{"id":14498,"date":"2013-04-03T00:25:27","date_gmt":"2013-04-02T22:25:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14498"},"modified":"2022-06-13T10:25:51","modified_gmt":"2022-06-13T08:25:51","slug":"uber-die-karge-grazie-der-poesie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/04\/03\/uber-die-karge-grazie-der-poesie\/","title":{"rendered":"Lyrik im Zeitalter der Nervosit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selten gab es so viele viel versprechende Talente in der anspruchsvollen Lyrik wie in diesen Tagen, selten eine so gut ausgebildete Lyrikergeneration. Und dennoch f\u00fchrt Lyrik ein Nischendasein. Die Einladung zu einer <em>Verabredung mit meinem Publikum<\/em> mu\u00df man erst einmal am Anschlag finden. Lyriker schreiben im 21. Jahrhundert Gedichte aus dem einzigen Grund, weil sie es wollen; und der &#8218;Sinnzerstreuungsbeauftragter im Zeilenkrieg&#8216; Ralph Pordzik wei\u00df, wor\u00fcber er textet. Er zeigt sich darin als denkendes, mitf\u00fchlendes, k\u00fcnstlerisches Subjekt auf Augenh\u00f6he mit seinem Gegenstand. Die meisten in diesem Band versammelten Gedichte bestechen durch die Intensit\u00e4t ihrer Bilder und den R\u00fcckgriff auf unterschiedliche Dichtungstraditionen, die fremde Stimmen und Idiome in einer Sprache konzentrierten Ausdrucks und lyrischer Intensit\u00e4t zu einer inneren Welt ertr\u00e4umter Zusammenh\u00e4nge verdichten. Die Dichter auf die sich Pordzik bezieht sind mehr als nur Vorl\u00e4ufer der Heutigen. Insbesondere auch der Radikalit\u00e4t wegen, mit der sie den Wert eines Gedichts von der Gewichtigkeit seines Sujets schieden und einzig an die Pr\u00e4gnanz der sprachlichen Umsetzung banden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Der Gruss der Lyriker untereinander sollte sein: \u2039Lass dir Zeit!\u203a<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Lyriker, wie involviert auch immer, ist der Abstandhalter par excellence. Die unpathetische Rede ohne metrischen Leierkasten geh\u00f6rt inzwischen zum Standard. Die durch Einf\u00fcgung von Dingen aus entlegenen Kontexten und \u00fcberraschende Metaphern erzielte Verfremdung z\u00e4hlt heute als surrealistischer Effekt ebenso zum Grundbestand dichterischer Verfahren wie der Umgang mit hyperbolischen und metonymischen Figuren, Bewusstseinsstrom, pointierte Raffung und profanisierter Symbolismus. In ihrem lakonischen Grundton verstehen sich Pordziks Gedichte zugleich als Provokation der klanglich wie stilistisch \u00fcberholten Sprache der Poesie und erweisen sich als eine moderne Praxis des Schreibens, die durch ihre strenge, karge Grazie und ihren kunstvollen Gestus psychologischer Selbst\u00fcberwindung fasziniert. Dieser Lyriker ist ein filigraner Wortmetz, der sich jahrelang als Leser in den H\u00f6hen und Niederungen der Literatur getummelt hat und daran sein eigenes Handwerkszeug sch\u00e4rfen konnte. Seine Gedichte sind Explorationen in die Gelassenheit der Passivit\u00e4tskompetenz. In diesem Band wimmelt es von Philosophien, dazu kommen Wortwitze und Wortspielereien. Genau genommen, ist es ein Wimmelbuch f\u00fcr Sprachverliebte. Es ist gro\u00dfartig, wenn sich Literatur so etwas traut, und es ist gro\u00dfartig, wenn sich ein Verlag traut, solche Literatur zu verlegen. <em style=\"text-align: justify;\">Verabredung mit meinem Publikum<\/em> ist ein von jener intellektuellen und poetischen Eigensinnigkeit, die vom gro\u00dfteilig in Fadheit genormten Gedudel des Gegenwartsliteraturbetriebes mit fataler Zwangsl\u00e4ufigkeit auf einen Au\u00dfenseiterposten verbannt wird. Gelegentlich sollte man Verabredungen ernst nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Verabredung mit meinem Publikum<\/strong>. Gedichte von Ralph Pordzik. W\u00fcrzburg\/Ingolstadt: Les Derniers Jours, 2012.<\/p>\n<p><b><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-103704 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/31oRzoDTYLL-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend <\/b><b>\u2192<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf KUNO lesen Sie auch einen Rezensionsessay von Holger Benkel \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>\u2192<\/b> Poesie ist das identit\u00e4tsstiftende Element der Kultur, KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologische Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Selten gab es so viele viel versprechende Talente in der anspruchsvollen Lyrik wie in diesen Tagen, selten eine so gut ausgebildete Lyrikergeneration. 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