{"id":14533,"date":"2013-06-16T00:01:07","date_gmt":"2013-06-15T22:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14533"},"modified":"2022-06-25T07:15:37","modified_gmt":"2022-06-25T05:15:37","slug":"die-deutsche-literatur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/16\/die-deutsche-literatur\/","title":{"rendered":"Die deutsche Literatur"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Wisse, da\u00df jedes Werk, das da wert war zu erscheinen, sogleich bei seiner Erscheinung gar keinen Richter finden kann; es soll sich erst sein Publikum erziehen und einen Richterstuhl f\u00fcr sich bilden. \u2013 \u2013 Spinoza hat \u00fcber ein Jahrhundert gelegen, ehe ein treffendes Wort \u00fcber ihn gesagt wurde; \u00fcber Leibniz ist vielleicht das erste treffende Wort noch zu erwarten, \u00fcber Kant ganz gewi\u00df. Findet ein Buch sogleich bei seiner Erscheinung seinen kompetenten Richter, so ist dies der treffende Beweis, da\u00df dieses Buch ebensowohl auch ungeschrieben h\u00e4tte bleiben k\u00f6nnen.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Worte sind von Johann Gottlieb Fichte, und wir setzen sie als Motto vor unsere Rezension des Menzelschen Werks, teils, um anzudeuten, da\u00df wir nichts weniger als eine Rezension liefern, teils auch, um den Verfasser zu tr\u00f6sten, wenn \u00fcber den eigentlichen Inhalt seines Buches nichts Ergr\u00fcndendes gesagt wird, sondern nur dessen Verh\u00e4ltnis zu anderen B\u00fcchern der Art, dessen \u00c4u\u00dferlichkeiten und besonders hervorstehende Gedankenspitzen besprochen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem wir nun zuv\u00f6rderst zu ermitteln suchen, mit welchen vorhandenen B\u00fcchern der Art das vorliegende Werk vergleichend zusammengestellt werden kann, kommen uns Friedrich Schlegels Vorlesungen \u00fcber Literatur fast ausschlie\u00dflich in Erinnerung. Auch dieses Buch hat nicht seinen kompetenten Richter gefunden, und wie stark sich auch in der letzteren Zeit, aus kleinlich protestantischen Gr\u00fcnden, manche absprechende Stimmen gegen Friedrich Schlegel erhoben haben, so war doch\u00a0noch keiner imstande, beurteilend sich \u00fcber den gro\u00dfen Beurteiler zu erheben; und wenn wir auch eingestehen m\u00fcssen, da\u00df ihm an kritischem Scharfblick sein Bruder August Wilhelm und einige neuere Kritiker, z.B. Willibald Alexis, Zimmermann, Varnhagen v. Ense und Immermann, ziemlich \u00fcberlegen sind, so haben uns diese bisher doch nur Monographien geliefert, w\u00e4hrend Friedrich Schlegel gro\u00dfartig das Ganze aller geistigen Bestrebungen erfa\u00dfte, die Erscheinungen derselben gleichsam wieder zur\u00fcckschuf in das urspr\u00fcngliche Sch\u00f6pfungswort, woraus sie hervorgegangen, so da\u00df sein Buch einem schaffenden Geisterliede gleicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die religi\u00f6sen Privatmarotten, die Schlegels sp\u00e4tere Schriften durchkreuzen und f\u00fcr die er allein zu schreiben w\u00e4hnte, bilden doch nur das Zuf\u00e4llige, und namentlich in den Vorlesungen \u00fcber Literatur ist, vielleicht mehr, als er selbst wei\u00df, die Idee der Kunst noch immer der herrschende Mittelpunkt, der mit seinen goldenen Radien das ganze Buch umspinnt. Ist doch die Idee der Kunst zugleich der Mittelpunkt jener ganzen Literaturperiode, die mit dem Erscheinen Goethes anf\u00e4ngt und erst jetzt ihr Ende erreicht hat, ist sie doch der eigentliche Mittelpunkt in Goethe selbst, dem gro\u00dfen Repr\u00e4sentanten dieser Periode \u2013 und wenn Friedrich Schlegel, in seiner Beurteilung Goethes, demselben allen Mittelpunkt abspricht, so hat dieser Irrtum vielleicht seine Wurzel in einem verzeihlichen Unmut. Wir sagen \u00bbverzeihlich\u00ab, um nicht das Wort \u00bbmenschlich\u00ab zu gebrauchen: die Schlegel, geleitet von der Idee der Kunst, erkannten die Objektivit\u00e4t als das h\u00f6chste Erfordernis eines Kunstwerks, und da sie diese im h\u00f6chsten Grade bei Goethe fanden, hoben sie ihn auf den Schild, die neue Schule huldigte ihm als K\u00f6nig, und als er K\u00f6nig war, dankte er, wie K\u00f6nige zu danken pflegen, indem er die Schlegel kr\u00e4nkend ablehnte und ihre Schule in den Staub trat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Menzels \u00bbDeutsche Literatur\u00ab ist ein w\u00fcrdiges Seitenst\u00fcck zu dem erw\u00e4hnten Werke