me, konnte es, besonders bei vorgeschrittener Hungerzeit, geschehn, da\u00df der Hungerk\u00fcnstler mit einem Wutausbruch antwortete und zum Schrecken aller wie ein Tier an dem Gitter zu r\u00fctteln begann. Doch hatte f\u00fcr solche Zust\u00e4nde der Impresario ein Strafmittel, das er gern anwandte. Er entschuldigte den Hungerk\u00fcnstler vor versammeltem Publikum, gab zu, da\u00df nur die durch das Hungern hervorgerufene, f\u00fcr satte Menschen nicht ohne weiteres begreifliche Reizbarkeit das Benehmen des Hungerk\u00fcnstlers verzeihlich machen k\u00f6nne; kam dann im Zusammenhang damit auch auf die ebenso zu erkl\u00e4rende Behauptung des Hungerk\u00fcnstlers zu sprechen, er k\u00f6nnte noch viel l\u00e4nger hungern, als er hungere; lobte das hohe Streben, den guten Willen, die gro\u00dfe Selbstverleugnung, die gewi\u00df auch in dieser Behauptung enthalten seien; suchte dann aber die Behauptung einfach genug durch Vorzeigen von Photographien, die gleichzeitig verkauft wurden, zu widerlegen, denn auf den Bildern sah man den Hungerk\u00fcnstler an einem vierzigsten Hungertag, im Bett, fast verl\u00f6scht vor Entkr\u00e4ftung. Diese dem Hungerk\u00fcnstler zwar wohlbekannte, immer aber von neuem ihn entnervende Verdrehung der Wahrheit war ihm zu viel. Was die Folge der vorzeitigen Beendigung des Hungerns war, stellte man hier als die Ursache dar! Gegen diesen Unverstand, gegen diese Welt des Unverstandes zu k\u00e4mpfen, war unm\u00f6glich. Noch hatte er immer wieder im gutem Glauben begierig am Gitter dem Impresario zugeh\u00f6rt, beim Erscheinen der Photographien aber lie\u00df er das Gitter jedesmal los, sank mit Seufzen ins Stroh zur\u00fcck, und das beruhigte Publikum konnte wieder herankommen und ihn besichtigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Zeugen solcher Szenen ein paar Jahre sp\u00e4ter daran zur\u00fcckdachten, wurden sie sich oft selbst unverst\u00e4ndlich. Denn inzwischen war jener erw\u00e4hnte Umschwung eingetreten; fast pl\u00f6tzlich war das geschehen; es mochte tiefere Gr\u00fcnde haben, aber wem lag daran, sie aufzufinden; jedenfalls sah sich eines Tages der verw\u00f6hnte Hungerk\u00fcnstler von der vergn\u00fcgungss\u00fcchtigen Menge verlassen, die lieber zu anderen Schaustellungen str\u00f6mte. Noch einmal jagte der Impresario mit ihm durch halb Europa, um zu sehn, ob sich nicht noch hie und da das alte Interesse wiederf\u00e4nde; alles vergeblich; wie in einem geheimen Einverst\u00e4ndnis hatte sich \u00fcberall geradezu eine Abneigung gegen das Schauhungern ausgebildet. Nat\u00fcrlich hatte das in Wirklichkeit nicht pl\u00f6tzlich so kommen k\u00f6nnen, und man erinnerte sich jetzt nachtr\u00e4glich an manche zu ihrer Zeit im Rausch der Erfolge nicht gen\u00fcgend beachtete, nicht gen\u00fcgend unterdr\u00fcckte Vorboten, aber jetzt etwas dagegen zu unternehmen, war zu sp\u00e4t. Zwar war es sicher, da\u00df einmal auch f\u00fcr das Hungern wieder die Zeit kommen werde, aber f\u00fcr die Lebenden war das kein Trost. Was sollte nun der Hungerk\u00fcnstler tun? Der, welchen Tausende umjubelt hatten, konnte sich nicht in Schaubuden auf kleinen Jahrm\u00e4rkten zeigen, und um einen andern Beruf zu ergreifen, war der Hungerk\u00fcnstler nicht nur zu alt, sondern vor allem dem Hungern allzu fanatisch ergeben. So verabschiedete er denn den Impresario, den Genossen einer Laufbahn ohnegleichen, und lie\u00df sich von einem gro\u00dfen Zirkus engagieren; um seine Empfindlichkeit zu schonen, sah er die Vertragsbedingungen gar nicht an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gro\u00dfer Zirkus mit seiner Unzahl von einander immer wieder ausgleichenden und erg\u00e4nzenden Menschen und Tieren und Apparaten kann jeden und zu jeder Zeit gebrauchen, auch einen Hungerk\u00fcnstler, bei entsprechend bescheidenen Anspr\u00fcchen nat\u00fcrlich, und