{"id":1632,"date":"2011-08-17T00:01:00","date_gmt":"2011-08-16T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1632"},"modified":"2021-10-26T14:03:21","modified_gmt":"2021-10-26T12:03:21","slug":"franz-kafka-tschechischer-klassiker","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/08\/17\/franz-kafka-tschechischer-klassiker\/","title":{"rendered":"Franz Kafka, tschechischer Klassiker"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color wp-block-paragraph\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Jede Zeit, jede Generation, jede Gruppierung im intellektuellen Kr\u00e4ftefeld hatte und hat ihren eigenen Kafka&#8220;, denn &#8222;Literaturwissenschaftler stehen in der Kulturindustrie nicht weniger unter Innovations- und Profilierungsdruck als die Fahrzeugkonstrukteure in der Automobilindustrie&#8220;.<\/em><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"color: #999999;\">\r\n\r\n<\/span><\/p>\r\n<p class=\"has-text-color has-text-align-right has-cyan-bluish-gray-color wp-block-paragraph\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Thomas Anz<\/span><\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Prozess.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1635 alignleft\" title=\"Prozess\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Prozess.jpeg\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"210\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Prozess.jpeg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Prozess-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a>Sprechen wir hier von einem in Deutschland unbekannten, weil un\u00fcbersetzten tschechischen Namensvetter und Doppelg\u00e4nger jenes Dichters, der vom <em>Schlo\u00df<\/em> bis zum <em>Proze\u00df<\/em>, von der\u00a0<em>Strafkolonie<\/em> bis zur <em style=\"text-align: justify;\">Verwandlung<\/em> unvergleichliche und unsterbliche Wortkunstwerke geschaffen hat?<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Nein, mitnichten \u2013 Franz Kafka ist nun einmal einmalig. Einmalig ist aber auch die Geistes- und Gem\u00fctsverwirrung, die in Kopf und Bauch mancher Zeitgenossen\/\u2013innen herrscht. Der Bauch ist hierbei zumindest mitbeteiligt, mit einem guten Schu\u00df unbewu\u00dfter gef\u00fchlsgeladener Peristaltik, mit hysterischem Bauchgrimmen und Flatulenzen. Denn die Kopfgeburten, die hier in die Welt gesetzt werden, sind mit Kategorien des rationalen kritischen Denkens nicht mehr zu fassen. Wir, die wir Franz Kafka als j\u00fcdischen Deutschen aus Prag kannten, als Symbolfigur f\u00fcr das reiche Geistesleben einer Stadt, die bis 1938 zweisprachig und kosmopolitisch\u00a0 war und erst 1945 mit der m\u00f6rderischen Vertreibung der Deutschen durch tschechische Chauvinisten monokulturell verarmte (der b\u00fcrgerliche Schreibtischm\u00f6rder Benesch Hand in Hand mit den pseudokommunistischen Handlangern Stalins) &#8211;\u00a0 wir werden nun belehrt, Kafka sei Tscheche gewesen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"center\"><span style=\"color: #999999;\">Sie glauben nicht, da\u00df jemand solchen Unsinn denkt und schreibt?<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Ich hatte das auch nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, mu\u00dfte mich aber eines Schlechteren belehren lassen, als ich im vergangenen Jahr im Netz auf der Seite <a href=\"http:\/\/www.zitante.de\/\">www.zitante.de<\/a> unter dem Zitat des Tages las: \u201eFranz Kafka, \u00f6sterreichischer Romanautor tschechischer Herkunft\u201c. Diese Seite wird von einer sehr belesenen Enthusiastin gestaltet und bietet auf dem Feld des Aphoristischen immer wieder lohnende (Wieder)Entdeckungen. Um so fataler, wenn eine solche gebildete Frau nicht einmal das ABC der Entstehung und Entwicklung von Kunst und Kultur und der europ\u00e4ischen