von Friedrich Schlegel. Dieselbe Gro\u00dfartigkeit der Auffassung, des Strebens, der Kraft und des Irrtums. Beide Werke werden den sp\u00e4teren Literatoren Stoff\u00a0zum Nachdenken liefern, indem nicht blo\u00df die sch\u00f6nsten Geistessch\u00e4tze darin niedergelegt sind, sondern indem auch ein jedes dieser beiden Werke ganz die Zeit charakterisiert, worin es geschrieben ist. Dieser letztere Umstand gew\u00e4hrt auch uns das meiste Vergn\u00fcgen bei der Vergleichung beider Werke. In dem Schlegelschen sehen wir ganz die Bestrebungen, die Bed\u00fcrfnisse, die Interessen, die gesamte deutsche Geistesrichtung der vorletzten Dezennien und die Kunstidee als Mittelpunkt des Ganzen. Bilden aber die Schlegelschen Vorlesungen solcherma\u00dfen ein Literaturepos, so erscheint uns hingegen das Menzelsche Werk wie ein bewegtes Drama, die Interessen der Zeit treten auf und halten ihre Monologe, die Leidenschaften, W\u00fcnsche, Hoffnungen, Furcht und Mitleid sprechen sich aus, die Freunde raten, die Feinde dr\u00e4ngen, die Parteien stehen sich gegen\u00fcber, der Verfasser l\u00e4\u00dft allen ihr Recht widerfahren, als echter Dramatiker behandelt er keine der k\u00e4mpfenden Parteien mit allzu besonderer Vorliebe, und wenn wir etwas vermissen, so ist es nur der Chorus, der die letzte Bedeutung des Kampfes ruhig ausspricht. Diesen Chorus aber konnte uns Herr Menzel nicht geben wegen des einfachen Umstandes, da\u00df er noch nicht das Ende dieses Jahrhunderts erlebt hat. Aus demselben Grunde erkannten wir bei einem Buche aus einer fr\u00fcheren Periode, dem Schlegelschen, weit leichter den eigentlichen Mittelpunkt als bei einem Buche aus der jetzigsten Gegenwart. Nur soviel sehen wir, der Mittelpunkt des Menzelschen Buches ist nicht mehr die Idee der Kunst. Menzel sucht viel eher das Verh\u00e4ltnis des Lebens zu den B\u00fcchern aufzufassen, einen Organismus in der Schriftwelt zu entdecken, es ist uns manchmal vorgekommen, als betrachte er die Literatur wie eine Vegetation \u2013 und da wandelt er mit uns herum und botanisiert und nennt die B\u00e4ume bei ihren Namen, rei\u00dft Witze \u00fcber die gr\u00f6\u00dften Eichen, riecht humoristisch an jedem Tulpenbeet, k\u00fc\u00dft jede Rose, neigt sich freundlich zu einigen befreundeten Wiesenbl\u00fcmchen und schaut dabei so klug, da\u00df wir fast glauben m\u00f6chten, er h\u00f6re das Gras wachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits erkennen wir bei Menzel ein Streben nach\u00a0Wissenschaftlichkeit, welches ebenfalls eine Tendenz unserer neuesten Zeit ist, eine jener Tendenzen, wodurch sie sich von der fr\u00fcheren Kunstperiode unterscheidet. Wir haben gro\u00dfe geistige Eroberungen gemacht, und die Wissenschaft soll sie als unser Eigentum sichern. Diese Bedeutung derselben hat sogar die Regierung in einigen deutschen Staaten anerkannt, absonderlich in Preu\u00dfen, wo die Namen Humboldt, Hegel, Bopp, A. W. Schlegel, Schleiermacher etc. in solcher Hinsicht am sch\u00f6nsten gl\u00e4nzen. Dasselbe Streben hat sich, zumeist durch Einwirkung solcher deutschen Gelehrten, nach Frankreich verbreitet; auch hier erkennt man, da\u00df alles Wissen einen Wert an und f\u00fcr sich hat, da\u00df es nicht wegen der augenblicklichen N\u00fctzlichkeit kultiviert werden soll, sondern damit es seinen Platz finde in dem Gedankenreiche, das wir als das beste Erbteil den folgenden Geschlechtern \u00fcberliefern werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Menzel ist mehr ein enzyklop\u00e4discher Kopf als ein synthetisch wissenschaftlicher. Da ihn aber sein Willen zur Wissenschaftlichkeit dr\u00e4ngt, so finden wir in seinem Buche eine seltsame Vereinigung seiner Naturanlage mit seinem vorgefa\u00dften Streben. Die Gegenst\u00e4nde entsteigen daher nicht aus einem einzigen innersten Prinzip, sie werden vielmehr nach einem geistreichen Schematismus einzeln abgehandelt, aber doch erg\u00e4nzend, so da\u00df das Buch ein sch\u00f6nes, gerundetes Ganze bildet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Hinsicht gewinnt vielleicht das Buch f\u00fcr das gro\u00dfe Publikum, dem die \u00dcbersicht erleichtert wird und das auf jeder Seite etwas Geistreiches, Tiefgedachtes und Anziehendes findet, welches nicht erst auf ein letztes Prinzip bezogen werden mu\u00df, sondern an und f\u00fcr sich schon seinen vollg\u00fcltigen