{"id":15288,"date":"2013-12-18T12:00:53","date_gmt":"2013-12-18T11:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15288"},"modified":"2024-08-25T20:12:04","modified_gmt":"2024-08-25T18:12:04","slug":"verabschiedung-der-gebistrager","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/18\/verabschiedung-der-gebistrager\/","title":{"rendered":"Verabschiedung der Gebi\u00dftr\u00e4ger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Smells like Gerontokratie<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage mu\u00df erlaubt sein, ob Autoren nicht wie jeder andere Mensch auch ein Recht auf Rente haben. Ob nicht einmal die Zeit kommt, da aus den immer wieder apostrophierten &#8222;Altmeistern&#8220; einfach nur alte M\u00e4nner geworden sind. Ob kreative Visionen nicht auch ein Verfallsdatum haben. Wir d\u00fcrfen uns das fragen, denn erstens ist dies eine ganz normale Frage, und zweitens beantwortet die Realit\u00e4t dessen, was die Altmeister den Verlagen anbieten die Frage selbst aufs deutlichste. Es gibt inzwischen eine ganze Generation, die ohne G\u00fcnter GraSS auszukommen sich angew\u00f6hnt hat und auf diese Form der Gesinnungs\u00e4sthetik, von politischem Erhabenheitskitsch mit vulg\u00e4r\u2013marxistischem Pathos a la \u201eUnterwegs von Deutschland nach Deutschland. Tagebuch 1990\u201c verzichten kann. Das ist der Nachteil des Alters: Er entdeckt, da\u00df die Welt sehr gut ohne einen auskommt. \u00dcber die kritischen \u00c4u\u00dferungen auf seine Zwiebel-Biographie sprach G\u00fcnter GraSS von &#8222;Entarteter Presse&#8220;, die Kritik an seinem langen Schweigen \u00fcber die Mitgliedschaft bei der Waffen-SS grenze an einen &#8222;Vernichtungsversuch&#8220;. Als man ihn daran erinnerte, welchen Platz der Begriff &#8222;entartet&#8220; im W\u00f6rterbuch des nationalsozialistischen Unmenschen einnimmt, gestand er zu: &#8222;Ich korrigiere das Wort&#8220;, hielt aber in der Sache an seinem Vorwurf fest.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Wer seine Zugeh\u00f6rigkeit zur Waffen-SS verschwiegen hat, sollte sich zu Charakterfragen besser nicht mehr \u00e4u\u00dfern.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Oskar Lafontaine<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Erinnerung ist eine Fata Morgana in der W\u00fcste des Vergessens\u201c, lautet das Motto von Gerhard Roth. Sein Buch \u00bbDas Alphabet der Zeit\u00ab versteht sich als Mi\u00dftrauensvotum gegen die Authentizit\u00e4t von Erinnerung. Welche Folgen dies allerdings f\u00fcr diese Erz\u00e4hlung oder f\u00fcr Literatur allgemein zeitigen k\u00f6nnte \u2013 au\u00dfer da\u00df es der Phantasie des Schriftstellers einen Freibrief ausstellt, den er l\u00e4ngst hat \u2013, kann man bei GraSS nachlesen. &#8222;Das ist der Vorteil des Schriftstellers: Wenn man etwas loswerden will, schreibt man ein Buch&#8220;, schreibt Peter Bamm. &#8222;Wenn jemand spricht, wird es hell&#8220; \u2013 wie poetisch dieses Freud\u2013Zitat bis heute klingt. Man sieht sofort bildhaft vor sich, um was es geht. Wenn die Welt schweigt, ist es dunkel. Wir bed\u00fcrfen vom ersten Tag unseres Lebens an der Ansprache. Wir bed\u00fcrfen des Klangs in unserem Ohr, der von einem Du kommt und uns ber\u00fchrt. Man wei\u00df, da\u00df Kinder, die nicht gestreichelt werden, verkommen. Kinder, zu denen niemand spricht, aber auch. Wie unpoetisch, wie unz\u00e4rtlich wirkt dagegen der gesamte Bedeutungsraum um ein Wort herum, das mit der Ansprache verwandt, aber konnotativ ihr gegen\u00fcber krass benachteiligt ist: die Aussprache &#8222;Wir m\u00fcssen uns endlich mal aussprechen.&#8220; \u2013 &#8222;Ein Schriftsteller existiert eigentlich nur in seinen Texten&#8220;, schreibt Joyce Carol Oates. &#8222;Schriftsteller sind Leute, die ihre ungel\u00f6sten Lebensprobleme, interessant verpackt, an andere weiterreichen. Gegen bar&#8220;, schreibt Hanns\u2013Hermann Kersten. Das Bessere, das Ich und seine Lebendigkeit, ist immer anderswo. Das gilt sowohl f\u00fcr die Verh\u00e4ltnisse im Buch als auch f\u00fcr das zwischen dem Buch und dem Leser. Wenn das Buch den Leser aussperrt, wirft es ihn auf sich als auf einen anderen. &#8222;Ein Schriftsteller ist jemand, dessen Intelligenz nicht gro\u00df genug ist, um mit dem Schreiben aufh\u00f6ren zu k\u00f6nnen&#8220;, schreibt GraSS, der sich j\u00fcngst als SS\u2013Mann geoutet hat. Wir erkennen, da\u00df die Feigheit zur L\u00fcge geh\u00f6rt, der Mut zur Wahrheit, wir h\u00f6ren, die &#8222;nachwachsende Scham&#8220; habe GraSS zum sp\u00e4ten Gest\u00e4ndnis gedr\u00e4ngt, wie steht es mit der Reue, w\u00e4chst sie hinterher?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mich fasziniert der hochfahrende Moralismus, mich begeistert diese b\u00fcrgerliche Entwicklungsgeschichte in unb\u00fcrgerlicher Zeit, das gibt es nurmehr im Mikromilieu des Anstands, dem Gegenbild zu der von antib\u00fcrgerlichen Affekten gepr\u00e4gten Welt des Haifischkapitalismus. Deutschland ist das einzige Land, in dem die Intellektuellen sich weigern, Patrioten zu sein, wo das Wort Patriotismus schon eine Beleidigung ist. Niemand ist hier stolz auf sich oder sein Land oder seine Kultur. Diese Angst, dieser Masochismus, dieser Kult der Niederlage, der schon bei Thomas Mann zu finden ist \u2013 all das hat doch den nationalistischen Chauvinismus verhindert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aufarbeitung der Geschichte ist schwierig, das Aufarbeiten der dunklen Seiten der Geschichte, der eigenen Schande, der pers\u00f6nlichen Schuld und Unterlassungen, der Verwicklungen der einzelnen Menschen ist ein wichtiger Teil der nationalen Abrechnung&#8230; Der Gewissensbi\u00df, der GraSS seit seinem Einsatz in der SS\u2013Panzerdivision &#8222;Frundsberg&#8220; gequ\u00e4lt haben mag, hat GraSS nicht nur als Grundtatsache seines literarischen Werkes verwendet, sondern als moralischen Blasebalg \u2013 damit hat er den Lesern Deutschen seit mehr als einem halben Jahrhundert Feuer gemacht. Was seine Literatur und seinen moralischen Appell f\u00fcr lange Zeit so verf\u00fchrerisch machte, war, da\u00df beide durch die Person des Autors beglaubigt schienen. Kein anderer deutscher Autor hat seine Vergangenheit, seine geschichtlichen Erfahrungen und seinen pers\u00f6nlichen Lernproze\u00df scheinbar so kompromi\u00dflos ins Licht der \u00d6ffentlichkeit gezerrt wie GraSS. Das Wichtigste, was an der Aussprache zu loben w\u00e4re, ist: Sie kl\u00e4rt. Wenn jemand spricht, wird es zwar hell. Wenn zwei miteinander sprechen, wird es hell und klar. Der Ausdruck &#8222;klare Aussprache&#8220; spricht in seiner Doppelbedeutung ja f\u00fcr sich. Er betrifft Artikulation wie Kommunikation, und in beiden F\u00e4llen ist das Nuscheln verschenkte Lebenskunst. GraSS, das vermeintliche Gewissen vieler Deutscher, brauchte \u00fcber 60 Jahre, um \u00fcber seine Vergangenheit zu sprechen. Aber auch um ein Gest\u00e4ndnis abzulegen und die Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Seine Glaubw\u00fcrdigkeit wird darunter leiden. Man kann das Werk eines K\u00fcnstlers nicht von seinem Sch\u00f6pfer und dessen Leben trennen. Verwerflich ist, da\u00df GraSS in der Pose des selbstgewi\u00dfen und von Eitelkeit nicht freien Moralisten versucht aus seinem Schuldgest\u00e4ndnis ein \u00e4sthetisches Kapital zu schlagen. Dieser Autor hat wie kein Anderer die deutsche Schuldverstrickung