{"id":13766,"date":"2023-06-13T00:01:00","date_gmt":"2023-06-12T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13766"},"modified":"2022-02-25T16:35:15","modified_gmt":"2022-02-25T15:35:15","slug":"einladung-zur-mitarbeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/06\/13\/einladung-zur-mitarbeit\/","title":{"rendered":"Einladung zur Mitarbeit"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter diesem Titel <span style=\"color: #888888;\">(Die Horen)<\/span> wird mit dem Anfang des Jahrs 1795 eine Monatsschrift erscheinen, zu deren Verfertigung eine Gesellschaft bekannter Gelehrten sich vereinigt hat. Sie wird sich \u00fcber alles verbreiten, was mit Geschmack und philosophischem Geiste behandelt werden kann, und also sowohl philosophischen Untersuchungen als historischen und poetischen Darstellungen offenstehen. Alles, was entweder blo\u00df den gelehrten Leser interessieren oder was blo\u00df den nichtgelehrten befriedigen kann, wird davon ausgeschlossen sein; vorz\u00fcglich aber und unbedingt wird sie sich alles verbieten, was sich auf Staatsreligion und politische Verfassung bezieht. Man widmet sie der\u00a0<em>sch\u00f6nen<\/em>\u00a0Welt zum Unterricht und zur Bildung und der\u00a0<em>gelehrten<\/em>\u00a0zu einer freien Forschung der Wahrheit und zu einem fruchtbaren Umtausch der Ideen; und indem man bem\u00fcht sein wird, die Wissenschaft selbst, durch den innern Gehalt, zu bereichern, hofft man zugleich den Kreis der Leser durch die Form zu erweitern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter der gro\u00dfen Menge von Zeitschriften, \u00e4hnlichen Inhalts, d\u00fcrfte es vielleicht schwer sein, Geh\u00f6r zu finden, und, nach so vielen verungl\u00fcckten Versuchen in dieser Art, noch schwerer, sich Glauben zu verschaffen. Ob die Herausgeber der gegenw\u00e4rtigen Monatsschrift gegr\u00fcndetere Hoffnungen haben, wird sich am besten aus den Mitteln abnehmen lassen, die man zur Erreichung jenes Zwecks eingeschlagen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur der innere Wert einer literarischen Unternehmung ist es, der ihr ein daurendes Gl\u00fcck bei dem Publikum versichern kann; auf der andern Seite aber ist es nur dieses Gl\u00fcck, welches ihrem Urheber den Mut und die Kr\u00e4fte gibt, etwas Betr\u00e4chtliches auf ihren Wert zu verwenden. Die gro\u00dfe Schwierigkeit also ist, da\u00df der Erfolg gewisserma\u00dfen schon realisiert sein m\u00fc\u00dfte, um den Aufwand, durch den allein er zu realisieren ist, m\u00f6glich zu machen. Aus diesem Zirkel ist kein anderer Ausweg, als da\u00df ein unternehmender Mann an jenen problematischen Erfolg so viel wage, als etwa n\u00f6tig sein d\u00fcrfte, ihn gewi\u00df zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Zeitschriften dieses Inhalts fehlt es gar nicht an einem zahlreichen Publikum, aber in dieses Publikum teilen sich zu viele einzelne Journale. W\u00fcrde man die K\u00e4ufer aller hieher geh\u00f6rigen Journale zusammenz\u00e4hlen, so w\u00fcrde sich eine Anzahl entdecken lassen, welche hinreichend w\u00e4re, auch die kostbarste Unternehmung im Gange zu erhalten. Diese ganze Anzahl nun steht derjenigen Zeitschrift zu Gebot, die alle die Vorteile in sich vereinigt, wodurch jene Schriften im einzelnen bestehen, ohne den Kaufpreis einer einzelnen unter denselben betr\u00e4chtlich zu \u00fcbersteigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder Schriftsteller von Verdienst hat in der lesen den Welt seinen eigenen Kreis, und selbst der am meisten gelesene hat nur einen gr\u00f6\u00dfern Kreis in derselben. So weit ist es noch nicht mit der Kultur der Deutschen gekommen, da\u00df sich das, was den Besten gef\u00e4llt, in jedermanns H\u00e4nden finden sollte. Treten nun die vorz\u00fcglichsten Schriftsteller der Nation in eine literarische Assoziation zusammen, so vereinigen sie eben dadurch das vorher geteilt gewesene Publikum, und das Werk, an welchem alle Anteil nehmen, wird die ganze lesende Welt zu seinem Publikum haben. Dadurch aber ist man imstande, jedem einzelnen alle die Vorteile anzubieten, die der allerweiteste Kreis der Leser und K\u00e4ufer einem Autor nur immer verschaffen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Verleger, der diesem Unternehmen in jeder R\u00fccksicht gewachsen ist, hat sich bereits (in dem Buchh\u00e4ndler Cotta v. T\u00fcbingen) gefunden und ist bereit, sie ins Werk zu richten, sobald die erforderliche Anzahl von Mitarbeitern sich zusammengefunden haben wird. Jeder Schriftsteller, an den man diese Anzeige sendet, wird also zum Beitritt an dieser Soziet\u00e4t eingeladen, und man hofft daf\u00fcr gesorgt zu haben, da\u00df er in keiner Gesellschaft, die seiner unw\u00fcrdig w\u00e4re, vor dem Publikum auftreten soll. Da aber die ganze Unternehmung nur unter der Bedingung einer geh\u00f6rigen Anzahl von Teilnehmern m\u00f6glich ist, so kann man keinem der eingeladenen Schriftsteller zu gestehen, seinen Beitritt bis nach Erscheinung des Journals aufzuschieben, weil man schon vorl\u00e4ufig wissen mu\u00df, auf wen man zu rechnen hat, um an die Ausf\u00fchrung auch nur denken zu k\u00f6nnen. Sobald aber die erforderliche Anzahl sich zusammengefunden hat, wird solches jedem Teilnehmer an der Zeitschrift unverz\u00fcglich bekanntgemacht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeden Monat, ist man \u00fcbereingekommen, ein St\u00fcck von 9 Bogen in Median zu liefern; der gedruckte Bogen wird mit&#8230; Ldors in Golde