Wert hat. Der Witz, den man in Menzelschen Geistesprodukten zu suchen berechtigt ist, wird durchaus nicht vermi\u00dft, er erscheint um so w\u00fcrdiger, da er nicht mit sich selbst kokettiert, sondern nur der Sache wegen hervortritt \u2013 obgleich sich nicht leugnen l\u00e4\u00dft, da\u00df er Herrn Menzel oft dazu dienen mu\u00df, die L\u00fccken seines Wissens zu stopfen. H. M. ist unstreitig einer der witzigsten Schriftsteller Deutschlands, er kann seine Natur\u00a0nicht verleugnen, und m\u00f6chte er auch, alle witzigen Einf\u00e4lle ablehnend, in einem steifen Per\u00fcckentone dozieren, so \u00fcberrascht ihn wenigstens der Ideenwitz, und diese Witzart, eine Verkn\u00fcpfung von Gedanken, die sich noch nie in einem Menschenkopfe begegnet, eine wilde Ehe zwischen Scherz und Weisheit, ist vorherrschend in dem Menzelschen Werke. Nochmal r\u00fchmen wir des Verfassers Witz, um so mehr, da es viele trockene Leute in der Welt gibt, die den Witz gern proskribieren m\u00f6chten, und man t\u00e4glich h\u00f6ren kann, wie Pantalon sich gegen diese niedrigste Seelenkraft, den Witz, zu ereifern wei\u00df und als guter Staatsb\u00fcrger und Hausvater die Polizei auffordert, ihn zu verbieten. Mag immerhin der Witz zu den niedrigsten Seelenkr\u00e4ften geh\u00f6ren, so glauben wir doch, da\u00df er sein Gutes hat. Wir wenigstens m\u00f6chten ihn nicht entbehren. Seitdem es nicht mehr Sitte ist, einen Degen an der Seite zu tragen, ist es durchaus n\u00f6tig, da\u00df man Witz im Kopfe habe. Und sollte man auch so \u00fcberlaunig sein, den Witz nicht blo\u00df als notwendige Wehr, sondern sogar als Angriffswaffe zu gebrauchen, so werdet dar\u00fcber nicht allzusehr aufgebracht, ihr edlen Pantalone des deutschen Vaterlandes! Jener Angriffswitz, den ihr Satire nennt, hat seinen guten Nutzen in dieser schlechten, nichtsnutzigen Zeit. Keine Religion ist mehr imstande, die L\u00fcste der kleinen Erdenherrscher zu z\u00fcgeln, sie verh\u00f6hnen euch ungestraft, und ihre Rosse zertreten eure Saaten, eure T\u00f6chter hungern und verkaufen ihre Bl\u00fcten dem schmutzigen Parven\u00fc, alle Rosen dieser Welt werden die Beute eines windigen Geschlechtes von Stockjobbern und bevorrechteten Lakaien, und vor dem \u00dcbermut des Reichtums und der Gewalt sch\u00fctzt euch nichts \u2013 als der Tod und die Satire.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00bbUniversalit\u00e4t<\/em>\u00a0ist der Charakter unserer Zeit\u00ab, sagt Herr Menzel im zweiten Teile S. 63 seines Werkes, und da dieses letztere, wie wir oben bemerkt, ganz den Charakter unserer Zeit tr\u00e4gt, so finden wir darin auch ein Streben nach jener Universalit\u00e4t. Daher ein Verbreiten \u00fcber alle Richtungen des Lebens und des Wissens, und zwar unter folgenden Rubriken: \u00bbDie Masse der Literatur, Nationalit\u00e4t, Einflu\u00df der Schulgelehrsamkeit,\u00a0Einflu\u00df der fremden Literatur, der literarische Verkehr, Religion, Philosophie, Geschichte, Staat, Erziehung, Natur, Kunst und Kritik.\u00ab Es ist zu bezweifeln, ob ein junger Gelehrter in allen m\u00f6glichen Disziplinen so tief eingeweiht sein kann, da\u00df wir eine gr\u00fcndliche Kritik des neuesten Zustandes derselben von ihm erwarten d\u00fcrften. Herr Menzel hat sich durch Divination und Konstruktion zu helfen gewu\u00dft. Im Divinieren ist er oft sehr gl\u00fccklich, im Konstruieren immer geistreich. Wenn auch zuweilen seine Annahmen willk\u00fcrlich und irrig sind, so ist er doch un\u00fcbertrefflich im Zusammenstellen des Gleichartigen und der Gegens\u00e4tze. Er verf\u00e4hrt kombinatorisch und konziliatorisch. Den Zweck dieser Bl\u00e4tter ber\u00fccksichtigend, wollen wir als eine Probe der Menzelschen Darstellungsweise die folgende Stelle aus der Rubrik \u00bbStaat\u00ab mitteilen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBevor wir die Literatur der politischen Praxis betrachten, wollen wir einen Blick auf die Theorien werfen. Alle Praxis geht von den Theorien aus. Es ist jetzt nicht mehr die Zeit, da die V\u00f6lker aus einem gewissen sinnlichen \u00dcbermut oder aus zuf\u00e4lligen \u00f6rtlichen Veranlassungen in einen vor\u00fcbergehenden Hader geraten. Sie k\u00e4mpfen vielmehr um Ideen, und eben darum ist ihr Kampf ein allgemeiner, im Herzen eines jeden Volks selbst, und nur insofern eines Volks wider das andere, als bei dem