{"id":14364,"date":"2019-05-02T00:01:56","date_gmt":"2019-05-01T22:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14364"},"modified":"2022-02-24T11:07:40","modified_gmt":"2022-02-24T10:07:40","slug":"nun-weis-ich-wenn-der-letzte-morgen-seyn-wird","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/05\/02\/nun-weis-ich-wenn-der-letzte-morgen-seyn-wird\/","title":{"rendered":"Nun wei\u00df ich, wenn der letzte Morgen seyn wird"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun wei\u00df ich, wenn der letzte Morgen seyn wird \u2013 wenn das Licht nicht mehr die Nacht und die Liebe scheucht \u2013 wenn der Schlummer ewig und nur Ein unersch\u00f6pflicher Traum seyn wird. Himmlische\u00a0M\u00fcdigkeit f\u00fchl ich in mir. \u2013 Weit und erm\u00fcdend ward mir die Wallfahrt zum heiligen Grabe, dr\u00fcckend das Kreutz. Die krystallene Woge, die gemeinen Sinnen unvernehmlich, in des H\u00fcgels dunkeln Schoo\u00df quillt, an dessen Fu\u00df die irdische Flut bricht, wer sie gekostet, wer oben stand auf dem Grenzgeb\u00fcrge der Welt, und hin\u00fcbersah in das neue Land, in der Nacht Wohnsitz \u2013 warlich der kehrt nicht in das Treiben der Welt zur\u00fcck, in das Land, wo das Licht in ewiger Unruh hauset.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oben baut er sich H\u00fctten, H\u00fctten des Friedens, sehnt sich und liebt, schaut hin\u00fcber, bis die willkommenste aller Stunden hinunter ihn in den Brunnen der Quelle zieht \u2013 das Irdische schwimmt obenauf, wird von St\u00fcrmen zur\u00fcckgef\u00fchrt, aber was heilig durch der Liebe Ber\u00fchrung ward, rinnt aufgel\u00f6st in verborgenen G\u00e4ngen auf das jenseitige Gebiet, wo es, wie D\u00fcfte, sich mit entschlummerten Lieben mischt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch weckst du, muntres Licht den M\u00fcden zur Arbeit \u2013 fl\u00f6\u00dfest fr\u00f6hliches Leben mir ein \u2013 aber du lockst mich von der Erinnerung moosigem Denkmal nicht. Gern will ich die flei\u00dfigen H\u00e4nde r\u00fchren, \u00fcberall umschaun, wo du mich brauchst \u2013 r\u00fchmen deines Glanzes volle Pracht \u2013 unverdro\u00dfen verfolgen deines k\u00fcnstlichen Werks sch\u00f6nen Zusammenhang \u2013 gern betrachten deiner gewaltigen, leuchtenden Uhr sinnvollen Gang \u2013 ergr\u00fcnden der Kr\u00e4fte Ebenma\u00df und die Regeln des Wunderspiels unz\u00e4hliger R\u00e4ume und ihrer Zeiten. Aber getreu der Nacht bleibt mein geheimes Herz, und der schaffenden Liebe, ihrer Tochter. Kannst du mir zeigen ein ewig treues Herz? hat deine Sonne freundliche Augen, die mich erkennen? fassen deine Sterne meine verlangende Hand? Geben mir wieder den z\u00e4rtlichen Druck und das kosende Wort? Hast du mit Farben und leichtem Umri\u00df Sie geziert \u2013 oder war Sie es, die deinem Schmuck h\u00f6here, liebere Bedeutung gab? Welche Wollust, welchen Genu\u00df bietet dein Leben, die aufw\u00f6gen des Todes Entz\u00fcckungen? Tr\u00e4gt nicht\u00a0alles, was uns begeistert, die Farbe der Nacht? Sie tr\u00e4gt dich m\u00fctterlich und ihr verdankst du all deine Herrlichkeit. Du verfl\u00f6gst in dir selbst \u2013 in endlosen Raum zergingst du, wenn sie dich nicht hielte, dich nicht b\u00e4nde, da\u00df du warm w\u00fcrdest und flammend die Welt zeugtest. Warlich ich war, eh du warst \u2013 die Mutter schickte mit meinen Geschwistern mich, zu bewohnen deine Welt, sie zu heiligen mit Liebe, da\u00df sie ein ewig angeschautes Denkmal werde \u2013 zu bepflanzen sie mit unverwelklichen Blumen. Noch reiften sie nicht diese g\u00f6ttlichen Gedanken \u2013 Noch sind der Spuren unserer Offenbarung wenig \u2013 Einst zeigt deine Uhr das Ende der Zeit, wenn du wirst wie unser einer, und voll Sehnsucht und Inbrunst ausl\u00f6schest und stirbst. In mir f\u00fchl ich deiner Gesch\u00e4ftigkeit Ende \u2013 himmlische Freyheit, selige R\u00fcckkehr. In wilden Schmerzen erkenn ich deine Entfernung von unsrer Heymath, deinen Widerstand gegen den alten, herrlichen Himmel. Deine Wuth und dein Toben ist vergebens. Unverbrennlich steht das Kreutz \u2013 eine Siegesfahne unsers Geschlechts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-99790\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Novalis-e1645610465288.jpg\" alt=\"\" width=\"281\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/03\/25\/bluthenstaub\/\">Bl\u00fcthenstaub-Fragmente<\/a> von Novalis dienten KUNO in 2009 als Leitmotiv von dem ausgehend wir die wichtigsten Stationen der Twitteratur aufzeigten. Friedrich von Hardenberg demonstrierte auf, da\u00df die Erfahrungen von Grenz\u00fcberschreitungen ausserordentlich wichtig sind. Zwar ist klar, da\u00df das Unbedingte grunds\u00e4tzlich nicht zu finden ist, aber im Aphorismus scheint es sich doch f\u00fcr einen Moment auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>Ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Nun wei\u00df ich, wenn der letzte Morgen seyn wird \u2013 wenn das Licht nicht mehr die Nacht und die Liebe scheucht \u2013 wenn der Schlummer ewig und nur Ein unersch\u00f6pflicher Traum seyn wird. 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