{"id":14631,"date":"2019-07-25T00:01:47","date_gmt":"2019-07-24T22:01:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14631"},"modified":"2022-02-25T10:54:11","modified_gmt":"2022-02-25T09:54:11","slug":"die-buhnenkomposition-und-die-kunste","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/07\/25\/die-buhnenkomposition-und-die-kunste\/","title":{"rendered":"Die B\u00fchnenkomposition und die K\u00fcnste"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_14651\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/220px-RichardWagner.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14651\" class=\"size-medium wp-image-14651\" title=\"220px-RichardWagner\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/220px-RichardWagner-215x300.jpg\" alt=\"\" width=\"215\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/220px-RichardWagner-215x300.jpg 215w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/220px-RichardWagner.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14651\" class=\"wp-caption-text\">Richard Wagner<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u203aBlauen Reiter\u2039 hat Kandinsky eine Kritik des Wagnerschen \u203aGesamtkunstwerks\u2039 geschrieben zugunsten des Monumental-Kunstwerks der Zukunft. Seine Kritik richtet sich gegen die Ver\u00e4u\u00dferlichung jeder einzelnen der von Wagner zum Gesamtkunstwerk herangezogenen K\u00fcnste, die nur zur Steigerung des Ausdrucks, zur Unterstreichung und Bekr\u00e4ftigung des Ausdrucks, zuwider den ihnen immanenten Kunstgesetzen verwandt wurden. Kandinskys Idee einer monumentalen B\u00fchnenkomposition geht von entgegengesetzten Voraussetzungen aus. Ihm schwebt ein Gegeneinander der einzelnen K\u00fcnste, eine symphonische Komposition vor, in der die einzelnen auf ihr Wesentliches zur\u00fcckgef\u00fchrten K\u00fcnste als Elementarformen nur die Noten abgeben zu einer Konstruktion oder Komposition auf der B\u00fchne, die jede der einzelnen K\u00fcnste als selbstst\u00e4ndiges Darstellungsmaterial gelten l\u00e4\u00dft und aus der Mischung dieses gereinigten Materials ein neues Kunstwerk das Monumentalkunstwerk der Zukunft schafft. In zwei solchen B\u00fchnenkompositionen, dem im \u203aBlauen Reiter\u2039 gedruckten \u203aGelben Klang\u2039 und dem noch ungedruckten \u203aVioletten Vorhang\u2039, hat Kandinsky seine Theorie praktisch erf\u00fcllt. Vielleicht nur schematisch erf\u00fcllt. Sein in dieser Form vielleicht relatives Talent besagt nichts gegen die Genialit\u00e4t der ideelen Konzeption, die selbst Schriftstellern von der Abgewogenheit Ibsens, Maeterlinks, Andrejews gegen\u00fcber eine starke, umst\u00fcrzende Gewalt erweisen w\u00fcrde, wenn man sie endlich mit Liebe einmal auf die B\u00fchne br\u00e4chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die B\u00fchnenkomposition nach Kandinsky soll bestehen aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. musikalischer Ton und seine Bewegung,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. k\u00f6rperlich-seelischer Klang und seine Bewegung, durch Menschen und Gegenst\u00e4nde ausgedr\u00fcckt,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. farbiger Ton und seine Bewegung (eine spezielle B\u00fchnenm\u00f6glichkeit).