{"id":15301,"date":"2013-05-07T00:01:44","date_gmt":"2013-05-06T22:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15301"},"modified":"2021-08-10T11:37:02","modified_gmt":"2021-08-10T09:37:02","slug":"lebensbelichtungszeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/05\/07\/lebensbelichtungszeit\/","title":{"rendered":"Lebensbelichtungszeit"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht um wesentlich mehr, als um die Frage: &#8222;<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9k1TrsLXwMY\">Warum ist es am Rhein so sch\u00f6n?<\/a>&#8220; &#8211; Peter Meilchens Roman <em>Schimpfen<\/em> ist ein Spiel, bei dem k\u00fcnstlerische Positionen befragt werden. Die Figuren realisieren im Dialog, da\u00df f\u00fcr sie die Auseinandersetzung mit dem, was Kustoden als moderne Kunst bezeichnen, stets \u00fcber das Bildermachen hinausgeht; ja das Bem\u00fchen um eine Lebenshaltung ist, die auch im Erleben des Lebens Erkenntnisse und Erfahrungen sammelt, dies flie\u00dft in die Praxis der Kunst ein und zeigt sich in diesem <em>Erz\u00e4hlst\u00fcck<\/em> als suchendes Gespr\u00e4ch unter alten Freunden. Aus dem Zwiegespr\u00e4ch der Protagonisten wird der Dialog mit dem Leser.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Mehr Kunst in das Leben \/ mehr Leben in die Kunst<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und selbstverst\u00e4ndlich: das Leben ist der Kunst immer voraus und stellt sie allenfalls in seine Dienste. In einer mittlerweile 20-j\u00e4hrigen Kunst-T\u00e4tigkeit hat der &#8218;K\u00fcnstler Meinen&#8216; die Kontakte zum Kunstmarkt zumeist vernachl\u00e4ssigt; weniger aus einem konzeptionellen Gedanken heraus, sondern mehr aus Desinteresse. Zuweilen dr\u00e4ngt sich ihm daher der Gedanke auf, wie sehr es denn mit seinem Interesse um die Kunst bestimmt sein mu\u00df&#8230; dr\u00e4ngt sie doch stets auf Ent\u00e4u\u00dferung, wenn sie ge\u00e4u\u00dfert wurde. So hat er sich stets mit seinen M\u00f6glichkeiten beschieden und die Zeit und der Kunstmarkt sind ihm in unerreichbare Fernen davongelaufen. Es gilt auch f\u00fcr ihn, sein Tun mit der Kunst auf neue Wege zu bringen, die das Bewusstsein des Scheiterns in einen lebenswerten Gewinn umformen. Dies ist keineswegs ein trauriger Abgesang angesichts der immer weiter um sich greifenden Weltverdrossenheit in der N\u00e4he eines Jahrtausendwechsels (der Roman spielt im Jahr 1998).<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Als Artist in mehreren Medien zu Hause<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er war die interessanteste Doppelbegabung seit Marcel Broodthaers<strong>.<\/strong> Sowohl als bildender K\u00fcnstler, wie auch als Autor ist Peter Meilchen ein Beobachtungsvirtuose, der viele Preziosen zu bieten hat, Wahrnehmungen, die vielleicht nicht unbedingt lebenswichtig sind, aber gerade in ihrer Fokussierung des Nebens\u00e4chlichen dem Betrachter und dem Leser Aha\u2013Erlebnisse und Wiedererkennungseffekte verschaffen. Als Schauplatz ist Linz am Rhein da gewiss nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt.<\/p>\n<div id=\"attachment_15324\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Ma\u0308ander1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15324\" class=\"size-medium wp-image-15324\" title=\"MINOLTA DIGITAL CAMERA\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Ma\u0308ander1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Ma\u0308ander1-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Ma\u0308ander1-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Ma\u0308ander1.