{"id":1424,"date":"2012-02-14T00:01:09","date_gmt":"2012-02-13T23:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1424"},"modified":"2022-02-21T13:40:48","modified_gmt":"2022-02-21T12:40:48","slug":"akkupunkturnadeln-vom-summen-im-bienenstock-der-edition-rugerup","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/02\/14\/akkupunkturnadeln-vom-summen-im-bienenstock-der-edition-rugerup\/","title":{"rendered":"Akkupunkturnadeln. Vom Summen im Bienenstock der Edition Rugerup"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Enthusiastisch \u00b7 Empfindsam \u00b7 Engagiert<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Gedichtbuch <em>Die wei\u00dfen K\u00f6rper der Engel<\/em> schlie\u00dfe ich die Lekt\u00fcre der ersten f\u00fcnf B\u00fccher der Edition Rugerup ab, die ich mir auf drin\u00adgende Empfehlung von Stefan Mon\u00adhardt besorge. Und welch ein Gl\u00fcck, den (irisch schreibenden) Gabriel Rosenstock in seinen Gedichten ken\u00adnenzulernen (<em>Ohr \/\/ Ich lag neben meiner Frau, \/ als ich von hinten \/ pl\u00f6tzlich einen Blick erhaschte \/ auf ihr linkes Ohr, \/ ein scheu\u00dfliches Ding, \/ das da aus ihrem Sch\u00e4del spro\u00df. \/ Es geschah um sechs Uhr morgens, \/ als ich im Schlummer h\u00e4tte liegen sollen, \/ doch dieser Tage werde ich fr\u00fcher wach \/ von Vogel, \/ Morgend\u00e4mmer, \/ einem Ohr<\/em>), welch ein Genu\u00df, dem Kanadier Don Coles in sei\u00adnen Ver\u00adsen zu begegnen, welch ein Geschenk, mich dank der zweisprachi\u00adgen Ausgabe wahrhaftig in die Lyrik des Au\u00adstraliers Les Murray vertiefen zu k\u00f6nnen: <em>The Meaning of Existence \/\/ Everything except language \/ knows the meaning of existence. \/ Trees, planets, rivers, time \/ know nothing else. They express it \/ moment by moment as the universe. \/\/ Even this fool of a body \/ lives it in part, and would \/ have full dignity within it \/ but for the ignorant freedom \/ of my talking mind<\/em>, welch ein Gewinn, Sa\u00adbine Langes Schl\u00fcssel\u00adroman<em> Schl\u00fcsselbund<\/em> zu lesen: <em>Stille war. Die alten Kiefern knarrten. Die B\u00e4ume atmeten einfach weiter. Ich ord\u00adnete mein Haar, ich ordnete die Papiere in die K\u00e4sten, die K\u00e4sten in die Regale. Die Regale ordnete ich zu den W\u00e4n\u00adden. Ich ordnete die W\u00e4nde ins Haus. Und das Haus stellte ich in die Weltenordnung. Ich bin die Archiva\u00adrin.<\/em> Margitt Lehbert, enthusiastische Heraus\u00adgeberin, empfindsame \u00dcbersetzerin und engagierte Verlegerin der 2006 von ihr ins Leben gerufenen Edition Rugerup ist mit solchen (zu allem \u00dcberflu\u00df auch noch ausnehmend sch\u00f6n gestalteten) B\u00fcchern Garant f\u00fcr gelungene, ja, gro\u00dfartige litera\u00adrische Erlebnisse, die in der Erinnerung auch nach Jahren noch vibrieren. Da bleibt ein Summen wie im Bienenstock.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luft nach oben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die einleitenden Zeilen beziehen sich auf sch\u00f6ne Tage im Herbst 2007. In der Zwischenzeit (heute ist der 14. Februar 2012, die K\u00e4ltewelle ist erst einmal vorbei, und der Schnee rieselt leise)\u00a0 sind 15 weitere B\u00fccher hinzugekommen, denen ich gern und ohne zu z\u00f6gern in der Mehrzahl das Pr\u00e4dikat <em>besonders wertvoll<\/em> gebe.\u00a0<em>Wo nehme ich nur die Zeit her, so viel nicht zu lesen?