{"id":14621,"date":"2019-09-14T00:01:04","date_gmt":"2019-09-13T22:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14621"},"modified":"2022-02-25T10:52:01","modified_gmt":"2022-02-25T09:52:01","slug":"der-stil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/14\/der-stil\/","title":{"rendered":"Der Stil"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_14638\" style=\"width: 110px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Diehl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14638\" class=\"size-medium wp-image-14638\" title=\"Diehl\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Diehl-100x300.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14638\" class=\"wp-caption-text\">J\u00fcrgen Diehl<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die K\u00fcnstler in dieser Zeit sind nach innen gerichtet. Ihr Leben ist ein Kampf mit dem Irrsinn. Sie sind zerrissen, zerst\u00fcckt, zerhackt, falls es ihnen nicht gl\u00fcckt, f\u00fcr einen Moment in ihrem Werke das Gleichgewicht, die Balance, die Notwendigkeit und Harmonie zu finden. Die K\u00fcnstler in dieser Zeit schm\u00fccken nicht Jagdzimmer aus wie in der Renaissance. Sie erz\u00e4hlen nicht M\u00e4rchen wie im Rokoko, es fehlt ihnen sogar der Anla\u00df zur Verg\u00f6ttlichung, wie die Gotik und die fr\u00fche Renaissance ihn fanden. Die st\u00e4rkste Verwandtschaft haben ihre Werke noch mit den Angstmasken der primitiven Urv\u00f6lker, den Pest- und Schreckensmasken der Peruaner, Australier und Neger. Die K\u00fcnstler in dieser Zeit sind der Welt gegen\u00fcber Asketen ihrer Geistigkeit. Sie f\u00fchren ein tief verschollenes Dasein. Sie sind Vorl\u00e4ufer, Propheten einer neuen Zeit. Ihre Werke t\u00f6nen in einer nur erst ihnen bekannten Sprache. Sie stehen im Gegensatz zur Gesellschaft wie die Ketzer des Mittelalters. Ihre Werke philosophieren, politisieren, prophezeien zugleich. Sie sind Vorl\u00e4ufer einer ganzen Epoche, einer neuen Gesamtkultur. Man versteht sie schwer und nur dann, wenn man die innere Basis \u00e4ndert, wenn man bereit ist, zu brechen mit der Tradition eines Jahrtausends. Man versteht sie nicht, wenn man an Gott glaubt statt an das Chaos. Die K\u00fcnstler in dieser Zeit wendensich gegen sich selbst und gegen die Kunst. Auch die letzte, bisher unersch\u00fcttertste Basis wird ihnen Problem. Wie k\u00f6nnen sie noch n\u00fctzlich sein, oder vers\u00f6hnlich, oder beschreibend oder entgegenkommend? Sie l\u00f6sen sich ab von der Erscheinungswelt, in der sie nur Zufall, Unordnung, Disharmonie wahrnehmen. Sie verzichten freiwillig auf die Darstellung von Naturalien, die ihnen von allem Verzerrten das Verzerrteste scheinen. Sie suchen das Wesentliche, Geistige, noch nicht Profanierte, den Hintergrund der Erscheinungswelt, um dies, ihr neues Thema, in klaren, unmi\u00dfverst\u00e4ndlichen Formen, Fl\u00e4chen und Gewichten abzuw\u00e4gen, zu ordnen, zu harmonisieren. Sie werden Sch\u00f6pfer neuer Naturwesen, die kein Gleichnis haben in der bekannten Welt. Sie schaffen Bilder, die keine Naturnachahmung mehr sind, sondern eine Vermehrung der Natur um neue, bisher unbekannte Erscheinungsformen und Geheimnisse. Das ist der sieghafte Jubel dieser K\u00fcnstler, Existenzen zu schaffen, die man Bilder nennt, die aber neben einer Rose, einem Menschen, einem Abendrot, einem Kristall gleichwertigen Bestand haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Geheimnis der Kubisten ist der Versuch, die Konvention der Leinwandfl\u00e4che zu brechen, sie setzten auf die Leinwandfl\u00e4che eine und mehrere imagin\u00e4re Fl\u00e4chen, die sie als Basis nahmen. Das ganze Geheimnis Kandinskys ist, da\u00df er als der Erste und radikaler als die Kubisten alles Gegenst\u00e4ndliche als unrein ablehnte und auf die wahre Form, den Klang der Dinge, ihre Essenz, ihre Wesenskurve zur\u00fcckging. In Picasso, dem Faun, und in Kandinsky, dem M\u00f6nch, hat unsere Zeit ihre st\u00e4rksten k\u00fcnstlerischen Nenner gefunden. Bei Picasso die Finsternis, das Grauen und die Qual der Zeit, ihre Askese, ihre infernalische Fratze, ihr tiefes Leiden, ihr St\u00f6hnen und Grollen, ihre H\u00f6lle und namenlose Trauer, ihr Leichengesicht und den schwarzen Schmerz. Bei Kandinsky ihr Jubel, ihr Festtaumel, ihr Himmelssturm, ihre Erzengelfuge, ihre bunten Donquichoterien, ihre blauroten Marseillaisen, ihr Untergang gesegnet, ihr Aufschwung ein Cherubinenflug von gelb-blauen Fanfaren ins Unendliche gerufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-99423\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Hugo_Ball_Cabaret_Voltaire-e1645506781248.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"300\" \/>Im Mai 1915 emigrierte Hugo Ball gemeinsam mit Emmy Hennings in die Schweiz, wo er zun\u00e4chst in Z\u00fcrich wohnte. Er tingelte mit einem Variet\u00e9-Ensemble als Klavierspieler und Texter durch das Land. Schlie\u00dflich kam er in Kontakt mit der Tanzschule von Rudolf von Laban, die als Treffpunkt der Dadaismusbewegung galt. Im Februar 1916 gr\u00fcndete er mit Hans Arp, Tristan Tzara und Marcel Janco in Z\u00fcrich das Cabaret Voltaire, die als \u201eWiege des Dadaismus\u201d bezeichnet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14599\">Artikel<\/a> \u00fcber die Gr\u00fcndung des Cabaret Voltaire.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die K\u00fcnstler in dieser Zeit sind nach innen gerichtet. Ihr Leben ist ein Kampf mit dem Irrsinn. 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