einen diese, bei dem anderen jene Idee das \u00dcbergewicht behauptet. Der Kampf ist durchaus philosophisch geworden, so wie er fr\u00fcher religi\u00f6s gewesen. Es ist nicht ein Vaterland, nicht ein gro\u00dfer Mann, wor\u00fcber man streitet, sondern es sind\u00a0<em>\u00dcberzeugungen<\/em>, denen die V\u00f6lker wie die Helden sich unterordnen m\u00fcssen. V\u00f6lker haben mit Ideen gesiegt, aber sobald sie ihren Namen an die Stelle der Idee zu setzen gewagt, sind sie zuschanden geworden; Helden haben durch Ideen eine Art von Weltherrschaft erobert, aber sobald sie die Idee verlassen, sind sie in Staub gebrochen. Die Menschen haben gewechselt, nur die Ideen sind bestanden. Die Geschichte war nur die Schule der Prinzipien. Das vorige Jahrhundert war reicher an voraussichtigen Spekulationen, das gegenw\u00e4rtige ist\u00a0reicher an R\u00fccksichten und Erfahrungsgrunds\u00e4tzen. In beiden liegen die Hebel der Begebenheiten, durch sie wird alles erkl\u00e4rt, was geschehen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt nur zwei Prinzipe oder entgegengesetzte Pole der politischen Welt, und an beiden Endpunkten der gro\u00dfen Achse haben die\u00a0<em>Parteien<\/em>\u00a0sich gelagert und bek\u00e4mpfen sich mit steigender Erbitterung. Zwar gilt nicht jedes Zeichen der Partei f\u00fcr jeden ihrer Anh\u00e4nger, zwar wissen manche kaum, da\u00df sie zu dieser bestimmten Partei geh\u00f6ren, zwar bek\u00e4mpfen sich die Glieder einer Partei untereinander selbst, sofern sie aus ein und demselben Prinzip verschiedene Folgerungen ziehen; im allgemeinen aber mu\u00df der subtilste Kritiker so gut wie das gemeine Zeitungspublikum einen Strich ziehen zwischen\u00a0<em>Liberalismus<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Servilismus<\/em>, Republikanismus und Autokratie. Welches auch die Nuancen sein m\u00f6gen, jenes clair-obscur und jene bis zur Farblosigkeit gemischten Tinten, in welche beide Hauptfarben ineinander \u00fcbergehen, diese Hauptfarben selbst verbergen sich nirgends, sie bilden den gro\u00dfen, den einzigen Gegensatz in der Politik, und man sieht sie den Menschen wie den B\u00fcchern gew\u00f6hnlich auf den ersten Blick an. Wohin wir im politischen Gebiet das Auge werfen, trifft es diese Farben an. Sie f\u00fcllen es ganz aus, hinter ihnen ist leerer Raum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die liberale Partei ist diejenige, die den politischen Charakter der neueren Zeit bestimmt, w\u00e4hrend die sogenannte servile Partei noch wesentlich im Charakter des Mittelalters handelt. Der Liberalismus schreitet daher in demselben Ma\u00dfe fort wie die Zeit selbst oder ist in dem Ma\u00dfe gehemmt, wie die Vergangenheit noch in die Gegenwart her\u00fcberdauert. Er entspricht dem Protestantismus, sofern er gegen das Mittelalter protestiert, er ist nur eine neue Entwickelung des Protestantismus im weltlichen Sinn, wie der Protestantismus ein geistlicher Protestantismus war. Er hat seine Partei in dem gebildeten Mittelstande, w\u00e4hrend der Servilismus die seinige in den Vornehmen und in der rohen Masse findet. Dieser Mittelstand schmilzt allm\u00e4hlich immer mehr die starren Kristallisationen der mittelalterlichen St\u00e4nde zusammen. Die ganze neuere Bildung\u00a0ist aus dem Liberalismus hervorgegangen oder hat ihm gedient, sie war die Befreiung von dem kirchlichen Autorit\u00e4tsglauben. Die ganze Literatur ist ein Triumph des Liberalismus, denn seine Feinde sogar m\u00fcssen in seinen Waffen fechten. Alle Gelehrte, alle Dichter haben ihm Vorschub geleistet, seinen gr\u00f6\u00dften Philosophen aber hat er in Fichte, seinen gr\u00f6\u00dften Dichter in Schiller gefunden.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter der Rubrik \u00bbPhilosophie\u00ab bekennt sich Herr Menzel ganz zu Schelling, und unter der Rubrik \u00bbNatur\u00ab hat er dessen Lehre, wie sich geb\u00fchrt, gefeiert. Wir stimmen \u00fcberein in dem, was er \u00fcber diesen allgemeinen Weltdenker ausspricht. G\u00f6rres und Steffens finden als Schellingsche Unterdenker ebenfalls ihre Anerkennung. Ersterer ist mit Vorliebe gew\u00fcrdigt, seine Mystik etwas allzu poetisch ger\u00fchmt. Doch sehen wir diesen hohen Geist immer lieber \u00fcbersch\u00e4tzt als parteiisch verkleinert. Steffens wird als Repr\u00e4sentant des Pietismus dargestellt, und die Ansichten, die