<\/em> stimme ich in Karl Kraus\u2019 kur\u00adzes Klagelied ein, wenn ich an die weiteren bislang sieben in der Edition Rugerup erschienenen Titel denke, die ich noch nicht gelesen habe: die von Iain Galbraith edierte Anthologie <em>Beredter Norden. Schottische Lyrik seit 1900<\/em>, Jan Kochanowskis <em>Das Schachspiel<\/em>, Derek Mahons <em>Ovid auf Reisen<\/em>. <em>Ausgew\u00e4hlte Gedichte<\/em>, Les Murrays <em>Heilige K\u00fche<\/em> und <em>Translations from Nature<\/em>, H\u00e5kan Sandells <em>Tagebuch, Abendwolken<\/em> sowie Ulrich Schachts <em>Bell Island im Eismeer<\/em>. Immerhin, da bleibt noch reichlich Luft nach oben. (In diesen Tagen, nein: Wochen, habe ich einen nicht enden wollenden Friederike-Mayr\u00f6cker-Flow, heute ist <em>das zu Sehende, das zu H\u00f6rende<\/em> an der Reihe, das Peter Ettl, dessen <em>Silver-Horse-Edition<\/em>-Lyrikreihe ich ebenfalls hier in <em>Kulturnotizen<\/em> vorstelle, mir heute als feines Geschenk schickt, <em>aber dann, aber dann<\/em> &#8230;)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Huch!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einem Morgen im Herbst ist Margitt Lehbert mit den Kindern Maja und Gabriel zu Besuch in Sistig, das am s\u00fcdlichen Rand des Naturparks Eifel (nicht weit von Vogelsang) auf rund 555 Metern hohen H\u00fcgeln gelegen ist. Bei einer Tasse Darjeeling und Waln\u00fcssen aus dem Garten, in den wir, <em>westw\u00e4rts<\/em>, blicken, erz\u00e4hlt die Verlegerin, wie es 2006 zur Gr\u00fcndung der Edition Rugerup kam:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>Es ging mir haupts\u00e4chlich darum, da\u00df ich \u00fcber viele, viele Jahre Lieblingsdichter hatte, die ich unbedingt auf deutsch vorstellen wollte und die kein Verlag zu bringen wagte, weil die Namen nicht gro\u00df genug waren, weil das Geld fehlte. Und dann arbeitete ich f\u00fcr dieses International Writing Programme in Iowa, wo ich Dichter aus aller Welt kennen\u00adlernte. Seit 25 Jahren habe ich eine freundschaftliche Beziehung zu Peter Jay von Anvil Press Poetry in London. Der macht ein fantastisches internationales Programm \u2013 Dich\u00adter aus aller Herren L\u00e4nder. Auch Celan, H\u00f6lderlin. Und da dachte ich: Ja, so ein Verlag, das w\u00e4r\u2019s doch. Auf deutsch internationale Poesie vorstellen. Also richtig die Sachen, die von \u00fcberallher die besten sind, die man dann finden m\u00fc\u00dfte. Und dann geschah ein klei\u00adnes Wunder; ich ging n\u00e4mlich nach Stockholm, um dort Les Murray zu treffen. Der machte da Lesungen, und ich wollte mit ihm die Endphase eines Buches, das ich gerade von ihm \u00fcbersetzte, durchsprechen. Und ihn auch einfach sehen, wir sind seit 15 Jahren befreundet. Und da fragte er mich da: Hast Du nicht Lust, meine B\u00fccher von jetzt an zu verlegen? Huch! Und da dacht\u2019 ich so: Jetzt geht es! Denn Les Murray ist als Dichter weltweit bekannt &#8230; Ich wollte eben Lyrik machen, und ich sah keine M\u00f6glichkeit, da richtig ein\u00adzusteigen. Wie denn? Aber mit Les Murray, mit dem Namen, und mit dem Hintergrund, den ich mit ihm hab\u2019, m\u00fcsste es eigentlich gehen. Und da hab\u2019 ich gesagt: Ja, machen wir! Und seitdem existiert der Verlag.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lesen Sie!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispielhaft stelle ich in diesem Essay zwei der 20 von mir gelesenen B\u00fccher vor, die meinen stets auf\u00a0 neue B\u00fccher begierigen Freunden Bensch und Kraus sowie weiteren geneigten Lesern vor Augen f\u00fchren m\u00f6gen, was ihnen m\u00f6glicherweise entgeht, wenn sie nicht umgehend bei der Buchhandlung an- bzw. die Verlags- oder andere Websites aufrufen, um dieses, jenes und ein weiteres Buch zu bestellen, zu lesen, zu bestellen, zu lesen \u2013 ganz im Sinne von Paul Celan, der den Menschen aus den heiligen Wassern der Seine noch heute zuruft: <em>Lesen Sie! Immerzu nur lesen, das Verst\u00e4ndnis kommt von selbst.