im Nationalsozialismus zu seinem Thema gemacht. Er war ein Mensch, dessen gro\u00dfes Werk es den Deutschen erm\u00f6glicht hat, ohne Grimasse und Heuchelei in den Spiegel ihrer nazistischen Vergangenheit zu schauen. Und nun hat GraSS zugegeben, da\u00df er ein Leben lang dar\u00fcber geschwiegen hat, was er selbst w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs war. Sogar Papst Benedikt XVI. war Mitglied der Hitlerjugend und wurde zur Wehrmacht eingezogen. Aber: Der Papst desertierte aus der Armee und verschwieg seine Vergangenheit nicht. Der Fall GraSS \u00e4hnelt eher dem Fall Kurt Waldheim: Der ehemalige UN\u2013Generalsekret\u00e4r hatte verschwiegen, da\u00df er im Krieg Einheiten kommandierte, die Gr\u00e4ueltaten in Westbosnien ver\u00fcbten. Der moralische Rigorismus des GraSS, den es zur Elite der Barbarei getrieben hat, zur SS\u2013Division &#8222;Frundsberg&#8220;, offenbart sich in diesem Licht als Ersatzhandlung, seine Polemiken zielen nicht allein &#8218;auf die Sache&#8216;, sie speisen sich aus verschwiegener Scham und Schuld. Diese Pr\u00e4torianer\u2013Garde geh\u00f6rte urspr\u00fcnglich nicht zur Wehrmacht, sondern bildete eine durch extreme H\u00e4rte und R\u00fccksichtslosigkeit ausgezeichnete Einheit der nationalsozialistischen Partei, die das Standardwerk von Bernd Wegner als &#8222;Hitlers politische Soldaten&#8220; bezeichnet. Die Liste der Verbrechen, vor allem Untaten in den KZ und den Vernichtungslagern, nicht zuletzt auch Kriegsverbrechen bei der so genannten &#8222;Partisanenbek\u00e4mpfung&#8220; ist lang: Die Massaker von Oradour sur Glane oder Sant\u2019Anna di Stazzema, bei denen ganze Ortschaften samt Greisen und S\u00e4uglingen hingeschlachtet wurden, sind von der Waffen\u2013SS begangen worden. Sie geh\u00f6ren in den Sommer 1944, in jene Wochen, in denen GraSS, kurz vor dem siebzehnten Geburtstag, seinen Einberufungsbefehl erhielt. Es war folgerichtig, da\u00df er zur Waffen\u2013SS gelangte. F\u00fcr Naturen wie ihn, die von sexueller Frustration, Sozialneid, Ressentiment und seelischer Unempf\u00e4nglichkeit gepr\u00e4gt waren, wurde sie erfunden. Die islamischen Terror\u2013Kommandos d\u00fcrften sich aus \u00e4hnlich gearteten Jungm\u00e4nnern rekrutiert haben. Wie GraSS die letzten Kriegswochen erlebt hat, daran kann er sich angeblich nicht erinnern: &#8222;Aber dann rei\u00dft der Film. Sooft ich ihn flicke und wieder anlaufen lasse, bietet er Bildsalat.&#8220; Das sind r\u00fchrend hilflose Ausdr\u00fccke f\u00fcr einen Mann, dem es sechzig Jahre lang \u00fcber Zehntausende von Seiten niemals an Worten gefehlt hat. Man merkt diesen Zeilen f\u00f6rmlich an, da\u00df sie nichts mit literarischer Insuffizienz, sondern schlichterdings mit dem Mangel an Courage zu tun haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Outing des Gro\u00dfschriftstellers GraSS, dem die Nazis im Sinne Benjamins auch einmal zu &#8222;seinem Ausdruck&#8220; verhalfen, hat die alte BRD ihren letzten Medienskandal. Man kann den Fall GraSS getrost als ausgefuchste Marketingstrategie erledigen, bliebe in seinem F\u00e4llen nicht ein Unbehagen in der Kultur und winkte das Verdr\u00e4ngte nicht aufdringlich \u00fcber den heimischen Gartenzaun. Hier ver\u00fcbelt das aufgekl\u00e4rte Publikum ihrem Matador das Schweigen, das auf es selbst zur\u00fcckf\u00e4llt. Selten d\u00e4mlich auch seine Stotterei in seinem FAZ\u2013Promo\u2013Interview: &#8222;Mein Schweigen \u00fcber all die Jahre z\u00e4hlt zu den Gr\u00fcnden, warum ich dieses Buch geschrieben habe. &#8220; Das Problem ist nicht, das sich GraSS in seiner penetranten Selbstgerechtigkeit moralisch zu einem \u00fcberdimensionalen Ochsenfrosch aufgeblasen hat, sondern auch, da\u00df sich die BRD\u2013Intelligenzia darin wiedererkannt hat. GraSS pflegt eine demonstrative Unbedarftheit, die in einem irritierenden Kontrast zu seiner politischen Bescheidwisserei steht. Der politisierende und nicht selten polternde Literat ist in seiner plump moralisierenden Grobschl\u00e4chtigkeit schwer ertr\u00e4glich. GraSS sp\u00fcrt seine Wesensmitte: Die Bedrohung durch die Barbaren. W\u00e4hrend er dar\u00fcber nachsinnt, wie er die Leiden der Welt mindern k\u00f6nnte, fliegen ihm die Bomben durchs Teegeschirr. Infernalische Urmenschen neiden ihm seine Freiheit, seine Zivilisiertheit, seine Gesittung. Und deshalb mu\u00df der er tun, was ihm furchtbar widerstrebt: Er mu\u00df wieder los, um das Napalm der Freiheit in die K\u00f6pfe der Finsternis zu bomben, mit dem Uran der Demokratie die Kinder verstrahlen und mit Dioxin den Ernst seiner Mission segnen. Kurz, er mu\u00df tun, was er seit 500 Jahren tun mu\u00dfte: den Rest der Welt verw\u00fcsten. Zu dieser Sorte heulender Angriffskrieger hat sich der polternde Pr\u00e4zeptor Germaniae bekannt. GraSS brandmarkte er die \u00c4ra des Wiederaufbaus unter Adenauer und Erhard als Epoche der Restauration aus Verdr\u00e4ngung und schlechtem Gewissen. Sp\u00e4ter polemisierte er gegen den Nato\u2013Doppelbeschluss, warb um Sympathien f\u00fcr die DDR, demonstrierte seine Verachtung der USA und gei\u00dfelte den global ausgreifenden Kapitalismus. Diese Einmischungen von GraSS verraten eine erstaunliche Blindheit. Sie gipfelten in der nunmehr verst\u00e4ndlichen These, die deutsche Wiedervereinigung verbiete sich wegen Auschwitz, und beim Anschlu\u00df der neuen Bundesl\u00e4nder handele es sich blo\u00df um \u201eein Schn\u00e4ppchen namens DDR\u201c. Er hat derlei mit nervt\u00f6tender Ausdauer wiederholt. Hierbei verfuhr er ganz unzimperlich; auch geno\u00df er sichtlich die Resonanz seiner Invektiven. Zu dieser Selbstgerechtigkeit des nahezu unheilbar guten Gewissens pa\u00dft die sp\u00e4te Offenbarung gar nicht. Nun ist die Blase geplatzt und sieh &#8222;Der Scho\u00df ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer einen Sinn f\u00fcrs Theatralische und f\u00fcr \u00dcberspitzungen hat, kann in derlei Bezichtigungen und Selbstbezichtigungen die bizarre Abschiedsvorstellung einer abtretenden Generation zu sehen, einer Generation von Intellektuellen, die in der westdeutschen Bundesrepublik ab dem Ende der 1950-er Jahre die tonangebende war und es in manchem Betracht auch im wiedervereinigten Deutschland geblieben ist. Bei dieser Diskussion scheint es so, als w\u00fcrde das Naziregime doch noch zum Tausendj\u00e4hrigen Reich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frundsberg\u2013Parole, unter der seine Waffen\u2013SS\u2013Einheit antrat lautet: &#8222;Viel Feind, viel Ehr&#8220;. Die Vorstellung von Schriftstellerei und milit\u00e4rischem Ruhm, siehe auch Ernst J\u00fcnger, h\u00e4lt noch bis ans Ende des Zweiten Weltkrieges vor. Die j\u00fcngsten Jahrg\u00e4nge hatten eine Vorstellung von Heldentum, quasi Fremdenlegion in den eigenen Reihen. Hinter all dem steckt ja das Pathos des Antib\u00fcrgerlichen, Draufg\u00e4ngertum, Landsknechtsfantasien, Kriegsrittertum. Die anti\u2013b\u00fcrgerlichen Fantasien der Generationen nach dem Kriege, auch die der Achtundsechziger, waren strikt anti\u2013milit\u00e4risch. Allenfalls gab es noch den Revolverhelden der RAF \u2013 aber die Idee des soldatischen Mannes war verschwunden. Bei der Generation der damals Siebzehnj\u00e4hrigen am Ende des Zweiten Weltkriegs war dieses Ideal aber offenbar noch vorhanden. Es gab sicherlich einen gro\u00dfen Drang, zur Truppe zu geh\u00f6ren, die Vorstellung