{"id":13332,"date":"2023-01-01T00:01:01","date_gmt":"2022-12-31T23:01:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13332"},"modified":"2022-12-29T17:01:38","modified_gmt":"2022-12-29T16:01:38","slug":"gedanken-ueber-das-denken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/01\/01\/gedanken-ueber-das-denken\/","title":{"rendered":"gedanken \u00fcber das denken"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas ist eigentlich ein Essay, wenn er keine wissenschaftliche Abhandlung, kein Traktat, kein Pamphlet und kein Roman ist?\u00ab \u00bbDer Verlag weiss nicht, ob er den Essay in der Sachbuch- oder Belletristik-Vorschau ank\u00fcndigt. Der Buchh\u00e4ndler weiss nicht, in welches Regal er ihn stellt; und die Kritiker, die Texte in die Schubladen ihrer geistigen H\u00e4ngeregistraturschr\u00e4nke einordnen wollen, k\u00f6nnen mit dem essayistischen Ich nichts anfangen, das von sich selbst erz\u00e4hlt, aber offenbar doch Exemplarisches meint.\u00ab das will ich hier in gedanken \u00fcber das denken aus unterschiedlichen perspektiven erkunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">SYSTEMDENKEN<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der wissenschaftliche essay ist gew\u00f6hnlich ein akademischer und damit, teils prinzipiell, etwas anderes als der literarisch freigeistige. wissenschaftliche essays folgen meist einem theoretischen kanon. zugleich sind sie ebenfalls freier und offener als ausschlie\u00dflich wissenschaftliche schriften. heraklit erkl\u00e4rte, \u00fcberflu\u00df an wissen lehre die menschheit nicht, weise zu sein. karl kraus ahnte, in einen hohlen kopf gehe viel wissen. ambrose bierce schrieb, wissen w\u00fcrden wir jenen teil unserer unwissenheit nennen, den wir geordnet und katalogisiert haben, georg christoph lichtenberg, es w\u00e4re unglaublich, wieviel regeln verderben k\u00f6nnen, sobald einmal alles gut geordnet ist, das gesetz sei ein gar kalter k\u00f6rper und auch ein systematischer freidenker ein systemdenker, heinrich heine, der geist habe seine ewigen rechte, er lie\u00dfe sich nicht eind\u00e4mmen durch satzungen. friedrich nietzsche, der wu\u00dfte, weisheit ist unabh\u00e4ngig vom wissen der wissenschaft, fragte, ob eine \u00fcberzeugung erst dann in die wissenschaft eintreten d\u00fcrfe, wenn sie aufh\u00f6re, \u00fcberzeugung zu sein, was er sicher bejahte. heinrich von kleist, der sp\u00fcrte, wissen mache weder besser noch gl\u00fccklicher, stellte die frage, ob nicht der anfang und das ende jeder wissenschaft in dunkel geh\u00fcllt seien. stanis\u0142aw jerzy lec bemerkte, da\u00df \u00bbDefinition\u00ab und \u00bbFinis\u00ab die gleiche wortwurzel haben, und meinte, pr\u00e4zises denken sei eine einschr\u00e4nkung der sch\u00f6pferischesn freiheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">lec erkannte auch, menschen h\u00e4tten eine sp\u00e4tz\u00fcndung, sie begriffen alles erst in der n\u00e4chsten generation, w\u00e4hrenddessen erobere unser unwissen immer weitere welten, egon friedell, ein universaler mensch erscheine unserem kategorisierenden, etikettierendem zeitalter der spezialisten und fachgelehrten ganz unbegreiflich, unerkl\u00e4rlich, ja verd\u00e4chtig. das gr\u00f6\u00dfte denkhindernis ist das leben. sobald menschen lebensinteressen haben, halten sie f\u00fcr richtig, was sie sofort ablehnen w\u00fcrden, wenn es au\u00dferhalb ihres lebens gesch\u00e4he.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">erich fromm, der aus der psychoanalyse kam, siehe \u00bbHaben oder Sein\u00ab und \u00bbVom Haben zum Sein\u00ab, z\u00e4hlt zu jenen wissenschaftlern, die durch essayistische formen und denkweisen das akademische denken \u00fcberwunden haben, \u00fcber das der ethnopsychoanalytiker mario erdheim, gemeinsam mit maya nadig, in \u00bbDie Zerst\u00f6rung der wissenschaftlichen Erfahrung durch das akademische Milieu \u2212 Ethnopsychoanalytische \u00dcberlegungen zur Aggressivit\u00e4t in der Wissenschaft\u00ab nachdachte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wer mit essays vorgefa\u00dfte meinungen vermitteln will, argumentiert schnell einseitig. das systemische kann einer repressiven und regressiven ordnung und denkart entsprechen. wer das denken vereinheitlicht, vereinf\u00e4ltigt es. journalistische und politische formen wie traktat, pamphlet, kolumne, glosse, leitartikel oder rede k\u00f6nnen gleichfalls merkmale des essay aufweisen, sind jedoch gemeinhin eher popul\u00e4rformen der meinungsindustrie, die in ihrer black box h\u00e4ufig in klischees denken l\u00e4\u00dft, herrschaftsgesten und legitimationsphrasen inbegriffen, dadurch einem imperialismus der sprachregelungen dient und unterm druck der eignen zw\u00e4nge und des geldmacht mehr polarisiert als differenziert. c.g. jung wies darauf hin, die meisten urteilten, weil denken schwer sei. paul virilio nannte journalisten \u00bbSoldaten der Information\u00ab. heute betrachten viele die schattenspiele und \u00fcberblendungen an der h\u00f6hlenwand der medien, als w\u00e4ren diese die realit\u00e4t selbst. medien sind umso erfolgreicher, je weniger man sie als solche wahrnimmt. je leistungsf\u00e4higer die wahrnehmungsinstrumente, umso perfekter verfl\u00fcchtigt sich die wirklichkeit. wo es an substantieller systemkritik fehlt, macht die grobe systemkritik karriere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der kluge mensch denkt vertiefend und \u00fcberindividuell, w\u00e4hrend der schlaue blo\u00df an der oberfl\u00e4che eigenn\u00fctzig handelt. menschen nutzen nahezu perfekt realit\u00e4ten f\u00fcr sich aus, die sie nicht verstehen wollen. je mehr das denken der menschen manipuliert wird, umso st\u00e4rker tritt egoismus an die stelle der individualit\u00e4t. politiker und journalisten, die gegen relativierungen wettern, sind blo\u00df andere p\u00e4pste ratzinger. lichtenberg sah, da\u00df die beherrscher des menschlichen geschlechts den lehrern desselben sehr an rang \u00fcberlegen seien. hieraus sehe man, was f\u00fcr ein sklavisches tier der mensch ist. egon friedell notierte, wer k\u00fcnde, habe nichts zu verk\u00fcnden, wer weisen wolle, beweise nicht. die \u00f6ffentliche meinung w\u00e4re der l\u00e4rm, der entstehe, wenn die bretter, die leute vor ihrem kopf tragen, ineinanderschlagen. kraus stellte fest, nur wer ein problem nicht durchlebt habe, werde imstande sein, einen leitartikel daraus zu machen. ein agitator ergreife das wort, der k\u00fcnstler werde vom wort ergriffen. einer idee sei weit mehr gedient, wenn sie nicht so gefa\u00dft w\u00e4r, da\u00df sie den geraden weg in die massen nehmen k\u00f6nne. nehme sie ihn durch das hindernis der pers\u00f6nlichkeit, so komme sie weiter, als wenn man sie popul\u00e4r mache. wollen wir es hoffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der geschwindigkeitsmediensimulationsundentwirklichungsanalytiker virilio dachte essayistisch in die zukunft hinein. dadurch wird er immer wieder neu aktuell, etwa mit b\u00fcchern wie \u00bbDie Eroberung des Menschen \/ Vom \u00dcbermenschen zum \u00fcberreizten Menschen\u00ab, \u00bbDie Sehmaschine\u00ab, \u00bbKrieg und Kino \/ Logistik der Wahrnehmung\u00ab oder \u00bb\u00c4sthetik des Verschwindens\u00ab. virilio wurde h\u00e4ufig als kulturpessimist bezeichnet. inzwischen erkennt man, da\u00df er mit seinen analysen und mahnungen oft recht behielt, so wenn er erkl\u00e4rte, die globalisierung sei die geschwindigkeit des lichts. geschwindigkeit aber rufe die leere hervor, und die leere treibe zur eile.