{"id":13924,"date":"2013-04-11T00:01:55","date_gmt":"2013-04-10T22:01:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13924"},"modified":"2021-01-09T18:22:13","modified_gmt":"2021-01-09T17:22:13","slug":"wozu-noch-ein-gedicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/04\/11\/wozu-noch-ein-gedicht\/","title":{"rendered":"Wozu noch ein Gedicht?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Der Kritiker hasst den Dichter. Weil er wohl seine schwierigen, nicht aber seine einfachen S\u00e4tze versteht.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Gerhard Falkner<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201ewozu noch ein gedicht \/ schreiben frage ich mich \/ alles ist schon gesagt \/ in vielen variationen \/ immer die begegnung \/ mit dem eigenen ich \/ dieses hineinreden \/ in einen leeren raum \/ aus dem keine antwort \/ zur\u00fcckkommt zu mir\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Cover2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-13934\" title=\"Cover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Cover2-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Cover2-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Cover2-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Cover2.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Wiplingers lyrisches Werk ist \u00fcberaus umfangreich. Aber wenn er sich die oben zitierte Frage stellt, bezweifelt man deren w\u00f6rtliche Bedeutung. Denn ein Dichter wie er wird immer etwas zu sagen haben, auch wenn keine Antwort zu erwarten ist. Sein unruhiges Herz wird nach Ausdruck verlangen, und die Themen werden immer zur Stelle sein. \u201eSchattenzeit\u201c versammelt\u00a0 Bilder aus Rom, Venedig, Warschau, Krakau, Sarajevo, Prag und dem M\u00fchlviertel. Er skizziert Stimmung, Sinneseindr\u00fccke, Augenblicke auf die f\u00fcr ihn typische karge, klare Weise. Es ist eine asketische Lyrik, die sich nicht an Metaphern berauscht, der Aufrichtigkeit ein wichtiges Anliegen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Man sagt, Gedichte m\u00fc\u00dften verst\u00e4ndlich sein. So &#8230; [ein Aush\u00e4ngeschild auf der Stra\u00dfe], auf dem in klarer und einfacher Sprache geschrieben steht: \u201chier wird das und das verkauft&#8230;<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Welimir\u00a0Chlebnikov<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zornige der fr\u00fcheren Jahre scheint nun nicht mehr so sehr im Vordergrund zu stehen. Sanftere T\u00f6ne klingen an, der Genie\u00dfer kommt zum Vorschein, auch der sch\u00f6nen Seiten des Lebens wird gedacht. Erinnerungen, wenn auch ein wenig wehm\u00fctig, und das Vers\u00e4umte werden thematisiert, keinesfalls wehleidig, das w\u00fcrde nicht zu P.P.Wiplinger passen. Das herannahende Alter wird als nat\u00fcrlicher Vorgang angesprochen, sehr sch\u00f6n in dem Gedicht \u201eTagesanbruch\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201egrau d\u00e4mmert \/ der morgen \/ ein lichtstreif \/ am horizont \/ im dunkel noch \/ liegen die t\u00e4ler \/ in der ferne \/ die h\u00fcgel \/ lautlose stille \/ es ist herbst \/ und dies \/ auch in mir\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Trockenheit und Herbheit seines Stils mischt sich ein Hineinschauen und Hineinhorchen in die Natur bei, das eine liebende Gesinnung erahnen l\u00e4sst. Das Wort Liebe kommt \u00f6fter vor in diesen Gedichten, mit Abschied im Bunde und ohne Bitterkeit: \u201e \u2026 nicht nach der zeit fragen \/ die einem noch bleibt \/ an die liebe denken als sei \/ man noch eingebettet in ihr \u2026\u201c. P.P. Wiplinger ist ein leidenschaftlicher Mensch, aber nun findet eine Gelassenheit ihren Ausdruck, wenn er schreibt, dass alles schon auf Abruf geschieht, die Wege beendet und die Stunden nicht mehr gez\u00e4hlt werden sollen. \u201edie liebe la\u00df los \/ und auch die geliebte \/ tritt sprachlos ein \/ in das schweigen \/ sanft mag erklingen \/ melodie und musik \/ am himmel die sterne \/ in schwarzblauer nacht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Wozu noch ein Gedicht scheiben?<\/span><\/p>\n<p>Wie w\u00fcrde der Lyriker Wiplinger diese Frage beantworten? Weil Gedichte schreiben seine Form des Denkens und F\u00fchlens, der Kommunikation und des Lebens ist. Weil die Sprache seine Heimat ist, die er sonst nirgendwo findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter Paul Wiplinger,\u00a0<strong>Schattenzeit<\/strong>,\u00a0Gedichte 2000 -2010,\u00a0Arovell Verlag 2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kritiker hasst den Dichter. Weil er wohl seine schwierigen, nicht aber seine einfachen S\u00e4tze versteht. 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