des intensiven Lebens. Der Typus des soldatischen Schriftstellers hat davon noch gezehrt. In wenigen Wochen ist ein unglaublicher Fundus von intensiven Bildern entstanden, von euphorisch aufgeladenen Situationen, die man dann das ganze Leben lang entwickeln konnte als Film. Auch wenn GraSS sich mit diesem Buch einem sp\u00e4ten einem Entnazifizierungsverfahren unterwirft, es ist ein Pathosgef\u00e4lle zwischen einem Mitglied der Waffen\u2013SS und einem Flakhelfer oder Pimpf zu erkennen. Die Flakhelfer sind eine vergiftete Generation, eine Generation, die in der Schizophrenie lebt. Einerseits hat sie politisch und intellektuell mit der Nazi\u2013Herrschaft radikal abgerechnet, andererseits ist sie nicht imstande, die eigenen und selbst eingestandenen, oft diffusen und zwiesp\u00e4ltigen Scham\u2013 und Schuldgef\u00fchle \u00e4hnlich klar und unmi\u00dfverst\u00e4ndlich zu artikulieren wie der Pfarrerssohn Friedrich D\u00fcrrenmatt, der im Mai 1941 f\u00fcr einige Monate der &#8222;Eidgen\u00f6ssischen Sammlung&#8220; beitrat \u2013 einer rechtsradikalen, vom Faschismus faszinierten Studentengruppe, die offen f\u00fcr den Anschlu\u00df der Schweiz an Nazi\u2013Deutschland eintrat: \u201eZwar war mein Vater ein \u00fcberzeugter Antimarxist, ich h\u00e4tte mich, um ihn und die christlichen Kreise zu provozieren, auch als Kommunisten ausgeben k\u00f6nnen. Aber ich hatte vom Marxismus nur eine verzerrte Vorstellung, er war ein Ger\u00fccht, nicht eine m\u00f6gliche Gegenwelt.&#8220; Was blieb also dem 20\u2013j\u00e4hrigen Rebellen \u00fcbrig, der eine Gegenwelt zu der seines Vaters suchte? &#8222;Ein nebul\u00f6ses Parteinehmen f\u00fcr Hitler\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lieber f\u00fchlen sich BRD-Schriftsteller als Opfer einer ungerechten \u00d6ffentlichkeit. Exemplarisch ist dies in Martin Walsers Paulskirchenrede von 1998 deutlich geworden, als er nebul\u00f6s von der \u201eInstrumentalisierung unserer Schande\u201c und der &#8222;Moralkeule&#8220; Auschwitz sprach und sich als gleichsam als Opfer der Geschichte beschrieb \u2013 fast so, als w\u00fcrden die Millionen Ermordeten nun zu geisterhaften T\u00e4tern am schlechten Gewissen der Deutschen. Walsers Werk und Person steht seit der Friedenspreisrede von 1998 unter politischem Generalverdacht. Ihm werden antisemitische Ressentiments und der Willen unterstellt, die Geschichte der deutschen Verbrechen zu verdr\u00e4ngen. Wie GraSS f\u00fchlt er sich im Innersten verletzt und w\u00e4hlt als literarische Form der Gegenwehr nicht die Streitschrift, nicht das polemische Pamphlet, auch nicht die Satire oder die Parodie, sondern die lyrische Selbstbeobachtung und Selbstentbl\u00f6\u00dfung. Wie GraSS bleibt er eine \u00f6ffentliche Figur, diese Haut kann er nicht abstreifen. Doch stellt er nun die Empfindsamkeit und Empfindlichkeit dieser Haut aus. Die einen wird das peinlich ber\u00fchren, die anderen werden erschrocken sein \u00fcber die pers\u00f6nlichen Kosten des massenmedialen Meinungszirkus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann Sex haben, ohne zu penetrieren, Haschisch rauchen, ohne zu inhalieren \u2013 aber kann man auch Mitglied der NSDAP gewesen sein, ohne es zu wissen? Solche sarkastische Fragen wachen in dem Masse, wie die Liste der Intellektuellen immer l\u00e4nger wird, die in der NSDAP waren, dies aber nie von sich aus thematisierten. Kunde davon, da\u00df sie in die Partei entweder aufgenommen worden waren oder zumindest einen Antrag auf Aufnahme gestellt hatten, gab es in den letzten Jahren von den Historikern Martin Broszat und Fritz Fischer, den Literaturwissenschaftern Peter Wapnewski, Walter Jens und Walter H\u00f6llerer sowie dem Literaturkritiker Friedrich Sieburg. Dazu kommen die Schriftsteller der so genannten Flakhelfer\u2013Generation: Martin Walser und Siegfried Lenz sowie der Kabarettist Dieter Hildebrandt. Wenn Grass, Walser und andere Autoren die Verbrechen der Deutschen w\u00e4hrend des Nationalsozialismus mit literarischen Mitteln ins \u00f6ffentliche Bewu\u00dftsein r\u00fcckten, haben sie sich damit um ihr Land verdient gemacht. Da\u00df sie ihr eigenes Verstricktsein in Denken und Habitus des Nationalsozialismus nicht aufarbeiteten, zeigt sich vor allem bei vielen Mitgliedern der Gruppe 47: das P\u00f6belhafte ihrer Rituale, ihr Fremdeln vor den literarischen Emigranten, vor allem aber das Ausgrenzen von differenzierter organisierten Naturen, wie es im Umgang mit Paul Celan oder Hermann Lenz zum Ausdruck kam, dieses Verharren in einer Art Volksgemeinschaftswahn zeugt davon, da\u00df sie Freuds Gebot vom Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten nicht befolgt haben. Wenn Grass aber eingesteht, selbst ein wesentliches Detail seiner Nazi-Vergangenheit \u00fcber Jahrzehnte verborgen zu haben, f\u00fchrt kein Weg daran vorbei, ihm einen erheblichen Verlust seiner politischen Glaubw\u00fcrdigkeit zu attestieren. Die Goldhagen\u2013 ebenso wie die Walser\u2013Bubis\u2013Debatte, die Vergegenw\u00e4rtigungen der Wehrmachtsverbrechen, die Auseinandersetzungen um das Berliner Holocaust\u2013Mahnmal, wom\u00f6glich auch die GraSS\u2013Aussprache sind keine ged\u00e4chtnispolitischen Marginalien gewesen. Die Wortgefechte zwischen den Generationen ebenso wie die hartn\u00e4ckigen Vergewisserungen der Nachgeborenen haben das Selbstverst\u00e4ndnis dieser Republik gefestigt. Man mu\u00df das bi\u00dfchen Mut fordern, das n\u00f6tig ist, um \u00fcberhaupt noch das Wort von Aufkl\u00e4rung und Wahrheit im Munde f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Vor \u00fcber 60 Jahren war GraSS ein junger deutscher Nazi, ein F\u00fchrer\u2013Gl\u00e4ubiger, ein Opportunist und Mitl\u00e4ufer. In dem Kapitel \u201eWie ich das F\u00fcrchten lernte\u201c beschreibt er seine Erinnerungen an die Kriegszeit. Er nennt die n\u00e4heren Umst\u00e4nde seines Einberufungsbefehls nicht und beschreibt die Zeit bei der Waffen\u2013SS ab der Seite 121, wie in folgenden Wortlaut\u2013Ausz\u00fcgen dokumentiert:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer Zwiebelhaut steht nichts eingeritzt, dem ein Anzeichen f\u00fcr Schreck oder gar Entsetzen abzulesen w\u00e4re. Eher werde ich die Waffen\u2013SS als Eliteeinheit gesehen haben, die jeweils dann zum Einsatz kam, wenn ein Fronteinbruch abgeriegelt, ein Kessel wie der von Demjansk aufgesprengt oder Charkow zur\u00fcckerobert werden mu\u00dfte. Die doppelte Rune am Uniformkragen war mir nicht anst\u00f6\u00dfig. Dem Jungen, der sich als Mann sah, wird vor allem die Waffengattung wichtig gewesen sein: wenn nicht zu den U\u2013Booten, von denen Sondermeldungen kaum noch Bericht gaben, dann als Panzersch\u00fctze in einer Division, die, wie man in der Leitstelle Wei\u00dfer Hirsch wu\u00dfte, neu aufgestellt werden sollte, und zwar unter dem Namen &#8218;J\u00f6rg von Frundsberg&#8216;. Der war mir als Anf\u00fchrer des Schw\u00e4bischen Bundes aus der Zeit der Bauernkriege und als &#8218;Vater der Landsknechte&#8216; bekannt. Jemand, der f\u00fcr Freiheit, Befreiung stand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was f\u00fcr ein grauenhafter Text! &#8222;eher werde ich&#8230; gesehen haben&#8230;&#8220; Ist er sich schon v\u00f6llig abhanden gekommen? Wieso schreibt er nicht: ich kriegte doch auch einen hoch, wenn ich das Gebr\u00fclle h\u00f6rte, ich wollte doch auch SIEGEN, und Russen abknallen, blonde M\u00e4dels besch\u00fctzen und die Besiegten tot v\u00f6geln usw&#8230; ich war mehr als ein Mitl\u00e4ufer, ich war drauf und dran, zum T\u00e4ter zu werden.