{"id":14216,"date":"2020-09-06T00:01:00","date_gmt":"2020-09-05T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14216"},"modified":"2022-02-20T15:58:48","modified_gmt":"2022-02-20T14:58:48","slug":"urteil-und-sein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/09\/06\/urteil-und-sein\/","title":{"rendered":"Urteil und Sein"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Urteil. ist im h\u00f6chsten und strengsten Sinne die urspr\u00fcngliche Trennung des in der intellektualen Anschauung innigst vereinigten Objekts und Subjekts, diejenige Trennung, wodurch erst Objekt und Subjekt m\u00f6glich wird, die Ur=Teilung. Im Begriffe der Teilung liegt schon der Begriff der gegenseitigen Beziehung des Objekts und Subjekts aufeinander, und die notwendige Voraussetzung eines Ganzen, wovon Objekt und Subjekt die Teile sind. \u00bbIch bin Ich\u00ab ist das passendste Beispiel zu diesem Begriffe der Urteilung, als Theoretischer Urteilung, denn in der praktischen Urteilung setzt es sich dem Nichtich, nicht sich selbst entgegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wirklichkeit und M\u00f6glichkeit ist unterschieden, wie mittelbares und unmittelbares Bewu\u00dftsein. Wenn ich einen Gegenstand als m\u00f6glich denke, so wiederhol ich nur das vorhergegangene Bewu\u00dftsein, kraft dessen er wirklich ist. Es gibt f\u00fcr uns keine denkbare M\u00f6glichkeit, die nicht Wirklichkeit war. Deswegen gilt der Begriff der M\u00f6glichkeit auch gar nicht von den Gegenst\u00e4nden der Vernunft, weil sie niemals als das, was sie sein sollen, im Bewu\u00dftsein vorkommen, sondern nur der Begriff der Notwendigkeit. Der Begriff der M\u00f6glichkeit gilt von den Gegenst\u00e4nden des Verstandes, der der Wirklichkeit von den Gegenst\u00e4nden der Wahrnehmung und Anschauung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein \u2013 dr\u00fcckt die Verbindung des Subjekts und Objekts aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo Subjekt und Objekt schlechthin, nicht nur zum Teil vereiniget ist, mithin so vereiniget, da\u00df gar keine Teilung vorgenommen werden kann, ohne das Wesen desjenigen, was getrennt werden soll, zu verletzen, da und sonst nirgends kann von einem Sein schlechthin die Rede sein, wie es bei der intellektualen Anschauung der Fall ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber dieses Sein mu\u00df nicht mit der Identit\u00e4t verwechselt werden. Wenn ich sage: Ich bin Ich, so ist das Subjekt (Ich) und das Objekt (Ich) nicht so vereiniget, da\u00df gar keine Trennung vorgenommen werden kann, ohne, das Wesen desjenigen, was getrennt werden soll, zu verletzen; im Gegenteil das Ich ist nur durch diese Trennung des Ichs vom Ich m\u00f6glich. Wie kann ich sagen: Ich! ohne Selbstbewu\u00dftsein? Wie ist aber Selbstbewu\u00dftsein m\u00f6glich? Dadurch da\u00df ich mich mir selbst entgegensetze, mich von mir selbst trenne, aber ungeachtet dieser Trennung mich im entgegengesetzten als dasselbe erkenne. Aber inwieferne als dasselbe? Ich kann, ich mu\u00df so fragen; denn in einer andern R\u00fccksicht ist es sich entgegengesetzt. Also ist die Identit\u00e4t keine Vereinigung des Objekts und Subjekts, die schlechthin stattf\u00e4nde, also ist die Identit\u00e4t nicht = dem absoluten Sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>***<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jubil\u00e4en und Gedenkjahre sind ritualisierte Konstrukte und Ereignisse der Kulturgedenkroutine. Oft \u00fcberlagert die Eventisierung das Anregungspotenzial, das vom gefeierten Klassiker ausgehen k\u00f6nnte. Friedrich H\u00f6lderlins Leben ist die Geschichte eines Einzelg\u00e4ngers, der keinen Halt im Leben fand, obwohl er hingebungsvoll liebte und geliebt wurde. Als Dichter, \u00dcbersetzer, Philosoph, Hauslehrer und Revolution\u00e4r lebte er in zerrei\u00dfenden Spannungen, unter denen er schlie\u00dflich zusammenbrach. Erst das 20. Jahrhundert entdeckte seine tats\u00e4chliche Bedeutung, manche verkl\u00e4rten ihn sogar zu einem Mythos. Doch immer noch ist Friedrich H\u00f6lderlin der gro\u00dfe Unbekannte unter den Klassikern der deutschen Literatur. Es gibt konkur\u00adrierende Gesamtausgaben, die teilweise unterschiedliche Textgestalten pr\u00e4sentieren. In der sogenannten Frankfurter Ausgabe von D. E. Sattler finden sich Reproduktionen der Handschriften. Das Geburtshaus in Laufen am Neckar ist renoviert und zum Museum gestaltet, heute er\u00f6ffnet es mit einer Ausstellung. Im H\u00f6lderlinturm in T\u00fcbingen, in dem der Dichter seine zweite Lebensh\u00e4lfte verbrachte, ist eine neue multimediale Daueraus\u00adstellung zu sehen. Zum 250. Geburtstag bewegt sich KUNO entlang der poetischen H\u00f6lderlinie und versucht sich ihm und seinem Geheimnis zu n\u00e4hern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<div id=\"attachment_98741\" style=\"width: 234px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98741\" class=\"wp-image-98741 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Friedrich-Ho\u0308lderlin-224x300.jpg\" alt=\"\" width=\"224\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98741\" class=\"wp-caption-text\">Friedrich H\u00f6lderlin, Pastell von Franz Karl Hiemer, 1792<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Ulrich Bergmann hat das St\u00fcck \u201eDer Tod des Empedokles\u201c neu gelesen und fand ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/03\/25\/der-ueberbau-der-freiheit\/\">Gedicht<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Poesie ist das identit\u00e4tsstiftende Element der Kultur, KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologische Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Lesen Sie auch Friedrich H\u00f6lderlins Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14232\">\u00dcber die Verfahrungsweise des poetischen Geistes<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Urteil. ist im h\u00f6chsten und strengsten Sinne die urspr\u00fcngliche Trennung des in der intellektualen Anschauung innigst vereinigten Objekts und Subjekts, diejenige Trennung, wodurch erst Objekt und Subjekt m\u00f6glich wird, die Ur=Teilung. 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