{"id":14965,"date":"2013-12-02T12:00:24","date_gmt":"2013-12-02T11:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14965"},"modified":"2019-10-05T18:19:47","modified_gmt":"2019-10-05T16:19:47","slug":"rosenkavalier-unchained","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/02\/rosenkavalier-unchained\/","title":{"rendered":"Rosenkavalier Unchained"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/christoph-waltz-django-unchained-wallpaper.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-14968\" title=\"christoph-waltz-django-unchained-wallpaper\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/christoph-waltz-django-unchained-wallpaper-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/christoph-waltz-django-unchained-wallpaper-300x168.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/christoph-waltz-django-unchained-wallpaper-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/christoph-waltz-django-unchained-wallpaper.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Der Wagner-Kenner Christoph Waltz wird im Dezember in Antwerpen Richard Strauss\u2019 <em>Rosenkavalier<\/em> inszenieren. Diese Oper gilt als s\u00fcssliches Schmankerl f\u00fcr Stimmfetischisten und Ausstattungs\u2013Kulinariker, in dem Richard Strauss und sein Librettist Hugo von Hofmannsthal sich ein ziemlich artifizielles Maria\u2013Theresia\u2013Wien herbei tr\u00e4umten und der Komponist seinen Hut tief vor Mozart, besser gesagt vor seinem Verst\u00e4ndnis von Mozart zog. Im FAZ-Gespr\u00e4ch mit Eleonore B\u00fcning entpuppte er sich als eifriger Operng\u00e4nger, der auch Neue Musik nicht scheut &#8211; wohl aber ein allzu krasses Regietheater:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Regisseur muss erst mal eine Geschichte erz\u00e4hlen wollen. Dass das schiefgehen kann, ist erlaubt, und manchmal ist es sogar gut. Wenn ich aber eine andere Geschichte erz\u00e4hle, als die von Strauss und Hofmannsthal, dann brauche ich ja nicht unbedingt deren St\u00fcck herzunehmen, nur, damit ich was zum Verbiegen habe! Dann kann ich doch gleich meine eigne Story erfinden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hofmannsthals Libretto zum Rosenkavalier lehnt sich an den Roman Die Abenteuer des Chevalier Faublas von Jean-Baptiste Louvet de Couvray und Moli\u00e8res Kom\u00f6die Der Herr aus der Provinz an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die handelnden Personen hat Hofmannsthal als dramatische Figuren geschaffen, sie stehen dem Menschen n\u00e4her als der Theaterfigur herk\u00f6mmlicher Art. Die Personen entstammen dem franz\u00f6sischen Roman und haben Vorbilder in den Figuren der italienischen Commedia dell\u00b4arte. Sie sind aber nicht mehr nur reine Typen wie dort und stehen au\u00dferdem in einem engen Beziehungsgeflecht. Die Menschenn\u00e4he der Hofmannsthalschen dramatischen Figuren spricht daher den Zuschauer sehr stark an und l\u00e4sst ihn mitf\u00fchlen. Hofmannsthal schildert sp\u00e4ter in einer R\u00fcckschau die Anf\u00e4nge des &#8222;Rosenkavalier&#8220; folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Gestalten waren da und agierten vor uns, noch ehe wir Namen f\u00fcr sie hatten: der Buffo, der Alte, die Junge, die Dame, der \u201aCherubin\u2018. (&#8230;) Aus dem ewig typischen Verh\u00e4ltnis der Figuren zueinander entsprang die Handlung, fast ohne da\u00df man wu\u00dfte, wie. Einer braucht den andern, nicht nur auf dieser Welt, sondern sozusagen auch im metaphysischen Sinn. (&#8230;) Sie geh\u00f6ren alle zueinander, und was das Beste ist, liegt zwischen ihnen: es ist augenblicklich und ewig, und hier ist Raum f\u00fcr Musik.