&#8220; Wenn er das sagen w\u00fcrde, w\u00e4re das zwar shocking, aber es w\u00e4re ehrlich und dann k\u00f6nnte man mal ehrlich diskutieren, was da subkutan noch alles eitert bei den Zeitgenossen. Dann h\u00e4tte er beschreiben k\u00f6nnen, wie es war, als sich sein Sinn drehte (die Kehre!) \u2013 das w\u00e4re mal spannend. Aber leider kann er\u2019s nicht erz\u00e4hlen, erstens, weil es gar keine innere Wende gab, sondern sich nur der Wind drehte, und mit ihm der Barttr\u00e4ger und Pfeifenraucher, der dann sp\u00e4ter noch einen gewissen Intelligenz\u2013Schub erfuhr und zweitens k\u00f6nnte es gar nicht in Worte fassen, wenn es denn eine Wende gab, denn der Worte scheint er nicht mehr m\u00e4chtig. Dieser Text ist ein Gestammel. Und wie egoman, was interessiert mich seine Erleichterung? Um die geht es doch nur, nicht um das Poltische. Er wollte sich erleichtern wie man einen Furz l\u00e4\u00dft und die Gesch\u00e4fte ankurbeln und ist nun bass erstaunt, da\u00df der Wind doch etwas rauer ins Gesicht weht. Und so rasch kann er sich nicht mehr drehen&#8230; Wohin auch?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pointe des Schuldbekenntnisses ist, durch ihr Bekenntnis eine neue Unschuld beanspruchen zu d\u00fcrfen. Der Universalisierungseffekt: Die Schuldigen sind die neuen Unschuldigen, die im Unterschied zu allen anderen &#8222;aus der Geschichte gelernt haben&#8220;, ja die anderen Nationalgeschichten gegen\u00fcber dem Vorteil eines historisch neuen Paradigmas beanspruchen. GraSS verh\u00e4llt sich wie Albert Speer, er \u00fcbernimmt Gesamtverantwortung, ohne individuelle Schuld zu bekennen. Man findet da\u00dfselbe Muster in vielen Interviews mit Zeitzeugen: Einerseits befinden sie sich voll auf der H\u00f6he eines Vergangenheitsdiskurses, der keinen Zweifel erkennen l\u00e4\u00dft, da\u00df das &#8222;Dritte Reich&#8220; ein verbrecherisches System war, der Vernichtungskrieg ein ma\u00dfstabloses Verbrechen und der Holocaust ein Ereignis, das &#8222;nie wieder&#8220; geschehen darf. Andererseits aber, emotional, sprechen sie vor dem Hintergrund einer gelebten Erfahrung, die ganz andere Vergangenheitspartikel in das Gesagte, Gedachte und Gef\u00fchlte einf\u00fcgt. Man sieht an dieser Differenz zwischen dem \u00f6ffentlichen Reden und dem privaten F\u00fchlen allgemein, da\u00df ein einziges Bewu\u00dftsein ein Universum von Widerspr\u00fcchen integrieren kann; man sieht aber auch einen frappanten Mangel an Transferleistungen \u2013 zwischen der fortdauernden Emp\u00f6rung \u00fcber die &#8222;Verlogenheit&#8220; der anderen und dem eigenen, sehr bewu\u00dften Schweigen etwa. Auch die Bemerkung \u00fcber die Seelenlage eines j\u00fcdischen Dichters, den Organisationen wie die Waffen\u2013SS eigentlich zur Ermordung vorgesehen hatten, zeigt, da\u00df Moralismus gut ohne Selbstreflexion auskommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSelbst wenn mir t\u00e4tige Mitschuld auszureden war, blieb ein bis heute nicht abgetragener Rest, der allzu gel\u00e4ufig Mitverantwortung genannt wird.\u201c Scham ja \u2013 Schuld nein: Das ist die Formel, die hinter verschwiemelten Formulierungen wie dieser zu stehen scheint. Tats\u00e4chlich hat das vermeintliche Schuldeingest\u00e4ndnis etwas Trauriges, wenn man darin die Not erkennt: Die Not, nicht sagen zu k\u00f6nnen, worauf sich die Scham eigentlich richtet. Nicht seine Herkunft ist das Problem \u2013 wohl aber der moralisch\u2013idealistische Jargon, der sich aus ihr erkl\u00e4rt. Vor allem aber moralische Indignation dar\u00fcber, da\u00df der Erzrepr\u00e4sentant der deutschen Schulderinnerung nach fast 50 Jahren antifaschistischer Rhetorik, den Enthusiasmus eben nicht des Flakhelfers, wie er bislang behauptet hatte, sondern des Waffen\u2013SS\u2013Soldaten f\u00fcr Hitler und Reich kundgab. Viele der nach dem Zweiten Weltkrieg als \u00f6ffentliche Ankl\u00e4ger der deutschen Schuldvergangenheit bekannt gewordenen Intellektuellen entstammen \u2013 selbsteingestanden oder nicht \u2013 nationalsozialistischen beziehungsweise nationalreaktion\u00e4ren Elternh\u00e4usern oder aber waren als Jugendliche gl\u00e4ubige Mitglieder der politischen Jugendorganisationen des &#8222;Dritten Reiches&#8220; gewesen. Bleibt die Abenteuergeschichte, wie GraSS hinter die russischen Linien geraten ist. Er irrt Tagelang mit anderen Versprengten durch den Zwiebeldunst von Kiefernschonungen und D\u00f6rfer und will, vor Angst zitternd, \u201eH\u00e4nschen klein\u201c im dunklen Wald gesungen haben \u2013 eine unverge\u00dfliche Episode, so hat man sich die heldenhafte SS vorgestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Unf\u00e4higkeit, sich selbst zu belehren, findet sich bei vielen Angeh\u00f6rigen dieser Generation \u2013 Martin Walser hat sie sogar zum Programm erhoben \u2013, und sie \u00e4u\u00dfert sich in der v\u00f6lligen Unverbundenheit von historischer Bewertung und lebensgeschichtlichem Erz\u00e4hlen. Es sind dieselben fehlenden Transfers, die wir in den Interviews f\u00fcr die Untersuchung &#8222;Opa war kein Nazi&#8220; finden, wenn ein ehemaliger SS\u2013Mann erz\u00e4hlt, wie er Kriegsgefangene erschossen hat, &#8222;die so bl\u00f6d waren, sich zu ergeben&#8220;, zugleich aber ersch\u00fcttert \u00fcber den Vernichtungskrieg und den Holocaust ist. Es sind dieselben Transfers, die fehlten, als so viele ehemalige Soldaten die sogenannte Wehrmachtsausstellung besuchten und beim Hinausgehen emp\u00f6rt und einm\u00fctig mitteilten, so etwas habe es bei ihnen nicht gegeben. Dabei handelt es sich nicht um Verleugnung. Es ist schlimmer: In ihrer damaligen Wahrnehmung waren sie ja nicht an Verbrechen beteiligt, sondern sie versuchten, &#8222;durchzukommen&#8220;, waren &#8222;kameradschaftlich&#8220;, blieben immer &#8222;anst\u00e4ndig&#8220; \u2013 eben nach den Normen der Zeit. GraSS sieht sich selbst als Opfer: Er betrachtet sich als Opfer der Nazi\u2013Propagandamaschine, so wie er sich als Fl\u00fcchtling stilisiert oder als jemand, der mit den wenigen Fotos auskommen mu\u00df, die seine Mutter aufbewahren konnte. Statt Selbstmitleid w\u00e4re Einsicht angebrachter. Wenn er seine Geschichte kurz nach dem Krieg oder zu dem Zeitpunkt erz\u00e4hlt h\u00e4tte, als er zur \u00f6ffentlichen Figur wurde, h\u00e4tten die meisten Menschen seine Position wahrscheinlich akzeptiert. Wenn er damals gesagt h\u00e4tte: \u201eIch war in der SS, ich wurde zwangsweise eingezogen, und au\u00dferdem war ich ein Kind und habe keine Verbrechen begangen\u201c \u2013 dann w\u00e4re das etwas anderes gewesen, und vielleicht w\u00e4re er sogar als eine andere Art Opfer betrachtet worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erhellend vor diesem Hintergrund ein Brief von GraSS, der er um 1970 an den SPD-Politiker Karl Schiller geschrieben hat, in dem er diesen auffordert, seine SA-Mitgliedschaft zu gestehen: &#8222;Ich m\u00f6chte Sie, lieber Karl Schiller, noch einmal an unser Gespr\u00e4ch erinnern und Sie unumwunden bitten, bei n\u00e4chster Gelegenheit &#8211; und zwar in aller \u00d6ffentlichkeit &#8211; \u00fcber Ihre politische Vergangenheit w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus offen zu sprechen. Die Nachkriegsgeneration kennt nur Beschwichtigungen, unzul\u00e4ssige Verharmlosungen des Bundeskanzlers, zum Beispiel, er sei weder aus \u00dcberzeugung noch als Opportunist Mitglied der NSDAP gewesen. Ich hielte es f\u00fcr gut, wenn Sie sich offen zu Ihrem Irrtum bekennen wollten. Es w\u00e4re f\u00fcr Sie eine Erleichterung und gleichfalls f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit so etwas wie die Wohltat eines reinigenden Gewitters.