{"id":13163,"date":"2022-01-28T00:01:34","date_gmt":"2022-01-27T23:01:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13163"},"modified":"2022-02-18T10:50:13","modified_gmt":"2022-02-18T09:50:13","slug":"bunte-steine","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/01\/28\/bunte-steine\/","title":{"rendered":"Bunte Steine"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><i>Weil es unerme\u00dflich viele Steine gibt, so kann ich gar nicht voraus sagen, wie gro\u00df diese Sammlung werden wird.<\/i><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist einmal gegen mich bemerkt worden, da\u00df ich nur das Kleine bilde, und da\u00df meine Menschen stets gew\u00f6hnliche Menschen seien. Wenn das wahr ist, bin ich heute in der Lage, den Lesern ein noch Kleineres und Unbedeutenderes anzubieten, n\u00e4mlich allerlei Spielereien f\u00fcr junge Herzen. Es soll sogar in denselben nicht einmal Tugend und Sitte gepredigt werden, wie es gebr\u00e4uchlich ist, sondern sie sollen nur durch das wirken, was sie sind. Wenn etwas Edles und Gutes in mir ist, so wird es von selber in meinen Schriften liegen, wenn aber dasselbe nicht in meinem Gem\u00fcte ist, so werde ich mich vergeblich bem\u00fchen, Hohes und Sch\u00f6nes darzustellen, es wird doch immer das Niedrige und Unedle durchscheinen. Gro\u00dfes oder Kleines zu bilden, hatte ich bei meinen Schriften \u00fcberhaupt nie im Sinne, ich wurde von ganz anderen Gesetzen geleitet. Die Kunst ist mir ein so Hohes und Erhabenes, sie ist mir, wie ich schon einmal an einem anderen Orte gesagt habe, nach der Religion das H\u00f6chste auf Erden, so da\u00df ich meine Schriften nie f\u00fcr Dichtungen gehalten habe, noch mich je vermessen werde, sie f\u00fcr Dichtungen zu halten. Dichter gibt es sehr wenige auf der Welt, sie sind die hohen Priester, sie sind die Wohlt\u00e4ter des menschlichen Geschlechtes; falsche Propheten aber gibt es sehr viele. Allein wenn auch nicht jede gesprochenen Worte Dichtung sein k\u00f6nnen, so k\u00f6nnten sie doch etwas anderes sein, dem nicht alle Berechtigung des Daseins abgeht. Gleichgestimmten Freunden eine vergn\u00fcgte Stunde zu machen, ihnen allen bekannten wie unbekannten einen Gru\u00df zu schicken, und ein K\u00f6rnlein Gutes zu dem Baue des Ewigen beizutragen, das war die Absicht bei meinen Schriften und wird auch die Absicht bleiben. Ich w\u00e4re sehr gl\u00fccklich, wenn ich mit Gewi\u00dfheit w\u00fc\u00dfte, da\u00df ich nur diese Absicht erreicht h\u00e4tte. Weil wir aber schon einmal von dem Gro\u00dfen und Kleinen reden, so will ich meine Ansichten darlegen, die wahrscheinlich von denen vieler anderer Menschen abweichen. Das Wehen der Luft, das Rieseln des Wassers, das Wachsen der Getreide, das Wogen des Meeres, das Gr\u00fcnen der Erde, das Gl\u00e4nzen des Himmels, das Schimmern der Gestirne halte ich f\u00fcr gro\u00df: das pr\u00e4chtig einherziehende Gewitter, den Blitz, welcher H\u00e4user spaltet, den Sturm, der die Brandung treibt, den feuerspeienden Berg, das Erdbeben, welches L\u00e4nder versch\u00fcttet, halte ich nicht f\u00fcr gr\u00f6\u00dfer als obige Erscheinungen, ja ich halte sie f\u00fcr kleiner, weil sie nur Wirkungen viel h\u00f6herer Gesetze sind. Sie kommen auf einzelnen Stellen vor und sind die Ergebnisse einseitiger Ursachen. Die Kraft, welche die Milch im T\u00f6pfchen der armen Frau emporschwellen und \u00fcbergehen macht, ist es auch, die die Lava in dem feuerspeienden Berge emportreibt und auf den Fl\u00e4chen der Berge hinabgleiten l\u00e4\u00dft. Nur augenf\u00e4lliger sind diese Erscheinungen und rei\u00dfen den Blick des Unkundigen und Unaufmerksamen mehr an sich, w\u00e4hrend der Geisteszug des Forschers vorz\u00fcglich auf das Ganze und Allgemeine geht und nur in ihm allein Gro\u00dfartigkeit zu erkennen vermag, weil es allein das Welterhaltende ist. Die Einzelheiten gehen vor\u00fcber, und ihre Wirkungen sind nach kurzem kaum noch erkennbar. Wir wollen das Gesagte durch