der Verfasser von Mystik und Pietismus hegt, sind, wenn auch irrig, doch immer tiefsinnig, sch\u00f6pferisch und gro\u00dfartig. Wir erwarten nicht viel Gutes vom Pietismus, obgleich Herr Menzel sich abm\u00fcht, das Beste von ihm zu prophezeien. Wir teilen die Meinung eines witzigen Mannes, der keck behauptet: unter hundert Pietisten sind neunundneunzig Schurken und ein Esel. Von fr\u00f6mmelnden Heuchlern ist kein Heil zu erwarten, und durch Eselsmilch wird unsere schwache Zeit auch nicht sehr erstarken. Weit eher d\u00fcrfen wir Heil vom Mystizismus erwarten. In seiner jetzigen Erscheinung mag er immerhin widerw\u00e4rtig und gef\u00e4hrlich sein; in seinen Resultaten kann er heilsam wirken. Dadurch, da\u00df der Mystiker sich in die Traumwelt seiner innern Anschauung zur\u00fcckzieht und in sich selbst die Quelle aller Erkenntnis annimmt: dadurch ist er der Obergewalt jeder \u00e4u\u00dfern Autorit\u00e4t entronnen, und die orthodoxesten Mystiker haben auf diese Art in der Tiefe ihrer Seele jene Urwahrheiten wiedergefunden, die mit den Vorschriften des positiven Glaubens im Widerspruch stehen, sie haben die Autorit\u00e4t der Kirche geleugnet und haben mit Leib und Leben ihre Meinung vertreten.\u00a0Ein Mystiker aus der Sekte der Ess\u00e4er war jener Rabbi, der in sich selbst die Offenbarung des Vaters erkannte und die Welt erl\u00f6ste von der blinden Autorit\u00e4t steinerner Gesetze und schlauer Priester; ein Mystiker war jener deutsche M\u00f6nch, der in seinem einsamen Gem\u00fcte die Wahrheit ahnte, die l\u00e4ngst aus der Kirche verschwunden war; \u2013 und Mystiker werden es sein, die uns wieder vom neueren Wortdienst erl\u00f6sen und wieder eine Naturreligion begr\u00fcnden, eine Religion, wo wieder freudige G\u00f6tter aus W\u00e4ldern und Steinen hervorwachsen und auch die Menschen sich g\u00f6ttlich freuen. Die katholische Kirche hat jene Gef\u00e4hrlichkeit des Mystizismus immer tief gef\u00fchlt; daher, im Mittelalter, bef\u00f6rderte sie mehr das Studium des Aristoteles als des Plato; daher im vorigen Jahrhundert ihr Kampf gegen den Jansenismus; und zeigt sie sich heutzutage sehr freundlich gegen M\u00e4nner wie Schlegel, G\u00f6rres, Haller, M\u00fcller etc., so betrachtet sie solche doch nur wie Guerillas, die man in schlimmen Kriegszeiten, wo die stehenden Glaubensarmeen etwas zusammengeschmolzen sind, gut gebrauchen kann und sp\u00e4terhin in Friedenszeit geh\u00f6rig unterdr\u00fccken wird. Es w\u00fcrde zu weit f\u00fchren, wenn wir nachweisen wollten, wie auch im Oriente der Mystizismus den Autorit\u00e4tsglauben sprengt, wie z.B. aus dem Sufismus in der neuesten Zeit Sekten entstanden, deren Religionsbegriffe von der erhabensten Art sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen nicht genug r\u00fchmen, mit welchem Scharfsinne Herr Menzel vom Protestantismus und Katholizismus spricht, in diesem das Prinzip der Stabilit\u00e4t, in jenem das Prinzip der Evolution erkennend. In dieser Hinsicht bemerkt er sehr richtig unter der Rubrik \u00bbReligion\u00ab:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDer Erstarrung mu\u00df die Bewegung, dem Tode das Leben, dem unver\u00e4nderlichen Sein ein ewiges Werden sich entgegensetzen. Hierin allein hat der Protestantismus seine gro\u00dfe welthistorische Bedeutung gefunden. Er hat mit der jugendlichen Kraft, die nach h\u00f6herer Entwickelung dr\u00e4ngt, der greisen Erstarrung gewehrt. Er hat ein Naturgesetz zu dem seinigen gemacht, und mit diesem allein kann er siegen. Diejenigen unter\u00a0den Protestanten also, welche selbst wieder in eine andere Art von Starrsucht verfallen sind, die Orthodoxen, haben das eigentliche Interesse des Kampfes aufgegeben. Sie sind stehengeblieben und d\u00fcrfen von Rechts wegen sich nicht beklagen, da\u00df die Katholiken auch stehengeblieben sind. Man kann nur durch ewigen Fortschritt oder gar nicht gewinnen. Wo man stehenbleibt, ist ganz einerlei, so einerlei, als wo die Uhr stehenbleibt. Sie ist da, damit sie geht.