{"id":1348,"date":"2006-11-07T00:01:00","date_gmt":"2006-11-06T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=1348"},"modified":"2021-10-31T17:19:44","modified_gmt":"2021-10-31T16:19:44","slug":"unsere-kultur-was-noch-nicht-ist-aber-werden-konnte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/11\/07\/unsere-kultur-was-noch-nicht-ist-aber-werden-konnte\/","title":{"rendered":"Unsere Kultur: Was noch nicht ist, aber werden k\u00f6nnte"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Mit der Kultur wird Geld verdient, gerade auch in Deutschland \u2013 von 30 Milliarden Euro Einnahmen j\u00e4hrlich ist die Rede. Viel Geld, aber wer bekommt dieses Geld? Einige Gro\u00dfverleger, Film- und Popkonzert-Moguln, einige wenige Gro\u00dfverdiener unter den Solisten, aber zugleich flie\u00dfen, wenn man es aufsummiert, Unsummen an all die Manager, Impressarios, Kulturfunktion\u00e4re, Kulturb\u00fcrokraten, parasit\u00e4ren Bezahlverleger (im Stile von \u201eder <em>August von Goethe<\/em> Literaturverlag, der Verlag f\u00fcr neue Autoren, ist ein Verlagsimprint der Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG\u201c). Aufgrund vergangener Gewerkschaftserfolge erhalten die Hilfskr\u00e4fte im staatlich-st\u00e4dtischen Kulturbetrieb \u2013 vom Personalchef und Oberbuchhalter bis hinab zum B\u00fchnenarbeiter\u00a0 &#8211; deutlich mehr als viele ihrer kreativen Kollegen, die Schauspieler, S\u00e4nger usw. sind und erst recht mehr als die K\u00fcnstler in freien Kooperativen und privaten Unternehmungen. Hier ist eine Revolution \u00fcberf\u00e4llig \u2013 bei Einkommen und Einstufung eine gewisse begrenzte und schrittweise Herabstufung der selbst bei \u00e4u\u00dferstem Flei\u00df Unproduktiven und eine parallele H\u00f6herstufung der Sch\u00f6pferischen, ob sie nun origin\u00e4rer K\u00fcnstler sind\u00a0 oder\u00a0 ein den Kunstentwurf umsetzender S\u00e4nger, T\u00e4nzer, Regisseur oder Schauspieler. Notwendig w\u00e4re auch, gr\u00fcndlich durchzuforsten, welche Mittler und Vermittler \u00fcberhaupt notwendig und hilfreich sind und hier die \u00dcberfl\u00fcssigen in\u00a0 andere und sinnvolle T\u00e4tigkeiten zu vermitteln. Ganz generell geht es darum, da\u00df der Kellner sich nicht l\u00e4nger als Koch oder gar als Restaurantbesitzer ausgibt, sondern zurechtgestutzt wird auf seine eigentliche Aufgabe, n\u00e4mlich Dienstleister und Diener der K\u00fcnste wie der K\u00fcnstler zu sein. So wie es musterg\u00fcltige Helfer in allen Alltagsn\u00f6ten gibt, die mehr Anerkennung verdienen als der, der uns unsere Schwierigkeiten tiefgr\u00fcndig erkl\u00e4ren kann, ohne auch nur einen Finger f\u00fcr uns zu r\u00fchren, so n\u00fctzt der Kunst derjenige mehr, der in klarer Erkenntnis seiner Grenzen sich um die Umsetzung und Durchsetzung der Kunstwerke k\u00fcmmert, als all diese verhinderten Dichter und Denker, die sich der Kunst in Kulturb\u00fcros und Lektoraten als notorische Bedenkentr\u00e4ger und als Verhinderer vom Dienst in den Weg stellen. Der notwendige reinigende Umschwung der Atmosph\u00e4re\u00a0 wird nat\u00fcrlich auch bedeuten, aus einigen der aufgeblasenen Kultur-TalkmasterInnen die hei\u00dfe Luft \u00f6ffentlicher Beachtung abzulassen, bis sie auf ihr wahres Zwergenma\u00df zur\u00fcckgeschrumpft sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die EU-Kommission betont in einer Studie f\u00fcr die EU-Kulturminister vom November 2006, da\u00df die Kultur \u2013 mit steigender Tendenz \u2013 immerhin 2,6 % zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert und im kulturellen Bereich in EU-Europa mit 5,8 Millionen mehr Arbeitnehmer besch\u00e4ftigt sind als in der Gesamtwirtschaft Irlands und Griechenlands zusammengenommen. Der Weltmedienhandel hat sich in den letzten 20 Jahren vervierfacht \u2013 ein gro\u00dfer Teil\u00a0 dieses Prozesses wird gespeist von Kulturg\u00fctern, die zu profitablen Investitionen geworden sind. Gerade im audiovisuellen Bereich dominieren die USA \u2013 hier haben die EU-L\u00e4nder ein Handelsbilanzdefizit in H\u00f6he von 8 Milliarden Dollar. Wim Wenders spricht von der \u201eaggressiven Ausgrenzungspolitik\u201c der USA, die den europ\u00e4ischen Film an die Wand dr\u00fccken wollen und dabei durchaus Erfolg haben: 2004 waren 17 der \u201eTop 20\u201c in Europa Hollywood-Filme, 70 % der Zuschauer sahen amerikanische Filme. Sehr zutreffend sagt Wim Wenders in einem Interview, klein sei ja auch das, was kleingemacht werde und das Feuilleton gebe \u201ejedem Schrott, der gro\u00df daherkommt, allen Platz der Welt\u201c, messe Gr\u00f6\u00dfe nur nach dem Budget, nicht aber nach inhaltlicher Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Ein Hinweis auf das Geamtwerk von Rolf Stolz<\/span>: <strong>WOLFSSEKUNDEN. Kurze Prosa 1995-2010. WERKE Band 1\u201c<\/strong>, mit einem Nachwort von <strong>Nikolaus Gatter<\/strong> (367 Seiten, fester Einband, 22 x 17 cm, 24,90 \u20ac, ISBN 9783746092430).<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=46871&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WolfssekundenxTitelseitex2neu.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WolfssekundenxTitelseitex2neu.jpg 315w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WolfssekundenxTitelseitex2neu-218x300.jpg 218w\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"266\" \/><\/a><em>Wolfssekunden<\/em> ist nach <em>Der Unvermiderte (<\/em>1991 bei Dipa in Frankfurt am Main), <em>Der Abschiednehmer<\/em> (2003 im Verlag Freiburger Echo in Freiburg im Breisgau) und <em>Gwalt<\/em> (2010 im KIDEMUS Verlag, K\u00f6ln) Rolf Stolz vierter erz\u00e4hlender und prosaischer Band. Es sind einfache Geschichten \u00fcber Menschen und ihre Schicksale, meist zwischen 1900 und 1999, zwischen Deutschland und der Nirgendwo-Welt angesiedelt. Diese Prosa bewegt sich zwischen Traumphantasien, (auto)-biographischen Fragmenten, Kurzkrimis, Parodien, Historien und Legenden bewegen sich diese Texte durch Zeit und Raum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Kultur wird Geld verdient, gerade auch in Deutschland \u2013 von 30 Milliarden Euro Einnahmen j\u00e4hrlich ist die Rede. Viel Geld, aber wer bekommt dieses Geld? 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