bezahlt. Daf\u00fcr verspricht der Verfasser, von diesen einmal abgedruckten Aufs\u00e4tzen drei Jahre nach ihrer Erscheinung keinen andern \u00f6ffentlichen Gebrauch zu machen, es sei denn, da\u00df betr\u00e4chtliche Ver\u00e4nderungen damit vorgenommen worden w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obgleich von denjenigen Gelehrten, deren Beitr\u00e4ge man sich ausbittet, nichts, was ihrer selbst und einer solchen Zeitschrift nicht ganz w\u00fcrdig w\u00e4re, zu bef\u00fcrchten ist, so hat man doch, aus leicht begreiflichen Gr\u00fcnden, die Verf\u00fcgung getroffen, da\u00df kein Mscrpt eher dem Druck \u00fcbergeben werde, als bis es einer dazu bestimmten Anzahl von Mitgliedern zur Beurteilung vorgelegt worden ist. Dieser Konvention werden sich die H. H. Teilnehmer um so eher unterwerfen, als sie versichert sein k\u00f6nnen, da\u00df h\u00f6chstens nur die relative Zweckm\u00e4\u00dfigkeit ihrer Beitr\u00e4ge in R\u00fccksicht auf den Plan und das Interesse des Journals zur Frage kommen kann. Eigenm\u00e4chtige Ab\u00e4nderungen wird weder der Redakteur noch der Ausschu\u00df sich in den Mscrpten erlauben. Sollten welche n\u00f6tig sein, so versteht es sich von selbst, da\u00df man den Verfasser ersuchen wird, sie selbst vorzunehmen. Der Abdruck der Mscrpte wird sich nach der Ordnung richten, in der sie eingesandt werden, soweit dieses mit der n\u00f6tigen Mannigfaltigkeit des Inhalts in den einzelnen Monatsst\u00fccken bestehen kann. Eben diese Mannigfaltigkeit macht die Verf\u00fcgung notwendig, da\u00df kein Beitrag durch mehr als drei St\u00fccke fortgesetzt werde und in keinem einzelnen St\u00fcck mehr als sechzig Seiten einnehme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Briefe und Mscrpte sendet man an den Redakteur dieser Monatsschrift, der den Hn. Hn. Verfassern f\u00fcr ihre eingesandten Beitr\u00e4ge steht und bereit ist, jedem, sobald es verlangt wird, Rechnung davon abzulegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df von dieser Anzeige kein \u00f6ffentlicher Gebrauch zu machen sei, wird kaum n\u00f6tig sein zu erinnern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"css-901oao css-16my406 r-poiln3 r-bcqeeo r-qvutc0\">Der <em>Einladung<\/em> von Friedrich Schiller vom 13. Jun. 1794 zur Mitarbeit an der Literaturzeitschrift <em>Die Horen<\/em> gibt dem Online-Magazin KUNO (Kulturnotizen) die M\u00f6glichkeit darauf hinzuweisen, da\u00df Autoren aus dem Bereich Glosse, Essay, Rezension willkommen sind. Besonders die Beitr\u00e4ge zu unserem Online-Archiv!<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_13798\" style=\"width: 229px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-Friedrich_schiller-219x3001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13798\" class=\"size-full wp-image-13798\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-Friedrich_schiller-219x3001.jpg\" alt=\"\" width=\"219\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13798\" class=\"wp-caption-text\">Friedrich Schiller, portr\u00e4tiert von Ludovike Simanowiz, 1794<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"css-901oao css-16my406 r-poiln3 r-bcqeeo r-qvutc0\">E<\/span>rinnerung wird zunehmend auf neue Technologien ausgelagert. Das Grundproblem der Erinnerungskultur (siehe auch: <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/01\/in-eigener-sache\/\">In eigener Sache<\/a><\/span>), der Zeugenschaft, der Autorschaft, ist die Frage: Wer erz\u00e4hlt, wer verarbeitet, wem eine Geschichte geh\u00f6rt? \u2013 <span data-offset-key=\"nqia-2-0\">\u201eKultur schafft und ist Kommunikation, Kultur lebt von der Kommunikation der Interessierten.\u201c, schreibt Haimo Hieronymus in einem der <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/06\/05\/interim-kulturnotizen\/\">Gr\u00fcndungstexte<\/a><\/span> von KUNO. <\/span>Die ausf\u00fchrliche Chronik des Projekts <em>Das Labor<\/em> lesen sie <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/10\/zukunft-braucht-herkunft\/\">hier<\/a>.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\"><span style=\"color: #ff0000;\">poetologischen<\/span> <span style=\"color: #ff0000;\">Positionsbestimmung<\/span><\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch KUNOs <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a><\/span> an die Gattung des Essays.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Unter diesem Titel (Die Horen) wird mit dem Anfang des Jahrs 1795 eine Monatsschrift erscheinen, zu deren Verfertigung eine Gesellschaft bekannter Gelehrten sich vereinigt hat. Sie wird sich \u00fcber alles verbreiten, was mit Geschmack und philosophischem Geiste behandelt werden&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/06\/13\/einladung-zur-mitarbeit\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":73,"featured_media":99271,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[497],"class_list":["post-13766","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-friedrich-schiller"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13766","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/73"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13766"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13766\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100603,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13766\/revisions\/100603"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99271"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}