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Thema des Protestantismus f\u00fchrt uns auf dessen w\u00fcrdigen Verfechter, Johann Heinrich Vo\u00df, den Herr Menzel bei jeder Gelegenheit mit den h\u00e4rtesten Worten und durch die bittersten Zusammenstellungen verunglimpft. Hier\u00fcber k\u00f6nnen wir nicht bestimmt genug unseren Tadel aussprechen. Wenn der Verfasser unseren seligen Vo\u00df einen \u00bbungeschlachten nieders\u00e4chsischen Bauer\u00ab nennt, sollten wir fast auf den Argwohn geraten, er neige selber zu der Partei jener Ritterlinge und Pfaffen, wogegen Vo\u00df so wacker gek\u00e4mpft hat. Jene Partei ist zu m\u00e4chtig, als da\u00df man mit einem zarten Galanteriedegen gegen sie k\u00e4mpfen k\u00f6nnte, und wir bedurften eines ungeschlachten nieders\u00e4chsischen Bauers, der das alte Schlachtschwert aus der Zeit des Bauernkriegs wieder hervorgrub und damit loshieb. Herr Menzel hat vielleicht nie gef\u00fchlt, wie tief ein ungeschlachtes nieders\u00e4chsisches Bauernherz verwundet werden kann von dem freundschaftlichen Stich einer feinen, glatten hochadligen Viper \u2013 die G\u00f6tter haben gewi\u00df Herrn Menzel vor solchen Gef\u00fchlen bewahrt, sonst w\u00fcrde er die Herbheit der Vossischen Schriften nur in den Tatsachen finden und nicht in den Worten. Es mag wahr sein, da\u00df Vo\u00df in seinem protestantischen Eifer die Bilderst\u00fcrmerei etwas zu weit trieb. Aber man bedenke, da\u00df die Kirche jetzt \u00fcberall die Verb\u00fcndete der Aristokratie ist und sogar hie und da von ihr besoldet wird. Die Kirche, einst die herrschende Dame, vor welcher die Ritter ihre Knie beugten und zu deren Ehren sie mit dem ganzen Orient turnierten, jene Kirche ist schwach und alt geworden, sie m\u00f6chte sich jetzt eben diesen Rittern als dienende Amme verdingen und verspricht mit ihren Liedern die V\u00f6lker\u00a0in den Schlaf zu lullen, damit man die Schlafenden leichter fesseln und scheren k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter der Rubrik \u00bbKunst\u00ab h\u00e4ufen sich die meisten Ausf\u00e4lle gegen Vo\u00df. Diese Rubrik umfa\u00dft beinah den ganzen zweiten Teil des Menzelschen Werks. Die Urteile \u00fcber unsere n\u00e4chsten Zeitgenossen lassen wir unbesprochen. Die Bewunderung, die der Verfasser f\u00fcr Jean Paul hegt, macht seinem Herzen Ehre. Ebenfalls die Begeisterung f\u00fcr Schiller. Auch wir nehmen daran Anteil; doch geh\u00f6ren wir nicht zu denen, die durch Vergleichung Schillers mit Goethe den Wert des letztern herabdr\u00fccken m\u00f6chten. Beide Dichter sind vom ersten Range, beide sind gro\u00df, vortrefflich, au\u00dferordentlich, und hegen wir etwas Vorneigung f\u00fcr Goethe, so entsteht sie doch nur aus dem geringf\u00fcgigen Umstand, da\u00df wir glauben, Goethe w\u00e4re imstande gewesen, einen ganzen Friedrich Schiller mit allen dessen R\u00e4ubern, Piccolominis, Luisen, Marien und Jungfrauen zu dichten, wenn er der ausf\u00fchrlichen Darstellung eines solchen Dichters nebst den dazugeh\u00f6rigen Gedichten in seinen Werken bedurft h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen \u00fcber die H\u00e4rte und Bitterkeit, womit Herr Menzel von Goethe spricht, nicht stark genug unser Erschrecken ausdr\u00fccken. Er sagt manch allgemein wahres Wort, das aber nicht auf Goethe angewendet werden d\u00fcrfte. Beim Lesen jener Bl\u00e4tter, worin \u00fcber Goethe gesprochen oder vielmehr abgesprochen wird, ward uns pl\u00f6tzlich so \u00e4ngstlich zumute wie vorigen Sommer, als ein Bankier in London uns der Kuriosit\u00e4t wegen einige falsche Banknoten zeigte; wir konnten diese Papiere nicht schnell genug wieder aus H\u00e4nden geben, aus Furcht, man m\u00f6chte pl\u00f6tzlich uns selbst als Verfertiger derselben anklagen und ohne Umst\u00e4nde vor Old Bailey aufh\u00e4ngen. Erst nachdem wir an den Menzelschen Bl\u00e4ttern \u00fcber Goethe unsere schaurige Neugier befriedigt, erwachte der Unmut. Wir beabsichtigen keineswegs eine Verteidigung Goethes; wir glauben, die Menzelsche Lehre, \u00bbGoethe sei kein Genie, sondern ein Talent\u00ab, wird nur bei wenigen Eingang finden, und selbst diese wenigen werden doch zugeben, da\u00df Goethe\u00a0dann und wann das Talent hat, ein Genie zu sein. Aber selbst wenn Menzel recht h\u00e4tte, w\u00fcrde es sich nicht geziemt haben, sein hartes Urteil so hart hinzustellen. Es ist doch immer Goethe, der K\u00f6nig, und ein Rezensent, der an einen solchen Dichterk\u00f6nig sein Messer legt, sollte doch ebensoviel Courtoisie besitzen wie jener englische Scharfrichter, welcher Karl I. k\u00f6pfte und, ehe er dieses kritische Amt vollzog, vor dem k\u00f6niglichen Delinquenten niederkniete und seine Verzeihung