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">BEGRIFFE<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">unabh\u00e4ngige essayisten mi\u00dftrauen mechanischem und zweifellosem denken, terminologien, definitionen und gewi\u00dfheiten sowie dem glauben an deren dauerhaftigkeit. sie sind skeptisch gegen\u00fcber begriffen und \u00fcberhaupt abstraktem denken. friedrich hebbel, der annahm, wenn die sprache ein produkt des begrifflichen geistes w\u00e4re anstatt des poetischen, w\u00fcrden wir nur eine sprache haben, meinte, mein lieblingssatz von ihm, abstrahieren hei\u00dfe die luft melken, lec, auf dem maskenball der begriffe gefalle sich der slogan als definition.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nietzsche sprach von \u00bbBegriffelchen\u00ab und \u00bbWinkel-Bekenntnissen\u00ab kleinb\u00fcrgerlicher systemdenker. lec bemerkte: \u00bbUns deformieren die Formeln.\u00ab, \u00bbGipfel von Schablone: Vorbild bleiben.\u00ab, \u00bbAm Anfang war das Wort \u2212 am Ende die Phrase.\u00ab, \u00bbAnalphabeten m\u00fcssen diktieren.\u00ab, und forderte: \u00bbH\u00f6rt auf, geistige D\u00fcrre fruchtbar zu machen.\u00ab friedell schrieb: \u00bbBegriffe, sagte Hobbes, sind Rechenpfennige. Er meinte damit, da\u00df sie nur eine Art Auskunftmittel seien, Zeichen und Marken, Symbole. Aber man k\u00f6nnte das Bild noch erweitern und sagen: Sie sind auch nicht viel mehr wert als Rechenpfennige. Sie sind armselige, d\u00fcnne, d\u00fcrftige Dutzendware, gerade gut genug, um t\u00f6richten Kindern oder leichtfertigen Spielern zu dienen. Denn ein Begriff ist, das lernt man schon in der Schule, immer sehr viel weniger als eine Wirklichkeit.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">lichtenberg nahm wahr, wir tun alle augenblick etwas, das wir nicht wissen. diese f\u00e4higkeit wird immer gr\u00f6\u00dfer. schlie\u00dflich werde der mensch im eigentlichen verstand ein denkendes tier. vernunft n\u00e4here sich der tierheit. nietzsche, der die europ\u00e4ischen v\u00f6lker die zahmen nannte, durchschaute: \u00bbDer Europ\u00e4er verkleidet sich in der Moral, weil er ein krankes, kr\u00e4nkliches, kr\u00fcppelhaftes Tier geworden ist.\u00ab und \u00bbdie Natur des <em>tierischen<\/em> <em>Bewu\u00dftseins<\/em> bringt es mit sich, da\u00df die Welt, derer wir bewu\u00dft werden k\u00f6nnen, nur eine Oberfl\u00e4chen- und Zeichenwelt ist, eine verallgemeinerte, eine vergemeinerte Welt \u2212 da\u00df alles, was bewu\u00dft wird, eben damit flach, d\u00fcnn, relativ-dumm, generell, Zeichen, Herden-Merkzeichen <em>wird<\/em>, da\u00df mit allem Bewu\u00dftwerden eine gro\u00dfe gr\u00fcndliche Verderbnis, F\u00e4lschung, Veroberfl\u00e4chlichung und Generalisation verbunden ist. Zuletzt ist das wachsende Bewu\u00dftsein eine Gefahr, und wer unter den bewu\u00dftesten Europ\u00e4ern lebt, wei\u00df sogar, da\u00df es eine Krankheit ist.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">WAHRHEIT<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">lichtenberg erkannte, es w\u00e4re eine quelle unseres ungl\u00fccks, da\u00df wir glaubten, die dinge seien wirklich, was wir glauben. ein vorurteil profanen denkens ist die annahme, eine tatsache allein sei eine wahrheit. die moderne hat den begriff der wahrheit problematisiert. wahrheiten kann man sich lediglich ann\u00e4hern und sie nicht besitzen. erst das geistige und ideelle durchdringen von erlebtem und erfahrenem bringt uns wahrheiten n\u00e4her. hebbel zeigte auf, fr\u00fchere zeiten wollten von der wissenschaft bestimmte feste resultate, bestimmte aufkl\u00e4rungen \u00fcber fragen des lebens, der moral, der kunst, mit einem wort wahrheiten. der gebildete von heute denke kaum mehr so. es g\u00e4be keine reine wahrheit, aber auch keinen reinen irrtum. jeder irrtum w\u00e4r eine maskierte wahrheit. niemand spreche eine wahrheit aus, die er nicht mit einem irrtum verzollen m\u00fcsse. bierce \u00e4u\u00dferte, der beweis sei eine aussage, einen grad glaubw\u00fcrdiger als eine unwahrheit. lec, der wu\u00dfte, es kann keine ewigen wahrheiten geben, ewige l\u00fcgen schon, schrieb, es w\u00e4re schwer, sich selbst die wahrheit zu sagen, wenn man sie kennt, die wahrheit \u00fcber das leben k\u00f6nnte in wahrheit nur ein toter niederschreiben, ein irrtum werde dann zu einem Irrtum, wenn er sich als wahrheit zu erkennen gebe, fragte, ob man an der wahrheit vorbeigehen d\u00fcrfe, antwortete, ja, wenn man ihr vorauseile, und empfahl ironisch, man sollte ein realist sein und nicht die wahrheit sprechen. gotthold ephraim lessing dachte, je gr\u00f6\u00dfer ein irrtum, umso gerader sei der weg zur wahrheit, kraus, die pers\u00f6nlichkeit habe ein recht zu irren, der philister k\u00f6nne zuf\u00e4llig recht haben. wir kennen auch geistreiche und originelle irrt\u00fcmer.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">DUMMHEIT<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">lichtenberg erkl\u00e4rte, die menschliche dummheit w\u00e4re international, es sei ein gl\u00fcck, da\u00df die gedanken-leerheit keine solche folgen habe wie die luftleerheit, sonst w\u00fcrden manche k\u00f6pfe, die sich an die lesung von werken wagten, die sie nicht verstehen, zusammengedr\u00fcckt werden, michel de montaigne, nur die dummen h\u00e4tten sofort eine \u00fcberzeugung fertig, friedell, gewohnheiten seien \u00fcberzeugungen und \u00fcberzeugungen werden dadurch gewonnen, da\u00df man sie habe, voltaire, blo\u00df die dummen w\u00fc\u00dften auf jede frage eine antwort, je mehr die dummheit wiederholt werde, desto mehr bekomme sie den schein von klugheit. hebbel konstatierte, wieviel in dieser welt aufgeboten werde, um dummheit zu beweisen, lec, dessen aphoristische gedanken oft miniatursatiren sind, manchmal zynisch elegant, oder elegant zynisch, ein dummkopf folgere niemals falsch, wortlawinen rollten gew\u00f6hnlich von den bergen der dummheit und ein gedankenloch k\u00f6nne man schlecht mit der wirklichkeit vollstopfen, kraus, er h\u00e4tte einen gekannt, der die bildung in der westentasche trug, weil dort mehr platz war als in seinem kopf, ernst j\u00fcnger, wenn es gelte, in masse \u00fcber einen einzelnen herzufallen, seien die deutschen immer dabei, es m\u00fcsse nur ungef\u00e4hrlich sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wer t\u00e4glich im laufrad sitzt, wird bald zum geistigen hamster. vermutlich empfinden viele geistige leere als erholung vom stre\u00df der beschleunigungen des alltags. alle haben jene vorurteile, und damit, voreingenommen, also vereinnahmt, h\u00e4ufig fehlurteile, die ihnen nutzen. werden solche urteile kollektiv, k\u00f6nnen ganze menschengruppen den verstand verlieren. aktuelle verschw\u00f6rungstheorien sind eine neue form der alten feindbilder. das gewerbe der l\u00fcgenundbetrugsberater boomt. da mu\u00df man sich \u00fcber verschw\u00f6rungserfinder und verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubigkeit nicht wundern. meinungsumfragen fragen ab, wieviel prozent der b\u00fcrger an die gerad vorherrschenden manipulierten stimmungen, meinungen, ressentiments und aversionen glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die heutige dummheit ist vor allem eine dummheit des privaten, die sich durch medien und meuten vervielfacht. jede generation glaubt, eine ver\u00e4nderung der erscheinugsformen des dummen w\u00fcrde die dummheit insgesamt \u00fcberwinden, die eben deshalb weiterlebt. geistige und kulturelle beschr\u00e4nktheit sind praktisch permanente modeerscheinungen. und moden dienen der kapitalvermehrung. f\u00fcr manche ist das denken blo\u00df ein hammer oder eine kneifzange.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die meisten menschen wissen nicht, wann und wo sie leben. keine gegenwart hat ein realistisches bild von sich selbst. die gegenwart ist immer von gestern. f\u00fcr die zukunft mu\u00df man selber denken. wer nur seine eigne zeit sieht, bleibt hinter seiner zeit zur\u00fcck. sp\u00e4tere generationen wird nicht mehr interessieren, ob wir heute angenehm leben, sondern viel eher, wie genau wir unsere gegenwart wahrnahmen und k\u00fcnftige entwicklungen voraussehen und entsprechend handeln konnten. und daf\u00fcr braucht man ein kritisches bewu\u00dftsein. wie sehr darf der mensch seine gegenwart durchschauen, wenn er danach noch leben will?