{"id":14063,"date":"2013-03-07T00:01:00","date_gmt":"2013-03-06T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14063"},"modified":"2022-03-21T14:37:57","modified_gmt":"2022-03-21T13:37:57","slug":"widerstandsnester-gegen-den-sprachmull","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/03\/07\/widerstandsnester-gegen-den-sprachmull\/","title":{"rendered":"Widerstandsnester gegen den Sprachm\u00fcll"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die pathetische Ank\u00fcndigung zum zum <em>Welttag der Poesi<\/em>e nimmt den Mund sehr voll: <em>Widerstandsnester gegen den Sprachm\u00fcll<\/em>. Poesie, so die Versanstalter, ist Sprachkunst in konzentrierter Form. Sie schafft neue Ausdrucksm\u00f6glichkeiten und gibt uns Worte, wo die Worte fehlen. Sie dekonstruiert Sprache dort, wo sie missbraucht, banalisiert oder abgenutzt ist, und reinigt sie vom Sprachm\u00fcll. Mit einer Lesung in der Stiftung Brandenburger Tor feiern die umtriebige Literaturwerkstatt Berlin und ihre Partner heute den UNESCO-Welttag der Poesie. Mit dabei sind G\u00e9rard Haller (Frankreich), Orsolya Kal\u00e1sz (Deutschland\u2009\/\u2009Ungarn), Remi Raji (Nigeria), Tomas Venclova (Litauen), Yang Lian (Gro\u00dfbritannien\u2009\/\u2009 China).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dem gleichen Anlass befragt\u00a0<a href=\"http:\/\/www.lyrikline.org\/\">lyrikline.org<\/a>, die Webseite f\u00fcr Poesie, Dichter und Dichterinnen nach dem Ort, an dem sie schreiben, und pr\u00e4sentiert die Fotos und Texte auf dem lyrikline-Blog. Auskunft \u00fcber ihren Ort des Schreibens geben u.a. Eirikur \u00d6rn Norddahl (Island), Yan Jun (China), Ghayat Almadhoun (Schweden), Er\u00edn Mour\u00e9 (Quebec) und aus Deutschland der visuelle Poet Klaus Peter Dencker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>In Verlagen hat Lyrik einen schweren Stand, da sich mit ihr selten hohe Auflagen erzielen lassen. Durch das Internet werden Kommunikationsformen beg\u00fcnstigt, bei denen es auf K\u00fcrze und B\u00fcndelung ankommt. Die lyrische Verdichtung ist eine ideale Schule f\u00fcr die Poesie des Augenblicks, wie sie im Zeitalter der Smartphones inzwischen massenhaft praktiziert wird. Sie lehrt, wie sich in der sprachlichen Konzentration Ausdrucksm\u00f6glichkeiten erweitern. Die \u00e4lteste literarische Gattung ist vermutlich die aktuellste<\/em>, postuliert Dr. Roland Bernecker, Generalsekret\u00e4r der Deutschen UNESCO-Kommission.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prof. Monika Gr\u00fctters (MdB), Gastgeberin der Veranstaltung zum Welttag der Poesie, betont die Bedeutung des Welttages f\u00fcr den Schutz der Sprachkunst:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00c4hnlich wie beim Schutz des immateriellen Kulturerbes geht es auch beim UNESCO-Welttag der Poesie darum, das Bewusstsein zu sch\u00e4rfen f\u00fcr die Tradition m\u00fcndlicher \u00dcberlieferung, f\u00fcr die Vielfalt des Kulturgutes Sprache und daf\u00fcr, diese Sch\u00e4tze aktiv zu pflegen. Die Poesie l\u00f6st dabei keine Massenbewegung aus, sie ist eher wie ein Widerstandsnest in der Flut an Sprachm\u00fcll. Sie l\u00e4dt zum Hinh\u00f6ren und Innehalten ein, und das gilt weltweit. Was will man mehr?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der UNESCO-Welttag der Poesie w\u00fcrdigt den Stellenwert der Poesie, die Vielfalt des Kulturguts Sprache und die Bedeutung m\u00fcndlicher Traditionen. Er weist der Dichtkunst einen zentralen Platz im kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu. Seitdem er im Jahr 2000 ins Leben gerufen wurde, organisiert die Literaturwerkstatt Berlin gemeinsam mit ihren Partnern die zentrale Veranstaltung zum Welttag der Poesie in Deutschland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Cover6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-14068\" title=\"Cover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Cover6-197x300.jpg\" alt=\"\" width=\"197\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Cover6-197x300.jpg 197w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Cover6-674x1024.jpg 674w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Cover6.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/><\/a>Die Literaturwerkstatt Berlin f\u00fchrt eine Kampagne zur Gr\u00fcndung eines Deutschen Zentrums f\u00fcr Poesie. Dieses Poesiezentrum wird Informations-, Arbeits-, Begegnungs- und Veranstaltungsst\u00e4tte f\u00fcr Dichterinnen und Dichter sein, f\u00fcr die interessierte \u00d6ffentlichkeit aller Altersstufen, f\u00fcr Verleger, f\u00fcr Lernende und Lehrende, f\u00fcr Medien und Multiplikatoren aus dem In- und Ausland. Weitere Informationen unter <a href=\"http:\/\/www.poesiezentrum.de\/\">poesiezentrum.de<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum die Poesie unbedingt ein Zentrum in der alten Reichshauptstadt haben mu\u00df, ist f\u00fcr mich f\u00fcr mich als Anh\u00e4nger des F\u00f6deralismus nicht ersichtlich. Ich las letztens noch einmal <em>Zen and the Art of Motorcycle<\/em> <em>Maintenance<\/em> von Robert M. Pirsig. Darin hie\u00df es sinngem\u00e4\u00df: Wenn Du die Poesie suchst, wirst Du sie auch in der \u00d6labla\u00dfschraube eines Motorrads finden;-)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<div id=\"attachment_44595\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-image-44595 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-caption-text\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>, sowie einen Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>\u201c <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die pathetische Ank\u00fcndigung zum zum Welttag der Poesie nimmt den Mund sehr voll: Widerstandsnester gegen den Sprachm\u00fcll. Poesie, so die Versanstalter, ist Sprachkunst in konzentrierter Form. Sie schafft neue Ausdrucksm\u00f6glichkeiten und gibt uns Worte, wo die Worte fehlen. 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