{"id":15133,"date":"2013-05-18T00:45:09","date_gmt":"2013-05-17T22:45:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15133"},"modified":"2022-06-13T13:38:41","modified_gmt":"2022-06-13T11:38:41","slug":"aufforderung-zu-dagegenandenken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/05\/18\/aufforderung-zu-dagegenandenken\/","title":{"rendered":"Aufforderung zu Dagegenandenken"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da sich KUNO in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf \u201aTwitteratur\u2019 legt, stellen wir in loser Folge gerne Aphorismen vor. Diese Form ist streng, und gerade diese Strenge erweist sich als ungemein befruchtend, ein Prozess der Reduktion und Dekonstruktion, der unverhofft zu neuen Sinnverkn\u00fcpfungen und Einsichten f\u00fchrt. Was\u00a0 an Wolfgang Mockers Haltung auff\u00e4llt, ist seine Selbstironie, die sich nicht nur in einem Untertitel wie <em>Euphorismen und andere Anderthalbwahrheiten<\/em> ausdr\u00fcckt. Charmanter l\u00e4\u00dft sich die Findung der eigenen Bestimmung als Autor kaum ausdr\u00fccken:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAnfang der 70er Jahre schrieb ich schlechte Gedichte. Einige hatten gute Pointen. Ich ging dazu \u00fcber, nur noch die Pointen aufzuschreiben, und erfuhr, da\u00df man so was Aphorismen nennt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Der Preis daf\u00fcr, dass wir fast alles kaufen k\u00f6nnen: dass wir fast alle k\u00e4uflich sind.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wolfgang Mocker hat lange als Autor f\u00fcr den Eulenspiegel gearbeitet. Diese satirische Sch\u00e4rfe merkt man seinen Aphorismen an. Es steht kein Trost mehr in der Sichtachse, echter oder falscher, der Blick aufs Ende wird be\u00e4ngstigend\u00a0frei. Er nannte Lichtenberg, Kraus und Lec als aphoristische Vorbilder. Und hinter diesen Autoren braucht er sich keineswegs zu verstecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Das Leben ist der Bau eines Hauses, das p\u00fcnktlich zum Richtfest abgerissen wird.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Jean Am\u00e9ry <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zukunft gibt es zu jeder Zeit; aber man denkt sich je etwas Verschiedenes\u00a0dabei. Der KUNO Rezensent Tobias Gr\u00fcterich hat mit <em>Zwischen den Zw\u00e4ngen<\/em> einen schl\u00fc\u00dfigen Band des leider zu fr\u00fch gestorbenen Mocker zusammengestellt. Von den 212 Aphorismen sind fast die H\u00e4lfte aus dem unver\u00f6ffentlichten Nachlass erstmals der Leserschaft zug\u00e4nglich. In ihrer Mittelbarkeit, in den semantischen Ketten, die diese Aphorismen ausl\u00f6sen, liegt ihr Reiz.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Die organisierte Kriminalit\u00e4t ist r\u00fcckl\u00e4ufig. Das hei\u00dft, sie ist jetzt noch besser organisiert.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em> Die Zeit der anderen Auslegung wird anbrechen<\/em>, hei\u00dft es in Rilkes <em>Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge<\/em>. Auch Wolfgang Mocker beschreibt eine Gesellschaft im Umbruch. Diese res\u00fcmierende Verlorenheit, Entwurzelung l\u00e4\u00dft sich auf anderer Ebene auch als Heimkehr der Nachkommen lesen, S\u00f6hne oder Enkel, die nichts mehr vorfinden vom Land ihrer V\u00e4ter. <em>Zwischen den Zw\u00e4ngen<\/em> gew\u00e4hrt den optimalen Einstieg in ein Werk, das im Laufe von 30 Jahren entstand. F\u00fcr alle Kenner ist es eine aufregende Wiederbegegnung mit einem Meister seines Fachs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Zwischen den Zw\u00e4ngen<\/strong>, von Wolfgang Mocker, mergard 2013<\/p>\n<div id=\"attachment_15134\" style=\"width: 188px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/zwischen_den_zwaengen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15134\" class=\"wp-image-15134 size-medium\" title=\"zwischen_den_zwaengen\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/zwischen_den_zwaengen-178x300.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/zwischen_den_zwaengen-178x300.jpg 178w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/zwischen_den_zwaengen.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 178px) 100vw, 178px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15134\" class=\"wp-caption-text\">Zwischen den Zw\u00e4ngen<\/p><\/div>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>,<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Da sich KUNO in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf \u201aTwitteratur\u2019 legt, stellen wir in loser Folge gerne Aphorismen vor. 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