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">GESCHICHTE<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">schon die studien des aristoteles k\u00f6nnte man essayistisch nennen. viele fr\u00fche essayisten waren geschichtsschreiber, so herodot, thukydides, xenophon, strabon, plutarch und flavius josephus, bei denen man teils bereits den anspruch der neutralen wahrheitssuche und relativer objektivit\u00e4t findet. emile m. cioran bemerkte, wenn man die geschichte nicht kenne, bleibe man auf immer ein kind, das nie erwachsen wird. am beginn unserer zivilisation habe sich homer den luxus der objektivit\u00e4t geleistet. bei uns antipoden einer sp\u00e4tepoche gebe es nur noch raum f\u00fcr eine attit\u00fcde, wom\u00f6glich selbst auf der jenseitigen erdseite, der idealist lessing, die geschichte solle nicht das ged\u00e4chtnis beschweren, sondern den verstand erleuchten, voltaire, geschichte sei eine l\u00fcge, auf die man sich geeinigt hat. lec stellte fest: \u00bbDie Geschichte lehrt, wie man sie f\u00e4lscht.\u00ab, \u00bbH\u00e4tte ich damals gewu\u00dft, was ich heute wei\u00df, w\u00fc\u00dfte ich es heute nicht.\u00ab, \u00bbIch kenne Folgen, die sich jedes Jahr neue Ursachen suchen.\u00ab, \u00bbSchreckgespenst der Zukunft: Denkm\u00e4ler, die reden.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">friedell erkannte: \u00bbDa\u00df man das Weltalter, das um zwei bis drei Jahrtausende j\u00fcnger ist als das unsere, das Altertum nennt, beruht auf derselben naiven Optik, nach der wir uns unseren Gro\u00dfpapa unter allen Umst\u00e4nden als alten Herrn vorstellen, w\u00e4hrend er doch in Wirklichkeit zweifellos j\u00fcnger war als wir, n\u00e4mlich w\u00e4rmer, unkomplizierter, kindlicher.\u00ab und er sah voraus: \u00bbEs ist sehr wahrscheinlich, da\u00df man eines Tages die Ruinen unserer Funkt\u00fcrme ebenso schl\u00fcssellos anstaunen wird, wie wir die \u00e4gyptischen Tempelriesen, und unseren Logarithmentafeln dasselbe rein kulturhistorische Interesse entgegenbringen, mit dem wir die Tontafeln betrachten.\u00ab die postmoderne these vom \u00bbEnde der Geschichte\u00ab, die eine unbegrenzte herrschaft der einen, samt ihrer herrschaftsformen, \u00fcber die andern meinte, w\u00e4re wortw\u00f6rtlich verstanden das ende der menschheit. und selbst dann ginge die naturgeschichte weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">AUFKL\u00c4RUNG<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">aufgekl\u00e4rt und modern sein hei\u00dft eigenst\u00e4ndig denken und aufkl\u00e4ren hinterfragen und entgegnen, unabh\u00e4ngig von ideologien, konventionen und einem zeitgeist. wer selber denken will, mu\u00df gegen\u00fcber normen und regeln mi\u00dftrauisch sein, zumal schablosenhaften. erkennen verlangt, aversionen und illusionen zu \u00fcberwinden. hebbel schrieb gegen vorurteile, manches, das man ohne grund verwerfe, m\u00fcsse man studieren, um es mit grund verwerfen zu k\u00f6nnen. bei voltaire liest man, das wahrste wort der menschensprache hei\u00dfe vielleicht, bei lessing, das aber koste \u00fcberlegung. friedell bemerkte, wir f\u00e4nden ein zeitalter umso aufgekl\u00e4rter, je mehr r\u00e4tsel es hinterlasse. alles aktiviere sich, wenn sich die widerspr\u00fcche h\u00e4uften. kultur sei reichtum an problemen. freilich kann etwas, das sch\u00f6pferisch bef\u00f6rdert, zugleich sozial verheerend sein und etwa gewalt bewirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">friedell hob hervor, aus denselben gr\u00fcnden, aus denen kant ein system schuf, ja schaffen mu\u00dfte, war es f\u00fcr lichtenberg unm\u00f6glich, seine philosophischen erkenntnisse zu einer gesamtkonstruktion zu ordnen. lichtenberg w\u00e4re nicht der \u00bbPsychologie der Laboratorien und Statistiken gefolgt, sondern der \u00bbPsychologie der lebendigen Selbstbeobachtung, der unerbittlichen Autovivisektion\u00ab. lichtenberg sei der scharfe schlagschatten, den das licht der aufkl\u00e4rung warf, und es w\u00e4r eine der absurdit\u00e4ten, gemeint sind paradoxien, der literaturhistorie, da\u00df dieser schatten l\u00e4nger und kr\u00e4ftiger sichtbar geblieben ist als jenes licht, da der aufkl\u00e4rer lichtenberg, der souver\u00e4n und distanziert beobachtete, auch bereits die negativen wirkungen der aufkl\u00e4rung durchschaute, wie sp\u00e4ter theodor w. adorno in \u00bbKritik der instrumentellen Vernunft\u00ab sowie max horkheimer und adorno in \u00bbDialektik der Aufkl\u00e4rung\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das reflexive denken ist das wichtigste erbe der aufkl\u00e4rung, und der kritik derselben, weil es sich immer wieder neu anwenden l\u00e4\u00dft, w\u00e4hrend politische, soziale, wirtschaftliche, finanzielle, religi\u00f6se und kulturelle systeme zerfallen und vergehen. der europ\u00e4ische geist will reflektieren. und das sollte so bleiben, zumal es vor groben weltbildern sch\u00fctzen kann. das wahrnehmen von gegens\u00e4tzen und differenzen, in denen man nicht verharrt und die man nicht verh\u00e4rtet, erm\u00f6glicht sublimierungen des ambivalenten. freilich besteht die gefahr, da\u00df man etwas zerreflektiert und vor lauter deutungsnuancen, die als spiegelbilder ihre gegenst\u00e4nde \u00fcberblenden, das inhaltsganze und wesentliche aus dem blick verliert. wo alles beliebig wird, dienen auch die dogmen der steigerung der indifferenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">einer der wichtigsten s\u00e4tze \u00fcber das denken, der zum gefl\u00fcgelten, also befiederten, wort wurde, ist: \u00bbIch wei\u00df, da\u00df ich nicht wei\u00df.\u00ab cicero f\u00fchrte diesen satz, der sich urspr\u00fcnglich gegen scheinwissen richtete, auf sokrates zur\u00fcck. montaigne kommentierte, nichts werde so fest geglaubt als das, was wir am wenigsten w\u00fc\u00dften, man m\u00fcsse viel lernen, um zu erkennen, da\u00df man wenig wisse, friedell, die wirklichkeit sei immer und \u00fcberall gleich, n\u00e4mlich unbekannt, paul val\u00e9ry, dichter, philosoph und essayist, w\u00fcrde der mensch niemals irren, f\u00e4nde er nichts, lec, unter allen menschlichen entdeckungen sollte die entdeckung der fehler die wichtigste sein, bertolt brecht: \u00bbWas du nicht selber wei\u00dft, wei\u00dft du nicht.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">FRANZ\u00d6SISCHE ESSAYISTEN<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">als begr\u00fcnder des essay der neuzeit gilt montaigne, humanist, differenzierer und skeptiker, alldas geh\u00f6rt zusammen, undogmatisch, tolerant und fast frei von vorurteilen, der behaupteten absoluten wahrheiten mi\u00dftraute und die relativit\u00e4t seines denkens und des denkens \u00fcberhaupt betonte. friedell, dem bewu\u00dft war, montaigne habe die welt weder beherrschen noch willenlos hinnehmen wollen, \u00e4u\u00dferte: \u00bbauch Hamlet hatte Montaigne gelesen und gelangte durch ihn zu der sehr tiefen Einsicht, da\u00df jeder Handelnde, indem er Partei ergreift, notwendig beschr\u00e4nkt, ungerecht, grausam sein mu\u00df, da\u00df die Tat der Unsinn ist.\u00ab ja wirklich, montaigne lebte vor william shakespeare.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">friedell bekannte, voltaire, der annahm, man k\u00f6nne die menschen zur vernunft bringen, indem man sie dazu verleite, selbst zu denken, sei die essenz ganz frankreichs und des gesamten 18. jahrhunderts. wenn die welt heute nur noch zu zwei f\u00fcnfteln aus schurken und zu drei achteln aus idioten bestehe, so w\u00e4re das zu einem gro\u00dfen teil voltaire zu verdanken. barthes schrieb: \u00bbEssayist ist man, weil man Kopfmensch ist.