au\u00dferdem war es ja in diesem besonderen Fall nicht nur der Hungerk\u00fcnstler selbst, der engagiert wurde, sondern auch sein alter ber\u00fchmter Name, ja man konnte bei der Eigenart dieser im zunehmenden Alter nicht abnehmenden Kunst nicht einmal sagen, da\u00df ein ausgedienter, nicht mehr auf der H\u00f6he seines K\u00f6nnens stehender K\u00fcnstler sich in einen ruhigen Zirkusposten fl\u00fcchten wolle, im Gegenteil, der Hungerk\u00fcnstler versicherte, da\u00df er, was durchaus glaubw\u00fcrdig war, ebensogut hungere wie fr\u00fcher, ja er behauptete sogar, er werde, wenn man ihm seinen Willen lasse, und dies versprach man ihm ohne weiteres, eigentlich erst jetzt die Welt in berechtigtes Erstaunen setzen, eine Behauptung allerdings, die mit R\u00fccksicht auf die Zeitstimmung, welche der Hungerk\u00fcnstler im Eifer leicht verga\u00df, bei den Fachleuten nur ein L\u00e4cheln hervorrief.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grunde aber verlor auch der Hungerk\u00fcnstler den Blick f\u00fcr die wirklichen Verh\u00e4ltnisse nicht und nahm es als selbstverst\u00e4ndlich hin, da\u00df man ihn mit seinem K\u00e4fig nicht etwa als Glanznummer mitten in die Manege stellte, sondern drau\u00dfen an einem im \u00fcbrigen recht gut zug\u00e4nglichen Ort in der N\u00e4he der Stallungen unterbrachte. Gro\u00dfe, bunt gemalte Aufschriften umrahmten den K\u00e4fig und verk\u00fcndeten, was dort zu sehen war. Wenn das Publikum in den Pausen der Vorstellung zu den St\u00e4llen dr\u00e4ngte, um die Tiere zu besichtigen, war es fast unvermeidlich, da\u00df es beim Hungerk\u00fcnstler vor\u00fcberkam und ein wenig dort haltmachte, man w\u00e4re vielleicht l\u00e4nger bei ihm geblieben, wenn nicht in dem schmalen Gang die Nachdr\u00e4ngenden, welche diesen Aufenthalt auf dem Weg zu den ersehnten St\u00e4llen nicht verstanden, eine l\u00e4ngere ruhige Betrachtung unm\u00f6glich gemacht h\u00e4tten. Dies war auch der Grund, warum der Hungerk\u00fcnstler vor diesen Besuchszeiten, die er als seinen Lebenszweck nat\u00fcrlich herbeiw\u00fcnschte, doch auch wieder zitterte. In der ersten Zeit hatte er die Vorstellungspausen kaum erwarten k\u00f6nnen; entz\u00fcckt hatte er der sich heranw\u00e4lzenden Menge entgegengesehn, bis er sich nur zu bald \u2013 auch die hartn\u00e4ckigste, fast bewu\u00dfte Selbstt\u00e4uschung hielt den Erfahrungen nicht stand \u2013 davon \u00fcberzeugte, da\u00df es zumeist der Absicht nach, immer wieder, ausnahmslos, lauter Stallbesucher waren. Und dieser Anblick von der Ferne blieb noch immer der sch\u00f6nste. Denn wenn sie bis zu ihm herangekommen waren, umtobte ihn sofort Geschrei und Schimpfen der ununterbrochen neu sich bildenden\u00a0Parteien, jener, welche \u2013 sie wurde dem Hungerk\u00fcnstler bald die peinlichere \u2013 ihn bequem ansehen wollte, nicht etwa aus Verst\u00e4ndnis, sondern aus Laune und Trotz, und jener zweiten, die zun\u00e4chst nur nach den St\u00e4llen verlangte. War der gro\u00dfe Haufe vor\u00fcber, dann kamen die Nachz\u00fcgler, und diese allerdings, denen es nicht mehr verwehrt war, stehenzubleiben, solange sie nur Lust hatten, eilten mit langen Schritten, fast ohne Seitenblick, vor\u00fcber, um rechtzeitig zu den Tieren zu kommen. Und es war kein allzu h\u00e4ufiger Gl\u00fccksfall, da\u00df ein Familienvater mit seinen Kindern kam, mit dem Finger auf den Hungerk\u00fcnstler zeigte, ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rte, um was es sich hier handelte, von fr\u00fcheren Jahren erz\u00e4hlte, wo er bei \u00e4hnlichen, aber unvergleichlich gro\u00dfartigeren Vorf\u00fchrungen gewesen war, und dann die Kinder, wegen ihrer ungen\u00fcgenden Vorbereitung von Schule und Leben her, zwar immer noch verst\u00e4ndnislos blieben \u2013 was war ihnen Hungern? \u2013 aber doch in dem Glanz ihrer forschenden Augen