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Kandinsky unter dem ersten und dritten Punkt versteht, ist nach allem Vorangegangenen klar. \u00dcber den k\u00f6rperlich-seelischen Klang und seine Bewegung durch den Menschen und Gegenst\u00e4nde, also \u00fcber den Tanz (im weitesten Verstande), schreibt er: \u00bbEine sehr einfache Bewegung, von welcher das Ziel unbekannt ist, wirkt schon an und f\u00fcr sich als eine bedeutende, geheimnisvolle, feierliche. Auf diesem Prinzip sollte und wird der \u203aneue Tanz\u2039 gebaut werden, der das einzige Mittel ist, die ganze Bedeutung, den ganzen inneren Sinn der Bewegung in Zeit und Raum auszun\u00fctzen. Wir stehen vor der Notwendigkeit der Bildung des neuen Tanzes, des Tanzes der Zukunft. Dasselbe Gesetz der unbedingten Ausn\u00fctzung des inneren Sinnes der Bewegung, als des Hauptelementes des Tanzes, wird auch hier wirken und zum Ziele bringen. Ebenso wie in der Musik oder in der Malerei kein \u203ah\u00e4\u00dflicher\u2039 Klang und keine \u00e4u\u00dfere \u203aDissonanz\u2039 existiert, so wird bald auch im Tanze der innere Wert jeder Bewegung gef\u00fchlt und es wird die innere Sch\u00f6nheit die \u00e4u\u00dfere ersetzen. Den unsch\u00f6nen Bewegungen entstr\u00f6men sofort eine ungeahnte Gewalt und lebendige Kraft. Von diesem Augenblick an beginnt der Tanz der Zukunft.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Piper hat Kandinsky eine Sammlung Gedichte erscheinen lassen, die er \u203aKl\u00e4nge\u2039 nennt. Als der Erste auch in der Poesie hat Kandinsky rein spirituelle Vorg\u00e4nge dargestellt. Mit den einfachsten Mitteln gestaltet er in den \u203aKl\u00e4ngen\u2039 Bewegung, Wachstum, Farbe und Ton, etwa in \u203aFagott\u2039. Die Negierung der Ilusion geschieht hier noch durch Gegeneinanderstellen sich aufhebender Illusionselemete, die der konventionellen Sprache entnommen sind. Nirgendwo, auch bei den Futuristen nicht, hat man eine \u00e4hnlich k\u00fchne Purifikation der Sprache versucht. Und Kandinsky ist auch den letzten Schritt noch weitergegangen. Er hat im \u203aGelben Klang\u2039 als Erster den abstraktesten Lautausdruck, der nur aus harmonisierten Vokalen und Konsonanten besteht, gefunden und angewandt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-99423\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Hugo_Ball_Cabaret_Voltaire-e1645506781248.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die K\u00fcnstler der Werkstattgalerie Der Bogen in Arnsberg haben einen Hang zum Gesamtkunstwerk. Im Rahmen der De-Industrialisierung werden ehemalige Fabrikgeb\u00e4ude zu Orten der Kunst. Diese ehemals toten Orte werden zu Auff\u00fchrungsorten f\u00fcr Musik, Theater, Literatur und Film, Bildende Kunst, Tanz und Performance verwandelt wurden. Im Zentrum stehen sparten\u00fcbergreifende neue Produktionen, Urauff\u00fchrungen und Neuinszenierungen, die die Besonderheiten der jeweiligen Spielst\u00e4tten aufgreifen: Schauspiel und Oper verbinden sich in ehemaligen Maschinenhallen und Kokereien mit Entwicklungen in der Literatur, Bildenden Kunst, der Pop- und Konzertmusik. Ein altes Backsteingeb\u00e4ude aus der gro\u00dfen Zeit der Leuchtenindustrie beherbergt inzwischen das <i>Kunst-Werk<\/i> und die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=23600\">Werkstattgalerie <i>Der Bogen<\/i><\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span data-offset-key=\"d1cl-0-0\">KUNO erinnert in diesem Zusammenhang an <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/10\/13\/630_gesamtkunstwerk\/\"><em>630<\/em><\/a>, ein Buch\/Katalog-Projekt von Peter Meilchen, Tom T\u00e4ger und A.J. Weigoni.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die\u00a0bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im \u203aBlauen Reiter\u2039 hat Kandinsky eine Kritik des Wagnerschen \u203aGesamtkunstwerks\u2039 geschrieben zugunsten des Monumental-Kunstwerks der Zukunft. 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