ein Beispiel erl\u00e4utern. Wenn ein Mann durch Jahre hindurch die Magnetnadel, deren eine Spitze immer nach Norden weist, tagt\u00e4glich zu festgesetzten Stunden beobachtete und sich die Ver\u00e4nderungen, wie die Nadel bald mehr bald weniger klar nach Norden zeigt, in einem Buche aufschriebe, so w\u00fcrde gewi\u00df ein Unkundiger dieses Beginnen f\u00fcr ein kleines und f\u00fcr Spielerei ansehen: aber wie ehrfurchterregend wird dieses Kleine und wie begeisterungerweckend diese Spielerei, wenn wir nun erfahren, da\u00df diese Beobachtungen wirklich auf dem ganzen Erdboden angestellt werden, und da\u00df aus den daraus zusammengestellten Tafeln ersichtlich wird, da\u00df manche kleine Ver\u00e4nderungen an der Magnetnadel oft auf allen Punkten der Erde gleichzeitig und in gleichem Ma\u00dfe vor sich gehen, da\u00df also ein magnetisches Gewitter \u00fcber die ganze Erde geht, da\u00df die ganze Erdoberfl\u00e4che gleichzeitig gleichsam ein magnetisches Schauern empfindet. Wenn wir, so wie wir f\u00fcr das Licht die Augen haben, auch f\u00fcr die Elektrizit\u00e4t und den aus ihr kommenden Magnetismus ein Sinneswerkzeug h\u00e4tten, welche gro\u00dfe Welt, welche F\u00fclle von unerme\u00dflichen Erscheinungen w\u00fcrde uns da aufgetan sein. Wenn wir aber auch dieses leibliche Auge nicht haben, so haben wir daf\u00fcr das geistige der Wissenschaft, und diese lehrt uns, da\u00df die elektrische und magnetische Kraft auf einem ungeheuren Schauplatze wirke, da\u00df sie auf der ganzen Erde und durch den ganzen Himmel verbreitet sei, da\u00df sie alles umflie\u00dfe und sanft und unabl\u00e4ssig ver\u00e4ndernd, bildend und lebenerzeugend sich darstelle. Der Blitz ist nur ein ganz kleines Merkmal dieser Kraft, sie selber aber ist ein Gro\u00dfes in der Natur. Weil aber die Wissenschaft nur K\u00f6rnchen erringt, nur Beobachtung nach Beobachtung macht, nur aus Einzelnem das Allgemeine zusammentr\u00e4gt, und weil endlich die Menge der Erscheinungen und das Feld des Gegebenen unendlich gro\u00df ist, Gott also die Freude und die Gl\u00fcckseligkeit des Forschens unversieglich gemacht hat, wir auch in unseren Werkst\u00e4tten immer nur das Einzelne darstellen k\u00f6nnen, nie das Allgemeine, denn dies w\u00e4re die Sch\u00f6pfung: so ist auch die Geschichte des in der Natur Gro\u00dfen in einer immerw\u00e4hrenden Umwandlung der Ansichten \u00fcber dieses Gro\u00dfe bestanden. Da die Menschen in der Kindheit waren, ihr geistiges Auge von der Wissenschaft noch nicht ber\u00fchrt war, wurden sie von dem Nahestehenden und Auff\u00e4lligen ergriffen und zu Furcht und Bewunderung hingerissen: aber als ihr Sinn ge\u00f6ffnet wurde, da der Blick sich auf den Zusammenhang zu richten begann, so sanken die einzelnen Erscheinungen immer tiefer, und es erhob sich das Gesetz immer h\u00f6her, die Wunderbarkeiten h\u00f6rten auf, das Wunder nahm zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wie es in der \u00e4u\u00dferen Natur ist, so ist es auch in der inneren, in der des menschlichen Geschlechtes. Ein ganzes Leben voll Gerechtigkeit, Einfachheit, Bezwingung seiner selbst, Verstandesm\u00e4\u00dfigkeit, Wirksamkeit in seinem Kreis, Bewunderung des Sch\u00f6nen, verbunden mit einem heiteren gelassenen Sterben, halte ich f\u00fcr gro\u00df: m\u00e4chtige Bewegungen des Gem\u00fctes, furchtbar einherrollenden Zorn, die Begier nach Rache, den entz\u00fcndeten Geist, der nach T\u00e4tigkeit strebt, umrei\u00dft, \u00e4ndert, zerst\u00f6rt und in der Erregung oft das eigene Leben hinwirft, halte ich nicht f\u00fcr gr\u00f6\u00dfer, sondern f\u00fcr kleiner, da diese Dinge so gut nur Hervorbringungen einzelner und einseitiger Kr\u00e4fte sind, wie St\u00fcrme, feuerspeiende Berge, Erdbeben. Wir wollen das sanfte Gesetz zu erblicken suchen, wodurch das menschliche Geschlecht geleitet wird. Es gibt Kr\u00e4fte, die nach dem Bestehen des Einzelnen zielen. Sie nehmen alles und verwenden es, was zum Bestehen und zum