\u00ab franz\u00f6sische denker wie barthes haben auch, oder gerade, als kopfmenschen, charme, von michel de montaigne, denis diderot, voltaire und germain de sta\u00ebl \u00fcber jules michelet, charles baudelaire, jean-henri fabre, gaston bachelard, emile durkheim, henri bergson, paul claudel, andr\u00e9 gide, paul val\u00e9ry, marcel mauss bis zu andr\u00e9 breton, louis aragon, georges bataille, michel leiris, jean-paul sartre, albert camus, mircea eliade, maurice blanchot, claude l\u00e9vi-strauss, maurice merleau-ponty, simone weil, simone de beauvoir, emile m. cioran, roger caillois, philippe ari\u00e8s, marguerite duras, roland barthes, jean-fran\u00e7ois lyotard, jacques derrida, gilles deleuze, michel foucauld, jean baudrillard, michel serres, paul virilio, h\u00e9l\u00e8ne cixous und julia kristeva.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">ENGLISCHE UND ANDERE ESSAYISTEN<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">novalis behauptete: \u00bbJeder Engl\u00e4nder ist eine Insel.\u00ab, lichtenberg: \u00bbIn England hat beinah jedermann seine eigene Meinung.\u00ab, friedell: \u00bbEine Sache ist wahr, weil sie zu mir pa\u00dft, das ist die Metaphysik der Engl\u00e4nder.\u00ab, \u00bbAn der Wiege Europas schenkte Gott dem Engl\u00e4nder das Talent zum Erfolg, dem Franzosen die Gabe der Form, dem Deutschen aber die Sehnsucht.\u00ab, was freilich von historischen entwicklungen abhing, voltaire: \u00bbDie Deutschen sind die Greise von Europa, die Engl\u00e4nder die M\u00e4nner, die Franzosen die Kinder.\u00ab und: \u00bbDie Engl\u00e4nder haben zweiundvierzig Religionen, aber nur zwei Saucen.\u00ab, arthur schopenhauer: \u00bbJede Nation spottet \u00fcber die andere, und alle haben Recht.\u00ab lichtenberg spottete am meisten \u00fcber die deutschen: \u00bbSag, ist noch ein Land au\u00dfer Deutschland, wo man die Nase eher r\u00fcmpfen lernt als putzen?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">wichtige englischsprachige essayisten waren thomas horus, thomas hobbes, daniel defoe, jonathan swift, lord byron, edgar allan poe, james george frazer, ezra pound, robert ranke-graves, marshall mcluhan, susab sontag und doris lessing. genannt seien au\u00dferdem die italiener dante alighieri und giorgio agamben, die niederl\u00e4nder erasmus von rotterdam und johan huizinga, die mexikaner octavio paz und carlos fuentes, der argentinier jorge luis borges, der spanier jorge guill\u00e9n, der belgier maurice maeterlinck, der schwede gunnar ekel\u00f6f, der kroate miroslav krle\u017ea und der serbe du\u015ban mati\u0107.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">DEUTSCHE ESSAYISTEN<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">friedell registrierte, nichts w\u00e4re im menschen, auch im scheinbar aufgekl\u00e4rtesten, fester verwurzelt, als der glaube an irgendwelche autorit\u00e4ten. die menschheit pflege n\u00e4mlich alles wirkliche erst dann ernst zu nehmen, wenn es nicht mehr ernst zu nehmen ist, wenn es eingelebt sei, was aber dasselbe bedeute wie ausgelebt, wenn es eine institution, das hei\u00dft r\u00fcckst\u00e4ndig geworden ist, denn institutionen seien immer r\u00fcckst\u00e4ndig. lichtenberg fand, die meisten menschen n\u00e4hmen die meinungen so an, wie sie von anderen gemacht worden sind, der deutsche gehe darin unbegreiflich weit, nietzsche, der unmittelbar der moderne vorausging, befehlen k\u00f6nne nur, wer zum gehorchen geboren w\u00e4r, der mensch m\u00fcsse etwas haben, dem er unbedingt gehorchen k\u00f6nne, das sei eine deutsche empfindung, eine deutsche folgerichtigkeit, man begegne ihr auf dem grunde aller deutschen morallehren, hebbel, der deutsche w\u00e4re der geborene infinitiv, er lasse sich nicht deklinieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">deutsche intellektuelle neigten, sofern das kein sich hartn\u00e4ckig haltendes vorurteil ist, zum belehrenden und thesenhaften wohl auch, weil sie l\u00e4nger um grunds\u00e4tzliche freiheiten des denkens k\u00e4mpfen und streiten mu\u00dften, w\u00e4hrend englische und franz\u00f6sische denker fr\u00fcher differenzieren und relativieren sowie \u00fcber das subtile und nuancierte nachdenken konnten. elias canetti befand, es sei ein erblaster des intellektuellen, da\u00df die welt f\u00fcr ihn aus intellektuellen besteht, kafka, die logik w\u00e4re zwar unersch\u00fctterlich, aber einem menschen, der leben wolle, widerstehe sie nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">deutsch mochte man lange die mischform des essay nicht. hagedorn vermerkt: \u00bbDer Essay ist eine Form, die in der deutschen Literaturgeschichte nicht viele Gew\u00e4hrsleute hat. Adorno und Hans Magnus Enzensberger beklagten sich dar\u00fcber schon in ihren literaturkritischen Essays, die sie zu den wenigen deutschsprachigen Vertretern dieser Gattung machten.\u00ab dennoch gibt es wichtige und weiterwirkende deutschsprachige essayisten, also schriftsteller, dichter, philosophen und naturforscher, wie: johann reuchlin, martin luther, gotthold ephraim lessing, moses mendelssohn, johann georg hamann, christoph martin wieland, georg christoph lichtenberg, johann gottfried herder, johann wolfgang von goethe, friedrich schiller, georg forster, johann peter hebel, jean paul, johann gottlieb fichte, alexander von humboldt, georg wilhelm hegel, immanuel kant, friedrich von schlegel, novalis, friedrich von schelling, friedrich schleiermacher, karoline schelling-schlegel, bettina von arnim, heinrich von kleist, heinrich heine, ludwig b\u00f6rne, christian dietrich grabbe, friedrich hebbel, georg b\u00fcchner, arthur schopenhauer, ludwig feuerbach, karl marx, friedrich engels, friedrich nietzsche, alfred brehm, ernst haeckel, sigmund freud, c.g. jung, rainer maria rilke, ricarda huch, else lasker-sch\u00fcler, rosa luxemburg, heinrich mann, thomas mann, theodor lessing, karl kraus, egon friedell, robert musil, martin heidegger, martin buber, ernst bloch, kurt tucholsky, walter benjamin, theodor w. adorno, gershom scholem, siegfried kracauer, max horkheimer, hannah arendt, g\u00fcnther anders, erich fromm, mario erdheim, elias canetti, hugo ball, paul celan, konrad lorenz, gottfried benn, karl heinz bohrer, helmut lethen, friedrich d\u00fcrrenmatt, max frisch, sergius golowin, peter von matt, peter b\u00fcrger, arno schmidt, helmut hei\u00dfenb\u00fcttel, walter h\u00f6llerer, hans magnus enzensberger, peter r\u00fchmkorf, dieter e. zimmer, g\u00fcnter kunert, peter sloterdijk, r\u00fcdiger safranski, peter h\u00e4rtlimg, hans peter duerr, hans mayer, bertolt brecht, anna seghers, stephan hermlin, j\u00fcrgen kuczynski, christa wolf, gerhard wolf, g\u00fcnter de bruyn, franz f\u00fchmann, raoul schrott, ulrike draesner und uljana wolf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nat\u00fcrlich kann eine solche namensliste nie vollst\u00e4ndig sein. ich erw\u00e4hne nur autoren, von denen ich etwas gelesen habe, oder geh\u00f6rt, meist im rundfunk, und von deren substanz ich \u00fcberzeugt bin, auch wenn nur ein bemerkenswerter essayischen text existiert, so bei celan die b\u00fcchnerpreis-rede. das hei\u00dft jedoch nicht, da\u00df ich allen ihren gedanken zustimme. mitunter zeigt sich erst nach vielen jahren, wer bedeutend ist. wie viele frauen sowie kinder katholischer pfarrer konnten keine essayisten werden, die ersten, da man ihnen bildung verweigerte, die zweiten, weil sie nicht geboren wurden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die funkessays von arno schmidt wirken l\u00e4ngst traditionsbildend. die verschiedenen diskursfiguren darin erm\u00f6glichen unterschiedliche perspektiven auf einen schriftsteller und dessen b\u00fccher und ein permanentes relativieren, zu dem auch