{"id":14982,"date":"2013-04-15T00:01:44","date_gmt":"2013-04-14T22:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14982"},"modified":"2026-04-09T04:31:41","modified_gmt":"2026-04-09T02:31:41","slug":"zombies-sind-keine-menschen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/04\/15\/zombies-sind-keine-menschen\/","title":{"rendered":"\u201eZombies sind keine Menschen.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bundesverfassungsgericht ist so etwas wie das Orakel der Demokratie in <em>diesem unserem Lande<\/em> geworden. Immer wenn Politiker nicht mehr weiter wissen oder einfach nur unf\u00e4hig sind, Entscheidungen zu treffen, rufen sie Karlsruhe an, damit dort ein Urteil <em>im Namen des Volkes<\/em> herbeigef\u00fchrt wird. Eine der interessanten \u00c4u\u00dferungen der Menschen in den roten Roben d\u00fcrfte die Frage sein, ob ein Film gegen die Menschenw\u00fcrde verst\u00f6\u00dft, der die grausame T\u00f6tung von Zombies (&#8222;lebender Toter&#8220;) zeigt:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201eZombies sind keine Menschen.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Walking-Dead-202x3001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-14999 alignright\" title=\"Walking-Dead-202x300\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Walking-Dead-202x3001.jpg\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"300\" \/><\/a>\u00dcber die \u201eDie Gegenwart des Untoten\u201c <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/aktuell\/feuilleton\/uebersicht\/die-gegenwart-des-untoten-1.18066778)\">denkt<\/a> Ueli Bernays heute in der NZZ nach, entdeckt eine Konjunktur von Zombies in der Pop-Kultur und sieht ihre Ursache in der sogenannten Retromanie. Er betrachtet dabei apokalyptische Comics wie \u00abWalking Dead\u00bb und das Untote in Tracks und Serien.\u00a0Bernays versucht sehr umwegig, Zombies\u00a0 kulturtheoretisch zu deuten: \u201eals vegetierende Subjekte sinnentleerter Rituale. Oder als verdr\u00e4ngte Untote, die in keiner Tradition und Geschichte Ruhe gefunden haben und sich nun im Zeichen des Retro-Stillstands ins Bewusstsein zur\u00fcckschleichen. Und was immer K\u00fcnstler nun schaffen \u2013 stets macht ihnen ein Untoter die Gegenwart streitig.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider ereicht Bernays in keiner Phase seines Artikel auch nur ann\u00e4hernd die Originalit\u00e4t eines Slavoj \u017di\u017eek, der gestern in der SZ einen interessanten Vergleich zog:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/WhiteZombiePlakat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-14985\" title=\"WhiteZombiePlakat\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/WhiteZombiePlakat-300x230.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"230\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/WhiteZombiePlakat-300x230.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/WhiteZombiePlakat.jpg 390w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201eEs gibt da einen tollen Film von 1932 \u201aWhite Zombie&#8216;. In Haiti f\u00fchrt Bela Lugosi jemanden durch eine Fabrik, in der er ausschlie\u00dflich Zombies f\u00fcr sich arbeiten l\u00e4sst. Lugosi erkl\u00e4rt, wie wunderbar das funktioniert: Die Zombies sind immer wach, beschweren sie nie \u00fcber \u00dcberstunden und bilden keine Gewerkschaften. Das f\u00fchrt direkt zu meiner Theorie, dass im Horrorfilm eigentlich ein Klassenkampf zwischen Vamipiren und Zombies inszeniert wird. Vampire sind ja meistens Aristokraten, leben mitten in der Gesellschaft und alles funktioniert normal, bis darauf, dass sie nachts ein bisschen Blut trinken. Erst wenn die Zombies kommen wird das alles anders: das ist die Revolution.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>A.J. Weigoni ist ein genialer Decouvreur von Alltagsmythen, ein Demonteur von Sprache auf hohem Niveau.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Wolfgang Schlott<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlechte Zeiten sind gute Zeiten f\u00fcr Satiriker. Und die Zeiten der Bankenkrise ist nicht gerade rosig. Der gro\u00dfe literarische Satiriker der Gegenwart ist aber noch zu entdecken. Sein Name, dieser Verdacht mehrt sich zumindest in deutschen Sprachraum, k\u00f6nnte A.J. Weigoni sein. Ein guter Einstieg in sein Werk sind die <em>Zombies<\/em>, die unter Weigoni-Kennern als seine bislang zug\u00e4nglichste gilt. Diese Erz\u00e4hlungen sind haarstr\u00e4ubend, absto\u00dfend, r\u00fchrend und witzig, man\u00a0 liest von Dystopien und Alltagskrisen, Trag\u00f6dien und Peinlichkeiten, bis man das eine kaum noch vom anderen unterscheiden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/sky_logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-14989\" title=\"sky_logo\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/sky_logo-300x130.