Entwickeln desselben notwendig ist. Sie sichern den Bestand des Einen und dadurch den aller. Wenn aber jemand jedes Ding unbedingt an sich rei\u00dft, was sein Wesen braucht, wenn er die Bedingungen des Daseins eines anderen zerst\u00f6rt, so ergrimmt etwas H\u00f6heres in uns, wir helfen dem Schwachen und Unterdr\u00fcckten, wir stellen den Stand wieder her, da\u00df er ein Mensch neben dem andern bestehe und seine menschliche Bahn gehen k\u00f6nne, und wenn wir das getan haben, so f\u00fchlen wir uns befriedigt, wir f\u00fchlen uns noch viel h\u00f6her und inniger, als wir uns als Einzelne f\u00fchlen, wir f\u00fchlen uns als ganze Menschheit. Es gibt daher Kr\u00e4fte, die nach dem Bestehen der gesamten Menschheit hinwirken, die durch die Einzelkr\u00e4fte nicht beschr\u00e4nkt werden d\u00fcrfen, ja im Gegenteile beschr\u00e4nkend auf sie selber einwirken. Es ist das Gesetz dieser Kr\u00e4fte, das Gesetz der Gerechtigkeit, das Gesetz der Sitte, das Gesetz, das will, da\u00df jeder geachtet, geehrt, ungef\u00e4hrdet neben dem anderen bestehe, da\u00df er seine h\u00f6here menschliche Laufbahn gehen k\u00f6nne, sich Liebe und Bewunderung seiner Mitmenschen erwerbe, da\u00df er als Kleinod geh\u00fctet werde, wie jeder Mensch ein Kleinod f\u00fcr alle andern Menschen ist. Dieses Gesetz liegt \u00fcberall, wo Menschen neben Menschen wohnen, und es zeigt sich, wenn Menschen gegen Menschen wirken. Es liegt in der Liebe der Ehegatten zu einander, in der Liebe der Eltern zu den Kindern, der Kinder zu den Eltern, in der Liebe der Geschwister, der Freunde zueinander, in der s\u00fc\u00dfen Neigung beider Geschlechter, in der Arbeitsamkeit, wodurch wir erhalten werden, in der T\u00e4tigkeit, wodurch man f\u00fcr seinen Kreis, f\u00fcr die Ferne, f\u00fcr die Menschheit wirkt, und endlich in der Ordnung und Gestalt, womit ganze Gesellschaften und Staaten ihr Dasein umgeben und zum Abschlusse bringen. Darum haben alte und neue Dichter vielfach diese Gegenst\u00e4nde ben\u00fctzt, um ihre Dichtungen dem Mitgef\u00fchle naher und ferner Geschlechter anheim zu geben. Darum sieht der Menschenforscher, wohin er seinen Fu\u00df setzt, \u00fcberall nur dieses Gesetz allein, weil es das einzige Allgemeine, das einzige Erhaltende und nie Endende ist. Er sieht es eben so gut in der niedersten H\u00fctte wie in dem h\u00f6chsten Palaste, er sieht es in der Hingabe eines armen Weibes und in der ruhigen Todesverachtung des Helden f\u00fcr das Vaterland und die Menschheit. Es hat Bewegungen in dem menschlichen Geschlechte gegeben, wodurch den Gem\u00fctern eine Richtung nach einem Ziele hin eingepr\u00e4gt worden ist, wodurch ganze Zeitr\u00e4ume auf die Dauer eine andere Gestalt gewonnen haben. Wenn in diesen Bewegungen das Gesetz der Gerechtigkeit und Sitte erkennbar ist, wenn sie von demselben eingeleitet und fortgef\u00fchrt worden sind, so f\u00fchlen wir uns in der ganzen Menschheit erhoben, wir f\u00fchlen uns menschlich verallgemeinert, wir empfinden das Erhabene, wie es sich \u00fcberall in die Seelen senkt, wo durch unme\u00dfbar gro\u00dfe Kr\u00e4fte in der Zeit oder im Raume auf ein gestaltvolles vernunftgem\u00e4\u00dfes Ganzes zusammen gewirkt wird. Wenn aber in diesen Bewegungen das Gesetz des Rechtes und der Sitte nicht ersichtlich ist, wenn sie nach einseitigen und selbsts\u00fcchtigen Zwecken ringen, dann wendet sich der Menschenforscher, wie gewaltig und furchtbar sie auch sein m\u00f6gen, mit Ekel von ihnen ab und betrachtet sie als ein Kleines, als ein des Menschen Unw\u00fcrdiges. So gro\u00df ist die Gestalt dieses Rechts- und Sittengesetzes, da\u00df es \u00fcberall, wo es immer bek\u00e4mpft worden ist, doch endlich allezeit siegreich und herrlich aus dem Kampfe hervorgegangen ist. Ja wenn sogar der einzelne oder ganze Geschlechter f\u00fcr Recht und Sitte untergegangen sind, so f\u00fchlen wir sie nicht als besiegt, wir f\u00fchlen sie als triumphierend, in unser Mitleid mischt sich ein Jauchzen