ironische, parodistische und persiflierende passagen geh\u00f6ren. als die besten der schmidtschen funkessays empfinde ich jene \u00fcber barthold heinrich brockes, friedrich gottlieb klopstock, karl philipp moritz, karl gutzkow, die bront\u00eb-schwestern und james joyce, au\u00dferdem seine schriften \u00fcber jean paul. benjamin verfa\u00dfte zwischen 1929 bis 1933 85 rundfunkbeitr\u00e4ge. alban nikolai herbst schrieb, wenn ich mich richtig erinnere, einen funkessay \u00fcber arno schmidt im stil der funkessays von arno schmidt. der film \u00bbHistoire(s) du cin\u00e9ma\u00ab von jean-luc godard besteht fast einzig aus filmzitaten, \u00bbNouvelle Vague\u00ab aus textzitaten. auf diese weise wurden beide filme zu filmessays. kunstvolle zitierer k\u00f6nnen gleichfalls k\u00fcnstler und dichter sein. ein solches zitieren bedeutet aber nicht kopieren, sondern herbeirufen, einfangen, pfl\u00fccken sowie montieren, collagieren, korrespondenzen, symbiosen, sympathien schaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">SKEPSIS<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">autarke essays sind immer auch denkkritik. ein wichtiges merkmal guter essayisten ist skepsis, eine zivilisationsleistung, die stets, und von jeder generation, neu erlernt werden mu\u00df. lichtenberg wu\u00dfte, wahrhaftes unaffektiertes mi\u00dftrauen gegen menschliche kr\u00e4fte in allen st\u00fccken sei das sicherste zeichen von geistesst\u00e4rke, dinge zu bezweifeln, die ganz ohne weitere untersuchung jetzt geglaubt werden, w\u00e4re die hauptsache \u00fcberall, dem gro\u00dfen genie falle \u00fcberall ein, k\u00f6nnte nicht auch dieses falsch sein, es gebe seine stimme nie ohne \u00fcberlegung, sobald einer ein gebrechen habe, hat er eine eigene meinung, lichtenberg konnte unter anderem deshalb krumm denken, weil er einen buckel hatte, an dem er die systemdenker runterrutschen lie\u00df, val\u00e9ry, denker seien leute, die aufs neue denken, da\u00df das, was vorher gedacht worden sei, niemals hinreichend bedacht worden sein kann, tucholsky, nichts w\u00e4re schwerer und erfordere mehr charakter, als sich in offenem gegensatz zu seiner zeit zu befinden und laut zu sagen: nein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">montaigne erkannte, philosophieren hei\u00dft zweifeln, hebbel, das leben sei ein traum, der sich selbst bezweifle, voltaire, je mehr man wisse, umso mehr bezweiflte man, novalis: \u00bbWer sucht, wird zweifeln.\u00ab und \u00bbWir <em>suchen<\/em> \u00fcberall das Unbedingte und f<em>inden<\/em> immer nur Dinge.\u00ab fr\u00fche skeptiker und relativisten waren sophisten wie protagoras, kritias und antiphon von athen. die christliche skepsis war immer stark moralisch grundiert. nietzsche erkl\u00e4rte, der polytheismus hingegen w\u00e4re frei, eine kraft, sich neue und eigene augen zu schaffen, und immer wieder neue und noch eigenere, vielg\u00f6tterei ist auch sehr viel moderner als der eine gott, in den man alles hineinprojiziert, was ihn, den menschen ohnehin fern und fremd, \u00fcberfordern mu\u00df, und: \u00bb<em>Zweifel am Zweifel.<\/em> \u00bb&#8220;Welch sch\u00f6nes Kopfkissen ist der Zweifel f\u00fcr einen gut gebauten Kopf&#8220; \u2212 dies Wort Montaignes hat Pascal immer erbittert, denn es verlangte niemanden gerade so sehr nach einem guten Kopfkissen, als ihn. Woran fehlte es doch?\u00ab, cioran, skepsis sei die eleganz der angst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">friedell formulierte: \u00bbDer Skeptiker wei\u00df alles und bel\u00e4chelt alles. Der Idealist nimmt die Wirklichkeit nicht ernst. Demgegen\u00fcber sagt der Realist zum Idealisten: Ich nehme deine Welt der Ideen nicht ernst. Der Skeptiker nimmt alle beide nicht ernst. F\u00fcr ihn ist die Welt nichts als eine ewige Schaukel.\u00ab und: \u00bbWenn ein Zeitalter kommt, in dem alles zu schwanken beginnt, die politischen, die ethnischen, die theologischen, die k\u00fcnstlerischen Werte, dann hat der Skeptiker das gro\u00dfe Wort.\u00ab zum skeptiker nietzsche schrieb friedell: \u00bbEr sucht Tiefen auf, die ihn verschlingen, und mit dem Bewu\u00dftsein, da\u00df sie ihn verschlingen. Er ist eine Warnung: Hier ist&#8217;s tief. Aus jedem seiner S\u00e4tze spricht die ergreifende Mahnung: Folget mir nicht nach!\u00ab lec empfahl sp\u00f6ttisch: \u00bbSei kein Skeptiker. Beginne endlich an die Existenz des immanent B\u00f6sen zu glauben.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">hebbel verstand, wer damit anfange, da\u00df er allem traut, werde damit enden, da\u00df er jeden f\u00fcr einen schurken halte. voltaire riet, man solle menschen eher nach ihren fragen als nach ihren antworten beurteilen. beim zweifler kafka lesen wir: \u00bbFr\u00fcher begriff ich nicht, warum ich auf meine Frage keine Antwort bekam, heute begreife ich nicht, wie ich glauben konnte, fragen zu k\u00f6nnen. Aber ich glaubte ja gar nicht, ich fragte nur.\u00ab lec gab den rat: \u00bbWo Antworten mit einem Fragezeichen stehen, sollten Fragen mit einem Ausrufezeichen enden.\u00ab und: \u00bbGebrauche keine Worte, die selbst nicht wissen, was sie bedeuten.\u00ab, lichtenberg: \u00bbVon jedem Wort mu\u00df man sich wenigstens ein mal eine Erkl\u00e4rung gemacht haben, und keines brauchen, das man nicht versteht.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">kafka meinte: \u00bbDer Geist wird frei, wenn er aufh\u00f6rt, Halt zu sein.\u00ab menschen, die auffallend objektivierend denken, sind oft traumatasiert. der gr\u00fcbler bewahrt sich durch sein gr\u00fcbeln vor der grube. vielleicht leben pessimisten sogar l\u00e4nger, weil sie gefahren besser wittern und eher vorkehrungen gegen sie treffen. lec lie\u00df uns wissen: \u00bbIch bin Optimist. Ich glaube an den erl\u00f6senden Einflu\u00df des Pessimismus.\u00ab auch, und gerade, dem fortschritt gegen\u00fcber sollte man skeptisch sein. alles positive, vorteilhafte, ermutigende hat auch negative, nachteilige und sch\u00e4dliche seiten, und umgekehrt. friedell notierte: \u00bbAller Fortschritt n\u00e4mlich zersetzt, trennt, l\u00f6st auf, zersplittert kompakte Solidit\u00e4ten, zerrei\u00dft althergebrachte Zusammenh\u00e4nge, zerst\u00f6rt, sprengt in die Luft. Aller Fortschritt hat das Thema, das Dasein zu irrationalisieren, es widerspruchsvoller und fragw\u00fcrdiger, tiefer, bodenloser zu machen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">IST GOTT TOT?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bei nietzsche lesen wir: \u00bbNachdem Buddha tot war, zeigte man noch jahrhundertelang seinen Schatten in einer H\u00f6hle\u00ab, hier klingt platons h\u00f6hle an, \u00bbeinen ungeheuren schauerlichen Schatten. Gott ist tot: aber so wie die Art von Menschen ist wird es vielleicht noch jahrhundertelang H\u00f6hlen geben, in denen man seinen Schatten zeigt. \u2212 Und wir \u2212 wir m\u00fcssen auch noch seinen Schatten besiegen.\u00ab, \u00bbGott ist tot.\u00ab stimmt so ganz denn doch nicht, was nietzsche bewu\u00dft war: \u00bbIch komme zu fr\u00fch.\u00ab und \u00bbIch bin noch nicht an der Zeit.\u00ab erst das morgen geh\u00f6rte ihm. friedell \u00e4u\u00dferte: \u00bbNietzsche war die gr\u00f6\u00dfte Glaubensstimme des Westens, wie Dostojewski die letzte des Ostens war: denn wenn wir diesen als den letzten Byzantiner und Luther als den letzten gro\u00dfen M\u00f6nch bezeichnen, so k\u00f6nnte man Nietzsche den letzten gro\u00dfen Kirchenvater nennen.\u00ab, der die religion und gott, indem er sie verwarf, noch ernst nahm und eine art glaubensgr\u00fcnder dessen wurde, was man heut das westliche denken nennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">auf anderen kontinenten glauben noch milliarden an den gott ihrer religion, der ihre gr\u00f6\u00dfte projektionsfl\u00e4che ist. die europ\u00e4er wurden weitgehend gottlos, und, auf andere weise, die chinesen. aber auch au\u00dferhalb der religionen gibt es gott\u00e4hnliche figuren, die gott ersetzen. lec nahm wahr: \u00bbMenschen, die wie G\u00f6tter verehrt werden, verlieren mit der Zeit tats\u00e4chlich ihre menschlichen Z\u00fcge.