erbat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Woher aber kommt diese H\u00e4rte gegen Goethe, wie sie uns hie und da sogar bei den ausgezeichnetsten Geistern bemerkbar worden? Vielleicht eben weil Goethe, der nichts als Primus inter pares sein sollte, in der Republik der Geister zur Tyrannis gelangt ist, betrachten ihn viele gro\u00dfe Geister mit geheimem Groll. Sie sehen in ihm sogar einen Ludwig XI., der den geistigen hohen Adel unterdr\u00fcckt, indem er den geistigen Tiers \u00e9tat, die liebe Mittelm\u00e4\u00dfigkeit, emporhebt. Sie sehen, er schmeichelt den respektiven Korporationen der St\u00e4dte, er sendet gn\u00e4dige Handschreiben und Medaillen an die Lieben Getreuen und erschafft einen Papieradel von Hochbelobten, die sich schon viel h\u00f6her d\u00fcnken als jene wahren Gro\u00dfen, die ihren Adel, ebensogut wie der K\u00f6nig selbst, von der Gnade Gottes erhalten oder, um whiggisch zu sprechen, von der Meinung des Volkes. Aber immerhin mag dieses geschehen. Sahen wir doch j\u00fcngst in den F\u00fcrstengr\u00fcften von Westminster, da\u00df jene Gro\u00dfen, die, als sie lebten, mit den K\u00f6nigen haderten, dennoch im Tode in der k\u00f6niglichen N\u00e4he begraben liegen: \u2013 und so wird auch Goethe nicht verhindern k\u00f6nnen, da\u00df jene gro\u00dfen Geister, die er im Leben gern entfernen wollte, dennoch im Tode mit ihm zusammenkommen und neben ihm ihren ewigen Platz finden im Westminster der deutschen Literatur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die br\u00fctende Stimmung unzufriedener Gro\u00dfen ist ansteckend, und die Luft wird schw\u00fcl. Das Prinzip der Goetheschen Zeit, die Kunstidee, entweicht, eine neue Zeit mit einem neuen Prinzipe steigt auf, und seltsam! wie das Menzelsche Buch merken l\u00e4\u00dft, sie beginnt mit Insurrektion gegen Goethe. Vielleicht f\u00fchlt Goethe selbst, da\u00df die sch\u00f6ne objektive Welt, die\u00a0er durch Wort und Beispiel gestiftet hat, notwendigerweise zusammensinkt, so wie die Kunstidee allm\u00e4hlich ihre Herrschaft verliert, und da\u00df neue, frische Geister von der neuen Idee der neuen Zeit hervorgetrieben werden und gleich nordischen Barbaren, die in den S\u00fcden einbrechen, das zivilisierte Goethentum \u00fcber den Haufen werfen und an dessen Stelle das Reich der wildesten Subjektivit\u00e4t begr\u00fcnden. Daher das Bestreben, eine Goethesche Landmiliz auf die Beine zu bringen. \u00dcberall Garnisonen und aufmunternde Bef\u00f6rderungen. Die alten Romantiker, die Janitscharen, werden zu regul\u00e4ren Truppen zugestutzt, m\u00fcssen ihre Kessel abliefern, m\u00fcssen die Goethesche Uniform anziehen, m\u00fcssen t\u00e4glich exerzieren. Die Rekruten l\u00e4rmen und trinken und schreien Vivat; die Trompeter blasen \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Wird Kunst und Altertum imstande sein, Natur und Jugend zur\u00fcckzudr\u00e4ngen?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen nicht umhin, ausdr\u00fccklich zu bemerken, da\u00df wir unter \u00bbGoethentum\u00ab nicht Goethes Werke verstehen, nicht jene teuern Sch\u00f6pfungen, die vielleicht noch leben werden, wenn l\u00e4ngst die deutsche Sprache schon gestorben ist und das geknutete Deutschland in slawischer Mundart wimmert; unter jenem Ausdruck verstehen wir auch nicht eigentlich die Goethesche Denkweise, diese Blume, die im Miste unserer Zeit immer bl\u00fchender gedeihen wird, und sollte auch ein gl\u00fchendes Enthusiastenherz sich \u00fcber ihre kalte Behaglichkeit noch so sehr \u00e4rgern; mit dem Worte \u00bbGoethentum\u00ab deuteten wir oben vielmehr auf Goethesche Formen, wie wir sie bei der bl\u00f6den J\u00fcngerschar nachgeknetet finden, und auf das matte Nachpiepsen jener Weisen, die der Alte gepfiffen. Eben die Freude, die dem Alten jenes Nachkneten und Nachpiepsen gew\u00e4hrt, erregte unsere Klage. Der Alte! wie zahm und milde ist er geworden! Wie sehr hat er sich gebessert! w\u00fcrde ein Nicolaite sagen, der ihn noch in jenen wilden Jahren kannte, wo er den schw\u00fclen \u00bbWerther\u00ab und den \u00bbG\u00f6tz mit der eisernen Hand\u00ab schrieb! Wie h\u00fcbsch manierlich ist er geworden, wie ist ihm alle Roheit jetzt fatal, wie unangenehm ber\u00fchrt es ihn, wenn er\u00a0an die fr\u00fchere xeniale, himmelst\u00fcrmende Zeit erinnert wird oder wenn gar andere, in seine