{"id":13673,"date":"1995-03-16T00:01:23","date_gmt":"1995-03-15T23:01:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13673"},"modified":"2022-04-05T14:05:12","modified_gmt":"2022-04-05T12:05:12","slug":"uber-die-poesie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/03\/16\/uber-die-poesie\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Poesie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Nein, das ist zu arg! Erst Sauerkraut und dann 15 Seiten aus Jean Paul. Das halte aus, wer will!<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Goethe \u00fcber Jean Paul<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">G\u00f6thens Karakter ist f\u00fcrchterlich: das Genie ohne Tugend mu\u00df dahin kommen.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Jean Paul \u00fcber Goethe<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann eigentlich nichts real definieren als eine Definition selber; und eine falsche w\u00fcrde in diesem Falle so viel vom Gegenstande als eine wahre lehren. Das Wesen der dichterischen Darstellung ist wie alles Leben nur durch eine zweite darzustellen; mit <em>Farben<\/em> kann man nicht das <em>Licht<\/em> abmalen, das sie selber erst entstehen l\u00e4sset. Sogar blo\u00dfe Gleichnisse k\u00f6nnen oft mehr als Worterkl\u00e4rungen aussagen, z.B.: \u00bbdie Poesie ist die einzige zweite Welt in der hiesigen; \u2013 oder: wie Singen zum Reden, so verh\u00e4lt sich Poesie zur Prose; die Singstimme steht (nach Haller) in ihrer gr\u00f6\u00dften Tiefe doch h\u00f6her als der h\u00f6chste Sprechton; und wie der Sington schon f\u00fcr sich allein Musik ist, noch ohne Takt, ohne melodische Folge und ohne harmonische Verst\u00e4rkung, so gibt es Poesie schon ohne Metrum, ohne dramatische oder epische Reihe, ohne lyrische Gewalt.\u00ab Wenigstens w\u00fcrde in Bildern sich das verwandte Leben besser spiegeln als in toten Begriffen \u2013 nur aber f\u00fcr jeden anders; denn nichts bringt die Eigent\u00fcmlichkeit der Menschen mehr zur Sprache als die Wirkung, welche die Dichtkunst auf sie macht; und daher werden ihrer Definitionen ebenso viele sein als ihrer Leser und Zuh\u00f6rer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur der Geist eines ganzen Buchs \u2013 der Himmel schenk&#8216; ihn diesem \u2013 kann die rechte enthalten. Will man aber eine w\u00f6rtliche kurze: so ist die alte aristotelische, welche das Wesen der Poesie in einer sch\u00f6nen (geistigen) Nachahmung der Natur bestehen l\u00e4sset, darum verneinend die beste, weil sie zwei Extreme ausschlie\u00dfet, n\u00e4mlich den poetischen Nihilismus und den Materialismus. Bejahend aber wird sie erst durch n\u00e4here Bestimmung, was eine <em>sch\u00f6ne<\/em> oder <em>geistige<\/em> Nachahmung eigentlich sei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div id=\"attachment_13691\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-RichterJP2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13691\" class=\"size-full wp-image-13691\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-RichterJP2.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"288\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13691\" class=\"wp-caption-text\">Jean Paul, Gem\u00e4lde von Heinrich Pfenninger, 1798<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Grundproblem der Erinnerungskultur, der Zeugenschaft, der Autorschaft, ist die Frage: Wer erz\u00e4hlt, wer verarbeitet, wem eine Geschichte geh\u00f6rt? \u2013\u00a0<span data-offset-key=\"nqia-2-0\">\u201eKultur schafft und ist Kommunikation, Kultur lebt von der Kommunikation der Interessierten.\u201c, schreibt Haimo Hieronymus in einem der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/06\/05\/interim-kulturnotizen\/\">Gr\u00fcndungstexte<\/a> von KUNO. <\/span>Die ausf\u00fchrliche Chronik des Projekts <em>Das Labor<\/em> lesen sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/10\/zukunft-braucht-herkunft\/\">hier<\/a>. Diese Ausgrabungsst\u00e4tte f\u00fcr die Zukunft ist seit 2009 ein Label, die <em>Edition Das Labor<\/em>. Diese Edition arbeitet ohne Kapital, zuweilen mit Kapit\u00e4lchen, meist mit einer gro\u00dfen k\u00fcnstlerischen Spekulationskraft. Eine \u00dcbersicht \u00fcber die in diesem <em>Labor<\/em> seither realisierten K\u00fcnstlerb\u00fccher, B\u00fccher und H\u00f6rb\u00fccher finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, das ist zu arg! 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