und Entz\u00fccken, weil das Ganze h\u00f6her steht als der Teil, weil das Gute gr\u00f6\u00dfer ist als der Tod, wir sagen da, wir empfinden das Tragische und werden mit Schauern in den reineren \u00c4ther des Sittengesetzes emporgehoben. Wenn wir die Menschheit in der Geschichte wie einen ruhigen Silberstrom einem gro\u00dfen ewigen Ziele entgegen gehen sehen, so empfinden wir das Erhabene, das vorzugsweise Epische. Aber wie gewaltig und in gro\u00dfen Z\u00fcgen auch das Tragische und Epische wirken, wie ausgezeichnete Hebel sie auch in der Kunst sind, so sind es haupts\u00e4chlich doch immer die gew\u00f6hnlichen, allt\u00e4glichen, in Unzahl wiederkehrenden Handlungen der Menschen, in denen dieses Gesetz am sichersten als Schwerpunkt liegt, weil diese Handlungen die dauernden, die gr\u00fcndenden sind, gleichsam die Millionen Wurzelfasern des Baumes des Lebens. So wie in der Natur die allgemeinen Gesetze still und unaufh\u00f6rlich wirken, und das Auff\u00e4llige nur eine einzelne \u00c4u\u00dferung dieser Gesetze ist, so wirkt das Sittengesetz still und seelenbelebend durch den unendlichen Verkehr der Menschen, und die Wunder des Augenblickes bei vorgefallenen Taten sind nur kleine Merkmale dieser allgemeinen Kraft. So ist dieses Gesetz, so wie das der Natur das welterhaltende ist, das menschenerhaltende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie in der Geschichte der Natur die Ansichten \u00fcber das Gro\u00dfe sich stets ge\u00e4ndert haben, so ist es auch in der sittlichen Geschichte der Menschen gewesen. Anfangs wurden sie von dem N\u00e4chstliegenden ber\u00fchrt, k\u00f6rperliche St\u00e4rke und ihre Siege im Ringkampfe wurden gepriesen, dann kamen Tapferkeit und Kriegesmut, dahin zielend, heftige Empfindungen und Leidenschaften gegen feindselige Haufen und Verbindungen auszudr\u00fccken und auszuf\u00fchren, dann wurde Stammeshoheit und Familienherrschaft besungen, inzwischen auch Sch\u00f6nheit und Liebe so wie Freundschaft und Aufopferung gefeiert, dann aber erschien ein \u00dcberblick \u00fcber ein Gr\u00f6\u00dferes: ganze menschliche Abteilungen und Verh\u00e4ltnisse wurden geordnet, das Recht des Ganzen vereint mit dem des Teiles, und Gro\u00dfmut gegen den Feind und Unterdr\u00fcckung seiner Empfindungen und Leidenschaften zum Besten der Gerechtigkeit hoch und herrlich gehalten, wie ja M\u00e4\u00dfigung schon den Alten als die erste m\u00e4nnliche Tugend galt, und endlich wurde ein v\u00f6lkerumschlingendes Band als ein W\u00fcnschenswertes gedacht, ein Band, das alle Gaben des einen Volkes mit denen des andern vertauscht, die Wissenschaft f\u00f6rdert, ihre Sch\u00e4tze f\u00fcr alle Menschen darlegt und in der Kunst und Religion zu dem einfach Hohen und Himmlischen leitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie es mit dem Aufw\u00e4rtssteigen des menschlichen Geschlechtes ist, so ist es auch mit seinem Abw\u00e4rtssteigen. Untergehenden V\u00f6lkern verschwindet zuerst das Ma\u00df. Sie gehen nach Einzelnem aus, sie werfen sich mit kurzem Blick auf das Beschr\u00e4nkte und Unbedeutende, sie setzen das Bedingte \u00fcber das Allgemeine; dann suchen sie den Genu\u00df und das Sinnliche, sie suchen Befriedigung ihres Hasses und Neides gegen den Nachbar, in ihrer Kunst wird das Einseitige geschildert, das nur von einem Standpunkte G\u00fcltige, dann das Zerfahrene, Umstimmende, Abenteuerliche, endlich das Sinnenreizende, und zuletzt die Unsitte und das Laster, in der Religion sinkt das Innere zur blo\u00dfen Gestalt oder zur \u00fcppigen Schw\u00e4rmerei herab, der Unterschied zwischen Gut und B\u00f6se verliert sich, der einzelne verachtet das Ganze und geht seiner Lust und seinem Verderben nach, und so wird das Volk eine Beute seiner inneren Zerwirrung oder die eines \u00e4u\u00dferen, wilderen, aber kr\u00e4ftigeren Feindes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ich in dieser Vorrede in meinen Ansichten \u00fcber Gro\u00dfes und Kleines so weit