\u00ab wer in einem glauben erzogen wurde, findet nach glaubensbr\u00fcchen h\u00e4ufig neue glaubensgr\u00fcnde, weil die glaubensstrukturen erhalten bleiben und lediglich die glaubensinhalte ausgetauscht werden. wenn apologetisch und legitimistisch gepr\u00e4gte und veranlagte menschen nicht mehr weiter wissen, weil ihnen argumente fehlen, f\u00fchren sie oft lebensreale tatsachen auf ideologische faktoren zur\u00fcck, w\u00e4hrend die kausalit\u00e4t eher umgekehrt stimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">g\u00f6tter bleiben als das fehlende. wem nichts fehlt, der braucht auch keine g\u00f6tter. zugleich m\u00fc\u00dfte es das ziel religi\u00f6sen denkens sein, menschen vom glauben zu befreien. glauben mu\u00df allein, wer glaubt, da\u00df etwas ohne glauben seine substanz verliert. der wirklich religi\u00f6se mensch mu\u00df an keinen gott glauben, ja kann ihn sogar verspotten, da er das g\u00f6ttliche in sich tr\u00e4gt. der mystiker, der vollst\u00e4ndig im g\u00f6ttlichen aufginge, br\u00e4uchte keinen glauben mehr. freilich hat das noch niemand erreicht. der glaube an den guten menschen ist eine nachfolgeform des glaubens an den lieben gott. was bleibt vom menschen \u00fcbrig, wenn wir ihn erkannt haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">lichtenberg bemerkte, er danke es dem lieben gott tausendmal, da\u00df er ihn zum atheisten hat werden lassen. denn erst m\u00fc\u00dften wir glauben und dann glaubten wir. es w\u00e4re ein wesentlicher unterschied zwischen etwas noch glauben und es wieder glauben. noch glauben, da\u00df der mond auf die pflanzen wirke, verrate dummheit und aberglauben, es aber wieder glauben zeuge von philosophie und nachdenken. er k\u00f6nne sich eine zeit denken, welcher unsere religi\u00f6sen begriffe so sonderbar vorkommen wie der unseren der rittergeist.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">UTOPIEN<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">marx und brecht erkl\u00e4rten, denken hei\u00dfe ver\u00e4ndern, und zwar unabh\u00e4ngig von ideologien, morallehren, konventionen und einem zeitgeist. benjamin \u00e4u\u00dferte, da\u00df es immer so weitergehe, w\u00e4re die katastrophe. weniger das jeweils bevorstehende, sondern mehr das gegebene schr\u00e4nkt die handlungsm\u00f6glichkeiten ein. benjamin soll zu brecht in dessen d\u00e4nischem exil gesagt haben, eigentlich sei kafka der erste kommunist. und brecht h\u00e4tte erwidert, dann w\u00e4r er der letzte katholik. diese etwas unernste antwort richtete sich auch gegen utopiegl\u00e4ubigkeit. benjamins beobachtung ist indes nicht ganz verkehrt, wenn man etwa an kafkas \u00bbAmerika\u00ab-roman denkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">radikal zu denken ist sinnvoll, denkt man dabei die endkonsequenzen mit und wei\u00df entsprechend zu relativieren. manche menschen handeln radikal, gerade weil sie nicht gen\u00fcgend \u00fcber die folgen nachdenken. wer \u00e4u\u00dfere punkte im denken erreicht hat, kann durch relativierungen den weg des richtigen ma\u00dfes suchen, w\u00e4hrend die radikalit\u00e4t der au\u00dfenpunkte, die im hinterkopf bleibt, vor anpassungen ans vorgepr\u00e4gte warnt, die abh\u00e4ngig und ohnm\u00e4chtig machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der sinn von utopien besteht nicht im glauben an deren realisierbarkeit, der schnell irreleitet und gewisserma\u00dfen hinters licht f\u00fchrt, wo man dann im dunkeln steht, sondern in der notwendigkeit eines geistigen vorlaufs sowie des voraussehens k\u00fcnftiger chancen und gefahren. wenn sie das vorhandene am idealen, besseren, gerechteren messen lassen, k\u00f6nnen utopien ein kritikpotential jeder gegenwart gegen\u00fcber sein. eines der haupthindernisse f\u00fcr den humanen fortschritt von gesellschaften ist die manipulierte hoffnung. indem menschen, vertrauensselig, glauben, ihr aktuelles handeln f\u00fchre notwendig, ja zwangsl\u00e4ufig, zu etwas besserem, tun sie blo\u00df, was sowieso geschieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">jean paul stellte fest, das sch\u00f6nste, das wir in der vergangenheit angetroffen h\u00e4tten, sei die hoffnung gewesen, heiner m\u00fcller, hoffnung w\u00e4re nur ein mangel an information, cioran, hoffnung hei\u00dfe, die zukunft dementieren, lec, wer den himmel auf erden suche, habe im erdkundeunterricht geschlafen, den himmel auf erden finden bedeute, den boden unter den f\u00fc\u00dfen verlieren, der hahn besinge sogar den morgen, an dem er in den suppentopf kommt. lichtenberg fragte, wenn der mensch, nachdem er hundert jahre alt geworden, umgewendet werden k\u00f6nne, wie eine sanduhr, immer mit der gew\u00f6hnlichen gefahr, zu sterben, wie w\u00fcrde es da in der welt aussehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das moderne philosophische denken, dem die analyse voran und auf den grund geht, ist erheblich vom j\u00fcdischen, also utopischen, denken und insbesondere j\u00fcdischer paradoxie gepr\u00e4gt. ohne paradoxie gibt es keine dialektik. nicht wenige materialistische j\u00fcdische philosophen hatten rabbiner unter ihren vorfahren. am j\u00fcdischen denken k\u00f6nnen wir sehen, wie bildung, mit und neben der religion, eine verfolgte kultur \u00fcber jahrhunderte und jahrtausende hinweg \u00fcberleben l\u00e4\u00dft, und damit vorbild f\u00fcr au\u00dfenseiter und bedr\u00e4ngte in jeder zukunft sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">DENKEN UND (VER)DICHTEN<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">franz\u00f6sisch essai, das versuch, test, essay, (kost)probe bedeutet, essayer versuchen, testen, erproben, und deutsch essay, auch versuch, was das wort eigentlich meint, aufsatz; abhandlung, schrift, probe oder \u00fcbung genannt, gehen zur\u00fcck aufs sp\u00e4tlateinische exagium = das abwiegen, (ab)w\u00e4gen, gewicht, wiegen einer m\u00fcnze, abgeleitet von exegere = pr\u00fcfen, untersuchen, \u00fcberlegen, beurteilen, abwiegen, (ab)w\u00e4gen, erw\u00e4gen. abw\u00e4gendes denken ist ein merkmal essayistischen schreibens. im aktuellen synonymw\u00f6rterbuch des duden fehlt das wort \u00bbEssay\u00ab, das zwischen \u00bbEsprit\u00ab und \u00bbessbar\u00ab stehen m\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">literarische essay, denkversuche, gedankenexperimente, versuchsanordnungen, die sich ihre eigenen regeln schaffen und nicht unbedingt fu\u00dfnoten brauchen, geben selten definitive antworten und stellen vielmehr fragen, indem sie ihre gegenst\u00e4nde geistreich, nachdenklich, reflexiv, differenzierend, relativierend, nicht-systemisch, skeptisch, undogmatisch, ungebunden, ergebnisoffen, vorl\u00e4ufig, vermutend, andeutend, paradox, lakonisch, sarkastisch, polemisch und pointiert erkunden und ergr\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">das gilt auch f\u00fcr rezensionsessays. friedrich schlegel forderte, die echte rezension solle die aufl\u00f6sung einer kritischen gleichung, das resultat und die darstellung eines philosophischen experiments und einer literarischen recherche sein. die fragmente der jenaer fr\u00fchromantiker kommen der essayform nahe, ebenso die manifeste der dadaisten, surrealisten und futuristen. der essay ist in vielem der gro\u00dfe bruder des aphorismus. die grenzen sind flie\u00dfend. bei vielen essayisten, die aphoristische denker sind, lichtenberg, voltaire, friedrich schlegel, novalis, jean paul, schopenhauer, nietzsche, val\u00e9ry, kraus, canetti, barthes oder cioran, gehen beide formen ineinander \u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">susan sontag schrieb: \u00bbBarthes war ein inspirierter, einfallsreicher Adept des Essay und des Antiessay \u2212 die lange Form war ihm nicht gem\u00e4\u00df. Typisch f\u00fcr ihn sind komplexe, kommagespickte und kolonges\u00e4ttigte S\u00e4tze, voller gedr\u00e4ngt formulierter Folgerungen aus Gedanken, als w\u00e4ren diese die Form einer geschmeidigen Prosa.