Geschichte beherrscht und sie wom\u00f6glich aus Joseph Conrad einen polnischen und aus Heinrich Heine einen franz\u00f6sischen Dichter machen w\u00fcrde. Um so repr\u00e4sentativer aber auch f\u00fcr die Geistesverwirrung in Deutschland und f\u00fcr das geistige Elend als Frucht der politisch-kulturellen deutschen Misere, wenn in der Antwort auf meinen Protestbrief unter Berufung auf Wikipedia (f\u00fcr manche eine Art Bibel 2.0 !) angef\u00fchrt wird, Kafka habe sich nie zu seiner \u201eNationalit\u00e4t\u201c ge\u00e4u\u00dfert &#8211; als ob es hier nicht um ein weltliterarisches Werk, um ein essentielles Element der deutschen Sprache, Literatur und Kultur ginge, sondern um Franz K.s privateste Pa\u00dfprobleme und Identit\u00e4tsunp\u00e4\u00dflichkeiten! Des weiteren wurde eine Fortsetzung der Diskussion damit abgelehnt, da\u00df nun auf der Zitante-Seite Kafka als \u201edeutschsprachiger, j\u00fcdischer Romanautor\u201c aufgef\u00fchrt werde. Taucht Orhan Pamuk dort in Zukunft als \u201et\u00fcrkischsprachiger, muslimischer Romanautor\u201c, Aziz Nesin als \u201et\u00fcrkischsprachiger, atheistischer Prosaautor\u201c auf? Werde ich auf der Zitante-Seite, wo sich Aphorismen von mir finden,\u00a0 als \u201edeutschsprachiger,\u00a0 evangelisch getaufter Autor\u201c gef\u00fchrt? Nein, ich bin dort einfach ein \u201edeutscher Autor\u201c. Sp\u00fcrt \u201eZitante\u201c nicht den Nachhall der antisemitischen Brandmarkung in der Schubladenbezeichnung f\u00fcr Kafka &#8211; mit einer typischen Grauzone zwischen religi\u00f6ser, ethnischer und \u201erassischer\u201c Volkslisten-Zuweisung?<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Ich verwette mein letztes Hemd: Kafka, wenn er denn k\u00f6nnte, w\u00fcrde aus dem Grab steigen, einen Band II des \u201eProzesses\u201c niederschreiben und denen den Proze\u00df machen, die ihn hundert Jahre sp\u00e4ter neu erfinden wollen \u2013 hineingezw\u00e4ngt in das Prokrustesbett politischer Korrektheit und deutscher Selbstverneinung.<\/p>\r\n<p align=\"center\">\u00a0<\/p>\r\n<p align=\"center\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Ein Hinweis auf das Geamtwerk von Rolf Stolz<\/span>: <strong>WOLFSSEKUNDEN. Kurze Prosa 1995-2010. WERKE Band 1\u201c<\/strong>, mit einem Nachwort von <strong>Nikolaus Gatter<\/strong> (367 Seiten, fester Einband, 22 x 17 cm, 24,90 \u20ac, ISBN 9783746092430).<\/p>\r\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=46871&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WolfssekundenxTitelseitex2neu.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WolfssekundenxTitelseitex2neu.jpg 315w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WolfssekundenxTitelseitex2neu-218x300.jpg 218w\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"266\" \/><\/a><em>Wolfssekunden<\/em> ist nach <em>Der Unvermiderte (<\/em>1991 bei Dipa in Frankfurt am Main), <em>Der Abschiednehmer<\/em> (2003 im Verlag Freiburger Echo in Freiburg im Breisgau) und <em>Gwalt<\/em> (2010 im KIDEMUS Verlag, K\u00f6ln) Rolf Stolz vierter erz\u00e4hlender und prosaischer Band. Es sind einfache Geschichten \u00fcber Menschen und ihre Schicksale, meist zwischen 1900 und 1999, zwischen Deutschland und der Nirgendwo-Welt angesiedelt. Diese Prosa bewegt sich zwischen Traumphantasien, (auto)-biographischen Fragmenten, Kurzkrimis, Parodien, Historien und Legenden bewegen sich diese Texte durch Zeit und Raum.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jede Zeit, jede Generation, jede Gruppierung im intellektuellen Kr\u00e4ftefeld hatte und hat ihren eigenen Kafka&#8220;, denn &#8222;Literaturwissenschaftler stehen in der Kulturindustrie nicht weniger unter Innovations- und Profilierungsdruck als die Fahrzeugkonstrukteure in der Automobilindustrie&#8220;. 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