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15324\" class=\"wp-caption-text\">Rheinkilometer 630, von Klaus Krumscheid<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Das Leben ist ein langer ruhiger Flu\u00df&#8220;, behauptete es franz\u00f6sischer Filmtitel vor Jahren. Meilchen wechselte vom Rhein an die Ruhr und bliebt dem M\u00e4ander stets verbunden. Reich an Adjektiven, an Partizipien und an sich windenden, immer in neue Ecken sp\u00e4henden S\u00e4tzen sind diese ausgefeilten Arbeiten. Vor allem Farbeindr\u00fccke nehmen darin breiten Raum ein. Zwischen Schwarz und Gr\u00fcn bewegt sich seine Beobachtung eines Unsichtbaren. Die R\u00fcckkehr ins Rheinland steht bei Schimpfen im Zeichen von Gelbt\u00f6nen, die schnell vom Satt\u2013Sch\u00f6nen ins Erdige umschlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Zum K\u00f6bes<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">R\u00fcckzugsraum in der rheinischen Bucht, nicht nur zu Karneval. Wenn Meilchen flanierte, begegnete ihm ein \u00dcberma\u00df an Welt. Das mu\u00dfte er bew\u00e4ltigen \u2013 mit Sprache, mit S\u00e4tzen und Satzfragmenten, in denen die Welt weiter m\u00e4andert, vibriert und manchmal auch herausbr\u00fcllt. Er portr\u00e4tierte in seinem Werk eine untergehende Welt \u2013 und \u00fcberwand sie. Opulenz, W\u00fcrde und Gesellschaftsanalyse verband er wie kein anderer. Meilchen hat der deutschsprachigen Literatur mit Schimpfen etwas gegeben, was sie bitter n\u00f6tig hat: Sanftheit, Poesie, Selbstironie; Leichtigkeit und Understatement.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Conclusio<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_15336\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Meilchen-300x2251.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15336\" class=\"size-full wp-image-15336\" title=\"Meilchen-300x225\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Meilchen-300x2251.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15336\" class=\"wp-caption-text\">Peter Meilchen, Photo: Jesko Hagen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Roman lebt von seiner Verortung im Rheinland, der Text kommt jedoch v\u00f6llig ohne weinseelige Rheinromantik aus. Sollten wir abgekl\u00e4rten Leser <em>Romantik<\/em> als Autonomie des Imagin\u00e4ren verstehen, dann handelt es sich bei <em>Schimpfen<\/em> durchaus um eine romantischen Prosa, die sich aus der Spannung zwischen Realit\u00e4t und Imagination, Besitzen und Begehren ergibt. Es ist ein Text ohne Ged\u00e4chtnis, allein von Erinnerungen an Bilder, Ger\u00fcche, Gef\u00fchle getragen und auf der Suche nach einer zu erz\u00e4hlenden Geschichte. Wer von seinem Leben erz\u00e4hlt, erz\u00e4hlt immer eine Erfolgsgeschichte. Wer erz\u00e4hlt, lebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter Meilchen ist ein Fr\u00fchverlorener, seine Biografie endet nicht mit dem Tod, er lebt weiter \u2013 durch sein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=208\">Werk<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0***<\/p>\n<div id=\"attachment_21548\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/CoverSchimpfen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-21548\" class=\"wp-image-21548 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/CoverSchimpfen.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-21548\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto: Dieter Meth<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schimpfen<\/strong>, von Peter Meilchen, Edition Das Labor, Linz, Neheim, M\u00fclheim an der Ruhr 2013 &#8211; Der Erstauflage ist limitiert und mit einem Stempel versehen. Da Freund und F\u00f6rderer sich bereits im Vorfeld ihr Exemplar gesichert habe, r\u00e4t KUNO nicht zu z\u00f6gern und sich diese Preziose zu sichern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Werke sind <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=208\">erh\u00e4ltlich<\/a> \u00fcber die Edition Das Labor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">Nachruf<\/a> \u00fcber Peter Meilchens Lebenswerk, den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21518\">Essay<\/a> <em>50 Jahre Krumscheid \/ Meilchen<\/em> \u00fcber die\u00a0Retrospektive im Kunstverein Linz und den Essay zum Buch \/ Katalog-Projekt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46549\"><em>630<\/em><\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Es geht um wesentlich mehr, als um die Frage: &#8222;Warum ist es am Rhein so sch\u00f6n?&#8220; &#8211; Peter Meilchens Roman Schimpfen ist ein Spiel, bei dem k\u00fcnstlerische Positionen befragt werden. 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