&#8220; GraSS&#8216; \u00f6ffentliche Abrechnung mit dem Mann, den er einst bereits im Kanzleramt gesehen hatte, und viele andere Anfeindungen jener Zeit st\u00fcrzten Karl Schiller bald darauf in eine tiefe Krise und lie\u00dfen ihn verstummen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Lauf der Diskussion wurden Stimmen laut, die zwischen dem Schriftsteller und dem engagierten B\u00fcrgen trennen wollen. Die Rede vom &#8222;jungen Picasso&#8220;, vom &#8222;mittleren Beethoven&#8220;, vom &#8222;alten Goethe&#8220; zerst\u00fcckelt einen K\u00fcnstler in Torsi, gibt vor, man k\u00f6nne seine Geistesarbeit, um ein Lieblingswort Thomas Bernhards zu ben\u00fctzen, in Fragmente und Phasen teilen. Was aber das &#8222;Jugendwerk&#8220; und das &#8222;Alterswerk&#8220; zusammenh\u00e4lt, ist eben der K\u00fcnstler. Ihn unverst\u00fcmmelt vorzustellen, hat somit etwas Humanes. Das zentrale Skandalon bleibt der Mangel an der Aufrichtigkeit eines Moralisten, diese l\u00e4\u00dft sich auch nicht mit dem Euphemismus \u201enachwachsender Scham\u201c sch\u00f6nreden. Ein moralischer Appell gewinnt seine Wahrheit durch Gr\u00fcnde und Argumente, nicht durch die Person des Autors. Auch wenn ein notorischer \u00dcbelt\u00e4ter dazu aufriefe, Verbrechen aufzudecken und zu bestrafen, so verl\u00f6re diese Aufforderung nichts von ihrer Richtigkeit. Aber vieles von ihrer Berechtigung \u2013 und allerhand von ihrer Wirkung. Was die Angeh\u00f6rigen dieser Generation nie begriffen haben, ist, da\u00df sie Teil eines gegenmenschlichen Projekts waren, das es ohne ihre Teilhabe nicht gegeben h\u00e4tte. Das erinnerungspolitische Zauberkunstst\u00fcck, sich permanent aus jenem Zusammenhang herauszudefinieren, den man zugleich &#8222;niemals zu vergessen&#8220; behauptet, beherrschen sie mit solcher Sicherheit, da\u00df die Frage, warum sich ganz normale Deutsche mehrheitlich in erstaunlich kurzer Zeit f\u00fcr die Unmenschlichkeit entschieden haben, bis heute unbeantwortet geblieben ist. Daf\u00fcr, da\u00df diese Generation im Nationalsozialismus sozialisiert worden ist, kann sie freilich nichts, wohl aber f\u00fcr das nur z\u00f6gernd br\u00f6ckelnde Bild von einem &#8222;Dritten Reich&#8220; ohne Nazis, einem gigantischen Gewaltausbruch ohne T\u00e4ter, einer Schuld ohne Schuldige. Dieses rhetorisch \u00fcberdonnerte und sozial entleerte Geschichtsbild stellt sich \u00fcber die immer gleichen Konstruktionen her, da\u00df jemand &#8222;sich in den Dienst der Nazis&#8220; gestellt habe, sich habe &#8222;verf\u00fchren&#8220; oder &#8222;missbrauchen&#8220; lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eZwar war w\u00e4hrend der Ausbildung zum Panzersch\u00fctzen, die mich den Herbst und Winter lang abstumpfte, nichts von jenen Kriegsverbrechen zu h\u00f6ren, die sp\u00e4ter ans Licht kamen\u201c, schreibt der sp\u00e4tere Nobelpreistr\u00e4ger \u00fcber seine Zeit bei der Waffen\u2013SS, &#8222;aber behauptete Unwissenheit konnte meine Einsicht, einem System eingef\u00fcgt gewesen zu sein, das die Vernichtung von Millionen Menschen geplant, organisiert und vollzogen hatte, nicht verschleiern.&#8220; Das ist nicht die Sprache, die in den eigenen Abgrund blickt. Das ist das Erbe der nationalsozialistischen Zeit: Eine Distanzlosigkeit sich selbst gegen\u00fcber, die eine Anerkennung dessen, was anderen angetan wurde, \u00fcber blo\u00dfe Bekenntnisrhetorik hinaus nie im Sinn und, vor allem, nie im Gef\u00fchl gehabt hat. Ein Habitus des Immer\u2013recht\u2013Habens, der Larmoyanz, der vollst\u00e4ndigen Unf\u00e4higkeit zur Ambivalenz, frei von jeder Selbstironie. Totalit\u00e4re Systeme sind solche, in denen die gr\u00f6\u00dfte Gewi\u00dfheit dar\u00fcber besteht, was richtig und was falsch ist. Wer in einer Gewi\u00dfheitswelt gro\u00df geworden ist, scheut Ambivalenzen wie der Teufel das Weihwasser. Da\u00df GraSS nun behauptet, seine erste Begegnung mit direktem Rassismus habe er in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager erlebt, obwohl er in der schlimmsten und offenkundigsten rassistischen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts gro\u00df geworden ist, zeigt, da\u00df er der Wahrheit seiner eigenen Geschichte und der seines Landes nicht wirklich nahe gekommen ist. Die absurde Anekdote, mit der er unterstellt, da\u00df er zum ersten Mal mit direktem Rassismus konfrontiert gewesen sei, als er h\u00f6rte, wie wei\u00dfe amerikanische Soldaten ihre schwarzen Kameraden \u201eNigger\u201c nannten. Hat GraSS im Ernst erwartet, da\u00df irgend jemand, der einen Funken klaren Menschenverstand besitzt und schon einmal etwas von der deutschen Rassenpropaganda vor und im Krieg geh\u00f6rt hat, ihm das glauben w\u00fcrde?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich selbst als Fremden zur\u00fcsten, um aus der Distanz zu sehen und \u2013 im Idealfall besser \u2013 zu urteilen, das ist kein volkst\u00fcmliches Verfahren. Wohl aber ein bevorzugtes Autorenverfahren, seit Anbeginn der Moderne. &#8222;Ich ist ein anderer&#8220;, hei\u00dft es bei Rimbaud. Doch GraSS entpuppt sich \u00fcberdies auch als schlechter Autor. Der h\u00e4ufige Gebrauch von entpers\u00f6nlichten Infinitiv\u2013 und Adverbialformen, die an den Sto\u00dfseufzer des alten Goethe erinnern, man werde sich doch langsam selbst historisch. Eine Sprache, die t\u00e4nzelt und nicht tanzt, die zwischen Benennen und Umschreiben schwankt, und Manierismen zur Auflockerung braucht. Dieses Machwerk sollte k\u00fcnftigen Lesern den Blick sch\u00e4rfen f\u00fcr die dunklen Seiten des Grassschen Universums, die man ihm nicht zutraute, weil er sie mit burleskem Getue \u00fcberspielt hat, weil sein derb\u2013plebejisches Marionettentheater, seine Baalsche Welttrunkenheit, seine hormongesteuerte Exzentrik immer um sich selbst kreisten. Zu Zeiten der Gruppe 47 schwieg GraSS und log, und damals, in den Zeiten des ideologischen Furors war das schlau. Er wollte nicht zugeben, da\u00df er sich freiwillig zur Waffen\u2013SS gemeldet hatte, siegeshungrig, minderj\u00e4hrig, besoffen von Goebbelsschen Phrasen, ein todess\u00fcchtiger, dummer Junge. Auf zum letzten Gefecht. Er w\u00e4re pl\u00f6tzlich mit seinem Feindbild verschmolzen. Im R\u00fcckblick auf das Ende des Zweiten Weltkriegs res\u00fcmiert Grass so: \u201eIch wurde aus der Gefangenschaft in den Westen entlassen und befand mich auf freier Wildbahn. Ich mu\u00dfte mir selbst etwas zusammenschustern mit all den Irrt\u00fcmern und mit all den Umwegen, w\u00e4hrend Gleichaltrige meiner Generation, Christa Wolf etwa oder Erich Loest, im Osten des Landes sofort mit einer neuen und glaubhaften Ideologie versorgt waren.\u201c Im Westen stattdessen herrschte eine Gesellschaft unter Adenauer, \u201egrauenhaft, mit all den L\u00fcgen, mit dem ganzen katholischen Mief\u2026 durch eine Art von Spie\u00dfigkeit gepr\u00e4gt, die es nicht einmal bei den Nazis gegeben hatte.