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Un\u00fcbersetzbar <em>die gelenkige Sprache das Englische<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Mit achtzehn Gedichten ist Gerard Manley Hopkins (1844\u20131889) in <em>The Oxford An\u00adthology of Great English Poetry<\/em>, die seit Jahren Teil meiner Sammlung ist, vertreten, was allein schon zeigt, mit welcher lyrischen Gr\u00f6\u00dfe wir es hier zu tun haben. (Zum Ver\u00adgleich: Von Seamus Heaney finde ich vier, von Ted Hughes sechs Gedichte.) Dennoch nehme ich die Gedichte von Hopkins in ihrer lebendigen Originalit\u00e4t erst vollends wahr, als ich \u2013 just in derselben Woche, als ich Friederike Mayr\u00f6ckers <em>die\u00adses J\u00e4ckchen (n\u00e4m\u00adlich) des Vogel Greif <\/em>lese \u2013 <em>Geliebtes Kind der Sprache <\/em>auf\u00adschlage und mir wie der Blitz mit dem ersten, sich \u00fcber zw\u00f6lf Seiten hinziehenden Gedicht<em> The Wreck of the Deutschland <\/em>ein Licht aufgeht, dessen Leuchten von einer selten erleb\u00adten, in alle f\u00fchl- und wahrnehmbaren Bereiche von Kopf und K\u00f6rper vor\u00addringenden Durchschlagskraft ist, da\u00df H\u00f6ren und Sehen, nein, nicht vergeht, son\u00addern in atembe\u00adraubender Art und Weise ver\u00admehrt, versch\u00e4rft, verst\u00e4rkt wird, wenn Sie verstehn, was ich meine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Friederike Mayr\u00f6cker weist verschiedentlich darauf hin, da\u00df sie W\u00f6rter kursiv setzt, damit diese beim Lesen und Vortrag in besonderer Weise hervorgehoben werden: <em>Das Kursivgedruckte simuliere ich auf meiner Schreibmaschine, indem ich die Worte un\u00adterstreiche. Das hei\u00dft dann, dass es ganz wichtig ist und anders ausgesprochen werden muss. Wenn ich Gro\u00dfbuchstaben verwende, dann mu\u00df es laut gesagt, ja fast geschrieen werden.<\/em> Die ungew\u00f6hnlich wirkende Setzung von Akzenten bei Hopkins verfolgt eine \u00e4hnliche Absicht und zeigt, f\u00fcr sich betrachtet bereits, was f\u00fcr eine innovative Explosionskraft in diesem dem Wortakzent, der Silbenbetonung und der Satzmelodie, diesen Grund\u00adpfeilern der Prosodie, so viel Gewicht einr\u00e4umenden Gedicht steckt. Bild, Erlebnis, Gedanke, Idee, Vorstellung: Alles wird direkt durch (neologistisches) Wort und (idio\u00adsynkratische) Kollokation und (kongenialen) Rhythmus vermittelt \u2013 alles.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>The Wreck of the Deutschland<\/em> ist, wie mehr oder weniger jedes der folgenden Ge\u00addichte, ein einziger allegorischer, alliterativer, antithetischer, as\u00adsonan\u00adter, bilddurch\u00adtr\u00e4nkter, bin\u00adnen-\/ketten-\/endreimender, latent erotischer, hyper\u00adbolischer, lautmalen\u00adder, parono\u00admistischer, worth\u00e4ufender, religi\u00f6s behauchter, Gott lobender, mit dem Lebensschicksal hadernder englischer Wortwirbel, in dem eine Wortwelle \u00fcber die n\u00e4chste und n\u00e4chste und n\u00e4chste hereinbricht, der mir nichts erm\u00f6glicht, als mich die\u00adsen suggestiven Kaska\u00adden hinzugeben, mitrei\u00dfen zu lassen im Strom der zwi\u00adschen himmelhochjauchzend und zutodebetr\u00fcbt changierenden W\u00f6rter, W\u00f6rter, W\u00f6rter, de\u00adren avantgardistische Bedeut\u00adsamkeit erst lange nach seinem Tod \u00f6ffent\u00adlich gemacht wurde \u2013 zu Lebzeiten wurde kein Gedicht publiziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"right\">Ich empfinde bei diesem Tanz durch total musikalische, naht- und im\u00admer wieder punktlos ineinander verschlungene Verse mit zahllosen Allusionen, As\u00adsoziationen, Be\u00addeutungsebenen und -wendungen, Chiffrierungen, Echos \u2013 <em>usw.