{"id":16253,"date":"2013-07-13T00:01:51","date_gmt":"2013-07-12T22:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16253"},"modified":"2020-10-31T10:50:02","modified_gmt":"2020-10-31T09:50:02","slug":"multi-character-form","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/07\/13\/multi-character-form\/","title":{"rendered":"multi character form"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Man hat A.J. Weigoni vorgeworfen, sich mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=52\">Zombies<\/a> an der Erz\u00e4hlweise von Robert Altmans <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5ligK0siVE0\">Short Cuts<\/a> orientiert zu haben. Er reagierte darauf aufreizend gelassen:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eEs ist immer fragw\u00fcrdig, Literatur thematisch einzuordnen, zudem noch dem Film unterzuordnen; aber solange es die Leute sind, die \u203aNashville\u2039 nicht kennen, ist es nicht eigentlich relevant.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies hat sich nun ge\u00e4ndert, dieser Klassiker ist auf DVD zu besichtigen. Und <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CvqsWgtzIVw\">Nashville<\/a> ist in der Tat die Blaupause f\u00fcr den dramaturgischen Kunstgriff, dem Publikum wechselnde Identifikationsfiguren anzubieten, das Ensemblespiel und die Figurengruppen zu einer Filmhandlungzu verkn\u00fcpfen, wie bei den Copycats <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1_7Yipr4rmc\">Babel<\/a> von Alejandro Gonz\u00e1les I\u00f1\u00e1rritu, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Bjd7PFf_TFw\">Chungking Express<\/a> von Wong\u2013Kar\u2013Wai oder <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GHwG9_xHMB4\">L.A. Crash<\/a> von Paul Haggis. Ganz zu Schweigen von den vielgelobten <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=XecGQtf-TDo\">Short Cuts<\/a>, den man nun ohne \u00dcbertreibung als Eigenplagiat bezeichnen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Die Blaupause<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Nashville1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-16271\" title=\"Nashville1\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Nashville1-220x300.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Nashville1-220x300.jpg 220w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Nashville1-754x1024.jpg 754w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Nashville1.jpg 1841w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der einzige amerikanisch Autoren-Filmer <a style=\"text-align: justify;\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rcp8xjaFfb8\">Robert Altman<\/a> hat eine <em>multi character form<\/em> geschaffen, die im Gegensatz zur konventionellen Trennung in Haupt\u2013 und Nebenrollen auf die Leistung eines Ensembles setzt, aus dem keine einzelnen Schauspieler hervorragen. In diesem Klassiker f\u00fchrt er Durchschnitts\u2013Menschen mit allen Sehns\u00fcchten und Frustrationen vor. Sie sind alle verbunden, ihre Empfindungen \u00fcber Freude und Leid \u00e4hneln den unseren, und dabei k\u00f6nnen wir das andere Bewu\u00dftsein nur f\u00fcr immer entkommende Sekundenintervalle durchdringen. Altman taucht mit der Kamera in Stadt <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QIPET8vbLkA\">Nashville, Tennessee<\/a>,\u00a0 ein und zeigt Augenblicke aus dem Leben unterschiedlichster Personen. Kunstvoll verschlungene Episoden f\u00fcgen sich zu einem apokalyptischen Monumentalgem\u00e4lde, ein Sittenbild aus dem 20. Jahrhundert. Der brillanten Regie verleiht ein herausragender Reigen prominenter Darsteller zus\u00e4tzlichen Reiz. Es ist ein\u00a0 perfekter Film \u00fcber kulturelle Codes und die Schwierigkeiten der Verst\u00e4ndigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Nashville, ein Klassiker auf DVD<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/nashville2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-16275 alignright\" title=\"nashville2\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/nashville2-176x300.jpg\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/nashville2-176x300.jpg 176w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/nashville2.jpg 206w\" sizes=\"auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px\" \/><\/a>\u203aNashville\u2039 spielt nicht zuf\u00e4llig zur Zeit der 200\u2013Jahr\u2013Feier der USA, der Wahlkampf eines Pr\u00e4sidentschaftskandidaten tobt, \u00fcberall tummeln sich <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zUZ_zSWLwGo\">Country\u2013Stars<\/a> oder solche, die es werden wollen. Und es gibt die ganz normalen Einwohner, die mit Politik und Musik nichts zu tun haben wollen. Die Figuren des Films bewegen sich f\u00fcnf