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hofmannsthal schuf jedoch menschennahe Figuren mit menschlichen Z\u00fcgen, mit Humor, mit einem gewissen Schicksal, mehr als er vielleicht selbst ahnte, durch seine Sprachkunst, die er den Figuren in den Mund legt. Daher steht der Zuschauer der Handlung und den Figuren nicht gleichg\u00fcltig gegen\u00fcber. Man nimmt als Zuschauer Anteil am B\u00fchnengeschehen, wie nur bei ganz wenigen St\u00fccken. Darin mag das Geheimnis des Erfolgs und der Liebe der Zuschauer diesem Meisterwerk der Musikb\u00fchne gegen\u00fcber bestehen. Hofmannsthal erfand f\u00fcr dieses St\u00fcck eine eigene Sprache, die dem wienerischen Dialekt nahe steht. Der Text selbst geh\u00f6rt heute zur Weltliteratur, und das ist unter den Texten (Libretti) f\u00fcr die Musikb\u00fchne sehr selten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hofmannsthal betonte auch, dass der Text nicht versuchen wolle, die historische Zeit des Rokoko wieder auferstehen zu lassen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vielmehr sei \u201emehr von der Vergangenheit in der Gegenwart als man ahnt. Dahinter war der geheime Wunsch, ein halb imagin\u00e4res, halb reales Ganzes entstehen zu lassen, dies Wien um 1740, eine ganze Stadt mit ihren St\u00e4nden, die sich gegeneinander abheben und miteinander mischen, mit ihrem Zeremoniell, ihrer sozialen Stufung, ihrer Sprechweise oder vielmehr ihren nach den St\u00e4nden verschiedenen Sprechweisen, mit der geahnten N\u00e4he des gro\u00dfen Hofes \u00fcber dem allen, mit der immer gef\u00fchlten N\u00e4he des Volkselementes.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Rosenkavalier ist ein Gegenwartsst\u00fcck, bezogen auf das \u00d6sterreich der Zeit um 1910. Es l\u00e4sst sich als Kritik auf die Sitten der Donaumonarchie lesen \u2013 der Hofmannsthal selbst aber doch anhing \u2013 oder als eine Apologie des heiligen Ehestandes: Im St\u00fcck verborgen liegt eine konservative Tendenz, die Verkommenheit des Ehebrechers und L\u00fcstlings zu entlarven und zu demontieren, um am Schluss die eheliche Liebe triumphieren zu lassen. Sophie betet vor der Ankunft des Barons zu Gott: \u201eDie Mutter ist tot und ich bin ganz allein. F\u00fcr mich selber steh ich ein. Aber die Ehe ist ein heiliger Stand\u201c. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Liebesrausch und ehelicher Bindung ist im St\u00fcck selbst nicht so eindeutig, wie es den Anschein hat; der junge Octavian tr\u00e4gt auch gewisse Z\u00fcge des L\u00fcstlings Baron Ochs; Sophie ist keine keusche Braut, sondern l\u00e4sst sich verf\u00fchren, obwohl sie zur Ehe versprochen wurde. Ob die Ehe zwischen Sophie und Octavian am Ende tats\u00e4chlich geschlossen wird, bleibt offen. Hofmannsthal selbst machte einmal die Aussage, was er \u00fcber die Ehe zu sagen habe, habe er in seinen Kom\u00f6dien gesagt. F\u00fcr ihn war die Ehe das christliche Sakrament. Diese Aussage sollte der Ansatz zur Deutung des Werkes sein. Christoph Waltz \u00fcber seinen Ansatz:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was man jeden Tag im Fernsehen sehen kann, finde ich, ist noch viel mehr erfundene Zeit und erfundene Situation. Ich denke mir, wir k\u00f6nnen heute schon ganz gut damit umgehen, dass etwas erfunden ist oder, besser gesagt, wir haben mit dem Erfundenen mittlerweile mehr Erfahrung als mit dem Nicht\u2013Erfundenen. Das ist alles unwirklich im \u201eRosenkavalier\u201c, ja, aber es ist eben auch Theater. Und noch mal zum Unterschied zwischen Theater und Oper: Bei einem Text kann man immer sagen, dass wir etwas zwischen den Zeilen lesen. Wir fragen uns als Schauspieler: Was lasse ich durchscheinen? Und so weiter.&nbsp; Das ist nicht nur durch Betonung oder Phrasierung oder Dynamik zu erzielen, das ist eine gedankliche Sache. In der Oper aber kann man gleich mith\u00f6ren, was da zwischen den Zeilen passiert. Man kann in der Musik sogar zugleich Gegens\u00e4tzliches h\u00f6ren!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Ansatz ist das Faktum &#8222;Zeit&#8220;. Hofmannsthal l\u00e4sst die Feldmarschallin \u00fcber die Zeit reflektieren, wie sie dahinflie\u00dft und was sie bewirkt, im Schicksal des Menschen und im Menschen selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehr Informationen auf der <a href=\"http:\/\/vlaamseopera.be\/nl\/\">Hompage<\/a> der Oper Antwerpen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wagner-Kenner Christoph Waltz wird im Dezember in Antwerpen Richard Strauss\u2019 Rosenkavalier inszenieren. 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