<\/em> \u2013 eine bemerkens\u00adwerte Verwandtschaft zur <em>po\u00e9sie pure<\/em> eines St\u00e9phane Mallarm\u00e9, dessen Zeitge\u00adnosse Hopkins war (ohne von ihm zu ahnen). Auf frappierend Weise wird mit die\u00adsem 299seitigen Buch (das, zweisprachig, mit ausf\u00fchr\u00adlichen Anmerkun\u00adgen zu den einzelnen Gedichten sowie in die Tiefe ge\u00adhen\u00adden Auf\u00ads\u00e4tzen der einf\u00fchlsamen \u00dcbersetzerin und exzellenten Fachfrau Doro\u00adthea Gr\u00fcn\u00adzweig \u2013 <em>Hopkins ist un\u00fcbersetz\u00adbar<\/em> \u2013 ediert, eine grandiose verlegerische Leis\u00adtung der im s\u00fcdschwedischen Rugerup lebenden Margitt Lehbert darstellt) auch der Bogen zur zeit\u00adge\u00adn\u00f6ssischen, ebenfalls extrem verdichteten, permanent pulsierenden Lyrik einer Frie\u00adderike Mayr\u00f6cker (<em>die gelenkige Sprache das Englische<\/em>) geschlagen.<em> Strike, churl; hurl, cheerless wind, then; haltering hail \/ May\u2019s beauty massacre and wisped wild cloud grow \/ Out on the giant air; tell Summer No, \/ Bid joy back, have at the harvest, keep Hope pale.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Aufwartungen im Geh\u00e4us <\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Ulrich Ziegers Gedichtbuch <em>Aufwartungen im Geh\u00e4us <\/em>lese ich im Gedicht<em> es ist nur in deinem Kopf, <\/em>das ich auf Seite 39 vorfinde:<em> die menschheit ist \u00e4ngstlich und alt, <\/em>und zack, krabbelt ein Ohr\u00adwurm her\u00advor:<em> die Mauern stehn \/ Sprachlos und kalt \u2013 <\/em>vergleichbarer Rhythmus (bei H\u00f6lderlin kommt nat\u00fcr\u00adlich das Enjambement hinzu), gleiche Metrik, dieselbe Anzahl von W\u00f6rtern und Silben, iden\u00adtische Wortarten (okay, hier ein Hilfsverb, dort ein Vollverb, aber Verb bleibt Verb bei diesem speziellen heuristischen Vorgehen), gleicher Sound einschlie\u00dflich der Auftakte mit bilabialen Reibelauten die menschheit \/ die Mauern und des Reimpaars alt und kalt, das den Zieger-Vers mit den H\u00f6lderlin-Versen in einer grauen Zelle endg\u00fcltig zusammenschmiedet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach ja, deine idiosynkratische Leseweise, meint Kraus schmunzelnd und denkt nun nicht, da\u00df Zieger, wie ich das gern und oft tue, diese Korrespondenz bewu\u00dft herbeif\u00fchren wollte (was na\u00adturgem\u00e4\u00df auch nicht auszuschlie\u00dfen ist), da sind halt die Ohr\u00adw\u00fcrmer, Schl\u00e4fer, die allezeit akti\u00adviert werden k\u00f6nnen, und die lassen sich, einmal in Bewegung gesetzt, nicht aufhalten, f\u00fchren unsichtbar die Schreibhand oder l\u00f6sen zum Beispiel das aus, was in diesen Zeilen zu lesen ist. Immer wieder sto\u00dfe ich im Verlauf der 134 Seiten in <em>Aufwartungen im Geh\u00e4us<\/em> auf Ge\u00addichte, die ich abschreiben m\u00f6chte, wie Johannes Bobrowski das le\u00adbenslang mit den besonders beeindru\u00adcken\u00adden Gedichten und Versen tat, die ihm im Anschlu\u00df naturgem\u00e4\u00df zu Ohrw\u00fcr\u00admern wurden. Die Mehrzahl der Gedichte in <em>Aufwartungen