{"id":16129,"date":"2013-06-26T00:01:31","date_gmt":"2013-06-25T22:01:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16129"},"modified":"2013-06-26T11:23:09","modified_gmt":"2013-06-26T09:23:09","slug":"die-dunnen-flachen-der-realitat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/26\/die-dunnen-flachen-der-realitat\/","title":{"rendered":"Die d\u00fcnnen Fl\u00e4chen der Realit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als Hartwig Mauritz im November 2012 den Dresdner Lyrikpreis erhielt, immerhin einen der bedeutendsten Lyrikpreise des Landes, freute ich mich. F\u00fcr ihn und f\u00fcr die verdiente Auszeichnung eines gro\u00dfartigen Dichters, dessen leise Stimme ich spontan wieder im Ohr hatte. Ich hatte Mauritz lange Jahre nicht mehr getroffen, war immer mal wieder im Internet und in Anthologien \u00fcber ihn gestolpert und war immer wieder so beeindruckt wie an jenem Herbstnachmittag Ende der Neunziger, als ich ihn zum ersten Mal traf und zum ersten Mal h\u00f6rte, wie er eines seiner Gedichte vorlas in einer lokalen Autorengruppe, die sich regelm\u00e4\u00dfig traf und Texte der Mitglieder besprach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Cover4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-16266\" title=\"Cover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Cover4-183x300.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Cover4-183x300.jpg 183w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Cover4.jpg 257w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a>Mauritz\u2018 Stimme ist tats\u00e4chlich leise wenn er liest, ich meine das nicht nur im \u00fcbertragenen Sinne. Leise, sanft, zur\u00fcckhaltend, dabei ihrer Sache aber sehr sicher. Es klingt, als w\u00fcrde er, wenn er liest, in die Welt des Gedichtes hineintauchen, sich wieder so darin verlieren wie zu dem Zeitpunkt als er es schrieb. Das passt zu seinen Gedichten, die ebenso leise und sanft sind, mit einer sehr genauen Sprache, die kleinste Details \u00fcber und unter der Oberfl\u00e4che erfasst, die d\u00fcnnen Fl\u00e4chen und Schichten der Realit\u00e4t und der Geschichte durchdringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mauritz, 49, hat Elektrotechnik studiert und unterrichtet heute technische F\u00e4cher in Aldorf, und zweifellos sp\u00fcrt man seine Affinit\u00e4t zu diesen Dingen auch in seinen Gedichten. Im Gegensatz zu all jenen, die blo\u00df von dem begeistert sind, was heute technisch m\u00f6glich ist (Stichwort digitale Revolution), geh\u00f6rt Mauritz zu jenen, die verstehen, warum es m\u00f6glich ist, wie es funktioniert, und er kennt auch die Geschichte dahinter und l\u00e4sst sie in seine Verse einflie\u00dfen. Seine Gedichte aber sind keineswegs technisch im Sinne von kalt, wie man nun vermuten k\u00f6nnte, sondern ganz nah am Leben, das von dieser Technik ma\u00dfgeblich mitbestimmt wird, das f\u00fcr viele heute ohne sie gar nicht mehr vorstellbar w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Themen sind vielf\u00e4ltiger. Die deutsche Geschichte, die auch eine Geschichte seiner Familie ist, flammt auf, ein gem\u00fctlicher Nachmittag mit den Gro\u00dfeltern ist im Gedicht ein reflektiertes Panorama von Schuld und Erinnern und Verdr\u00e4ngen. Schnappsch\u00fcsse einer \u00c4gyptenreise verflechten die Eindr\u00fccke des Touristen mit dem Historischen, Landschaften werden zu einem \u201emuseum abgelegter haut\u201c; die Erinnerung zeigt eine \u201eKindheit vor Anbruch des Farbfilms\u201c, und \u201egro\u00dfvater verschwindet im eigenen gesicht \/ dreht runden ums licht\u201c. \u00dcberhaupt, diese Sprachbilder, die so greifbar sind wie Erinnerungen im Traum, sie haben mich schon damals fasziniert, vor \u00fcber zehn Jahren. Diese enorme Assoziationskraft, die sich in den Texten findet, in jedem Gedicht gleich mehrere Verse, die h\u00e4ngen bleiben, sich tief einpr\u00e4gen, die das eigene Ged\u00e4chtnis zu den unm\u00f6glichsten Begebenheiten wieder rauskramt. Das ist eines dieser B\u00fccher, in denen man auch nach dem zehnten Lesen noch etwas Neues entdeckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Hartwig Mauritz im November 2012 den Dresdner Lyrikpreis erhielt, immerhin einen der bedeutendsten Lyrikpreise des Landes, freute ich mich. F\u00fcr ihn und f\u00fcr die verdiente Auszeichnung eines gro\u00dfartigen Dichters, dessen leise Stimme ich spontan wieder im Ohr hatte. 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