gegangen bin, so sei es mir auch erlaubt zu sagen, da\u00df ich in der Geschichte des menschlichen Geschlechtes manche Erfahrungen zu sammeln bem\u00fcht gewesen bin, und da\u00df ich einzelnes aus diesen Erfahrungen zu dichtenden Versuchen zusammengestellt habe; aber meine eben entwickelten Ansichten und die Erlebnisse der letztvergangenen Jahre lehrten mich, meiner Kraft zu mi\u00dftrauen, daher jene Versuche liegen bleiben m\u00f6gen, bis sie besser ausgearbeitet oder als unerheblich vernichtet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diejenigen aber, die mir durch diese keineswegs f\u00fcr junge Zuh\u00f6rer passende Vorrede gefolgt sind, m\u00f6gen es auch nicht verschm\u00e4hen, die Hervorbringungen bescheidenerer Kr\u00e4fte zu genie\u00dfen, und mit mir zu den harmlosen folgenden Dingen \u00fcbergehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_13316\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-Adalbert_Stifter_Stahlstich1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13316\" class=\"size-full wp-image-13316\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-Adalbert_Stifter_Stahlstich1.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"330\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-Adalbert_Stifter_Stahlstich1.jpg 220w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-Adalbert_Stifter_Stahlstich1-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13316\" class=\"wp-caption-text\">Adalbert Stifter, Stahlstich von Karl Mahlknecht. Gemalt von Daffinger.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-size: 11.0pt; font-family: 'Verdana',sans-serif; color: black;\">Weiterf\u00fchrend <\/span><\/strong><strong><span style=\"font-size: 11.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif; color: black;\">\u2192<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 2022 widmet sich KUNO der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19652\">Kunstform<\/a>\u00a0Novelle. Diese Gattung lebt von der Schilderung der Realit\u00e4t im Bruchst\u00fcck. Dieser Ausschnitt verzichtet bewu\u00dft auf die Breite des Epischen, es gen\u00fcgten dem Novellisten ein Modell, eine Miniatur oder eine Vignette. Wir gehen davon aus, da\u00df es sich bei dieser literarischen Kunstform um eine k\u00fcrzere Erz\u00e4hlung in Prosaform handelt, sie hat eine mittlere L\u00e4nge, was sich darin zeigt, da\u00df sie in einem Zug zu lesen sei. Und schon kommen wir ins Schwimmen. Als Gattung l\u00e4\u00dft sie sich nur schwer definieren und oft nur ex negativo von anderen Textsorten abgrenzen. KUNO postuliert, da\u00df viele dieser Nebenarbeiten bedeutende Hauptwerke der deutschsprachigen Literatur sind, wir belegen diese mit dem R\u00fcckgriff auf die Klassiker dieses Genres und stellen in diesem Jahr alte und neue Texte vor um die Entwicklung der Gattung aufzuhellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil es unerme\u00dflich viele Steine gibt, so kann ich gar nicht voraus sagen, wie gro\u00df diese Sammlung werden wird. Es ist einmal gegen mich bemerkt worden, da\u00df ich nur das Kleine bilde, und da\u00df meine Menschen stets gew\u00f6hnliche Menschen seien.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/01\/28\/bunte-steine\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":77,"featured_media":98195,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1088],"class_list":["post-13163","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-adalbert-stifter"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13163","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/77"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13163"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13163\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98197,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13163\/revisions\/98197"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98195"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}