im Geh\u00e4us<\/em> habe ich zwei-, manche dreimal gelesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Gedicht Ulrich Ziegers, <em>das obligate rezitativ,<\/em> ruft einen Spie\u00adgelblick hervor, der mir die Haare zu Berge stehn und Schauer \u00fcbern R\u00fc\u00adcken jagen l\u00e4\u00dft, w\u00e4hrend ich die letzten vier Jahre, die vergangenen zw\u00f6lf Monate des Lebens Revue passieren lasse. Ich schreibe das Gedicht umgehend ab und lese es Mrs Columbo mit bebender Stimme vor:<em> mein zorn hat sich gelegt, meine hoffnungen waren idiotisch, \/ die menschen um mich her sind nicht wie ich zu denken glaubte, \/ meine ma\u00dfst\u00e4be konnten nicht angelegt werden, \/ an niemanden au\u00dfer an mich, \/\/ meine lieben sind alle zersprungen, sie flohen wie diebe, \/ ich sah sie noch in ihrem ungl\u00fcck, doch sind meine worte nicht h\u00f6rbar, \/ die nicht einmal meine gewesen sein d\u00fcrften, \/ so waren sie auch nicht sehr rauh, \/\/ es bereitet mir freude so unregelm\u00e4\u00dfig zu schreiben, \/ es bereitet mir freude den herbst wiederkommen zu sehen, \/\/ ich werde vielleicht nicht mehr lange hier bleiben, \/ ich werde vielleicht nicht mehr fortgehen k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Ein Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer.<\/p>\n<div id=\"attachment_44595\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-image-44595 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-caption-text\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> &#8222;<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>&#8220; <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wolkenrauch \u00b7 Engel\u00a0\u00b7 Segel aus Salz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klaus Anders \u00b7 Andreas Struve (Hg.), <strong>So schmeckt ein Stern<\/strong>. <em>Norwegische Lyrik des 20. Jahrhunderts<\/em>, \u00fcbersetzt und kommentiert von Klaus Anders und Andreas Struve, Gedichte von Olaf Aukrust, Paul-Helge Haugen, Kristofer Uppdal u.v.a., 254 Seiten, Klappenbro\u00adschur, Edition Rugerup, Berlin \u00b7 S-H\u00f6rby 2011.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Innokentij Annenskij, <strong>Wolkenrauch<\/strong>, zweisprachige Ausgabe, aus dem Russischen \u00fcbertragen, herausgegeben und mit einem Nachwort von Martina Jakobson, 159 Seiten, Klappbroschur, Edition Rugerup, S-H\u00f6rby 2010.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Don Coles, <strong>Die wei\u00dfen K\u00f6rper der Engel<\/strong>, Gedichte, zweisprachige Ausgabe, ausge\u00adw\u00e4hlt und aus dem Englischen \u00fcbertragen von Margitt Lehbert, 160 Seiten, Klappbro\u00adschur, Edition Rugerup, H\u00f6rby 2006.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Robin Fulton, <strong>Grenzflug<\/strong>, zweisprachige Ausgabe, ausgew\u00e4hlt und aus dem Englischen \u00fcbertragen von Margitt Lehbert; 144 Seiten, Klappbro\u00adschur; Edition Rugerup, H\u00f6rby 2008.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerard Manley Hopkins, <strong>Geliebtes Kind der Sprache<\/strong>, zweisprachige Ausgabe, aus dem Englischen \u00fcbertragen und kommentiert von Doro\u00adthea Gr\u00fcnzweig, 299 Seiten, Klapp\u00adbroschur, Edition Rugerup, Nimrod F\u00f6rlag, H\u00f6rby (Schweden) 2009.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Th\u00f8ger Jensen, <strong>Serpentine<\/strong>, Roman, 94 Seiten, Klappbroschur, Edition Rugerup, H\u00f6rby 2008.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thomas Kunst, <strong>Estemaga<\/strong>, 94 Seiten, Klappbroschur, Edition Rugerup, H\u00f6rby 2008.