{"id":14514,"date":"2013-04-19T00:01:49","date_gmt":"2013-04-18T22:01:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14514"},"modified":"2022-06-11T09:01:24","modified_gmt":"2022-06-11T07:01:24","slug":"unter-der-leselupe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/04\/19\/unter-der-leselupe\/","title":{"rendered":"Unter der Leselupe"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Andreas Altmann h\u00e4lt die teilnahmslose Natur, die Dunkelheit, die Abschiede fest, und will doch die Aufhebung des Trennenden, die Mischung \u2013 und findet daf\u00fcr magische Bilder.<\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\">Joachim Sartorius<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vita von Andreas Altmann liest sich wie ein Kessel Buntes: Schriftsetzer, Orchesterwart, Stra\u00dfenreiniger und Hilfspfleger. Was mir bei dieser Auflistung auff\u00e4llt ist seine Arbeitet mit geistig Schwerstbehinderten. Ich beneide Menschen, die waidgerecht eine Metapher ausnehmen, eine Figur in einem Satz festnageln, sich an Geopolitik oder Neurochemie wagen k\u00f6nnen, ohne da\u00df ihnen dabei der Schwei\u00df auf der Stirn steht. Ich beneide sie um das Gef\u00fchl f\u00fcr die Richtigkeit ihres Tuns. Wenn ich beobachte, wie sich jemand b\u00fcckt, um einem anderen zu helfen, glaube ich, da\u00df er die Arbeit aller tut, den menschlichen Job. Ich bewundere diese Menschen, aber ich beneide sie nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"right\"><em><span style=\"color: #888888;\">Er bringt die Sprache gleichsam zum Leuchten und verbindet Natur und Poetik, wozu f\u00fcr ihn auch der Blick auf industrielle Hinterlassenschaften geh\u00f6rt, die Teil unserer zivilisatorischen Umwelt sind. <\/span><\/em><br \/>\n<span style=\"color: #888888;\"> Aus der Begr\u00fcndung der Jury zum Literaturpreis des S\u00e4chsischen Staatsministeriums f\u00fcr Wissenschaft und Kunst.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Buch <em>Art der Betrachtung<\/em> ist eine poetische Retrospektive, die einen konzentrierten Blick auf seine lyrische Arbeit erm\u00f6glicht. Andreas Altmann hat seine Gedichte so gruppiert, da\u00df sie einen thematischen Zugang jenseits der Chronologie erm\u00f6glichen, sie handeln von &#8222;D\u00f6rfern&#8220; oder von &#8222;R\u00e4umen&#8220; und sie sprechen \u00fcber &#8222;Liebe&#8220; und &#8222;Tod&#8220;. Viele Merkmale der modernen Lyrik finden sich in diesem Band wieder, die Erfahrung der Realit\u00e4t als komplex und kaum noch durchschaubar Raum. Die Erfahrung der Inkongruenz zwischen Sprache und Realit\u00e4t. Wir sehen uns der Entzauberung, Desillusionierung, Verfremdung verbrauchter Bilder gegen\u00fcber. Altmanns Dichtung zeichnet sich durch ihre geisterhafte Bildkraft und ihren unaufdringlichen Sound aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Andreas Altmann\u00a0steht in der Tradition der metaphernreichen deutschen Naturlyrik von M\u00f6rike bis Peter Huchel<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die Verschmelzung von Sprache, Ich und Natur gelingt es diesem Poeten, ein dichterisches Refugium zu erschaffen, das in der heutigen deutschen Lyrik auff\u00e4llig ist. Diese Gedichte kann man als Anleitungen zu einer bewu\u00dften Ann\u00e4herung an die Umwelt lesen, eine Sensibilisierung der Umweltwahrnehmung mit literarischen Mitteln. Man kann Altmann in der deutschen Gegenwartsdichtung als Naturlyriker in einem Atemzug mit Wilhelm Lehmann, Karl Krolow und Peter Huchel nennen. Bisher sind acht Gedichtb\u00e4nde von ihm erschienen, dieser Band erscheint mir als ein idealer Einstieg in das Werk von Altmann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Art der Betrachtung<\/strong>, von Andreas Altmann, poetenladen, Leipzig, 2012<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/es-altmann-gross-300x.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-14515 size-medium\" title=\"es-altmann-gross-300x\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/es-altmann-gross-300x-213x300.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/es-altmann-gross-300x-213x300.jpg 213w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/es-altmann-gross-300x.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><\/strong><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>, sowie einen Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>\u201c <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andreas Altmann h\u00e4lt die teilnahmslose Natur, die Dunkelheit, die Abschiede fest, und will doch die Aufhebung des Trennenden, die Mischung \u2013 und findet daf\u00fcr magische Bilder. 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