etwas von neuen, kommenden, gn\u00e4digeren Zeiten verrieten. Vielleicht, so sagte sich der Hungerk\u00fcnstler dann manchmal, w\u00fcrde alles doch ein wenig besser werden, wenn sein Standort nicht gar so nahe bei den St\u00e4llen w\u00e4re. Den Leuten wurde dadurch die Wahl zu leicht gemacht, nicht zu reden davon, da\u00df ihn die Ausd\u00fcnstungen der St\u00e4lle, die Unruhe der Tiere in der Nacht, das Vor\u00fcbertragen der rohen Fleischst\u00fccke f\u00fcr die Raubtiere, die Schreie bei der F\u00fctterung sehr verletzten und dauernd bedr\u00fcckten. Aber bei der Direktion vorstellig zu werden, wagte er nicht; immerhin verdankte er ja den Tieren die Menge der Besucher, unter denen sich hie und da auch ein f\u00fcr ihn Bestimmter finden konnte, und wer wu\u00dfte, wohin man ihn verstecken w\u00fcrde, wenn er an seine Existenz erinnern wollte und damit auch daran, da\u00df er, genau genommen, nur ein Hindernis auf dem Weg zu den St\u00e4llen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein kleines Hindernis allerdings, ein immer kleiner werdendes Hindernis. Man gew\u00f6hnte sich an die Sonderbarkeit, in den heutigen Zeiten Aufmerksamkeit f\u00fcr einen Hungerk\u00fcnstler beanspruchen zu wollen, und mit dieser Gew\u00f6hnung war das Urteil \u00fcber ihn gesprochen. Er mochte so gut hungern, als er nur konnte, und er tat es, aber nichts konnte ihn mehr retten, man ging an ihm vor\u00fcber. Versuche, jemandem die Hungerkunst zu erkl\u00e4ren! Wer es nicht f\u00fchlt, dem kann man es nicht begreiflich machen. Die sch\u00f6nen Aufschriften wurden schmutzig und unleserlich, man ri\u00df\u00a0sie herunter, niemandem fiel es ein, sie zu ersetzen; das T\u00e4felchen mit der Ziffer der abgeleisteten Hungertage, das in der ersten Zeit sorgf\u00e4ltig t\u00e4glich erneuert worden war, blieb schon l\u00e4ngst immer das gleiche, denn nach den ersten Wochen war das Personal selbst dieser kleinen Arbeit \u00fcberdr\u00fcssig geworden; und so hungerte zwar der Hungerk\u00fcnstler weiter, wie er es fr\u00fcher einmal ertr\u00e4umt hatte, und es gelang ihm ohne M\u00fche ganz so, wie er es damals vorausgesagt hatte, aber niemand z\u00e4hlte die Tage, niemand, nicht einmal der Hungerk\u00fcnstler selbst wu\u00dfte, wie gro\u00df die Leistung schon war, und sein Herz wurde schwer. Und wenn einmal in der Zeit ein M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger stehenblieb, sich \u00fcber die alte Ziffer lustig machte und von Schwindel sprach, so war das in diesem Sinn die d\u00fcmmste L\u00fcge, welche Gleichg\u00fcltigkeit und eingeborene B\u00f6sartigkeit erfinden konnten, denn nicht der Hungerk\u00fcnstler betrog, er arbeitete ehrlich, aber die Welt betrog ihn um seinen Lohn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch vergingen wieder viele Tage, und auch das nahm ein Ende. Einmal fiel einem Aufseher der K\u00e4fig auf, und er fragte die Diener, warum man hier diesen gut brauchbaren K\u00e4fig mit dem verfaulten Stroh drinnen unben\u00fctzt stehenlasse; niemand wu\u00dfte es, bis sich einer mit Hilfe der Ziffertafel an den Hungerk\u00fcnstler erinnerte. Man r\u00fchrte mit Stangen das Stroh auf und fand den Hungerk\u00fcnstler darin. \u00bbDu hungerst noch immer?\u00ab fragte der Aufseher, \u00bbwann wirst du denn endlich aufh\u00f6ren?\u00ab \u00bbVerzeiht mir alle\u00ab, fl\u00fcsterte der Hungerk\u00fcnstler; nur der Aufseher, der das Ohr ans Gitter hielt, verstand ihn. \u00bbGewi\u00df\u00ab, sagte der Aufseher und legte den Finger an die Stirn, um damit den Zustand des Hungerk\u00fcnstlers dem Personal anzudeuten, \u00bbwir verzeihen dir.\u00ab \u00bbImmerfort wollte ich, da\u00df ihr mein Hungern bewundert\u00ab, sagte der Hungerk\u00fcnstler. \u00bbWir bewundern es auch\u00ab, sagte der Aufseher entgegenkommend. \u00bbIhr solltet es aber nicht bewundern\u00ab, sagte der Hungerk\u00fcnstler. \u00bbNun, dann bewundern wir es also nicht\u00ab, sagte der Aufseher, \u00bbwarum sollen wir es denn nicht bewundern?