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thomas Kunst, <strong>Legende vom Abholen<\/strong>, 109 Seiten, Klappbroschur, Edition Rugerup, Berlin \u00b7 S-H\u00f6rby 2011.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sabine Lange, <strong>Verschwiegene Gedichte<\/strong>, 128 Seiten, Klappbroschur, Edition Rugerup, H\u00f6rby 2006.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sabine Lange, <strong>Schl\u00fcsselbund<\/strong>, Roman, 200 Seiten, Broschur, Edition Rugerup, H\u00f6rby 2007.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gwendolyn MacEwen, <strong>Die T. E. Lawrence Gedichte<\/strong>, zweisprachige Aus\u00adgabe, aus dem Englischen von Christine Koschel, Nachwort von Margitt Leh\u00adbert, 159 Seiten, Klappenbroschur, Edition Rugerup, S-H\u00f6rby 2010.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">John Montague, <strong>Erste Landschaft, erster Tod<\/strong>. <em>Ausgew\u00e4hlte Gedichte<\/em>, zweisprachige Ausgabe, aus dem Englischen von Margitt Lebert und Hans-Christian Oeser, 160 Seiten, Klappbroschur, Edition Rugerup, H\u00f6rby 2008.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gwendolyn MacEwen, <strong>Die T. E. Lawrence Gedichte<\/strong>, zweisprachige Ausgabe, aus dem Englischen von Christine Koschel, Nachwort von Margitt Lehbert, 159 Seiten, Klappbroschur, Edition Rugerup, S-H\u00f6rby 2010.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Les Murray, <strong>Gedichte, gro\u00df wie Photos<\/strong>, zweisprachige Ausgabe, aus dem australischen Englischen \u00fcbertragen von Margitt Lehbert; 192 Seiten, Klappbro\u00adschur; Edition Ruge\u00adrup, H\u00f6rby 2006.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Les Murray, <strong>\u00dcbersetzungen aus der Natur<\/strong>, zweisprachige Ausgabe, ausgew\u00e4hlt und aus dem australischen Englischen \u00fcbertragen von Margitt Lehbert; 90 Seiten, Klappbro\u00adschur; mit CD, Edition Rugerup, H\u00f6rby 2007.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d8yvind Rimbereid, <strong>Herbarium<\/strong>, 85 Seiten, Klappenbroschur, Edition Ruge\u00adrup, Berlin \u00b7 S-H\u00f6rby 2011.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gabriel Rosenstock, <strong>Ein Archivar gro\u00dfer Taten<\/strong>. <em>Ausgew\u00e4hlte Ge\u00addichte<\/em>, aus dem Iri\u00adschen von Hans-Christian Oeser; 128 Seiten, Klapp\u00adbroschur; Edition Rugerup, Nimrod, H\u00f6rby 2007.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Iain Crichton Smith, <strong>Segel aus Salz<\/strong>. <em>Ausgew\u00e4hlte Gedichte<\/em>, zweispra\u00adchige Ausgabe, aus dem Englischen von Elmar Schenkel, 160 Seiten, Klappbroschur, Edition Rugerup, H\u00f6rby 2008.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thomas Josef Wehlim, <strong>Die Tage des Kalifats<\/strong>, Roman, 239 Seiten, Broschur, Edition Rugerup, Berlin \u00b7 S-H\u00f6rby 2011.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ulrich Zieger, <strong>Aufwartungen im Geh\u00e4us<\/strong>, 139 Seiten, Klappbroschur, Edition Rugerup, Berlin \u00b7 S-H\u00f6rby 2011.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Enthusiastisch \u00b7 Empfindsam \u00b7 Engagiert Mit dem Gedichtbuch Die wei\u00dfen K\u00f6rper der Engel schlie\u00dfe ich die Lekt\u00fcre der ersten f\u00fcnf B\u00fccher der Edition Rugerup ab, die ich mir auf drin\u00adgende Empfehlung von Stefan Mon\u00adhardt besorge. 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