{"id":13252,"date":"2001-10-05T00:01:00","date_gmt":"2001-10-04T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13252"},"modified":"2022-06-05T14:39:50","modified_gmt":"2022-06-05T12:39:50","slug":"der-name-ist-nicht-einerlei-mit-der-sache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/10\/05\/der-name-ist-nicht-einerlei-mit-der-sache\/","title":{"rendered":"Der Name ist nicht einerlei mit der Sache"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Name ist artikulierter Schall, welcher die Sache bezeichnet und andeutet; der Name ist kein Teil der Sache oder ihres Wesens; es ist ein fremdes Teilchen, das der Sache beigef\u00fcgt wird und au\u00dfer ihr besteht. Gott, der einzig und allein in seiner eigenen F\u00fclle besteht und die F\u00fclle aller Vollkommenheit ist, kann in sich selbst weder wachsen noch sich vergr\u00f6\u00dfern. Sein Name aber kann wachsen und zunehmen durch das Lob und den Preis, den wir ihm \u00fcber seine geoffenbarten Werke beilegen: welche Lobpreisung wir ihm um so weniger eink\u00f6rpern k\u00f6nnen, weil bei ihm kein Zuwachs am Guten m\u00f6glich ist. Wir richten solche also an seinen Namen, welcher etwas au\u00dfer ihm, aber ihm am n\u00e4chsten ist. Dies ist die Art und Weise, wie Gott allein alles Lob und alle Ehre geb\u00fchrt. Und nichts ist so fern von aller Vernunft, als das geringste davon f\u00fcr uns selbst zu begehren. Denn, da wir arm und inwendig nackt sind, da unser Wesen unvollkommen und unaufh\u00f6rlich der Verbesserung bed\u00fcrftig ist, so ist es dies, worauf unser Flei\u00df und unsere Besch\u00e4ftigung gehen mu\u00df; wir sind alle leer und hohl, und also sollten wir uns nicht mit Wind und Schall anf\u00fcllen, wir bed\u00fcrfen reeller Substanzen, um unsere Kr\u00e4fte zu erneuern; ein hungriger Mensch w\u00e4re wohl sehr einf\u00e4ltig, wenn er eher nach einem h\u00fcbschen Kleide langte als nach einer nahrhaften Mahlzeit. Nach dem Notwendigsten mu\u00df man trachten, wie unser gew\u00f6hnliches Gebet besagt: Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden unter den Menschen. Wir leiden Mangel an Sch\u00f6nheit, Gesundheit, Weisheit, Tugend und mehr dergleichen wesentlichen Dingen; die \u00e4u\u00dferlichen Zierden lassen sich nachher suchen, wenn wir f\u00fcr die wesentlichen Bed\u00fcrfnisse gesorgt haben. Die Theologie handelt weitl\u00e4ufiger und treffender \u00fcber diesen Gegenstand, ich aber bin nicht sehr darinnen gewiegt. Chrysippus und Diogenes sind die ersten und standhaftesten Schriftsteller in Betracht der Verachtung des Ruhms gewesen, und unter allen Woll\u00fcsten, sagten sie, w\u00e4re keine gef\u00e4hrlicher und sorgf\u00e4ltiger zu vermeiden als diejenige, welche uns der Beifall anderer Menschen gew\u00e4hrt. Wirklich zeigt uns die Erfahrung dergleichen Verr\u00e4tereien, welche h\u00f6chst sch\u00e4dlich waren. Nichts in der Welt vergiftet die F\u00fcrsten mehr als die Schmeichelei; es ist nichts, wodurch gottlose Buben sich bei ihnen so leicht in Gunst setzen, und keine Kuppelei ist so geschickt oder gew\u00f6hnlicher, die Keuschheit der Weiber zu bestechen, als sie mit ihrem eigenen Lob zu ber\u00e4uchern und zu n\u00e4hren. Der vornehmste Zauber, welchen die Sirenen gebrauchen, um den Ulysses zu beschleichen, ist von dieser Natur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Hungertuch-199x3001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-14045 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Hungertuch-199x3001.jpg\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"300\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 2001 wurde der K\u00fcnstlerpreis <em>Das Hungertuch<\/em> erstmals verliehen. Eine Liste der bisherigen Hungertuchpreistr\u00e4ger finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?page_id=572\">hier<\/a>. Durch einen Klick auf den Namen gelangen Sie zu den W\u00fcrdigungen der einzelnen Artisten. Hier finden Sie den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/06\/recap-hungertuchpreis\/\">Recap<\/a> des Hungertuchpreises.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Name ist artikulierter Schall, welcher die Sache bezeichnet und andeutet; der Name ist kein Teil der Sache oder ihres Wesens; es ist ein fremdes Teilchen, das der Sache beigef\u00fcgt wird und au\u00dfer ihr besteht. 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