\u00ab der stil von barthes, einem meister der verdichteten sprache, der an tuberkulose, fr\u00fcher schwindsucht gehei\u00dfen, erkrankt war, wie kafka, ist aphoristisch. au\u00dfer atem sein f\u00fchrt zur verknappung. auch brief und tagebuch k\u00f6nnen essayistische formen annehmen, wenn man etwa an die briefe von kleist, b\u00fcchner oder kafka oder die tageb\u00fccher hebbels denkt, ja sogar autobiographien, diese legenden, an die manche, die illusionen folgen wollen, tats\u00e4chlich glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">da essayisten nichts beweisen und in keinem akademischen theorieundthesenwettbewerb mit anderen konkurrieren, ja nicht einmal recht behalten m\u00fcssen, k\u00f6nnen sie ungezwungen experimentieren. der essay verbindet das philosophische mit dem dichterischen und umgekehrt. essayisten sind die dichter unter den denkern und die denker unter den dichtern. friedrich schlegel postulierte, ein philosoph m\u00fcsse von sich selber reden so gut wie ein lyrischer dichter. friedell sah: \u00bbDer echte Philosoph ist dem K\u00fcnstler viel verwandter, als gemeinhin angenommen wird. Das Leben gilt ihm ebenso wie diesem als Spiel, und er sucht die Spielregeln zu ergr\u00fcnden \u2212 nicht mehr. Auch er erfindet und gestaltet, aber w\u00e4hrend der K\u00fcnstler m\u00f6glichst viele und vielf\u00e4ltige Individuen abzubilden sucht, zeichnet der Denker immer nur einen einzigen Menschen \u2212 <em>sich selbst<\/em>, den aber in seiner ganzen Vielartigkeit. Jede tiefempfundene Philosophie ist nichts anderes als ein autobiographischer Roman.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bei lichtenberg liest man: \u00bbWenn man die Menschen lehrt <em>wie<\/em> sie denken sollen und nicht ewig hin, <em>was<\/em> sie denken sollen, so wird auch dem Mi\u00dfverst\u00e4ndnis vorgebeugt.\u00ab und \u00bb<em>Es denkt<\/em>, sollte man sagen, so wie man sagt <em>es blitzt<\/em>. Zu sagen cogito ist schon viel, sobald man es durch <em>ich denke<\/em> \u00fcbersetzt.\u00ab, und friedell er\u00f6rterte: \u00bbHier ist der Ph\u00e4nomenalismus bis an die \u00e4u\u00dferste Grenze gedacht.\u00ab friedell hob hervor, dichter seien die absonderlichen, tastenden, unsicheren, gefahrvollen essays der natur, komplizierte, kostbare und schwer verst\u00e4ndliche versuchsmaschinen der evolution, das wort versuchsmaschinen w\u00fcrde ich durch versucher ersetzen, der dichter w\u00e4re schlie\u00dflich nichts anderes als ein mensch, der von der zukunft mehr versteht als von der gegenwart, kraus, kunst sei das, was welt wird, nicht was welt ist. k\u00fcnstler werde einer, der aus einer l\u00f6sung ein problem machen k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">lichtenberg wu\u00dfte, ein aufmerksamer denker finde in den munteren spiel-schriften kluger k\u00f6pfe mehr lehrreiches und feines als aus den vielen ernsthaften werken, das formelle, konventionelle, etikettenm\u00e4\u00dfige falle da gemeinhin weg, durch die planlosen streifz\u00fcge der phantasie werde nicht selten das wild aufgejagt, das die planvolle philosophie in ihrer wohlgeordneten haushaltung gebrauchen k\u00f6nne, gro\u00df sei der mensch, der nach seinem tod die anderen in verlegenheit lasse, friedrich schlegel, die wichtigsten wissenschaftlichen entdeckungen seien philosophische bonmots ihrer gattung, hebbel, sich weiter entwickeln hei\u00dfe f\u00fcr die meisten, von sich abfallen, novalis, je verworrener ein mensch w\u00e4re, man nennt die verworrenen oft dummk\u00f6pfe, desto mehr kann durch flei\u00dfiges selbststudium aus ihm werden, w\u00e4hrend die geordneten k\u00f6pfe trachten m\u00fcssen, wahre gelehrte, gr\u00fcndliche enzyklop\u00e4disten zu werden, j\u00fcnger, ein guter satz habe viele offene fenster, indem er vieldeutig ist. dies sollte jeder wissen, der behauptet, er denke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sloterdijk sieht: \u00bbWer f\u00fcr die Mu\u00dfe lernt, \u00fcbt eine freie T\u00e4tigkeit aus.\u00ab \u00bbDie biologische Verl\u00e4ngerung der Jugendphase bedeutet, da\u00df Tiere entstehen, die mehr spielen und probieren, die von Natur aus Essayisten sind und eine verl\u00e4ngerte Gehirnreifungsphase haben.\u00ab, \u00bbWas man am Kleinkind deutlich sieht, geht dem Schulkind in der Regel verloren.\u00ab, beim schreiben von essays k\u00f6nnen somit auch individuelle f\u00e4higkeiten zur\u00fcckgewonnen werden, die der mensch durch seine gesellschaftlichen pr\u00e4gungen, das sogenannte erwachsenwerden, f\u00fcr das man zun\u00e4chst die falschheit der menschenwelt erkennen sollte, meist verliert, \u00bbIntelligenz ist das letzte utopische Potential. Die einzige <em>terra incognita<\/em>, die die Menschheit noch besitzt, sind die Galaxien des Gehirns, die Milchstra\u00dfen der Intelligenz.\u00ab, \u00bbDie Rettung der kognitiven Libido m\u00fc\u00dfte das Kernprojekt der Schule werden.\u00ab, lec: \u00bbKinder suchen immer nach dem Geheimnis jenseits des Spiegels. Nur wir Erwachsenen begn\u00fcgen uns mit unserer flachen Vordergr\u00fcndigkeit.\u00ab jean paul erkl\u00e4rte: \u00bbKinder und Uhren d\u00fcrfen nicht best\u00e4ndig aufgezogen werden, sie m\u00fcssen auch gehen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">bachelard, der barthes anregte, neben mauss einer der urv\u00e4ter des strukturalismus, war zun\u00e4chst wissenschaftstheoretiker, ehe er als philosoph und poetologe ph\u00e4nomenologisch dachte und essayistisch schrieb. der junge barthes hatte sein strukturalistisches und linguistisches, also theoretisches, denken und vokabular derart perfektioniert, da\u00df er damit die begriffliche sprache persiflieren konnte. doch bald wandte er sich vom akademischen denken ab: \u00bbAlles, nur nicht die Regel (die Allgemeinheit, das Stereotyp, der Idiolekt: die konsistente Sprache.)\u00ab, und: \u00bbSobald ich benenne, bin ich benannt: gefangen in der Rivalit\u00e4t der Benennungen.\u00ab er warf nun seinen wissenschaftlichen kollegen, die sich nicht befreien konnten oder wollten, \u00bbein Denken in abgeschlossenen Strukturen und Sinnsystemen\u00ab, begriffsgl\u00e4ubigkeit und begriffsdogmatismus vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">der ph\u00e4nomenologische barthes suchte und betonte das offene, relative, driftende im wahrnehmen, die abweichungen, verwandlungen, variationen und zwischenr\u00e4ume. literatur sah er als kunst. vom schreiben g\u00e4be es nur eine wissenschaft, postulierte er, das schreiben selbst. allein mit streng definierten wissenschaftlichen begriffen kann man literarischem reichtum nicht entsprechen. lust am text entsteht f\u00fcr ihn durch das gestalten, entdecken und deuten von substantiell neuem. \u00bbDie Lust am Text gleicht jenem unhaltbaren, unm\u00f6glichen, <em>rein romanhaften<\/em> Augenblick, den der Libertin am Ende des Ablaufens einer gewagten Maschinerie genie\u00dft, wenn er das Seil, an dem er h\u00e4ngt, im Augenblick seiner Wollust kappen l\u00e4\u00dft.\u00ab das erinnert an szenen bei kleist, dessen essay \u00bb\u00dcber das Marionettentheater\u00ab einer der bedeutendsten essays der deutschen literatur ist, und kafka.