\u00ab \u00bbWeil ich hungern mu\u00df, ich kann nicht anders\u00ab, sagte der Hungerk\u00fcnstler. \u00bbDa sieh mal einer\u00ab, sagte der Aufseher, \u00bbwarum kannst du denn nicht anders?\u00ab \u00bbWeil ich\u00ab, sagte der Hungerk\u00fcnstler, hob das K\u00f6pfchen ein wenig und sprach mit wie zum Ku\u00df gespitzten Lippen gerade in das Ohr des Aufsehers hinein, damit nichts verloren ginge, \u00bbweil ich nicht die Speise finden konnte, die mir\u00a0schmeckt. H\u00e4tte ich sie gefunden, glaube mir, ich h\u00e4tte kein Aufsehen gemacht und mich vollgegessen wie du und alle.\u00ab Das waren die letzten Worte, aber noch in seinen gebrochenen Augen war die feste, wenn auch nicht mehr stolze \u00dcberzeugung, da\u00df er weiterhungere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNun macht aber Ordnung!\u00ab sagte der Aufseher, und man begrub den Hungerk\u00fcnstler samt dem Stroh. In den K\u00e4fig aber gab man einen jungen Panther. Es war eine selbst dem stumpfsten Sinn f\u00fchlbare Erholung, in dem so lange \u00f6den K\u00e4fig dieses wilde Tier sich herumwerfen zu sehn. Ihm fehlte nichts. Die Nahrung, die ihm schmeckte, brachten ihm ohne langes Nachdenken die W\u00e4chter; nicht einmal die Freiheit schien er zu vermissen, dieser edle, mit allem N\u00f6tigen bis knapp zum Zerrei\u00dfen ausgestattete K\u00f6rper schien auch die Freiheit mit sich herumzutragen; irgendwo im Gebi\u00df schien sie zu stecken; und die Freude am Leben kam mit derart starker Glut aus seinem Rachen, da\u00df es f\u00fcr die Zuschauer nicht leicht war, ihr standzuhalten. Aber sie \u00fcberwanden sich, umdr\u00e4ngten den K\u00e4fig und wollten sich gar nicht fortf\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div id=\"attachment_2646\" style=\"width: 221px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/hungertuch_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2646\" class=\"wp-image-2646 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/hungertuch_Cover.jpg\" alt=\"\" width=\"211\" height=\"320\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/hungertuch_Cover.jpg 211w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/hungertuch_Cover-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2646\" class=\"wp-caption-text\">Das Hungertuch, Holzschnitt von Haimo Hieronymus<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">Anmerkung der Redaktion:<\/span> <i><b>Ein Hungerk\u00fcnstler<\/b><\/i> ist eine Erz\u00e4hlung, die erstmals 1922 in der Zeitung <i>Die neue Rundschau<\/i> erschien. Gleichzeitig ist es der Titel f\u00fcr den 1924 erschienenen Sammelband des Autors, der noch drei weitere Prosatexte enthielt. Drei der vier Erz\u00e4hlungen haben jeweils eine ironische Sicht auf das K\u00fcnstlerleben zum Inhalt, wobei in zwei F\u00e4llen Zirkusfiguren gew\u00e4hlt wurden. Bereits <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=62917\">zum zehnten Todestag<\/a> w\u00fcrdigte Walter Benjamin die Bedeutung dieses Autors.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>Die Artisten der Edition das Labor haben in 2001 Jahren den K\u00fcnstlerpreis <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?page_id=572\">Das Hungertuch<\/a> begr\u00fcndet. Lesen Sie dazu ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/06\/recap-hungertuchpreis\/\">Recap<\/a> des Hungertuchpreises.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an Hungerk\u00fcnstlern sehr zur\u00fcckgegangen. W\u00e4hrend es sich fr\u00fcher gut lohnte, gro\u00dfe derartige Vorf\u00fchrungen in eigener Regie zu veranstalten, ist dies heute v\u00f6llig unm\u00f6glich. Es waren andere Zeiten. 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