\u201c Zwischen Fakten und Fiktion gibt es, wo ein erinnerndes Subjekt ins Spiel kommt, keine klare Grenze; diese Erkenntnis hat schlie\u00dflich einen ziemlich langen Bart. Das hindert ihn aber nicht daran, mit gro\u00dfem metaphorischem Tamtam genau daraus die k\u00fcnstlerische Form seines Buches zu gestalten. Es erweist es sich, da\u00df aus dem belehrenden Moralisten ein moralischer Fris\u00f6r geworden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fritz J. Raddatz war 1962 das Fehlen der Worte Hitler, KZ, Atombombe, SS, Nazi, Sibirien in den Texten der 47er aufgefallen: \u201eEin erschreckendes Ph\u00e4nomen, gelinde gesagt.\u201c Auch andere Zitate lesen sich nun besser zuordnen: \u201eDer Autor als fragw\u00fcrdiger Zeuge&#8220; \u00fcberschrieb GraSS 1973 einen R\u00fcckblick auf die \u00abBlechtrommel\u00bb, der mit den S\u00e4tzen endet: &#8222;Habe ich alles gesagt? \u2013 Mehr, als ich wollte. Habe ich Wichtiges verschwiegen? \u2013 Bestimmt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frankfurter Poetikvorlesung von GraSS im Jahr 1990 trug den Titel Schreiben nach Auschwitz, darin sagte er: &#8222;Das sind nicht meine Besorgnisse. Eher bleibt Ungen\u00fcgen nach 35 Jahren Bilanz. Etwas, das nicht zu Wort kam, mu\u00df gesagt werden. Eine alte Geschichte will ganz anders erz\u00e4hlt werden. Vielleicht gelingen noch die zwei Zeilen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Worte sind auch Taten, sie beschreiben die Welt nicht blo\u00df, sondern vollziehen kommunikative Handlungen, eingebunden in Konventionen, die bestimmen, was jeweils sprachlich angemessen ist. Ein Gest\u00e4ndnis kann Emp\u00f6rung ausl\u00f6sen, nicht etwa weil die eingestandene Schuld so gro\u00df, sondern weil an Form und Zeitpunkt des Bekenntnisses etwas faul ist. Es mehren sich Zweifel \u00fcber GraSSens Wehrmachts\u2013Krankenakte an den biografischen Angaben des Schriftstellers. Danach ist Grass nicht in der SS\u2013Panzerdivision \u00abFrundsberg\u00bb, sondern in einer Panzerj\u00e4ger\u2013Ausbildungs\u2013 und Ersatzabteilung der SS gewesen. Was mag ihn bewogen haben, in amerikanischer Kriegsgefangenschaft als Frundsberger zu firmieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine \u00dcbersprungshandlung, einen solchen moralischen Anspruch zu erheben. Den Anspruch, f\u00fcr alle zu sprechen. Man kann sich derart weit aus dem Fenster lehnen, da\u00df man die schwarze Uniform nicht mehr sieht. Psychologisch bleiben es zwei Welten: Der Komplex \u201amoralische Instanz\u2019 ist eine politisch\u2013intellektuelle Leistung. Da ist das \u00dcber\u2013Ich am Werk, das kommt sozusagen noch aus dem Triebuntergrund der Jugend, aus dem, was nicht bew\u00e4ltigt ist. Dem Kitsch und der Ideologie \u00f6ffnet das leider T\u00fcr und Tor, und Kitsch und Ideologie sind die nat\u00fcrlichen Feinde der Vorstellungskraft, der poetischen Fantasie. Der Widerspruch w\u00e4re der zwischen dem Dichter und dem Leitartikler. Wenn der Schriftsteller anf\u00e4ngt zu leitartikeln, dann f\u00e4rbt das auf die B\u00fccher ab, und das ist hier ja auch zunehmend geschehen. Der Fabulierk\u00fcnstler der ersten Romane war eine ganz andere Figur, der Freund Paul Celans im Paris der f\u00fcnfziger Jahre war ein anderer. Der Hamburger Germanist Klaus Briegleb analysierte eine &#8222;angema\u00dfte moralischen Unbescholtenheit&#8220;, die zusammen mit der &#8222;einzigartigen Praxis des Vergessens&#8220; im Kreis der Gruppe 47 am Gedeihen eines deutschen Antisemitismus nach der Shoah mitgewirkt hat. GraSS liefert nun den Beleg f\u00fcr die Annahme. Er, der sich als Au\u00dfenseiter sieht, verh\u00e4lt sich zum Zeitgeist au\u00dferordentlich affirmativ. Die so genannten 68\u2013er, die versuchen die Nazi\u2013Zeit aufzuarbeiten tun sich durch einen ungeheuer moralischen Anspruch hervor. Die Flakhelfer\u2013Generation, die sich gern als skeptische bezeichnen lie\u00df, hat mit moralischem Rigorismus ein Tribunal errichtet, um diejenigen abzuurteilen, die erstmals und hartn\u00e4ckig nach der Rolle der Eliten wie des Jedermann in der Nazi\u2013Zeit gefragt haben. Sie haben fr\u00fch gelernt, sich in einem historischen Raum von Uneindeutigkeiten und Ungewissheiten zu bewegen. Das hat ihre Skepsis so klein und pr\u00e4zise und ihre Haltung so bedingungslos und unnachgiebig gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ich habe mich doch selbst entnazifiziert&#8220;, sagte 1995 der linksliberale Germanist Hans Schwerte, als sich herausstellte, da\u00df er bis 1945 Hans Schneider hie\u00df und SS\u2013Hauptsturmf\u00fchrer war. Heute glaubt GraSS, &#8222;mit dem, was ich schreibend tat, genug getan zu haben&#8220; angesichts seiner Zeit bei der Waffen\u2013SS. Das ist nicht Verdr\u00e4ngung, aber Verleugnung. Bei den meisten, die mehr oder weniger intensiv mitgemacht haben, kam erst nachtr\u00e4glich die Erkenntnis, an welch barbarischen Taten sie beteiligt gewesen sind. Das hat auch denen den Mund versiegelt, deren pers\u00f6nliche Entnazifizierung glaubhaft ist, und die dazu beitrugen, die junge Bundesrepublik vor einem autorit\u00e4ren R\u00fcckfall zu bewahren. Sie haben ihre private, politische und gesellschaftliche Existenz auf neue Grundlagen gestellt, ohne die Transformation ihres Egos \u00f6ffentlich zu machen. Sie dachten, wir leisten doch genug \u2013 GraSS als Literat und \u00f6ffentlicher Intellektueller, Schwerte als Exponent einer &#8222;kritischen&#8220; Germanistik, linksgeneigter Rektor der Universit\u00e4t Aachen und durch sein Auftreten in der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hermann L\u00fcbbe nannte die 1983 in der Debatte um den &#8222;Nationalsozialismus im deutschen Nachkriegsbewusstsein&#8220;: &#8222;kommunikatives Beschweigen&#8220;. Als Beschreibung stimmt das: Man erwirbt sich eine moralische Position \u00fcber, freundlich gesagt, &#8222;biografische Selbstdeutung&#8220;. Die scharfrichterliche Strenge, die GraSS kennzeichnet, ist eine Form von \u00dcberkompensation: Ich \u00fcbe diese Rolle aus und exkulpiere mich so nachtr\u00e4glich. Obwohl sie selbst im juristischen Sinne gar nicht schuldig geworden sind, haben die GraSS und Fest stellvertretend f\u00fcr ihre V\u00e4ter, mit denen sie sich nat\u00fcrlich noch stark identifizierten und um die Tatsache zu verdecken, da\u00df sie als halbe Kinder die Gl\u00e4ubigen der Gl\u00e4ubigsten waren, dieses Tribunal gezimmert und alles, was an Kritik kam, mit verr\u00e4terischer Aggression niedergemacht. Die \u00c4ra der hypermoralischen S\u00f6hne von nationalsozialistischen V\u00e4tern l\u00e4uft zeitbedingt aus. Diese Kultur der Bezichtigung, in der der Angegriffene immer schon der Verlierer war. Die Kultur des Verdachts und der Bezichtigung! Mit seiner eigenen Vergangenheitsbew\u00e4ltigung, hat GraSS gro\u00dfe Probleme, jenseits aller von ihm immer wieder zugestandenen Verirrungen als junger Soldat, seinen Glauben an den Nationalsozialismus, seinem ersten Unglauben, als ihm Bilder aus den Konzentrationslagern gezeigt wurden. GraSS hat Konsequenzen aus der Niederlage des Dritten Reiches gezogen, er hat die Lage analysiert, aber nicht sich selbst. Seinem Outing ging ein Interview im Spiegel voraus. Auf die Frage einer Publizistin, die ein Buch \u00fcber den Roman \u00bbDer Butt\u00ab vorbereitete, zitierte der Spiegel 1979 unter der \u00dcberschrift &#8222;Am liebsten l\u00fcge ich gedruckt&#8220; aus den Protokollen der Journalistin. &#8222;Sind Sie ein Mensch, der die Wahrheit sagt?