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">nietzsche unterstrich: \u00bbWo ein Mensch zu der Grund\u00fcberzeugung kommt, da\u00df ihm befohlen werden <em>mu\u00df<\/em>, wird er gl\u00e4ubig, umgekehrt w\u00e4re eine Lust und Kraft der Selbstbestimmung, eine <em>Freiheit <\/em>des Willens denkbar, bei der ein Geist jedem Glauben, jedem Wunsch nach Gewi\u00dfheit den Abschied gibt, ge\u00fcbt, wie er ist, auf leichten Seilen und M\u00f6glichkeiten sich halten zu k\u00f6nnen und selbst an Abgr\u00fcnden noch zu tanzen. Ein solcher Geist w\u00e4re der <em>freie Geist par excellence<\/em>.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sontag nannte die b\u00fccher von barthes \u00bbantibekenntnishaft\u00ab. \u00bbEtwas wie Walter Benjamins tragisches Bewu\u00dftsein, da\u00df jedes Werk der Zivilisation zugleich eines der Barbarei ist, fehlt ihm v\u00f6llig.\u00ab \u00bbBarthes, der sich weder von den Katastrophen der Moderne noch von deren revolution\u00e4ren Illusionen verf\u00fchren lie\u00df, hatte eine posttragische Sensibilit\u00e4t. Er bezieht sich auf die gegenw\u00e4rtige literarische Epoche als &#8222;einen Moment freundlicher Apokalypse.&#8220; Gl\u00fccklich der Schriftsteller, der solch einen Satz \u00e4u\u00dfern kann.\u00ab, \u00bbAnstelle moralistischer Antithesen \u2212 Wahr gegen Falsch \u2212 Gut gegen Schlecht \u2212 bietet Barthes komplement\u00e4re Extreme.\u00ab \u00bbWie alle gro\u00dfen \u00c4stheten war Barthes ein Experte des Sowohl-Als-Auch.\u00ab wie barthes entwickelte sich benjamin zum ph\u00e4nomenologen. sontags essay sind scharfsinnig, analytisch, intellektuell, n\u00fcchtern, direkt, leidenschaftlich, energisch, entschlossen, k\u00e4mpferisch, unerschrocken, polemisch und auch parteiisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">essayisten, die nicht den gesellschaftlichen erwartungen, also konventionen und dogmen, entsprechen, werden allerdings schnell einsam. b\u00f6rne schrieb, wie es unter einer million menschen nur tausend denker gebe, so gibt es unter tausend denkern nur einen selberdenker, lec, wenn einem philosophen ein licht aufgehe, w\u00e4re es f\u00fcr den andern immer ein schatten, hebbel, das leben sei eine pl\u00fcnderung des inneren menschen, ein mann mit einer neuen idee gelte so lange als verschroben, bis er erfolg habe, cioran, gegen\u00fcber jedem erlebnis trete der geist als spielverderber auf, heine, \u00fcberall, wo ein gro\u00dfer geist einen gedanken ausspricht, w\u00e4r golgatha, cicero, wenn er allein sei, w\u00e4re er am wenigsten allein. auf seine frage: \u00bb<em>Was ist das Siegel der erreichten Freiheit?\u00ab<\/em> antwortete nietzsche: \u00bbSich nicht mehr vor sich selbst zu sch\u00e4men.\u00ab das k\u00f6nnte auch kafka, den die scham vertilgen wollte, geschrieben haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">LABYRINTH<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">lessing stellte fest, es sei nicht wahr, da\u00df die k\u00fcrzeste linie immer eine gerade w\u00e4re, adorno. als k\u00fcrzeste verbindung zwischen zwei personen gelte die gerade, als ob sie punkte w\u00e4ren. lec warnte, die geradlinigen sollten acht in den kurven geben, in denen sie sich \u00fcberholen m\u00fc\u00dften, berechenbar seien nur geometrische figuren, ein gordischer knoten, in dem der eigene kopf stecke, lasse sich auf die \u00fcbliche art nicht l\u00f6sen. friedell beschrieb: \u00bbUnsere Raumvorstellung, die sogenannte euklidische, basiert auf dem Axiom, da\u00df die k\u00fcrzeste Verbindung zwischen zwei Punkten die Gerade ist und dementsprechend durch je drei Punkte des Raumes immer eine Ebene gelegt werden kann. Diese Annahme ist jedoch sozusagen ein menschliches Vorurteil. Denn es w\u00e4re sehr wohl denkbar, da\u00df es Wesen g\u00e4be, die so eigensinnig w\u00e4ren, zu glauben, die Grundlage der Philosophie sei die Kurve. Diese Gesch\u00f6pfe w\u00fcrden in einer Kugelwelt leben und sich dort ebenso wohl f\u00fchlen und ebenso leicht zurechtfinden wie wir in unserer Welt der Ebene.\u00ab hebbel notierte, der k\u00fcnstler h\u00e4tte lauter kugelgestalten im kopf, der gew\u00f6hnliche mensch lauter dreiecke. lichtenberg bemerkte, da\u00df personen, in deren gesichtern ein gewisser mangel an symmetrie sei, oft die feinsten k\u00f6pfe w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">essayisten sind denker im irrgarten der welt, die m\u00e4andernd oder spiralf\u00f6rmig, und nicht geradlinig, auch auf trampelpfaden, manchmal sogar tanzend, zu einsichten gelangen, w\u00e4hrend sie das labyrinth durchdringen. so betrachten sie etwas, davor oder darin verweilend, aus verschiedenen blickwinkeln und formulieren, was sie sehen, mitunter in einer andersprache, auch wenn es sich nicht zu einer theorie f\u00fcgt, schon gar keiner geschlossenen. lec meinte, der weg des menschen in sein inneres w\u00e4re wie bei einer schnecke, spiralf\u00f6rmig, und auf den seitenwegen des denkens husche gelegentlich der entsetzte sinn vorbei, cioran, der geist mache nur dann fortschritte, wenn er sich im kreise drehe, das hei\u00dft vertiefe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">labyrinthe sind r\u00e4tsel, in denen der umweg die weltkenntnis erweitert und zum ziel f\u00fchrt, oder das ziel ist, und die man oft erst l\u00f6st, wenn man auf fragewegen kl\u00fcger werden will oder sich darin zu verlieren droht, oder beides. borges schilderte die labyrinthe von venedig. heine meinte, jedes r\u00e4tsel sei wie eine sphinx, die sich in die tiefe st\u00fcrze, sobald man ihr r\u00e4tsel gel\u00f6st habe. im labyrinth der st\u00e4dte werden die augen, als w\u00e4ren sie filmkamera oder fotoapparat, zu einer w\u00fcnschelrute f\u00fcr bilder. labyrinthe k\u00f6nnen auch refugien sein. ich danke allen zitierten f\u00fcr die mitarbeit an diesem text. die besten lehrer sind die toten. wer nicht vom leben der gegenwart beschr\u00e4nkt werden will, mu\u00df weit zur\u00fcck schauen, zumindest jahrhunderte und jahrtausende, wenn nicht gar millionen und millarden jahre, und durch die zeiten hindurch blicken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Essays<\/strong> von Holger Benkel, Edition Das Labor 2014<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-98546 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/HolgerBenkel.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"133\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/HolgerBenkel.jpg 200w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/HolgerBenkel-160x106.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Was den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21478\">Rezensionsessays<\/a> von Holger Benkel die \u00dcberzeugungskraft verleiht, ist die philosophische Anstrengung, denen er sein Material unterwirft, seine Texte zeigen, was der Fokus auf eine Fragestellung sichtbar machen kann, wie diese Konzentration aufdeckt, was dem Schreibenden selbst verborgen blieb, wohl wissend, da\u00df die F\u00fclle der Literatur, der Kunst und des Lebens eben darin liegen, nie alles wissen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>In 2003 stellte KUNO den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/01\/der-essay-als-versuchsanordnung\/\">Essay als Versuchsanordnung <\/a>vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 In 2013 versuchte KUNO mit Essays <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/02\/mit-essays-licht-ins-dasein-bringen\/\">mehr Licht ins Dasein zu bringen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 In 2013 unternahm Constanze Schmidt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/gedankenspaziergaenge\/\"><em>Gedankenspazierg\u00e4nge<\/em><\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00bbWas ist eigentlich ein Essay, wenn er keine wissenschaftliche Abhandlung, kein Traktat, kein Pamphlet und kein Roman ist?\u00ab \u00bbDer Verlag weiss nicht, ob er den Essay in der Sachbuch- oder Belletristik-Vorschau ank\u00fcndigt. 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