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"130\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/sky_logo-300x130.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/sky_logo.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die Literaturkritikerin Jessica Dahlke erkl\u00e4rte Weigonis <em>Zombies<\/em> zum <a href=\"http:\/\/www.kult-literaten.de\/zombies\">Kultschatz<\/a>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Mit \u201eThe Walking Dead\u201c ist das Trash-Genre Zombies seriell geworden. Die Frage ist, kann man daraus gute Literatur machen? Die Antwort lautet ja. Und zwar A.J. Weigoni, der in seinem neuen Roman \u201eZombies\u201c zeigt, dass es keinen Virus oder Totenkult braucht, um aus uns allen Zombies zu machen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der Novellenband <em>Cyberspasz, a real virtuality<\/em> stie\u00df bei ihr auf positive <a href=\"http:\/\/www.kult-literaten.de\/cyberspasz\">Resonanz<\/a>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eA.J. Weigoni ist einer der wenigen deutschen Schriftsteller, die die Aufgabe des kulturellen Sichtbarmachens voll und ganz beherrschen, ohne didaktisch den Finger zu heben. Seine Meisterschaft im Umgang mit Sprache und Metaphern zerrt das an die Oberfl\u00e4che, was vor den meisten Menschen versteckt bleiben will.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p><strong>Zombies<\/strong>, Erz\u00e4hlungen von A.J. Weigoni, Edition Das La\u00adbor, M\u00fclheim an der Ruhr 2010.<\/p>\n<div id=\"attachment_107156\" style=\"width: 82px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-107156\" class=\"wp-image-107156 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Zombies_Cover-72x300.jpg\" alt=\"\" width=\"72\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-107156\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Anja Roth<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> KUNO \u00fcbernimmt einen Artikel von Karl Feldkamp aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/07\/tote-lebende\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und von Jo Wei\u00df <span data-offset-key=\"cphj4-0-0\">aus der vom Netz gegangenen<\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/02\/18\/turbokapitalistischer-realismus\/\">fixpoetry<\/a>. Enrik Lauer stellt den Band unter <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/09\/01\/unter-kanonverdacht\/\">Kanonverdacht<\/a>. Betty Davis sieht darin die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/18\/zur-gegenwartslage-der-literatur\/\">Gegenwartslage der Literatur<\/a>, Margaretha Schnarhelt kennt den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/01\/18\/bissfest\/\">Ausgangspunkt<\/a> und Constanze Schmidt erkennt literarische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/23\/polaroids-von-den-schattenseiten-der-gesellschaft\/\">Polaroids<\/a>. Holger Benkel beobachtet <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/25\/kleine-damonen-auf-tour\/\">Kleine D\u00e4monen auf Tour<\/a>. Ein Essay \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/01\/18\/der-sudelbuchschreiber\/\">Unlust am Leben, Angst vor\u2019m Tod<\/a>. F\u00fcr Jesko Hagen bleiben die Untoten auch weiterhin <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/12\/die-untoten-sind-lebendig\/\">lebendig<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Bundesverfassungsgericht ist so etwas wie das Orakel der Demokratie in diesem unserem Lande geworden. Immer wenn Politiker nicht mehr weiter wissen oder einfach nur unf\u00e4hig sind, Entscheidungen zu treffen, rufen sie Karlsruhe an, damit dort ein Urteil im&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/04\/15\/zombies-sind-keine-menschen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":107156,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,1209,963,2397,1158],"class_list":["post-14982","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-bela-lugosi","tag-jessica-dahlke","tag-slavoj-zizek-2","tag-wolfgang-schlott"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14982","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14982"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14982\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":107158,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14982\/revisions\/107158"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/107156"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14982"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14982"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14982"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}