&#8220; GraSS r\u00e4umt ein, &#8222;da\u00df mich die Wahrheit in bestimmten Situationen langweilt und ich dann anfange, die Wahrheit zu variieren oder andersherum zu erfinden. Das hat nat\u00fcrlich manchmal schreckliche Folgen. Ich gebe diesen L\u00fcgen, wenn ich sie ausspreche, nur wenig Gewicht, denn am liebsten l\u00fcge ich gedruckt. Das steht auch sicher in Beziehung mit dem Hang zur Fiktion, zum Erfinden, zum M\u00e4rchenerz\u00e4hlen in Formen, die uns heute m\u00f6glich sind&#8220;. GraSS hat sich sein Lebtag lang mit dem Erinnern auseinandergesetzt. Eine zentrale Rolle spielte dabei immer die Erinnerung an die Nazizeit. Er hat \u00fcber seine Mitgliedschaft in der Waffen\u2013SS nicht geschwiegen, weil er sie vergessen hatte, sondern weil er entschieden hatte, dar\u00fcber zu schweigen. Einem Schriftsteller, der berechtigterweise die Gesellschaft h\u00e4ufig mit scharfer Kritik belegt hat und der nicht selten Kollegen und Politiker mit Blick auf ihren Umgang mit der Vergangenheit \u00f6ffentlich gegei\u00dfelt hat, h\u00e4tte mit dem Cowboy und dem dicken Oggersheimer Bittburg besuchen m\u00fcssen. In der Historiker\u2013Debatte vor 20 Jahren gelang GraSS in atemberaubendem Tempo ein fliegender Wechsel von den inflation\u00e4ren Nazi\u2013Analogien, mit denen auch er die fr\u00fche Bundesrepublik \u00fcberzogen hatte, zur rituell erstarrten These von der historischen Einmaligkeit des Holocaust. Die letzte gro\u00dfe Pose als linker Gro\u00dfkritiker leistete sich G\u00fcnter Grass in der Frankfurter Paulskirche 1998 in seiner Laudatio auf den Friedenspreistr\u00e4ger Yasar Kemal, als er die Asylpolitik der Bundesregierung &#8222;einer demokratisch abgesicherten Barbarei&#8220; bezichtigte. Ernst genommen wurde er mit solch ma\u00dfloser Polemik nicht. Wer sein Leben aufschreibt, mu\u00df zwei Entscheidungen treffen: Wie will ich mich erinnern. Wen will ich erinnern. F\u00fcr das \u201eWie\u201c hat Grass das Bild von der Zwiebel gew\u00e4hlt. \u201eWenn ihr mit Fragen zugesetzt wird, gleicht die Erinnerung einer Zwiebel. Unter der ersten, noch trocken knisternden Haut findet sich die n\u00e4chste, die, kaum gel\u00f6st, feucht eine dritte freigibt, unter der die vierte, f\u00fcnfte warten und fl\u00fcstern. Und jede weitere schwitzt zu lang gemiedene W\u00f6rter aus, auch schn\u00f6rkelige Zeichen, als habe sich ein Geheimniskr\u00e4mer von jung an, als die Zwiebel noch keimte, verschl\u00fcsseln wollen.\u201c Letztlich zeigt sich an diesem Fall der Selbstdemaskierung, da\u00df eine Zwiebel keinen Kern hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>G\u00e4be es nur diese eine Wahl: Jede denkende, jede f\u00fchlende Person w\u00e4re lieber rechts mit Botho Strauss als links mit G\u00fcnter Grass.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Sascha Lobo in der FAZ<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Die eifrigsten Zuwortmelder des Literaturbetriebs, neben GraSS: Martin Walser, Peter Handke und Botho Strau\u00df, stilisieren sich zu inbr\u00fcnstigen Feinden unseres t\u00e4glichen Meinungsmarktes. So spielen sie seit Jahrzehnten schon mit der \u00d6ffentlichkeit und ihren Kritikern ein Spiel. Bietet sich ein Thema von einiger Brisanz, holen sie gern zu dr\u00f6hnenden politischen Polemiken aus. Peter Handke mangelt es an Medienkompetenz, er kann seine Gedanken nicht auf eine b\u00fcndige Aussage reduzieren. Das ist nicht nur Naturell, sondern auch Programm. Vorgefertigtes von sich zu geben ist des Dichters unw\u00fcrdig. Das \u00fcberl\u00e4\u00dft er den Medien, dem \u201eVerbrechervolk\u201c. Um fortzufahren wie oben beschrieben: \u201eVolk ist ja ein bi\u00dfchen \u00fcbertrieben. \u2013 Gesindel?\u201c Die wahre Empfindung und Erfahrung bleibt in jedem Fall eine Sache des dichterischen Wortes, und das gilt gerade f\u00fcr die von heuchlerischer Sprache vernebelte jugoslawische Sache. Handkes Tiraden gehen dem Leser zuweilen auf die Nerven, durch ihre Form aber f\u00f6rdern sie das Verst\u00e4ndnis noch der j\u00fcngsten Querelen um die Zuerkennung des D\u00fcsseldorfer Heine\u2013Preises. In einer Hinsicht zeigt sich Handke von ungebrochenem Selbstbewu\u00dftsein. Er sieht die Dichtung als Beruf in sich verk\u00f6rpert. Und das bedeutet f\u00fcr ihn, allein zu gehen, \u201ein der Distanz zu sein und solitair zu bleiben\u201c, vor allem aber mit der Anschauung den Anfang zu machen, um Wandlung zu erlangen vor dem so luftigen wie profanen Altar der Erz\u00e4hlung \u2013 \u201eim Blickaufschlagen wird etwas anders mit dir\u201c. Aktives Zuschauen als Ideal, das ist die Fortsetzung von Goethes Projekt einer Rettung der Sichtbarkeit gegen die Anma\u00dfungen der theoretischen Vernunft wie der Metaphysik. Goethe ist f\u00fcr Handke der einzige gro\u00dfe deutsche Dichter, der sich vom Wahnsinn der idealistischen Geschichtsphilosophie, jener Sinngebung des Sinnlosen, g\u00e4nzlich freigehalten hat. \u201eGoethe ist die gro\u00dfe, liebe, freche, souver\u00e4ne Ausnahme.\u201c So will auch Handke den M\u00e4chten des Faktischen, dem \u201eWissenszeugs\u201c wie dem Gerede widerstehen, indem er Gedenkzeichen setzt in der Sprache. Werden diese Provokationen dann aber mit politischen Argumenten ebenso polemisch beantwortet, ziehen sich Handke und Konsorten auf ihren Status als empfindsame Poeten zur\u00fcck, die f\u00fcr die Betriebsamkeit der Medien nur Abscheu \u00fcbrig haben und beklagen &#8222;unsere konsensitiv geschlossene \u00d6ffentlichkeit&#8220; (Botho Strau\u00df). Seit vielen Jahren schon umgibt Botho Strau\u00df seine oft reichlich geschraubten Satzkonstruktionen mit herrischer Abwertung der Gegenwart \u2013 ein in der Kulturkritik einge\u00fcbtes Verfahren: So kann man sich selbst gut als gro\u00dfe Ausnahme positionieren, deren Durchblick kaum einer folgen kann. Zuletzt hat Strau\u00df in dem Streit um Handkes Heinepreis die Genies verteidigt; selbst ihr Irren k\u00f6nne so gro\u00df sein, da\u00df die breite Masse lieber das Maul halten soll. Da\u00df er reaktion\u00e4r ist, kann man diesem Erz\u00e4hler seit langem vorwerfen. Mit Blick auf seinen Stil l\u00e4\u00dft sich ein weiterer Befund konstatieren: da\u00df er verkrampft ist. F\u00fcr einen Schriftsteller wiegt dieser Vorwurf bekanntlich viel schwerer. Der Erfolg dieser Strategie ist ein doppelter: Nicht nur sorgen die von den Autoren so ausgel\u00f6sten Streitf\u00e4lle, Aff\u00e4ren, Debatten, Skandale daf\u00fcr, da\u00df ihr Name weiterhin zu den meistgenannten z\u00e4hlt, ihr Marktwert also in der von ihnen so lautstark verachteten, weil nur an Prominenz und nicht an literarischer Qualit\u00e4t interessierten \u00d6ffentlichkeit m\u00f6glichst hoch bleibt. Zum anderen verschaffen sie selbst ihren eher unpolitischen, stilleren Werken zus\u00e4tzliche Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">GraSS sollte bei Imre Kert\u00e9sz nachlesen, wie ein ebenso pr\u00e4zises wie unerbittliches Buch autobiografischer Selbstbefragung jede Art von Rechthaberei unterl\u00e4uft. Die Diskrepanz zwischen chronischer Emp\u00f6rung \u00fcber die Verlogenheit anderer und dem kalkulierten Verschweigen der eigenen SS\u2013 Mitgliedschaft; der Versuch, die eigene Person mittels eines Alter Ego erz\u00e4hlerisch aus ihrer Verstricktheit in ein Verbrechen herauszumogeln, das man nie zu vergessen vorgibt; der Anspruch, in der Bilanz