alten Fu\u00dftapfen tretend, mit demselben \u00dcbermute ihre Titanenflegeljahre austoben! Sehr treffend hat in dieser Hinsicht ein geistreicher Ausl\u00e4nder unseren Goethe mit einem alten R\u00e4uberhauptmanne verglichen, der sich vom Handwerk zur\u00fcckgezogen hat, unter den Honoratioren eines Provinzialst\u00e4dtchens ein ehrsam b\u00fcrgerliches Leben f\u00fchrt, bis aufs kleinlichste alle Philistertugenden zu erf\u00fcllen strebt und in die peinlichste Verlegenheit ger\u00e4t, wenn zuf\u00e4llig irgendein w\u00fcster Waldgesell aus Kalabrien mit ihm zusammentrifft und alte Kameradschaft nachsuchen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-97877 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Heinrich_Heine.jpg\" alt=\"\" width=\"211\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Heinrich_Heine.jpg 211w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Heinrich_Heine-160x227.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/strong>KUNO hat ein Faible f\u00fcr die frei drehende Phantasie. Wir begreifen die Gattung des Essays als eine Versuchsanordnung, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen. Auch ein Essay handelt ausschliesslich mit Fiktionen, also mit Modellen der Wirklichkeit. Wir betrachten Michel de Montaigne als einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/23\/die-ehe-ist-ein-vertrag-nur-der-erste-anfang-ist-frei\/\">Blogger aus dem 16. Jahrhundert<\/a>. Henry David Thoreau gilt als Schriftsteller auch in formaler Hinsicht als eine der markantesten Gestalten der klassischen amerikanischen Literatur. Als sorgf\u00e4ltig feilender Stilist, als hervorragender Sprachk\u00fcnstler hat er durch die f\u00fcr ihn <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/07\/12\/walden-life-in-the-woods\/\">charakteristische Essayform<\/a> auf Generationen von Schriftstellern anregend gewirkt. Karl Kraus war der erste Autor, der die kulturkritische Kommen\u00adtie\u00adrung der Welt\u00adlage zur Dauer\u00adbesch\u00e4f\u00adtigung erhob. Seine Zeit\u00adschrift \u201eDie Fackel\u201c war gewisser\u00adma\u00ad\u00dfen der erste <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/29\/die-fackel\/\">Kultur-Blog<\/a>. Die Redaktion nimmt Rosa Luxemburg beim Wort und versucht in diesem Online-Magazin auch \u00fcberkommene <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/05\/01\/wie-entstand-die-maifeier\/\">journalistische Formen<\/a> neu zu denken. Enrik Lauer zieht die Dusche dem Wannenbad vor. Warum erstere im Sp\u00e4tkapitalismus \u2013 zum Beispiel als Zeit und Ressourcen sparend \u2013 zweiteres als Form der K\u00f6rperreinigung weitgehend verdr\u00e4ngt hat, ist einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/25\/wohlbefinden\/\">eigenen Betrachtung<\/a> wert. Ulrich Bergmann setzte sich mit den Wachowski-Br\u00fcdern und der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/the-matrix-has-you\/\">Matrix<\/a> auseinander. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">weitere Betrachtungen<\/a> von J.C. Albers. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wisse, da\u00df jedes Werk, das da wert war zu erscheinen, sogleich bei seiner Erscheinung gar keinen Richter finden kann; es soll sich erst sein Publikum erziehen und einen Richterstuhl f\u00fcr sich bilden. \u2013 \u2013 Spinoza hat \u00fcber ein Jahrhundert gelegen,&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/16\/die-deutsche-literatur\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":94,"featured_media":97877,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[853],"class_list":["post-14533","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-heinrich-heine"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14533","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/94"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14533"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14533\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103768,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14533\/revisions\/103768"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97877"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14533"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14533"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14533"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}