Tage durch Nashville, als die <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CxrUGz8Dh-s\">Country\u2013Musik<\/a> ihren Zenit zu \u00fcberschreiten beginnt. Selten wurde dem Zuschauer so plastisch, eindringlich und schonungslos die Abdankung des Leviathan, seine Kapitulation vor Korruption und Erpressung, dumpfer Gewalt und seelenloser Aggression, vor Augen gef\u00fchrt. Als roter Faden zieht sich die Vorbereitung eines Konzertes im Rahmen des Wahlkampfes eines fiktiven Politikers durch den Film. <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=s3TzXk5eong\">Musikalische Auftritte<\/a> in der\u00a0Grand Ole Opry, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=NToTcTiX66g\">kleinere Clubkonzerte<\/a> oder Empf\u00e4nge b\u00fcndeln die stark episodische Handlung, da hier mehrere Protagonisten aufeinander treffen. Der Blick von au\u00dfen wird dabei durch die von Geraldine Chaplin hinrei\u00dfend <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Jtoo_qWxYnk\">gespielte<\/a> britische Journalistin repr\u00e4sentiert: \u201eIm Opal from the BBC\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">multi character form<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Easy1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-16277\" title=\"Easy\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Easy1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Easy1-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Easy1.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Robert Altman verkn\u00fcpft unangestrengt Geschichten, Tr\u00e4ume und Schicksale von 24 Menschen, die in Nashville die Wege kreuzen. Unter den Protagonisten befinden sich ein fiktiver Plattenmagnat, eine fiktive Country\u2013Star\u2013S\u00e4ngerin, Musikjournalisten und Nebenfiguren, die versuchen innerhalb der Country\u2013Musik\u2013Szene Fuss zu fassen. Gro\u00dfartig die <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WLqcaoAM_YY\">His-Bobnes Parodie<\/a> von Keith Carradine (der <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9z88MYEpI3Q\">Song<\/a> gewann einen Oscar!). Altman demonstriert mit diesem Film gleichermassen seine Zuneigung wie auch deutliche Kritik am System der Popul\u00e4rkultur. Bereits 1975 greift Altman das Ph\u00e4nomen der Starlet und <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=aM3x_HwsPd0\">M\u00f6chtegernstars<\/a> auf, die zu jedem Preis, ob talentiert oder talentlos, ins Musikgesch\u00e4ft integriert werden m\u00f6chten. Der Film skizziert fiktiv, aber in die Realit\u00e4t \u00fcbertragbar, den r\u00fcden Umgang von Plattenbossen, das eitle Verhalten von Musikjournalisten und die teilweise sehr egozentrischen Eigenheiten der Stars. Herausgekommen ist ein vielschichtiges und komplexes Portr\u00e4t Amerikas in den 1970er Jahren, das die Hybris dieser Supermacht blo\u00dflegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Ist the sound, stupid<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was den Film nicht nur sehenswert, sondern auch au\u00dferordentlich h\u00f6renswert macht ist die Tonspur, bei der die 24\u2013Kanal Aufnahmetechnik f\u00fcr die Dialog\u2013, Atmo\u2013 und Tonspuren des Films genutzt hat, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4BYyDusJYJo\">Musikvertonung<\/a> und der Umgang mit Dialogen erg\u00e4nzen die Montage und vertiefen die einzigartige Atmosph\u00e4re, die\u00a0Altman kreierte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/NashvilleCover-213x3001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-16273\" title=\"NashvilleCover-213x300\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/NashvilleCover-213x3001.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"300\" \/><\/a>Nashville<\/strong>, 1975, Regie: Robert Altman. Darsteller: Keith Carradine, Henry Gibson, Lily Tomlin, Jeff Goldblum, Ned Beatty, Robert DoQui, Allen Garfield, Shelly Duvall, Scott Glenn, Barbara Harris, Geraldine Chaplin, David Arkin, Barbara Baxley, Karen Black, Ronee Blakley, Timothy Brown u.a.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrende Links: <a href=\"http:\/\/www.kultura-extra.de\/literatur\/literatur\/rezensionen\/rezension_weigoni_zombies.php\">Kultura-extra<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=16341\">nrhz<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.fixpoetry.com\/feuilleton\/rezensionen\/1002.html\">fixpoetry<\/a>. Und inzwischen wurden die Zombies zum <a href=\"http:\/\/www.kult-literaten.de\/zombies\">Kultschatz<\/a> erkl\u00e4rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man hat A.J. Weigoni vorgeworfen, sich mit Zombies an der Erz\u00e4hlweise von Robert Altmans Short Cuts orientiert zu haben. 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