des eigenen Lebens \u201edas letzte Wort\u201c haben zu k\u00f6nnen \u2013 solche moralische Schlampigkeit und intellektuelle Vermessenheit h\u00e4tte sich dieser Autor nicht durchgehen lassen. Fremd sind ihm Pr\u00e4potenz und Larmoyanz, Empathieverweigerung und Ahnungslosigkeit vor sich selbst. Es gibt wenige Schriftsteller, die so radikal in Frage gestellt haben wie Imre Kert\u00e9sz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als w\u00e4re all das nicht schon peinlich genug, f\u00fchrte GraSS Gespr\u00e4che \u00fcber eine Ehrendoktorenw\u00fcrde an einer israelischen Universit\u00e4t. Er werde, so schrieb er nach Israel, f\u00fcr den Rest des Lebens das \u201eKainszeichen\u201c der SS-Rune tragen m\u00fcssen. Kain, da\u00df zur Erinnerung, hat seinen Bruder Abel erschlagen, der Beleg steht im 1. Buch Mose 4, Vers 13 \u2013 15: \u201eKain aber sprach zu dem HERRN: Meine Strafe ist zu schwer, als da\u00df ich sie tragen k\u00f6nnte. 14 Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich mu\u00df mich vor deinem Angesicht verbergen und mu\u00df unstet und fl\u00fcchtig sein auf Erden. So wird mir&#8217;s gehen, da\u00df mich totschl\u00e4gt, wer mich findet. 15 Aber der HERR sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschl\u00e4gt, das soll siebenf\u00e4ltig ger\u00e4cht werden. Und der HERR machte ein Zeichen an Kain, da\u00df ihn niemand erschl\u00fcge, der ihn f\u00e4nde.\u201c Einen Mord begangen zu haben, war nicht der Gegenstand seines Gest\u00e4ndnisses. Will GraSS uns nahe legen, da\u00df er vor aller Welt zum Bruderm\u00f6rder gestempelt sei, und das auch noch zu Unrecht, jedenfalls ohne pers\u00f6nliche Schuld \u2013 gewisserma\u00dfen stellvertretend f\u00fcr die ganze Waffen-SS, ja das NS-Regime insgesamt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit gebeugtem Nacken ehrf\u00fcrchtig \u00fcber Vitrinen stehen, Manuskripte entziffern, verbla\u00dfte und an den R\u00e4ndern abgesto\u00dfene Fotografien anschauen und doch wenig darauf erkennen: So stellt man sich die Gruppe 47 vor. Die lautesten Anti\u2013Nazis waren die H\u00f6llerers, die Jens und die Lenz, die Wapnewskis und die H\u00f6fers und die Schneiders. Mit ihrer hysterischen Vergangenheitsbew\u00e4ltigung versuchten sie sich zu sch\u00fctzen, und doch blieb ein Teil von ihnen genau das, was sie so ha\u00dften und f\u00fcrchteten und verfolgten: sie blieben verhaftet im Nationalsozialismus. Sie wurden zu Apologeten des Widerstandes \u2013 gegen den demokratischen Staat. Mit ihrem risikolosen Mut glaubten die Opportunisten ihre R\u00fcckkehr in die Zivilisation sichern zu k\u00f6nnen. Leute wie GraSS und dessen Epigonen haben von dieser Sprachlosigkeit profitiert, sie versch\u00e4rft und vergiftet. Noch immer gibt es keine Sprache, die es den Deutschen erlauben w\u00fcrde, ihrer historischen Wirklichkeit zu begegnen. Damit sind sie bis heute zur Verlogenheit verdammt. Je mehr wir von unserer Vergangenheit sprechen, desto mehr unterschlagen wir sie. Je geschichtsbesessener wir agieren, desto geschichtsvergessener werden wir. Je mehr Vergangenheit wir bew\u00e4ltigen, desto mehr Vergangenheit vergewaltigen wir. Auch die neue Liberalit\u00e4t ist nur ein weiterer Fluchtversuch. Sie gibt der Nachdenklichkeit und der Trauer keinen Raum. Sie macht uns alle zu Geiseln unserer Belanglosigkeit. Angesichts der immergleichen Nazi\u2013Debatten und immergleichen Gebi\u00dftr\u00e4ger wird ersichtlich: f\u00fcr die J\u00fcngeren ist in diesem Land kein Platz. Die Alten, die die Nazizeit noch erlebt haben, verstellen ihnen mit ihren NS\u2013Selbstbespiegelungen die Sicht. Wie eine kaputte Schallplatte h\u00e4ngt sie bei der Beschw\u00f6rung ,,Nie wieder Auschwitz\u2018\u2018 fest \u2013eine Leerformel, die mit wirklich allem gef\u00fcllt werden kann. Mit der Auseinandersetzung um GraSS werden noch einmal die alten K\u00e4mpfe einer untergegangenen BRD ausgefochten. Diese Diskussion wirkt wie aus der Zeit gefallen, so als bef\u00e4nde man sich in einer \u00e4sthetischen L\u00fccke zwischen den Epochen. Sie hat nichts Zeitgen\u00f6ssisches an sich. Die Historizit\u00e4t der erz\u00e4hlten Geschichte wird durch die bewu\u00dft archaisierend\u2013lyrische Sprache transportiert die Schwingungen altert\u00fcmlicher Redeweisen ins 21. Jahrhundert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sunt lacrimae rerum&#8230; Tr\u00e4nen sind in allen Dingen&#8230; Vergils \u00c4neas sagt diese Worte, als er in Didos Palast Wandbilder vom Untergang Trojas entdeckt und sieht, wie der wehrlose Priamus erschlagen wird. Die Erde weint. Die Erde weint auch \u00fcber die Opfer des deutschen W\u00fctens. Mahnmale und Museen ehren sie und die Kultur, die unterging, als sie umgebracht wurden. Aber am Ende finden die \u00fcberall gegenw\u00e4rtige Totenklage und die Trauer um die Opfer ihre klarste Stimme in einer Handvoll von Werken der gro\u00dfen Literatur, den B\u00fcchern von Primo Levi, Tadeusz Borowski und Paul Celan. GraSS geh\u00f6rt nicht mehr dazu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem Alterstarrsinn erinnert GraSS an Erich Honnecker. In der R\u00fcckschau auf 1989 haben sich die Illusionen der postbourgeoisen Arrieregarde jener Jahre in ihre K\u00f6pfe einzementiert. Der Sozialismus, so geht die Legende, bestand haupts\u00e4chlich aus fr\u00f6hlichem Jugendleben. H\u00e4\u00dfliche Hosen, aber gewagte Dissidentenpartys. Wenig Freiheit, aber viel Sex. Erinnerungen sind phantasieanf\u00e4llig, und ein Gro\u00dfteil des Lebens ist somit ausgedacht. Diese Vorurteile m\u00fcssen aufgesprengt werden, sie m\u00fc\u00dften einer gesch\u00e4rften Sensibilit\u00e4t der historischen Wahrnehmung weichen, wenn wir die Realit\u00e4t jener \u201eWende\u201c durchdringen wollen, von der wir damals f\u00fcrchteten, da\u00df sie die zweite &#8222;zwischen den Kriegen&#8220; sein k\u00f6nnte. Die Klischees, die seit Jahren in Umlauf sind \u2013 von einem Buch ins n\u00e4chste verschleppt, von einem Feuilleton in zehn andere multipliziert, verkleben uns den Blick. Die Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts ist wesentlich komplizierter als dieses plumpe Freund\/Feind\u2013Denken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-104656 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Grass-104x300.jpg\" alt=\"\" width=\"104\" height=\"300\" \/>PS Ein ganz unbarocker, virtuos redigierter GraSS ist im New Yorker zu <a href=\"http:\/\/www.newyorker.com\/reporting\/2007\/06\/04\/070604fa_fact_grass\">lesen<\/a>, wo aus der geh\u00e4uteten Zwiebel ein stark reduzierter Fond gekocht wurde: &#8222;Der Text &#8218;How I spent the war&#8216; ist nicht der Vorabdruck eines Kapitels aus dem Buch von GrasSS. Er ist eine atemberaubende Strichfassung, die ihr dreizehnseitiges Kondensat aus \u00fcber hundert Druckseiten des deutschen Originals gewinnt. Ihr Ehrgeiz ist: den Kern der Zwiebel zu bewahren. Und nur ihn. K\u00fchn streicht sie die Metapher der Zwiebel und den gesamten epischen Apparat des Verkapselns und Heraussch\u00e4lens. Virtuos handhabt sie das Messer, mit dem sie hier einen Halbsatz, dort zwei ganze S\u00e4tze oder ganze Seiten wegschneidet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Smells like Gerontokratie Die Frage mu\u00df erlaubt sein, ob Autoren nicht wie jeder andere Mensch auch ein Recht auf Rente haben. 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